Produktdetails
  • Verlag: Pendo
  • ISBN-13: 9783858425775
  • ISBN-10: 385842577X
  • Artikelnr.: 22347840
Rezensionen
Besprechung von 23.03.2004
Der amerikanische Patient
Diagnosen und Therapievorschläge für die Außenpolitik der Regierung Bush

Kristina Borjesson (Herausgeber): Zensor USA. Wie die amerikanische Presse zum Schweigen gebracht wird. Aus dem Amerikanischen von Helmut Dierlamm. Pendo Verlag, Zürich 2004. 432 Seiten, 24,90 [Euro].

David Corn: Die Lügen des George W. Bush. Über Dichtung und Wahrheit in der amerikanischen Politik. Aus dem Amerikanischen von Gertrud Bauer und Martin Bauer. Wilhelm Heyne Verlag, München 2004. 375 Seiten, 20,- [Euro].

Eric Frey: Schwarzbuch USA. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2004. 496 Seiten, 24,90 [Euro].

Clyde Prestowitz: Schurkenstaat. Wohin steuert Amerika? Aus dem Amerikanischen von Stephanie Dreikauß. Artemis & Winkler im Patmos Verlag, Düsseldorf/Zürich 2004. 363 Seiten, 24,90 [Euro].

George Soros: Die Vorherrschaft der USA - eine Seifenblase. Aus dem Amerikanischen von Hans Freundl und Norbert Juraschitz. Karl Blessing Verlag, München 2004. 221 Seiten, 20,- [Euro].

Die Aufgaben des politischen Publizisten, der sich mit den Übeln dieser Welt beschäftigt, werden bisweilen in Analogie zu denjenigen des Mediziners definiert: Diagnose, Therapie, Prognose. Gewiß, Analogien können präzise politikwissenschaftliche Begriffe und eigenständige Theorien nicht ersetzen, aber vielleicht einem größeren Publikum das Verstehen erleichtern. Wenn man die medizinische Analogie wegen ihres Bezugs zur vertrauten Alltagswelt aufgreift, so kann man konstatieren, daß die hier vorgestellten Bücher das genannte Aufgabenspektrum breit abdecken - allerdings mit sehr unterschiedlicher Kompetenz und Überzeugungskraft.

Eine diagnostische Übereinstimmung gibt es nur in einem Punkt: Die Regierung Bush junior nahm die Terroranschläge des 11. September 2001 "zum Anlaß für die bisher radikalste Umgestaltung der amerikanischen Gesellschaft, der Außenpolitik und der Demokratie" , so Eric Frey. Bush "nutzte" diese Anschläge, "um für die USA das Recht auf präventive Militärschläge zu beanspruchen"; er "mißbrauchte" sie, um eine Politik durchzusetzen, die ohne dieses einschneidende Ereignis von der amerikanischen Öffentlichkeit nicht toleriert worden wäre, so George Soros. Die Ideen einer unumschränkten Vorherrschaft Washingtons seien bereits vorher von neokonservativen Politikern und Wissenschaftlern, die dann in der Regierung Bush Schlüsselstellungen einnahmen, formuliert worden - nämlich in der Grundsatzerklärung des "Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert" im Jahr 1997, die in Soros' Buch in vollem Wortlaut abgedruckt ist. Diese These von der genutzten Gelegenheit ist inzwischen Allgemeingut, zumal Bush selbst in seiner nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten vom September 2002 von der "time of opportunity" gesprochen hat.

Jenseits dieses Konsenses wird die vergleichende Lektüre erst interessant; zugleich weckt sie freilich auch ein Unbehagen, das - von Ausnahmen abgesehen - aus der Einseitigkeit und Zuspitzung der Argumentation resultiert. Manche Analysen gleichen einem Laborbericht, in dem nur die negativen Werte aufgelistet sind. Das Krankheitsbild ist erschreckend: Schurkenstaat und Zensor, paranoide Nation und Parasit der Weltwirtschaft, ein Land kurz vor dem Zusammenbruch, "kurz vor dem Platzen" der Seifenblase der Suprematie. Das Unbehagen über die Häufung des Negativen ist am größten bei dem "Schwarzbuch USA". Der österreichische Journalist Frey hat in diesem Buch, dessen Titel ungute, fatale Assoziationen hervorruft, "alle Sünden und Verbrechen amerikanischer Politik" behandelt. Das Sündenregister beginnt mit den "Jugendsünden", von der Vernichtung der Indianer bis zum Abwurf der Atombombe am Endes des Zweiten Weltkrieges - als die Vereinigten Staaten ja eigentlich schon recht erwachsen waren! Es findet seine Fortsetzung in den "Sünden des Kalten Krieges" - mit den Interventionen in Iran, in Mittel- und Südamerika und in Vietnam - und endet mit den heutigen Sünden "gegen die eigene Bevölkerung" (einschließlich der "neuen Hexenjagd" gegen die Raucher) und "gegen den Rest der Welt" (gipfelnd im Krieg gegen den Irak). Die Politik unter Bush erscheint als letztes Stadium in einer sündhaften Traditionslinie oder - genauer gesagt - als das vorletzte Stadium. Die Zukunft wird noch schrecklicher sein - wenn der Sünder nicht umkehren sollte. Das amerikanische Sündenregister sei im Vergleich mit dem anderer Staaten "besonders schmerzvoll, gerade weil die USA ein so wunderbares Land sein könnten".

Daß der gegenwärtige Präsident der Hauptsünder ist, versteht sich. Er ist, wie der amerikanische Journalist David Corn nachweisen will, ein notorischer Lügner. Das harte Urteil sei gerechtfertigt, weil man für den Bewohner des Weißen Hauses "einen strengeren Maßstab" anlegen müsse als den üblichen. Es reiche nicht, daß ein Präsident glaube, er spräche die Wahrheit; er sollte wissen, daß es so ist. Kapitel für Kapitel werden Bushs Beteuerungen seiner Wahrheitsliebe, die jeweils einleitend zitiert werden, widerlegt. Daß Bush "mit all dem durchgekommen" ist, liege nicht nur, aber doch in großem Maße an der Medienwelt.

Dieser Komplex von Selbstzensur großer Medienkonzerne oder gar direkten Eingriffen ist Gegenstand des Sammelbandes "Zensor USA", in dem dreizehn zum Teil preisgekrönte Vertreter des investigativen Journalismus über ihre Erfahrungen beim Aufdecken skandalöser politischer Vorgänge berichten, beispielsweise über das Massaker von No Gun Ri im Korea-Krieg und über den Absturz von TWA 800 vor der amerikanischen Krise am 17. Juli 1996. Der Verlag zitiert die Einschätzung von "Publishers Weekly": "Wenn die Öffentlichkeit dieses Buch liest, wird sie entsetzt sein." Eher wird sie über die Titelwahl des Verlages verwundert sein; im Titel der amerikanischen Originalausgabe kommt "Zensor" oder Zensur nicht vor. Gewiß, die Essays zeigen Vertuschungsversuche mannigfacher Art, Behinderung der Recherchen, Desinformation und in einigen Fällen Beeinträchtigungen der journalistischen Karriere. Aber die Recherchen konnten durchgeführt und deren Ergebnisse veröffentlicht werden, manchmal in alternativen Medien. Was die direkte staatliche Zensur anbelangt, war sie bei den "eingebetteten Journalisten" während des Irak-Kriegs offenkundig. Aber ging sie über die legitime Wahrung des militärischen Sicherheitsinteresses hinaus? Wiederholt wird in dem Essayband eine einzige kurze Äußerung des amerikanischen Präsidentensprechers zitiert: "You better watch what you say." Es ist nicht nachvollziehbar, daß dies - wie es im Vorwort von Jean Ziegler heißt - "hoch offizielle brutale Drohungen" gewesen seien. Entgegen der Behauptung des Untertitels dieses Buches wird die amerikanische Presse, wie der Essayband selbst belegt, nicht "zum Schweigen gebracht". Und Karrierebeeinträchtigung bedeutet nicht Ende der Berufsausübung. Die Herausgeberin des Essaybandes produziert und moderiert heute die Nachrichtensendung "Expert Witness Radio Show" für einen unabhängigen Radiosender in New York. Wo bleibt der "Zensor"?

"Schurkenstaat", der Titel des Buches von Clyde Prestowitz, legt die Vermutung nahe, daß es nach Machart und Argumentation einem ähnlichen Muster folgt wie die bisher besprochenen Bücher. Das ist jedoch glücklicherweise nicht der Fall. Der weltläufige amerikanische Journalist hatte Zugang zu hochrangigen ausländischen Persönlichkeiten und hat seine Interviews sorgfältig ausgewertet. Er erklärt die Wahl des provozierenden Buchtitels aus seiner ihn beunruhigenden Beobachtung, daß eine wachsende Zahl von Menschen im Ausland, auch langjährige Freunde Amerikas, die Amerikaner und ihre politischen Führer vielleicht nicht mit Saddam oder "anderen Bestien" gleichsetze, aber doch sicherlich als "nicht mehr . . . dazugehörig, weder kontrollierbar noch verantwortungsbewußt, und unberechenbar" empfinde - wie die Definition von "rogue", also "schurkisch", in Webster's Wörterbuch lautet. Prestowitz möchte den "verwirrten und verletzten Amerikanern" erklären, warum die Welt sich scheinbar gegen sie stellt, und den Menschen außerhalb Amerikas zeigen, inwieweit sie dessen gute Absichten häufig mißverstehen. Ein gelungener Versuch! Besonders hervorzuheben ist das ausgezeichnete Unterkapitel über die Nahost-Problematik, in dem die israelische und die amerikanische Sicht mit derjenigen der Palästinenser kontrastiert werden, so daß sich der Leser von wichtigen Vorgängen - wie zum Beispiel den Camp-David-Verhandlungen - selbst ein Bild machen kann. Eine ähnlich ausgewogene Darstellung gibt es in der deutschen Publizistik bisher nicht. Auch die europäische und asiatische Kritik an der derzeitigen hegemonial-imperialen Politik wird verständlich gemacht - vor dem Hintergrund der zentralen These, der kritisierte amerikanische Exzeptionalismus beinhalte nicht, daß Amerika als Imperium gedacht war und handeln sollte. Prestowitz wirbt dafür, daß die Amerikaner zu einem echten Konservatismus und zur ursprünglichen Idee der "Stadt auf einem Hügel", die als Vorbild leuchtet, zurückkehren.

Mit dieser Bemerkung ist - nach der Diagnose - die Therapie angesprochen. Auch hier gibt es in einem Punkt einen Konsens zwischen den fünf Autoren: Bush muß abgewählt werden. Soros bekennt sogar, daß er es zu seinem "vordringlichen Ziel" gemacht habe, die amerikanische Öffentlichkeit davon zu überzeugen. Der Börsenmakler und Wissenschaftsmäzen argumentiert als studierter Volkswirt mit dem ökonomischen Modell des sogenannten Boom-Bust-Zyklus. Er sieht eine gewisse Parallele zwischen dem amerikanischen Hegemoniestreben und dem Muster von "Boom" (Entstehung einer Spekulationsblase) und "Bust" (Zusammenbruch), das sich an den Aktienmärkten beobachten lasse. Die bevorstehenden Wahlen böten eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Seifenblase von der amerikanischen Vorherrschaft platzen zu lassen und dann eine neue Vision von der Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt zu verwirklichen, eine "kooperativere und konstruktivere Politik" zu verfolgen. Die anderen Autoren hoffen ebenfalls - wenngleich ohne theoretische Untermauerung - auf die Einsicht der Bürger und auf die Selbstheilungskräfte der amerikanischen Gesellschaft und Politik. Clyde Prestowitz fordert eindrucksvoll dazu auf, den Leitgedanken des amerikanischen Exzeptionalismus zu überdenken.

Umkehr und Rückkehr, neue Sichtweisen und neues Denken, konstruktive Visionen: Es sind allemal "subjektive" und meist appellative Faktoren, die die therapeutischen Vorschläge der hier besprochenen Bücher charakterisieren. Ausgeblendet bleiben die strukturellen "objektiven" Faktoren, die auf der internationalen Systemebene wirksam werden (können): Gegenmachtbildung, Balance, und zwar möglichst kooperativ, sowie Mitführung auf der Basis regionaler Eigenständigkeit. Darin könnte man gewissermaßen die realpolitischen "Selbstheilungskräfte" des internationalen Systems sehen. Vielleicht müssen, vielleicht werden beide Faktorenbündel künftig zusammentreffen. Auf jeden Fall sind die Vereinigten Staaten nicht so "krank" und steht ihre Politik nicht so kurz vorm Scheitern, wie manche Autoren behaupten. Und schon gar nicht ist Amerika ein unheilbarer Patient, wenngleich die politische Medizin bitter sein und nur längerfristig wirken mag.

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Besprechung von 13.04.2004
Ohrenbetäubendes Schweigen
Amerikanische Journalisten wehren sich gegen die Zensur, die in ihrem Land nicht nur durch falsch verstandenen Patriotismus befördert wird
KRISTINA BORJESSON (Hrsg.): Zensor USA. Wie die amerikanische Presse zum Schweigen gebracht wird. Pendo Verlag, Zürich 2004. 432 Seiten, 24,90 Euro.
Man stelle sich vor: Ein bekannter Fernsehreporter, nennen wir ihn Heiner Meyer, angestellt bei einem großen deutschen Fernsehsender in der Nachrichtenredaktion, stößt bei seinen Recherchen zur Bundestagswahl auf eine merkwürdige Geschichte. Er findet heraus, dass der Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes seine Innenbehörde vor der Wahl angewiesen hat, einige Zehntausend Menschen aus dem Wahlregister zu streichen, da sie kriminell seien – ein klarer Verstoß gegen das Wahlgesetz. Reporter Meyer ist elektrisiert und informiert seinen Vorgesetzten. Der will den Beitrag so schnell wie möglich senden. Doch wenige Tage vor der Ausstrahlung kommt die rote Karte: Stopp, heißt es aus der Chefetage, man habe einen Gegencheck gemacht und im Pressebüro des besagten Ministerpräsidenten angerufen. Dort habe man klargestellt, das Ganze sei nicht wahr. Also könne an der Story nichts dran sein.
Stimmt nicht? Das war’s.
Eine Lachnummer? Leider nicht, denn fast genau so hat sich diese Geschichte nach der Schilderung des amerikanischen Journalisten Greg Palast zugetragen. Allerdings nicht in Deutschland, sondern im sonnigen Florida des Jahres 2000. Damals hatte George Bush gerade die Wahl gewonnen, unter anderem auch dank der Stimmen aus Florida, dem Bundesstaat, dem damals wie heute Bruder Jeb Bush als Gouverneur vorsteht. Tatsächlich hatte die Produzentin von Greg Palasts Sender CBS seinen Beitrag gestoppt: „Sorry, sagte sie, aber die Geschichte habe sich als haltlos erwiesen. Wie, glauben Sie, hat das milliardenschwere CBS-Fernsehen dies herausgefunden? Nun, sie haben in Jeb Bushs Büro angerufen. Ach so. Das war’s.”
Am Ende publiziert Greg Palast seine Geschichte in England, im Guardian, denn keine US-Zeitung, kein US-Sender will sich dafür interessieren. Im Anschluss daran bekommt der Journalist, wie er schreibt, rund zweitausend „Sei-gesegnet-Großbritannien-weil-du-uns-die-Wahrheit-ü ;ber-unsere-Wahlen-offenbart-hast-E-Mails” von Internetsurfern aus den USA. Zu Recht fragt er sich, was da eigentlich geschehen sei: „Wie brachten es 100 000 mit der Berichterstattung über die Wahl betraute amerikanische Journalisten fertig, der Story über den Stimmenklau nicht auf die Spur zu kommen und darüber nicht (vorzugsweise vor den Wahlen) zu berichten?” Für Greg Palast ist klar: „Die unmittelbare Ursache der komatösen Berichterstattung über die Wahlen und andere Ereignisse ist das, was lächerlicherweise als die amerikanische journalistische Kultur beschrieben wird. Wenn die Rupert Murdochs der Welt die Schafhirten der neuen Weltordnung sind, dann verdanken sie ihren Erfolg dem Umstand, dass sie sich eine Herde gefügiger Schafe herangezüchtet haben: lethargische Redakteure und Reporter, die zufrieden sind mit Presseerklärungen und vorgefertigten Geschichten.”
Insgesamt 13 Journalisten schreiben in dem Buch von Kristina Borjesson über ihre Erfahrungen mit der amerikanischen Presse. Sie alle sind erfahrene Rechercheure, haben bei großen Sendern und Zeitungen gearbeitet, viele von ihnen sind dekoriert mit Preisen. Im Buch schreiben sie über „das große Spiel um Öl” und den O.-J.-Simpson-Prozess, berichten von einem Massaker amerikanischer Soldaten im Korea-Krieg oder von der Zensur in der Buchverlagsbranche. Und da sie alle eben keine „gefügigen Schafe” sind, mussten sie sich eines Tages entscheiden: Karriere oder Wahrheit!
Das ist zum Beispiel Jane Akre. Sie wurde von ihrem Sender WTVT Tampa in Florida gefeuert, als sie sich den Vorgaben ihrer Chefin nicht beugen wollte, ihre Vorwürfe gegen den Chemie-Konzern Monsanto in einer geplanten Dokumentation über einen Hormonskandal zu entschärfen. Kurz bevor Akre ihren Bericht zur Abnahme in der Chefredaktion vorgelegt hatte, war ihr Sender an Fox verkauft worden und Fox wiederum gehört dem Murdoch-Imperium. Hier jedoch fürchtete man den Verlust von Werbeeinnahmen, sollte Monsanto zur Vergeltung seine Werbespots zurückziehen. Gegen ihre Kündigung klagte Jane Akre und gewann. Doch den amerikanischen Medien war dies keine Meldung wert, es herrschte, so schreibt sie, ein „ohrenbetäubendes Schweigen”. Allerdings: Für ihren Kampf gegen den Fernsehmulti Fox erhielten Akre und ihr Team zwei Journalistenpreise, immerhin etwas.
Akre schreibt: „Heute arbeiten zahlreiche Journalisten in Arbeitsverhältnissen, in denen sie unter dem Druck stehen, guten Journalismus hintenanzustellen und stattdessen den Interessen eines Unternehmen zu dienen, das hauptsächlich Gewinnspannen zum Ziel hat.”
Das Buch von Kristina Borjesson erschien in den USA 2002, in Frankreich im letzten Jahr, jetzt erst in Deutschland. Einige Wochen stand es in der Amazon-Bestenliste ganz oben, doch ein richtig großer Bestseller, wie man es nach der oft kaum fassbaren Lektüre eigentlich erwarten würde, ist es nicht geworden. Auch auf Deutsch erscheint es in keinem der großen Verlage, sondern bei Pendo – einer Eichborn-Tochter und bekannt für politisch brisante Bücher. Warum das so ist? Die Lektüre gibt dazu Denkanstöße!
DOROTHEA HEINTZE
Schöne, aber geschönte Stories: Amerikanische Leser bekommen nicht immer alles zu lesen, was die Zeitung weiß.
Foto: AP
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Unangebracht ist schon der Titel, "Zensor USA. Wie die amerikanische Presse zum Schweigen gebracht wird", findet Rezensent Werner Link, der sich mit einer ganzen Reihe von Büchern befasst, die die USA auf der Anklagebank sehen und für die Regierung Bush nicht viel Sympathie übrig haben. Generell kann er sich mit der Einseitigkeit und Zuspitzung der Argumentation gegen die USA, die die meisten dieser Bücher an den Tag legen nicht anfreunden. Auch im vorliegenden Fall erscheint Link einiges übertrieben: Gewiss, die Essays des von Kristina Borjesson herausgegebenen Bandes zeigten Vertuschungsversuche mannigfacher Art, Behinderung der Recherchen, Desinformation und in einigen Fällen Beeinträchtigungen der journalistischen Karriere. "Aber", beharrt Link, "die Recherchen konnten durchgeführt und deren Ergebnisse veröffentlicht werden, manchmal in alternativen Medien." Das im Band mehrfach zitierte Diktum des amerikanischen Präsidentensprechers, "You better watch what you say", empfindet er auch nicht, wie Jean Ziegler, als "hoch offizielle brutale Drohungen". Der Essayband selbst ist für Link Beleg genug, dass die amerikanische Presse entgegen der Behauptung des Untertitels des Buches keineswegs "zum Schweigen gebracht" wird.

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