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Daß wir moralisch sein sollen, ist jedem von uns (hoffentlich) klar. Aber es dürfte manchem schwerfallen, eine klare Antwort auf die Frage zu geben, warum wir es sein sollen. Eine solche Antwort gibt dieses Buch.

Produktbeschreibung
Daß wir moralisch sein sollen, ist jedem von uns (hoffentlich) klar. Aber es dürfte manchem schwerfallen, eine klare Antwort auf die Frage zu geben, warum wir es sein sollen. Eine solche Antwort gibt dieses Buch.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Paperback Bd.1696
  • Verlag: Beck
  • 2., überarb. Aufl.
  • Seitenzahl: 295
  • Erscheinungstermin: 15. September 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 195mm x 123mm x 22mm
  • Gewicht: 300g
  • ISBN-13: 9783406670015
  • ISBN-10: 3406670016
  • Artikelnr.: 41421794
Autorenporträt
Kurt Bayertz, geboren 1948, lehrt als Professor für praktische Philosophie an der Universität Münster. Arbeitsschwerpunkte: Ethik, angewandte Ethik, Anthropologie und politische Philosophie.
Rezensionen
Besprechung von 22.12.2004
Vorehelicher Kinobesuch
Kurt Bayertz fragt, warum wir moralisch sein sollen
Über Moral gibt es so viel zu sagen, dass es für einen Autor immer schwierig ist, einen Anfang für die Erörterung der Frage zu finden, warum man eigentlich moralisch handeln soll. Man könnte zunächst der Behauptung entgegentreten, dass es einen Verfall der Sitten gibt. Das tun Philosophen seit mehr als 2500 Jahren, als im antiken Griechenland bereits der Sittenverfall beklagt wurde. Den Sittenverfall zu bestreiten, ist aussichtslos, weil man immer wieder Gegenbeispiele für unmoralisches Handeln finden kann.
Sollte man dann vielleicht mit dem überzeugten Amoralisten beginnen? „O nein, nicht schon wieder”, stöhnen die Studentinnen und Studenten philosophischer Seminare, denn nur dort - konstatiert Bayertz - gibt es ihn, den überzeugten Amoralisten, aber nicht in der Realität. Überdies findet ihn der Autor selbst langweilig. Und dennoch arbeitet Bayertz sich auf mehr als 250 Seiten an ihm ab. Ist das nicht widersprüchlich, gar dysfunktional? Wenn das in akademischer Manier geschehen würde, müsste man die Frage bejahen. Aber Bayertz stellt den hartgesottenen Amoralisten in die uns umgebende Realität; dort soll er sich beweisen.
Der Verfasser behandelt alltägliche moralische Konflikte und entfaltet wie ein professioneller Dramatiker seine Gedanken, und die Antwort auf die Titelfrage des Buches findet man erst am Ende. Man kann aber dort nicht einfach nachschlagen. Man muss sich schon auf den Argumentationsweg des Autors begeben. Und man tut das gern.
Spannend ist es, wenn Bayertz nach vielem Abwägen und Argumentieren zu einer Antwort kommt. Der Leser denkt: Angekommen. Doch mit guten Argumenten verwirft der Verfasser die Antwort wieder, entwickelt Gegenargumente und kommt zu neuen Antworten. Am Ende hat der Autor die Skeptiker überzeugt und nebenbei auch die widerlegt, die über den vermeintlichen Sittenverfall in unserer Gesellschaft lamentieren. Das kann Bayertz aber nur, weil er mit äußerster Sorgfalt differenziert.
Selbstverständlich gibt es unmoralisches Handeln, wir beobachten es täglich. Doch ist das ein Beweise für den allgemeinen Sittenverfall? Nein, denn: „Wären Menschen von Natur aus gut, wäre Moral überflüssig, wären sie von Natur aus schlecht, bliebe Moral wirkungslos.” Das steht erst auf Seite 212 des Buches. Bis dahin hat Bayertz dem Leser die moralphilosophische Differenzierung erläutert: Man muss eine moralische Regel zunächst kennen, sie sodann akzeptieren. Das aber reicht noch nicht, um moralisch zu handeln. Es muss das Motiv hinzutreten, auch tatsächlich moralisch handeln zu wollen.
Was könnten die Gründe für fehlende Motivation sein? Bayertz nennt: Gedankenlosigkeit, Unbeherrschtheit, Willensschwäche. Man könnte das weiterführen: Angst, Schadenfreude, Boshaftigkeit und vieles mehr. Ist das ein Beweis für den allgemeinen Sittenverfall? Nein, denn das sind menschliche Schwächen, die wir kennen, seit die Philosophen vor über 2500 Jahren begannen, über moralische Verfehlungen nachzudenken. Moralische Verfehlungen sind kein Beweis für einen allgemeinen Sittenverfall.
Aber was ist mit der Sexualmoral? Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde vorehelicher Geschlechtsverkehr geächtet. Das aber hatte religiöse Ursachen. Moralisch verwerflich wäre er nur, wenn man jemand anderem damit schaden würde. Das ist das Kennzeichen von Moral: Moralische Regeln schützen die Menschen, die vom Handeln anderer betroffen sind. Darum - so Bayertz - ist es kein Zeichen von Wertverlust, wenn man heute das Sexualverhalten als ähnlich neutral ansieht wie andere Formen des Freizeitverhaltens: „Ein vorehelicher Geschlechtsakt wird ebenso wenig als unmoralisch angesehen wie ein vorehelicher Kinobesuch.” Heute sind nicht der Glaube an Gott oder die Inhalte der Bibel die Basis der Moral, sondern vernünftige und für jeden einsehbare Argumente.
Kein Schachspiel
Moral kann kein Alleinbesitz von Gläubigen sein, sondern muss allumfassend sein. „Die Teilnahme an der Moral ist uns nicht in demselben Sinne freigestellt wie die Teilnahme am Schachspiel.” Nur durch das Einhalten von Regeln kann Sozialverhalten überhaupt funktionieren. Moral ist eine soziale Institution und in demselben Sinne real wie eine Ehe oder eine Währung. Das moralische Sollen liegt in den sozialen, den zwischenmenschlichen Beziehungen. „Die normativen Sachverhalte sind Teil der Welt da draußen, der Weltordnung.” Wir könnten uns eine Welt vorstellen, in der Blätter rot sind, nicht aber eine Welt, in der Mord und Folter moralisch gut wären. Insofern ist die Moral noch realer als naturwissenschaftliche Tatsachen.
Das Nichtbefolgen von moralischen Regeln ist mit Sanktionen bewehrt: Bei den Mitmenschen entsteht Ärger, Zorn und Empörung. Und manchmal trifft einen der Bannstrahl, und man wird aus der Gemeinschaft und aus der weiteren Kommunikation ausgeschlossen. Aber „aufgrund ihres informellen Charakters erweist sich die Moral unter modernen Bedingungen als ein in vielen Bereichen zu schwaches, zu unsicheres und auch zu unpräzises System der Verhaltensregulierung und Konfliktbewältigung. Zumindest die zentralen, lebenswichtigen Unterlassungsvorschriften (Verbot der Tötung, der Körperverletzung, des Diebstahls und des Betruges etc.) müssen daher durch die institutionellen Mechanismen des Strafrechts abgesichert werden.”
Ein Buch, das sich liest wie ein Krimi, das aber das Niveau gegenwärtiger philosophischer Moraldebatte nie unterschreitet. Ein erstaunliches Buch! Dem Autor ermangelt es überdies nicht an tiefgründigem Witz, der die Lektüre erfrischend macht.
DETLEF HORSTER
KURT BAYERTZ: Warum eigentlich moralisch sein? C.H. Beck Verlag, München 2004. 288 Seiten, 26,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ein Buch über Moral, das sich liest wie ein Krimi, behauptet Detlef Horster und preist Kurt Bayertz' Abhandlung über moralisches Handeln außerdem als niveauvolle Lektüre von tiefgründigem Witz. Die Antwort auf Bayertz' Frage "Warum eigentlich moralisch sein?" fände sich erst am Schluss, teilt Horster mit und warnt davor, einfach von hinten mit der Lektüre anzufangen. Der Autor entwickele Argumente, komme zu einer These und sei dann durchaus in der Lage, sie wieder zu verwerfen, verrät Horster, weshalb es sich eben nicht anböte, die Antwort einfach nachzuschlagen und Bayertz' Argumentationswege zu übergehen. Das Schöne an dem Buch sei, gesteht der Rezensent, dass es ganz praktische Fragen stelle. Klagen über den Sittenverfall interessierten den Autor nicht; wären die Menschen von Natur aus gut, bräuchte man keine Moral, wären sie von Natur aus schlecht, "bliebe Moral wirkungslos", zitiert er den Autor. Moral sei für Bayertz, fasst Horster dann doch für den interessierten Leser zusammen, eine soziale Institution und damit ebenso real "wie eine Ehe oder eine Währung".

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