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Ihr Gehirn ist nicht größer als eine Nuss, und dennoch sind ihre geistigen Fähigkeiten mit denen von Schimpansen oder Walen vergleichbar: Vogel gehören zu den klügsten Tieren auf diesem Planeten. Krähen zum Beispiel tricksen ihre Artgenossen bewusst aus, um sich den größten Futteranteil zu sichern. Und Kohlmeisen verstehen und lösen komplizierte Aufgaben schneller als Hund und Katze. Mit Respekt, Witz und Bewunderung berichtet der bekannte Verhaltensforscher von den geistigen Glanzleistungen, die man noch vor kurzem ins Reich der Fabel verwiesen hatte.…mehr

Produktbeschreibung
Ihr Gehirn ist nicht größer als eine Nuss, und dennoch sind ihre geistigen Fähigkeiten mit denen von Schimpansen oder Walen vergleichbar: Vogel gehören zu den klügsten Tieren auf diesem Planeten. Krähen zum Beispiel tricksen ihre Artgenossen bewusst aus, um sich den größten Futteranteil zu sichern. Und Kohlmeisen verstehen und lösen komplizierte Aufgaben schneller als Hund und Katze. Mit Respekt, Witz und Bewunderung berichtet der bekannte Verhaltensforscher von den geistigen Glanzleistungen, die man noch vor kurzem ins Reich der Fabel verwiesen hatte.
  • Produktdetails
  • Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 5. März 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 138mm
  • Gewicht: 485g
  • ISBN-13: 9783440130223
  • ISBN-10: 3440130223
  • Artikelnr.: 34507974
Autorenporträt
Verhaltensbiologe Dr. Immanuel Birmelin beschäftigt sich seit Jahren mit dem Verhalten von Tieren. Zusammen mit einem Wissenschaftsjournalisten drehte er Filme.
Rezensionen
"Wer Tieren, insbesondere den Vögeln, schon immer mehr geistige Leistungen zutraute als gemeinhin anerkannt, sollte sich dieses Lesevergnügen nicht entgehen lassen." -- Naturschutz in Hamburg, 2/2012

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Noch mehr Anekdoten, wie die über die parkscheinstehlende Krähe Konrad aus Freiburg, hätte sich Tilman Allert gewünscht. Ansonsten gefällt ihm das Buch des Tierfilmers Immanuel Birmelin als Versuch, die verblüffende Nähe der Vögel zur menschlichen Sozialität und Kommunikation zu illustrieren. Laut Allert entwirft der Autor dazu ein zwitscherndes Panorama, das ethologische Forschung à la Konrad Lorenz ebenso beinhaltet wie neue Studien und Geschichten von Vögeln und Menschen. Da geht es um Registratur und ums Nachahmen, die der Autor dem Rezensenten empirisch fundiert erörtert, und ohne dass er, wie Allert versichert, allzu sehr ins Schwärmen gerät über Nymphensittiche und Papageien, aber leider auch ohne dass der Autor im Zweifelsfall über die bloß hölzerne Wiedergabe wissenschaftlicher Befunde hinauskäme.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 26.11.2012
Wo gezwitschert wird, wird auch gelernt

Warum nur klaut der Rabe Konrad Parkzettel in Freiburg? Der Verhaltensbiologe Immanuel Birmelin versucht, dem Geheimnis der Vögel auf die Spur zu kommen.

Dass der Mensch des Vogels Nachbar ist, zeigt sich im Rufen. Das vertraute "Hallo", elementare Geste der Kommunikationseröffnung, intoniert die Kuckucksterz und erweist damit eine unbewusste Referenz vor der gefiederten Welt. Wer Raumdistanzen fliegend überwinden kann, wer in komplexen Architekturen Behausungen für den Nachwuchs baut und wer betörend schön singen kann, dem gebührt besonderer Gattungsrespekt. Zweifellos imponieren Vögel mit ihrer "conversation of gestures", die sie in die Nähe menschlicher Geselligkeit rückt.

Der Reiz der Vögel für den Zeitgenossen, der selbst im Gewusel der Großstadt voller Bewunderung den über ihm ziehenden Kranichen folgt und der sich mit Wehmut dem lautlosen Gleiten des Nils Holgersson entsinnt, liegt in der Plötzlichkeit ihres Auftretens. Vögel begegnen den Menschen in einem à propos. Das gilt für das Rütteln des Falken, für die stoische Reglosigkeit des Graureihers, den man einen Moment lang für eine Skulptur gehalten hat, das Huschen der Amsel, die einem wie eine zu schwer beladene Transall aus dem Gebüsch vor die Füße schwebt, das gilt für die Risikofreude, in der sich die Rabenkrähe in den Straßenkehr begibt und in Ruhe aufräumt. Und es gilt sogar für die unbeholfene Elster, Schreckgespenst aller Kleinvögel und erklärter Feind der Gartenfreunde, die um den Erhalt der multikulturellen Vielfalt um Hausrotschwanz, Blaumeise und Stieglitz fürchten.

Überraschende Präsenz, Bewegungsartistik und Koloraturfähigkeit verschaffen den Vögeln das unbestrittene Privileg, bei aller Unterschiedlichkeit zu Gattungsvergleichen herangezogen zu werden, Qualifikationen, die überdies seit jeher mythen- und geschichtenträchtig sind. In der verwissenschaftlichten Welt ist es üblich geworden, auch den Tieren Klugheit zu attestieren. Gemeint ist dabei nichts mehr als die Anpassungsfähigkeit, zu der die Begabung zählt, die genetischen Dispositionen über ausführliche Trainings zu perfektionieren. Genau hierin liegt die Zielsetzung des Büchleins von Immanuel Birmelin, einem film- und fernsehbekannten Autor, der all denen, die Vögeln - schon wegen der Größe des Hirns - keine besondere Intelligenz zuschreiben, von den "erstaunlichen Fähigkeiten der Vögel" erzählt. Eine Einladung, sich in die Welt der Ethologie zu begeben, in der es auch heute noch nicht nur Labore, sondern Wohnzimmer und frei fliegende Kumpanen gibt.

Das Buch führt tatsächlich ein Panaroma von überraschenden Aktivitäten vor, Ergebnisse aus der ethologischen Forschung in der Tradition von Otto Köhler über Konrad Lorenz bis hin zu neueren Studien, ergänzt um Geschichten vom Zusammenleben mit Tieren, die mit ansteckendem Enthusiasmus erzählt werden. Papageienvögel, Krähen und Dohlen führen das Ranking der Klügsten an. Bewundernswert der Nymphensittich namens "Budy", der mehr als dreißig Jahre in der Familie Birmelin gelebt hat, dabei einer ganzen Reihe von Lebensabschnittsweibchen gegenüber partnerspezifische und insofern affektiv dosierte Zuneigungen entwickelte, und der sich im hohen Alter bei schon eingeschränkter Flugfähigkeit den Weg zum umkämpften Futterplatz von einer Liebsten freikrächzen ließ.

Den für das Verständnis der zahlreichen Geschichten wichtigsten Schlüssel liefert das Kapitel "Am Anfang war die Imitation". Vögel sind Weltmeister im Nachahmen. Besonders ihre Resonanzfähigkeit, der Umstand, dass die Geselligkeit des Gegenübers stets aufs Neue die Lautartikulation aktiviert, rückt die Kommunikationslogik der Vögel in die Nähe von Sozialisationsbesonderheiten des Menschen. Der Gesang, die Kooperativität, aber auch ihr kognitives Schlussvermögen im Umgang mit Mengen beruhen auf einer Fähigkeit der genauen Registratur und dem exakten Imitieren, und sie werden - einer der wichtigsten Befunde schon der Forschungen von Lorenz - perfekter, je früher die Imitation beginnt.

Birmelin zeigt das eindrucksvoll an den Experimenten von Irene Pepperberg, einer Jane Goodall der Tierbiologie, die sich am Beispiel des Graupapageis der Forschung tierischer Kommunikation widmet. Alex, einer der gefiederten Helden des Buches, der seinem Frauchen mit einem "I love you" schmeichelt, der nicht nur ein Lexikon von mehr als dreißig Wörtern beherrscht, sondern eine verblüffende Kompetenz in situativ stimmig eingesetzten Kommentaren entwickelt hat, demonstriert die für Vögel typische Elastizität der Lautartikulation, kombiniert mit einer hohen Speicherfähigkeit des Gehirns. Die Begabung zur Variation, in der der Kanarienvogel einsamer Spitzenreiter ist, lässt sich enorm steigern, und zwar in einer Kommunikationsumgebung, die antwortfreundlich ist.

Darin liegen erstaunliche Parallelen zum menschlichen Spracherwerb. Im Aktivitätenspektrum der Vögel stößt man auf atemberaubende Wirkungen des Prinzips kommunikativer Resonanz, der Wiederholung. Sie setzt klangliche Virtuosität frei, aber durchaus auch mehr: die Geselligkeitserfahrung, das Aufwachsen im Geschnatter und Gezwitscher der anderen, erhöht auch die Neugier auf die Erforschung des eigenen Biotops, macht die Vögel in Grenzen lernfähig. Wenn die Nuss selbst für den Schnabel zu hart ist, lässt die Krähe sie aus gebührender Höhe fallen.

Bei aller Bewunderung für die Intelligenz der Vögel, die bis zur Kreation von Werkzeugen, Gerätschaften, mit denen sie Hindernisse zur Nahrungsquelle zu überwinden verstehen, darf nicht übersehen werden - von anthropomorphisierender Heroisierung ist Birmelin nicht frei -, dass die erfinderische Klugheit jener Aufmerksamkeit auf die Umgebung geschuldet ist, zu der die Vögel genötigt sind, um ihr Überleben als Gattung zu sichern.

Für den Vogelliebhaber enthält das Buch nicht viel neues, das Textformat lässt erkennen, dass der Autor im Tierfilm zu Hause ist. Birmelin gerät ins Schwärmen, staunt über eine Rabenkrähe, die am Haken Leckerbissen aus einer Röhre zieht, traut jedoch seiner sympathischen Begeisterung nicht über den Weg. So gerät der Text szientifisch hölzern, wenn die Beweislast nicht der genauen Beobachtung, sondern Befunden über Grade der Hormonausstattung überantwortet wird. Wer dem Geheimnis der Vögel und ihrer verblüffenden Nähe zur menschlichen Sozialität auf die Spur kommen möchte, den überzeugt - wie niemand so anschaulich vorgeführt hat wie Konrad Lorenz mit seiner Graugans Martina - die Morphologie und weniger der biochemisch nachgewiesene Hormonspiegel.

Birmelin stammt aus Freiburg. Dass gerade in dieser ökoseligen Stadt eine Rabenkrähe namens Konrad ihr Unwesen treibt, indem sie sich auf den Diebstahl von Parkscheinen spezialisiert hat und auf diese Weise Autofahrern, die den notorischen Ärger mit der Polizei nicht verstehen, die Fahrt in die Stadt verdirbt, zählt zu den hübschen Anekdoten, von denen man sich im Ganzen mehr gewünscht hätte.

TILMAN ALLERT.

Immanuel Birmelin: "Von wegen Spatzenhirn!" Die erstaunlichen Fähigkeiten der Vögel.

Kosmos Verlag, Stuttgart 2012. 208 S., geb., 19,95 [Euro].

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