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"Alles, was Sie über Musik und Musiker noch nicht wussten - Tim Blanning weiß es und versteht amüsant zu erzählen, wie sich die Stellung des Musikers in der Gesellschaft durch die Jahrhunderte veränderte." -- Elke Heidenreich
Wie kommt es, dass Mozart, eines der größten musikalischen Genies, wie ein lästiger Parasit behandelt wurde und völlig verarmt starb, während sich Politiker heute Rat bei U2-Sänger Bono holen und Opernsänger Spitzengagen bekommen? Der renommierte britische Historiker Tim Blanning zeichnet den unglaublichen Aufstieg des Musikers und seiner Kunst vom Barock bis heute…mehr

Produktbeschreibung
"Alles, was Sie über Musik und Musiker noch nicht wussten - Tim Blanning weiß es und versteht amüsant zu erzählen, wie sich die Stellung des Musikers in der Gesellschaft durch die Jahrhunderte veränderte." -- Elke Heidenreich
Wie kommt es, dass Mozart, eines der größten musikalischen Genies, wie ein lästiger Parasit behandelt wurde und völlig verarmt starb, während sich Politiker heute Rat bei
U2-Sänger Bono holen und Opernsänger Spitzengagen bekommen? Der renommierte britische Historiker Tim Blanning zeichnet den unglaublichen Aufstieg des Musikers und seiner Kunst vom Barock bis heute nach. Welche gesellschaftlichen, politischen und technischen Neuerungen haben bewirkt, dass die Musik vom kirchlichen und höfischen Beiwerk ins Zentrum einer Massenkultur gerückt ist, deren unangefochtene Protagonisten weit über den Persönlichkeitsstatus eines Richard Wagner und Franz Liszt hinaus heute Popstars wie Paul McCartney sind? Reich an Fakten, Anekdoten und verblüffenden Querverweisen ist Blanning eine informative, lehrreiche und höchst unterhaltsame Kultur- und Sozialgeschichte der Musik gelungen.
  • Produktdetails
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Seitenzahl: 445
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 445 S. m. 84 Abb., 14 Farbabb.
  • Deutsch
  • Abmessung: 227mm x 150mm
  • Gewicht: 850g
  • ISBN-13: 9783570580127
  • ISBN-10: 3570580121
  • Best.Nr.: 29500566
Autorenporträt
Tim Blanning ist Professor für Neuere Europäische Geschichte an der Universität von Cambridge, wo er ein musikalisches Element in den Lehrplan einführte: Er leitete Seminare zum Thema "Musik in der europäischen Gesellschaft und Kultur" sowie "Richard Wagner und die deutsche Geschichte". Seit 1990 ist er Mitglied der renommierten britischen Wissenschaftsgesellschaft British Academy. Seine bisherigen Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Politik- und Kulturgeschichte Europas im 18. und 19. Jahrhundert. Der Autor lebt mit seiner Frau, zwei Kindern und einem Dalmatiner in Cambridge.
Rezensionen
Besprechung von 02.11.2010
Wie Melodien und Gescheppere ins Zentrum der Massenkultur rückten
Kein Konzertbesuch mehr ohne dieses Buch: Der britische Historiker Tim Blanning schreibt eine fesselnde Sozialgeschichte der Musik vom Barock bis heute

Geschichtsschreibung steht vor dem gleich doppelten Dilemma kleinteiliger Konzentration und weiträumiger Perspektivik, gar Totale, zudem dem von Fachspezialistentum und Universalismus. Die klare Abgrenzung der Extreme ist schwierig, die Synthese erst recht. Nicht selten weckt dabei der Anspruch auf Großdarstellung Skepsis: Dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, scheint fast weniger bedenklich als deren Aufgehen im übergreifenden Ganzen. Dafür kann die Entscheidung für einen eher globalen Aufriss von Mut zeugen, sich wohltuend von detailfixierter Immanenz abzusetzen.

Solcherart Courage ist denn auch Tim Blannings Buch "Triumph der Musik" keineswegs abzusprechen. Der Historiker aus Cambridge ist kein Musikwissenschaftler, sondern mehr an Ideen- und Sozialgeschichte interessiert. Sein Buch "The Culture of Power and the Power of Culture: Old Regime Europe 1660-1789" (2002) akzentuiert das Widerspiel von Macht und Kunst im Absolutismus, das nun seine Kulturgeschichte der Musik sehr viel grundsätzlicher thematisiert und bis in die aktuelle politische Gegenwart verlängert.

Wobei der Untertitel "Von Bach bis Bono" ganz wörtlich zu nehmen ist: als Aufhebung der Grenzen zwischen Alt und Neu, vor allem aber "E" und "U". Bildungsbürgerliche Verfechter "abendländischer Werte" werden hier also kaum auf ihre Kosten kommen; dafür weitet sich der Blick über Epochen wie Genres. Das ist nicht wenig, verleiht dem Buch einen undogmatisch frischen Zug - und hilft, Entwicklungen und Zusammenhänge als breites, überdies dynamisches Panorama zu erfahren. Souverän, mit eminentem kulturhistorischem Wissen, doch ohne sterile Faktenkrämerei entfaltet der Autor ein reich facettiertes Bild von Musik und Musikern im stetig sich verändernden sozialen Gefüge; wobei politische, ökonomische und technologisch-mediale Tendenzen sich durchdringen.

Blannings Grundthese ist die von der immensen Expansion und Emanzipation der Musik im Laufe der zumal neueren Geschichte, fast im Sinne eines gigantisch allumfassenden, unaufhaltsamen Crescendo. Seine Dramaturgie ist die des Rösselsprungs; geradezu antihistorisch fährt er zwischen Mythos und aktuellem Giga-Event hin und her, analog zwischen den Stilepochen. Das hat den unbestreitbaren Vorzug einer gänzlich unpedantischen Vorgehensweise, einer lebhaft spontanen Schilderung. Eine animierende Lektüre.

Wie die Befreiung des Musikers aus den Zwängen von Kirche und Hof voranschritt im Einklang mit der Säkularisierung der Gesellschaft bei gleichzeitiger Sakralisierung der Musik; wie die komponierenden oder spielenden Virtuosen des neunzehnten Jahrhunderts zu vergötterten Idolen, vergleichbar heutigen Popstars, wurden; wie die Symbiose von Musik und politischer Massenbewegung (am Beispiel der Marseillaise) funktionierte, beschreibt Blanning höchst anschaulich. Da spürt man allenthalben den glänzenden Kenner des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Beim zwanzigsten indes kapriziert er sich zu schnell auf die rasanten technischen Entwicklungen von Schallplatte und Film, den Jazz und die Popmusik. Ein Problem seines Geschichtsbildes ist die Vorstellung einer Mehrstufen-Rakete: Bis zum fin de siècle fokussiert er Oper und Konzertmusik, dann geht es fast abrupt primär um die Popularkultur. Dass er diese ernst nimmt, ist aller Ehren wert; einen muffigen "Abendländler" wird man ihn wirklich nicht nennen können. Doch macht er immer ausschließlicher gesellschaftliche Anerkennung, kommerziellen Maximaleffekt zum Maß der Musik. Dass die teils aberwitzigen Summen für die Superstars sich strukturell nicht allzu sehr von denen für Spitzenfußballer (Cristiano Ronaldo) unterscheiden, kümmert ihn kaum.

Ebendies muss absolut kein Argument für heuchlerischen Klassik-Idealismus sein. Im Gegenteil: Die Millionengeschäfte der E-Musik, etwa des Karajan-Trusts, werden nicht einmal erwähnt, allenfalls die Stadien-Auftritte der Drei Tenöre. Erstaunlich ist auch Blannings Politik-Abstinenz im Rückblick auf das zwanzigste Jahrhundert. So, wie er generell den Widerstreit zwischen ästhetischer Autonomie und Marktmechanismus vernachlässigt, so findet sich auch kaum ein Wort über die Konflikte zwischen Künstlern und den totalitären Regimes: Widerstand, Unterdrückung, Ermordung, Emigration unter Hitler oder Stalin kommen schlicht nicht vor. Und selbst Komponisten, die massenkompatibel für auch kommerzielle Erfolge standen wie Léhar, Gershwin, Weill oder Ennio Morricone, bleiben unerwähnt. Dass Blanning für die Avantgarde mit Formeln wie "Lärmbelästigung" oder "stratosphärisches Gescheppere" aufwartet, wundert nicht.

Natürlich muss man von einem dezidiert kultur-, sozialhistorischen Werk keinen sublimen musikästhetischen Diskurs verlangen. Aber dass es Komponisten vielleicht nicht nur um glamourösen Aufstieg und größtmöglichen Reichtum ging, spielt hier kaum eine Rolle. So, wie Liszt in diesem Buch primär als Supervirtuose und Frauenheld gefeiert wird, nicht als kompositorischer Pionier. Wo gesellschaftlich-merkantiler Effekt derart im Vordergrund steht, gelten denn auch als "Garanten für den Erfolg und die Popularität einer Musik: Melodie, Rhythmus, Abwechslung". Die Rede ist von Bachs Matthäus-Passion. Natürlich weiß Blanning zwischen Leipzig und dem "Messias"-Uraufführungsort Dublin zu differenzieren. Aber an der Individualität von Kunstwerken scheint ihm wenig gelegen. Trotzdem wäre es verfehlt, sein Buch an ästhetischen Defiziten zu messen: Die Sozialgeschichte des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts liest sich fesselnd, die jüngere, zumindest die der Popularkultur, nicht minder. Man kann eben doch nicht alles haben.

GERHARD R. KOCH

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 23.11.2010
Deutscher Neid auf englischen Wohlstand
„Von Bach bis Bono“: Tim Blannings faktenreiche, reizvolle und eigenwillige Geschichte der Musik
Er stapelt tief und hält den Anspruch um so höher. Nichts weniger als eine Weltgeschichte unter dem Blickwinkel musikalischer Entwicklungen will der Geschichtsprofessor Tim Blanning aus Cambridge schreiben. Zahlreiche Seminare hat er dazu veranstaltet. Noch konsequenter als die bisherigen Versuche bringt er dabei die sogenannte klassische Musik der letzten eintausend Jahre und die Popmusik und den Jazz auf eine Linie. Das gelingt ihm jedoch nur unter starker Betonung gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Denn zwischen der Musik zum goldenen Thronjubiläum von Queen Victoria – mit einem von ihrem verstorbenen Ehemann komponierten „Te Deum“ und der Gotha-Hymne in Westminster Abbey – und dem Jubiläum Elisabeths II. mit einem Rockkonzert vor Buckingham Palace gibt es kaum Berührungspunkte, und Blanning muss schon hier in die Offensive gehen: Er feiert diese „Party at the Palace“ als den Höhepunkt der Musikgeschichte, ja im Grunde der Menschheitsgeschichte. Denn während früher die Musik „einzig und allein dem Zweck diente, die Macht des Patrons zu repräsentieren“, sei am Ende dieses Jubelkonzertes nicht klar gewesen, wie Journalisten schrieben, ob hier die Queens und Kings gefeiert wurden oder die Queens des Pop.
Von Vorteil in Blannings Darstellung sind die fachliche Unvoreingenommenheit, die nur selten spürbare oder gleich als solche formulierte Vorliebe für bestimmte Musik, vor allem aber die gedankliche Virtuosität, geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen weit weg von der Musik immer unterschwellig mitlaufen zu lassen und bei Bedarf in den Diskurs aufzunehmen. Der Nachteil: eine gewisse Koketterie mit fachlichem Nicht-Wissen, indem man suggeriert, man sei der großen Mehrheit von Nicht-Wissern näher als der gebildete Musiker, habe den gleichen Blickwinkel und könne dieser Mehrheit deshalb auch verständlicher berichten.
Das ist ein Irrtum, der die aktuelle Popular-Musikgeschichtserzählung leider durchweg kennzeichnet: Die Fachleute können den musikalisch Ungebildeten oft nicht gut erklären; gebildete Laien verstricken sich in krude Beurteilungen, können diese aber eloquent darstellen. Und hierin ist Blannings sicherlich ein Meister. In bester englischer Sachbuch-Tradition trägt er Unmengen von Fakten herbei, aber doch so elegant und reizvoll, dass man sich keineswegs davon erschlagen fühlt, sondern gerne noch mehr erführe, um sich ein wirklich eigenständiges Urteil bilden zu können.
Man kommt nämlich letztlich nicht darum herum, Musik zu bewerten. Wenn man die Qualität der Werke von Rossini und Mozart, von Bellini und Wagner vollkommen gleichsetzt – und das tut man im Kontext einer Musikgeschichte auch dann, wenn man sich eines Urteils enthält –, dann muss man vielleicht sogar zu jenem harschen Urteil kommen, das Blannings, ein bisschen anachronistisch, über die „Barbaren nördlich der Alpen“ fällt: über die Deutschen und ihren vermeintlichen Kultur-Hochmut.
Blannings setzt zwar den Begriff „Barbaren“ in Anführungszeichen, aber ohne weitere Quellenangabe heißt das nur: Ich will’s eigentlich nicht gesagt haben, sage es aber doch. Und während er Italienern, Franzosen und Briten uneingeschränkt zugesteht, eine nationale Kultur zu besitzen oder zu erstreben, findet er dies bei den Deutschen vollkommen unakzeptabel, „chauvinistisch“ und „nationalistisch“. Ausführlich zitiert er aus den Briefen des jungen und alleingelassenen Mozart aus Paris, wie er eine halbe Stunde in einem eiskalten Raum warten muss, bevor er auf einem schrottreifen Klavier vorspielen darf.
Dass Mozart daraufhin Adjektive wie „dumm“ und „abscheulich“ benutzt für erkennbar emotional pauschalisierende Urteile über die Franzosen und ihre vermeintliche kulturelle Überlegenheit, dies und weitere Briefstellen nimmt Blanning zur Grundlage, um Mozart „Sprachchauvinismus“ und den Deutschen die Verachtung fremder Kulturen oder wenigsten plumpen Humor vorzuwerfen. Das verwundert in seiner Ausführlichkeit und seinem biederen Ernst dann doch ein wenig. Immerhin zitiert Blanning auch eine französische Quelle, die zeigt, wie sehr sich die Franzosen der übrigen Menschheit überlegen fühlten. Aber dass nun der behauptete deutsche Hochmut sich darin offenbare, dass „den Engländern nun wegen ihres Wohlstands immer mehr Missgunst“ entgegenschlüge, scheint doch eher abwegig. Möglicherweise zeigt sich hier docheine Empfindlichkeit der Briten, die nach Henry Purcell erst einmal – bis Elgar, Williams, Britten – eigentlich nur einen Komponisten von Rang hervorgebracht haben: Georg Friedrich Händel . . .
Blannings stellt sein Kapitel „Deutschland, Deutschland über alles“ zu plakativ heraus, als dass man es übersehen könnte. Der Leser wird es für sich relativieren müssen, wird vielleicht auch dem jungen Streben nach einem deutschen Nationalstaat jene Sportlichkeit im Wettbewerb der kulturellen Leistungen zugestehen, wie man sie anderen Europäern auch zugestand. Nicht jedes abwertende Urteil über italienische oder französische Musik ist ein medialer Bombenkrieg, aber man wird als Musiker oder auch als Deutscher zum Beispiel Wagner höher einschätzen dürfen als Verdi oder Paul McCartney und sogar Mozart vielleicht höher als Elton John. Das sollte man dürfen, ohne als übler Nationalist beschimpft zu werden. Auch wenn Blanning hierzu ein paar interessante, entlegene Quellen gefunden hat.
Und dies ist zweifellos die große Stärke dieses Buches. Hintergründe und Zahlen, die man nicht für möglich hält: Allein im Jahr 1913 legten am Trinity College of Music 28 000 junge Pianisten ihre Abschlussprüfung ab, vor allem Frauen, und qualifizierten sich damit für einen mindestens gutbürgerlichen Haushalt. Denn Musik gab es auch in den Anfangsjahren der Schallplatte nur dort, wo sie jemand live produzierte. Es sind aber auch übergreifende Beobachtungen, die erstaunen. Der Missbrauch von Popmusikern für Politiker-Image-Kampagnen zum Beispiel oder umgekehrt der Aufstieg von Popstars zu politischen Instanzen. Ebenso verblüffend: Der erste Stardirigent war nicht Beethoven oder Bülow, sondern Richard Wagner.
Andere Schlüsse wiederum, dass etwa Beethoven „die Romantik personifizierte“, bedürfen zumindest einer Relativierung oder sind auch mal schlichtweg falsch. Und dass Beethovens Sinfonien noch bis in die zwanziger Jahre „von Einzelnoten“, also aus Orchesterstimmen gespielt wurden, ist richtig. Aber das gilt bis heute, und zwar für die gesamte Orchestermusik. Gerne hätte man dazu mehr Anekdoten gelesen wie die folgende: Als der Kritiker der Londoner Times rügte, Wagner habe arroganterweise Beethovens „Eroica“ ohne Noten dirigiert, lag bei der nächsten Aufführung pflichtschuldigst eine Partitur auf Wagners Dirigierpult. Es waren die Noten zu Rossinis „Barbier“ . HELMUT MAURÓ
TIM BLANNING: Triumph der Musik. Von Bach bis Bono. Aus dem Englischen von Yvonne Badal. Edition Elke Heidenreich bei C.Bertelsmann. München 2010, 445 Seiten. 24,95 Euro.
Man wird wohl Mozart höher
einschätzen dürfen als
Elton John, oder?
Eine Geschichte von Macht und Musik: Nach dem österreichischen Erbfolgekrieg veranstaltete der britische König Georg II. am 27. April 1749 eine große Friedensfeier mit einem Feuerwerk, zu dem Georg Friedrich Händel seine „Feuerwerksmusik“ komponierte – hier ein zeitgenössischer Kupferstich. Foto: AKG
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Jubelnd, aber mit kleinen Irritationen stellt uns Gerhard R. Koch diese Ideen- und Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts von Tim Blanning vor. Blannings großräumiger, "E" und "U" und Epochen vereinender Ansatz zu einer Kulturgeschichte der Musik verdient zunächst einmal die Achtung des Rezensenten vor soviel Courage. Erfrischend findet Koch das dynamisch entfaltetete Panorama, das ihm Entwicklungen und Zusammenhänge von Musik und Musikern im sozialen Gefüge kenntnisreich darlegt, ohne faktengrau zu sein. Animierend, aber auch ahistorisch spontan und sprunghaft sei das, warnt uns Koch. Und er merkt nach allerhand Lehrreichem über das 18. und 19. Jahrhundert, dass Blanning sich fürs 20. nicht ganz so viel Zeit nimmt. Zu sehr auf die Bedingungen der Populärkultur, auf Gewinnmaximierung als Maß der Musik, kapriziere sich der Autor, bedauert Koch. Vermisst hat er hier vor allem eine Darstellung der Konflikte von Künstlern in totalitären Regimes und einen Sinn für die Individualität von Kunstwerken. Den Gesamtwert der Arbeit schmälert das für ihn aber nicht.

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