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"Tape Mark I" (1961) von Nanni Balestrini gilt als erstes Gedicht, das je auf einem Computer geschrieben wurde. Der Autor verfolgte jedoch einen radikaleren Plan: Er wollte am Rechner einen Liebesroman verfassen, in seine Bestandteile zerlegen und diese willkürlich kombinieren. 1966 erschien sein Tristano bei Feltrinelli - als "normales" Buch mit 10 Kapiteln zu jeweils 30 Abschnitten in einer festgelegten Reihenfolge. Vier Jahrzehnte später erlauben es die Fortschritte der digitalen Drucktechnik, das Buch so zu veröffentlichen, wie der Autor es ursprünglich geplante hatte: Per Computer werden…mehr

Produktbeschreibung
"Tape Mark I" (1961) von Nanni Balestrini gilt als erstes Gedicht, das je auf einem Computer geschrieben wurde. Der Autor verfolgte jedoch einen radikaleren Plan: Er wollte am Rechner einen Liebesroman verfassen, in seine Bestandteile zerlegen und diese willkürlich kombinieren. 1966 erschien sein Tristano bei Feltrinelli - als "normales" Buch mit 10 Kapiteln zu jeweils 30 Abschnitten in einer festgelegten Reihenfolge. Vier Jahrzehnte später erlauben es die Fortschritte der digitalen Drucktechnik, das Buch so zu veröffentlichen, wie der Autor es ursprünglich geplante hatte: Per Computer werden aus den 30 Abschnitten der 10 Kapitel jeweils 20 ausgewählt und in eine neue, zufällige Reihenfolge gebracht. Somit ist jedes der 2.000 Exemplare dieser deutschen Originalausgabe ein Unikat. Alle Bände sind auf dem Umschlag fortlaufend nummeriert. Die ersten 5.999 Tristano-Romane sind in italienischer Sprache bei Derive Approdi (Rom) erschienen. Die deutsche Ausgabe beginnt mit der Nummer 6.000 und endet mit der Nummer 7.999. Im Anschluß sind englische und französische Ausgaben geplant. Mit einem Vorwort von Umberto Eco und einem Nachwort von Peter O. Chotjewitz.
  • Produktdetails
  • Edition Suhrkamp Nr.2579
  • Verlag: Suhrkamp
  • Artikelnr. des Verlages: 12579
  • Seitenzahl: 120
  • Erscheinungstermin: 21. September 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 110mm x 15mm
  • Gewicht: 100g
  • ISBN-13: 9783518125793
  • ISBN-10: 3518125796
  • Artikelnr.: 25552223
Autorenporträt
Peter O. Chotjewitz wurde am 14. 6. 1934 in Berlin geboren. Nach dem Krieg Übersiedlung nach Nordhessen; dort Realgymnasium, dann Malerlehre bei seinem Vater. Später Jurastudium in Frankfurt/M. und München, zweite juristische Staatsprüfung 1965. Seitdem als freiberuflicher Schriftsteller und Jurist tätig (u. a. Wahlverteidiger von Andreas Baader und Peter-Paul Zahl). 1975-1977 Vorsitzender des hessischen Schriftstellerverbandes; Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Chotjewitz lebte lange in Florenz und heute in Stuttgart.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Gäbe es nicht das interessante Nachwort des Übersetzers Peter O. Chotjewitz, wäre Rezensentin Maike Albath von Nanni Balestrinis Romanexperiment "Tristano" wohl enttäuscht gewesen. Der bereits 1972 erschienene Liebesroman steht ganz in der Tradition der gruppo 63, einem Künstlerkollektiv von Schriftstellern und Wissenschaftlern - darunter Umberto Eco - , die sich zum Ziel gesetzt hatten, die italienische Kultur zu verändern. Textkohärenz oder ein Handlungsstrang galten als längst überholt, und auch die Zeichensetzung wurde nur noch als "Relikt spießiger Erzählkunst" betrachtet. Literatur dürfe nicht "bequem" sein, sondern müsse ins soziale Geschehen eingreifen. Als sei dies nicht schon "quälend" genug, stöhnt Albath, hat Balestrini seine Erzählung nun auch noch mit Hilfe eines Computerprogramms überarbeitet: die einzelnen Textsequenzen wurden nummeriert und in einem kombinatorischen Verfahren zu immer neuen Formationen zusammengefügt: dabei entstanden 109.027.350.432.000 mögliche Romane, welche die Rezensentin wohl nicht alle lesen wird, denn nicht einmal die eine Liebesgeschichte, die sie vor sich hatte, hat sie überzeugt. Die Lektüre lohnt sich aber zumindest dank des Nachwortes: Hier werde die literaturhistorische Bedeutung des Textes erklärt, interessante Querverweise zu Filmen von Alain Resnais aufgezeigt und auch die bewegende Biografie Balestrinis geschildert.

© Perlentaucher Medien GmbH
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