The Book Cover in the Weimar Republic - Holstein, Jürgen
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Ob Roman oder Reisebericht, Kunstband, Kinderbuch oder politische Streitschrift, diese über 1000 Buchumschläge zeigen, welch einzigartiges Kapitel deutscher Buchkunst in den Jahren der Weimarer Republik geschrieben wurde. Lesebuch, Bilderbuch und Nachschlagewerk zugleich ist dieser Band eine kulturhistorische Pioniertat und Hommage an die unwiderstehliche Anziehungskraft schöner Bücher.…mehr

Produktbeschreibung
Ob Roman oder Reisebericht, Kunstband, Kinderbuch oder politische Streitschrift, diese über 1000 Buchumschläge zeigen, welch einzigartiges Kapitel deutscher Buchkunst in den Jahren der Weimarer Republik geschrieben wurde. Lesebuch, Bilderbuch und Nachschlagewerk zugleich ist dieser Band eine kulturhistorische Pioniertat und Hommage an die unwiderstehliche Anziehungskraft schöner Bücher.
  • Produktdetails
  • Verlag: Taschen Verlag
  • Seitenzahl: 452
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 452 S. 317 mm
  • Deutsch, Englisch
  • Abmessung: 325mm x 255mm x 48mm
  • Gewicht: 2593g
  • ISBN-13: 9783836549806
  • ISBN-10: 3836549808
  • Best.Nr.: 42103680
Autorenporträt
Jürgen Holstein wurde 1936 in Berlin geboren. Nach einer Lehre in einem Buchantiquariat eröffnete er 1966 seinen eigenen Buchladen, der auf Kunstgeschichte und Literatur des 20. Jahrhunderts spezialisiert war. Holstein verfasste auch selbst Bücher. Seit der Wiedervereinigung hat sich Holstein vorrangig damit befasst, visuelle kulturelle Artefakte der ehemaligen DDR zu bewahren. Sein riesiges Archiv, das heute im Getty Center in Los Angeles beheimatet ist, umfasst Kunstwerke, Objekte, Bücher, Kataloge und Poster aus jener Zeit.
Rezensionen
Besprechung von 10.10.2015
Berlin, Verlagshauptstadt der Moderne

Ein Fest für Sammler und Bibliophile: Jürgen Holstein lässt aus Einbänden die Geschichte der Buchkunst der Weimarer Republik hervortreten.

Von Alexander Kosenina

Was für ein Buch! Was für eine Sammlung! Was für ein beispielloser Schatz! Die Sammlung Jürgen und Waltraud Holstein vereinigt etwa tausend Bücher mit kunstvollen Umschlägen und Einbänden, die zwischen 1919 und 1933 in Berlin erschienen sind. In dem großformatigen, opulenten, zweisprachigen Katalog finden sie sich jetzt alle abgebildet und beschrieben, bereichert um instruktive Aufsätze und Register. Damit dürfte dieser Prachtband zu den schönsten, bibliophilsten und noch dazu nützlichsten Druckerzeugnissen der diesjährigen Messe zählen. Denn der Antiquar und besessene Sammler Jürgen Holstein erschließt hier akribisch die Literatur der Weimarer Republik mit der in Deutschland bislang noch wenig ausgeprägten Konzentration auf die Buchgestaltung. Neben prominenten Verlegern wie Samuel Fischer, Wieland Herzfelde (Malik), Gustav Kiepenheuer, Erich Reiss, Ernst Rowohlt oder Louis F. Ullstein (Propyläen) werden insgesamt 250 Büchermacher mit ihren oft winzigen Programmen vorgestellt, die selbst ausgefuchsten Antiquariatstrüfflern noch Unbekanntes bieten dürften. Prunkstücke wie Döblins "Berlin Alexanderplatz", mit Georg Salters inhaltsgerechter Collage aus handgeschriebenen Textpassagen und kleinen bunten Ikons, stehen so neben absoluten Raritäten wie Paul Althaus' "Jack der Aufschlitzer" von 1924 aus dem kleinen, nur drei Jahre lang existierenden Schöneberger Gottschalk Verlag. Hans Bellmer lässt auf dem Cover den Titel blutrot über fotomontierte weibliche Leichenteile zucken. Solch abgründige Literatur, die Holstein reichlich versammelt, hat nicht nur das "Schmutz- und Schundgesetz" von 1926 aus Bibliotheken verbannt.

Gegen die Lust der Expressionisten, das Bürgertum aus der Unterweltperspektive zu provozieren, schritt die Zensur immer wieder ein. Nicht nur Curt Corrinths "Bordell, ein infernalischer Roman", mit wunderbarem Einband von César Klein, wurde sofort zur Einstampfung verurteilt. Schutzumschläge erzählen gelegentlich auch von dem karikaturistischen Einfallsreichtum gegen solche biedere juristische Kleinmütigkeit. Als den Behörden auf John Heartfields Fotomontage zu Heinrich Wandts "Erotik und Spionage in der Etappe Gent" ein Rock zu hoch und die Strumpfbänder zu tief gerutscht erschienen, überschrieb der Künstler in einer zweiten Fassung die gerügte Stelle mit dem Hinweis: "Hier hat die Zensur eingegriffen." In der nächsten Version schneidet ein Staatsanwalt ein Tüchlein der Verschwiegenheit zurecht und kommentiert: "Da muß man ja dazwischen fahren." Im vorgelegten Exemplar ist das delikate Dreieck sogar tatsächlich herausgeschnitten, so dass rotes Leinenunterzeug zwischen den Beinen hervorblinkt.

Holsteins Sammlung ist nicht nur eine buchwissenschaftliche Bibliographie, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Kunstgeschichte, die Literaturillustrationen und Einbände leider ziemlich stiefmütterlich behandelt. Die Gleichzeitigkeit der Stile, Techniken und Ausdrucksformen ist überwältigend und hält viele Anregungen für heutige Gestalter bereit. Sie reicht von der neusachlichen Nüchternheit schlicht eingefasster Titelschildchen auf einfarbigem Grund bis zu expressionistischer Leuchtkraft, von konstruktivistischer Designkunst bis zu dadaistischem Ulk, von der plakativen Drastik eines George Grosz bis zum kindlichen Humor eines Joachim Ringelnatz. Auch an Techniken ist fast alles vertreten, da wird gezeichnet, geschnitten, geklebt, geprägt, gemalt, getuscht und gedruckt, was das Zeug hält. Wenn man Georg Salters minimalistischen Umschlag zu Henri Guilbeaux' Lenin-Biographie betrachtet, der 1923 im exklusiven Verlag "Die Schmiede" nur die fünf Lettern LENIN wie mit blutigen Fingern auf eine Kalkwand wirft, meint man, ein Graffito aus der nächsten Unterführung vor sich zu haben.

Der berühmte Feuilletonist Béla Balázs, den Christoph Stölzel in seinem Vorwort sehr zu Recht zitiert, erinnerte 1923 an die sichtbare und fühlbare Aura von Büchern, die immer mehr sind als lesbare Inhalte. Wer diese inzwischen gefährdeten Artefakte nicht zu durchblättern, zu streicheln und zu genießen verstehe, habe kein Recht auf eine Bibliothek. Diese wahre Einsicht bestätigt Holsteins Schatztruhe Seite für Seite. Sie lässt eine Blütezeit der Buchkultur wieder lebendig werden, die durch Vertreibung und Exil vieler der hier vorgestellten Verlage mehr als gelitten hat.

Jürgen Holstein (Hg.): "The Book Cover in the Weimar Republic / Buchumschläge in der Weimarer Republik".

Taschen Verlag, Köln 2015. 451 S., Abb., geb., 49,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Alexander Kosenina ist außer sich vor Glück über den vom Sammler Jürgen Holstein herausgegebenen Band mit Abbildungen von Buchumschlägen aus der Weimarer Republik. Was Kosenina nicht alles zu sehen bekommt: Rund 1000 Einbände aus der Zeit zwischen 1919 und 1933, zweisprachig, opulent und großformatig dargeboten, jubelt der Rezensent, mit Register und Informationen zu Verlegern und Techniken. Darunter entdeckt er Raritäten und von der Zensur Beschnittenes, Anregungen für Gestalter mit neusachlichem oder dadaistischem Einschlag, humorvoll oder plakativ drastisch. Ein Fest für Bibliophile und ein wichtiger Beitrag zur Kunstgeschichte, meint er.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Dieses Buch, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, hat Geschichte geschrieben... Rund 1000 Abbildungen von Einbänden und Umschlägen, durchgehend farbig und von hoher Qualität, machen aus dem Band ein Schau- und Bilderbuch von enormer Eindringlichkeit; darüber hinaus hat es auch den Status eines bibliographischen Referenzwerkes. Damit strahlt das Buch eine Faszination aus, die bis heute anhält... Der Band ist schon jetzt ein Klassiker, der das Feld des Gebrauchbuchs vor allem visuell aufgebarbeitet hat." Aus dem Antiquariat, Frankfurt am Main "Der TASCHEN Verlag präsentiert mit Buchumschläge in der Weimarer Republik eine beeindruckende Sozial- und Literaturgeschichte der Zwanziger Jahre... Beim Anblick all der hier versammelten Cover, der Illustrationen und Typographien, zeigt sich, wie sehr ein Buch doch ein Gesamtkunstwerk sein kann - eines, das so viele Sinne anspricht, dass man sich dem Zauber der Vergangenheit nicht entziehen kann... Eine Freude auf jeder Seite... So wird der Band zu einer Politik- und Sozialgeschichte, einer Verlagsgeschichte, einer Kunstgeschichte im Kleinen." DerIntellektuelle.blogspot.de "Es ist das große Verdienst dieses wunderbaren Buchs, sich nicht auf einen Verlag, einen Künstler oder eine bestimmte Stilrichtung zu konzentrieren, sondern dieses faszinierende Kaleidoskop der Gleichzeitigkeit abzubilden. Dazu tragen auch wesentlich die profunden Einführungen bei, die aus diesem grandiosen Bilderbuch auch ein Lehrstück und Nachschlagewerk zu einem unterschätzten Design-Thema machen." Novum, München "Ob künstlerisch expressiv, illustrativ verspielt, nostalgisch verklärt oder aggressiv radikal - die vorliegende Zusammenstellung beeindruckt durch den Formen- und Variantenreichtum, mit dem das Publikum in wenigen Augenblicken werblich gefesselt und gleichzeitig das Thema seinen passenden visuellen Ausdruck finden sollte." Mosaik (WDR3), Köln "...eine Fundgrube für jeden Liebhaber der Bücher mit ihren Geschichten, der sich auch für das schöne oder auch nur interessante und bemerkenswerte äußere Erscheinungsbild von Büchern interessiert. Es ist auch eine kleine Zeitgeschichte, vor allem aber ein gedrucktes Denkmal eines kleinen, aber besonderen Kapitels deutscher Kulturgeschichte." dpa, Berlin "Zum nachsehen, nachspüren und nachdenken:... 1000 der eindrucksvollsten Coverdesigns, die das Lebensgefühl Anfang des 20. Jahrhunderts widerspiegeln." Kulturzeit (3sat), Mainz…mehr