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Skriptorium - Hauschild, Stephanie
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Bücher gehörten zu den künstlerisch wertvollsten und schönsten Werken des Mittelalters. Wissenschaftlich interessant ist der stetige Wandel, dem ihre Herstellung und Funktion im Laufe vieler Jahrhunderte unterworfen waren: die Ausgestaltung der Codices, die Arbeitsbedingungen, das Berufsbild und Rollenverständnis der Buchhersteller, deren Arbeitsort und die Bedürfnisse der Leser. Stephanie Hauschild gibt einen umfassenden Einblick in die Praxis der Buchherstellung, beginnend bei spätantiken Codices bis hin zur Gutenberg-Bibel. Sie erläutert Vorbereitung und Verwendung der Materialien und…mehr

Produktbeschreibung
Bücher gehörten zu den künstlerisch wertvollsten und schönsten Werken des Mittelalters. Wissenschaftlich interessant ist der stetige Wandel, dem ihre Herstellung und Funktion im Laufe vieler Jahrhunderte unterworfen waren: die Ausgestaltung der Codices, die Arbeitsbedingungen, das Berufsbild und Rollenverständnis der Buchhersteller, deren Arbeitsort und die Bedürfnisse der Leser.
Stephanie Hauschild gibt einen umfassenden Einblick in die Praxis der Buchherstellung, beginnend bei spätantiken Codices bis hin zur Gutenberg-Bibel. Sie erläutert Vorbereitung und Verwendung der Materialien und Werkzeuge sowie die Tätigkeit der Schreiber und Illuminatoren. Außerdem klärt sie auf, wer die Auftraggeber und Stifter der oft unbezahlbaren Bücher waren und unterscheidet zwischen der Buchherstellung im Kloster und in weltlichen Werkstätten.
  • Produktdetails
  • Verlag: Zabern
  • Seitenzahl: 144
  • 2013
  • Ausstattung/Bilder: 2013. 144 S. m. 40 teils farb. Abb. 220 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 227mm x 154mm x 16mm
  • Gewicht: 482g
  • ISBN-13: 9783805346061
  • ISBN-10: 3805346069
  • Best.Nr.: 36787390
Autorenporträt
Dr. Stephanie Hauschild ist Kunsthistorikerin und arbeitet als freie Mitarbeiterin am Landesmuseum Darmstadt.
Rezensionen
Besprechung von 05.11.2013
Heute großer Manuskriptmarkt mit Ramschangeboten
Wie man sein Publikum verfehlt: Stephanie Hauschild hat ein Buch über die mittelalterliche Buchwerkstatt geschrieben - und kennt doch nur die leuchtenden Beispiele

Wie wurden mittelalterliche Bücher hergestellt? Welche Techniken nutzte man zur Herstellung der Beschreibmaterialien, und wie sah der Schreibprozess aus? Welche Personengruppen und Berufe waren beteiligt, bis das gebundene und vielleicht auch illuminierte Buch in den Händen des Lesers und der Leserin lag? Dies sind nur einige der Fragen, die den Mikrokosmos mittelalterlicher Schreibwerkstätten auffächern.

Handschriften waren Kommunikationsmittel, die vielfältige gesellschaftliche und individuelle Bedürfnisse erfüllten, sei es zum wissenschaftlichen Studium und zum Lernen, zur religiösen Belehrung und Erbauung, als Geschichtsgedächtnis oder zur Unterhaltung. Nicht zuletzt war das Buch offen für populäres Alltagswissen und den Ratgeber. Den konkreten Büchern sind diese vielfältigen Gebrauchsfunktionen eingeschrieben: die Handschrift als Wissens- und Textspeicher, zur Repräsentation oder als Vorlage zur mündlichen Reinszenierung vor Publikum.

Die Bandbreite der Buchtypen reicht von der kostbar ausgestatteten und illuminierten Pergamenthandschrift bis zur einfachen Texthandschrift auf Papier, die allenfalls rote Kapitelüberschriften und mit der Feder gezeichnete Initialen als Gliederungsmittel und Lesehilfen zeigt. Zudem hatten Bücher ihren Preis, wenn auch keinen "Verkaufspreis" im modernen Sinn. Aber selbst für die Klosterwerkstatt, in der Schreiber und Buchmaler keine Lohnarbeit verrichteten, mussten Papier und Pergament und die teils teuren Farbpigmente gekauft werden.

"Das" mittelalterliche Skriptorium gibt es folglich nicht, sondern Werkstätten unterschiedlichen Typs, zunächst im klösterlichen und kirchlichen Raum, seit dem hohen Mittelalter auch am Fürstenhof, im städtischen Rathaus, im Kaufmannskontor oder als selbständige, arbeitsteilige Unternehmen in der Stadt, die die individuellen Wünsche ihrer privaten Auftraggeber an Inhalt und Ausstattung erfüllen, wobei der Preis in der Regel vorab vertraglich festgelegt wird.

Die Kunsthistorikerin Stephanie Hauschild hat ein Buch vorgelegt, dessen Titel viel verspricht, aber auf knappem Raum, einschließlich zahlreicher ganzseitiger Farbabbildungen, nicht hält. Die Autorin hat zahlreiche populäre Sachbücher geschrieben, und auch dieses Werk gehört zu dieser Gattung. Sie geht dabei nur ansatzweise chronologisch vor. Geboten wird eine bunte Mischung aus breit behandelten Buchbeispielen - fast ausschließlich berühmte, illustrierte Spitzenwerke der Buchkultur - und Passagen, die Grundlagenwissen zur Buchherstellung referieren. Man erfährt sporadisch etwas über die Einrichtung der Werkstätten, über einzelne Schreiber und Auftraggeber.

Für eine systematische Lektüre eignet sich diese Darstellung nicht, sie fügt sich nicht zu einem runden Bild. Die Anlage der Kapitel ist sprunghaft und wenig ausgewogen. Das fünfte und letzte Kapitel etwa versammelt unter "Verwendung, Auftraggeber und Verkauf" magischen Buchgebrauch und eine Sonderform des Einbands wie Beutelbücher, die am Gürtel getragen wurden. Unter dem Titel "Bestseller auf Papier" oder "Verkauf" erwartet man Aufklärung über den kommerziellen Handschriftenmarkt, stattdessen erläutert die Autorin auf anderthalb Seiten am Beispiel des Gebetbuchs den Übergang zum "in Serie produzierten Buch" und die "massenhafte Herstellung bei schlichteren Versionen". Das Buch endet im Buchdruck mit Dürers "Apokalypse", einem nicht eben typischen Buchprojekt des Buchmarkts des ausgehenden fünfzehnten Jahrhunderts, und der erstaunlichen Behauptung, am Ende der "handgeschriebenen und gemalten Bücher" stehe eine "neue Art künstlerischer Existenz", der selbständige Unternehmer, der "seine Kunst ohne Auftraggeber schafft".

Welches Bild zeichnet Stephanie Hauschild von der mittelalterlichen Buchproduktion? Ein Bild des leuchtenden Mittelalters und der Buchtypen, die ein hohes Ausstattungsniveau fordern, von kostbaren Miniaturen und Einbänden, geschmückt mit Edelsteinen und Elfenbeinreliefs, gefasst in Gold. Während die Herstellung von Pergament ausführlich beschrieben wird, kein Wort zum Papier, das im nördlichen Europa spätestens seit der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts zum wichtigsten Beschreibstoff avanciert. Ins Bild passen auch nicht die vielen Gebrauchshandschriften und massenhaften Kopien weithin gelesener Texte, die auch heute noch jeden Handschriftenkatalog dominieren. Das Buch als ältestes Leitmedium gesellschaftlicher Kommunikation, in der mittelalterlichen Handschrift voll entfaltet, wird reduziert auf spektakuläre Objekte in Ausstellungsvitrinen.

Dieser Titel wäre eigentlich keiner ausführlichen Besprechung wert. Der Buchmarkt bringt schließlich viele Bücher dieser Art hervor: oft wenig sachkundige, aber reich bebildert, als Geschenkbuch ein ungelesenes Dasein fristend oder auf die Wühltische des modernen Antiquariats gespült. Wäre da nicht der Verlag, der das Buch in sein Programm aufgenommen hat, die Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Die Buchhandelsausgabe wird über den Tochterverlag Philipp von Zabern vertrieben. Es stellt sich die Frage nach der Zielgruppe. Hier hat die Wissenschaftliche Buchgesellschaft traditionell Wissenschaftler und Studierende im Blick, aber auch den sogenannten gebildeten Laien, der über sein Fachgebiet hinausschaut.

Was hält ein Verlag von seinen Lesern, denen er ein solches Buch zumutet? Eine ausgewogene und dennoch den Forschungsstand berücksichtigende Einführung zu schreiben ist eine hohe Kunst. Sie setzt die Kenntnis des Fachgebiets voraus und bietet dem Leser verlässliches Wissen. Sie sollte gut lesbar sein, aber sich sprachlich nicht anbiedern, mit stilistischen Entgleisungen, wie zum Beispiel, dass das Bücherschreiben im Kloster nur eine "Teilzeitbeschäftigung" war, oder von der Art: "ja, es gab tatsächlich einmal einen Dom in Hamburg".

Warum wird der Professor, der Student und der allgemein Interessierte mit einem Literaturverzeichnis abgespeist, in dem wichtige einschlägige Handbücher und Standardwerke fehlen? Warum glaubt ein Verlag sein Publikum nicht mehr mit Fußnoten belästigen zu dürfen und es stattdessen bei pauschalen Hinweisen auf "die Forschung" belassen zu können, obwohl Spezial- und Handbuchwissen eingearbeitet wurde? Und das in Zeiten von Plagiatskriegen, bei denen Autoren für kleinere Vergehen medienwirksam zur Rechenschaft gezogen werden.

Aber es gibt ihn ja noch, den neugierigen und unvoreingenommenen Leser. Den Leser als Schreiber einer Kundenrezension eines großen Online-Buchhändlers, der fünf Sterne verleiht und der Autorin aufs Wort glaubt, dass es "bereits in der Antike einen Massenmarkt für Bücher gab".

URSULA RAUTENBERG

Stephanie Hauschild: "Skriptorium". Die mittelalterliche Buchwerkstatt.

Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2013. 144 S., Abb., geb., 24,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Wo sind die Fußnoten, wo die wichtigen Handbücher und Standardwerke im Literaturverzeichnis? Ursula Rautenberg ist schockiert, dass die Wissenschaftliche Buchgesellschaft ein derart mangelhaftes Buch publiziert. Die Zielgruppe der Wissenschaftler und Studierenden verfehlt man so, schimpft sie. Was die Kunsthistorikerin Stephanie Hauschild hier abliefert, ist für Rautenberg nicht mehr als eine bunte Sammlung von populären Buchbeispielen der mittelalterlichen Buchdruckkunst, garniert mit sporadischem, unsystematischem Wissen über Buchherstellung und Werkstätten, Schreiber und Auftraggeber. Das mittelalterliche Buch als Mittel gesellschaftlicher Kommunikation, ebenso die massenhaft kopierte Gebrauchshandschrift und die Rolle des Papiers (neben dem Pergament) in diesem Kontext - über diese Dinge erfährt die Rezensentin im Buch leider wenig bis nichts.

© Perlentaucher Medien GmbH