Produktdetails
  • Verlag: Unionsverlag
  • ISBN-13: 9783293002937
  • ISBN-10: 3293002935
  • Artikelnr.: 09933990
Rezensionen
Besprechung von 02.02.2002
Im Grin-Land
Zum sechsten Mal wurde
Grins „Purpursegel” übersetzt
Russische Literatur ist nicht gefragt, zumindest nicht beim deutschen Publikum. Der Masse der deutschen Leser erscheint die russische Gegenwartsliteratur zu abgedreht, zu wenig unterhaltsam, zu russisch eben. Während man in Russland schreibt, schreibt und schreibt und die Autoren mit dem Internet einen neuen Ort für ihr Schaffen entdeckt haben, wagen nur wenige deutsche Verlage die Übersetzung neuester Texte. Statt dessen setzt man auf Altbekanntes, so wie der Zürcher Unionsverlag, der mit Alexander Grins phantastischem Buch „Purpursegel” ein Buch herausbrachte, von dem es bereits fünf deutsche Übersetzungen gibt.
Purpursegel befriedigt unser aller Sehnsucht nach dem Märchen. In einer bösen Welt wollen wir gerettet werden von dem Märchenprinzen, der uns ins Land des Glanzes und des Überflusses entführt. Und Überfluss war sicher das, von dem viele Russen 1923 träumten, als Grin seine „Purpursegel” schrieb. Nach den Hunger- und Kriegsjahren, die Revolution und Bürgerkrieg ihnen beschert hatten, war die Sehnsucht nach Märchen und Abenteuer groß, und Grin befriedigte dieses Bedürfnis. Wie in vielen seiner Texte finden sich auch in den „Purpursegeln” Seefahrerromantik, märchenhafte Begegnungen, Träume und Prophezeiungen: Das Mädchen Assol, das von den Dorfbewohnern jahrelang gemieden und für verrückt erklärt wird, trifft schließlich, wie von einem alten Mann vorausgesagt, seinen Prinzen, den reichen Sprössling Arthur Grey. Auf einem Schiff mit Purpursegeln entführt Grey seine Prinzessin aus ihrer unwirtlichen Welt, nach „Grin-Land”, wie das Land der poetischen Gerechtigkeit im Russland der 20er Jahre hieß. Das kommt den deutschen Lesern bekannt vor, denn Assol ist verwandt mit Aschenputtel, mit Jane Eyre und ein bisschen auch mit Pretty Woman. Und so kaufen sie das Buch in dem roten Umschlag, das hübsch aussieht, nicht zu dick und nicht zu russisch ist.
SCHAMMA SCHAHADAT
ALEXANDER GRIN: Purpursegel. Unionsverlag, Zürich 2001. 126 Seiten, 9,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Schamma Schahadat fühlt sich gut unterhalten von diesem russischen Klassiker, denn darin stecken "Seefahrerromantik, märchenhafte Begegnungen, Träume und Prophezeiungen",. Viel mehr hat sie zu dem Buch allerdings nicht zu sagen. Kein Wunder, ist es doch schon die fünfte Übersetzung dieses 1923 geschriebenen russischen Märchens ins Deutsche, die der Unionsverlag jetzt veröffentlicht hat. Diesen Umstand nimmt die Rezensentin zum Anlass, die mangelnde Risikobereitschaft der Verlage hierzulande zu beklagen sowie den Umstand, dass die deutsche Leseöffentlichkeit offensichtlich kein großes Interesse an russischer Literatur hat: "Und so kaufen sie das Buch in dem roten Umschlag, das hübsch aussieht, nicht zu dick und nicht zu russisch ist."

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