Purpurn. Ankeitungen eine Farbe zu lesen - Theroux, Alexander
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Rezensionen
Besprechung von 30.05.2000
Literatur
Für die Schönheit
Alexander Theroux und die
Obsession der „Farbe Purpurn”
Es ist die Farbe von Proust und Salome, von Shakespeare – „purple pride” – und Baudelaire, sie zeugt von Pracht und Pathos und Heiligkeit. Mit dem Purpur-Band hat Alexander Theroux sein Buch der Sekundärfarben abgeschlossen – vorausgegangen waren Reflexionen zu Orange und Grün, und davor hatte es einen Band zu den Grundfarben gegeben (alle Teile, in liebevoll preziösen Einzelbänden, erschienen bei der Europäischen Verlagsanstalt, Hamburg, „Purpurn” deutsch von Sebastian Wohlfeil).
The Color Purple also . . . Schön ist, in all diesen Bändchen, dass der Autor sehr früh kapituliert hat und darauf verzichtet, all die Referenzbezüge und Exzerpte in eine Ordnung zu bringen. Was sowieso unmöglich wäre – der Begriff spielt immer wieder ins Violette und Lila, ins Rosa oder Mauvefarbene, es gibt ästhetische wie politische, biologische wie psychologische Assoziationen. Und manchmal ganz einfach persönliche Erinnerungen: „Als Messdiener habe ich ein Übermaß an purpurnen Zungen und noch purpurneren Geschmacksknospen gesehen, wenn die Menschen sich zur heiligen Kommunion niederknieten und ich dem Priester in der Franz-von-Assisi-Kirche zur Hand ging. Und wussten Sie, dass unsere Herzen purpurviolett sind?” Ach ja, die Herzen . . . Die sexy Farbe Violett, das burgunderrote Abendkleid von Scarlett, die Mauve-Robe von Lollobrigida als Königin von Saba, der rotviolette Samt, wenn Jane Wyman Rock Hudson küsst in „Magnificent Obsession”.
Sich eine Vorstellung davon zu machen, was purpurn ist, das Wort auf der Zunge hin und her zu wenden, dass es so schwerblütig wird wie das Glas Wein, das man griffbereit daneben stehen hat – das gehört zur Lektüre dieses Buchs. „Violett ist Zerbrechlichkeit und Kraft, beides . . . Wirkliche Macht schädigt die Schönheit nie, sie verleiht sie erst oft. Und Sanftmut verleiht Macht, so wie Unterwerfung, in gewissem Sinne, nur ein Aspekt der Schönheit ist. ”
göt
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Um eine Vorstellung von der Farbe Purpur zu bekommen und all den Assoziationen nachzugehen, die sie auslöst, sollte man sich das Wort - wie ein Glas burgunderroten, ins Violett gehenden Rotweins - auf der Zunge zergehen lassen, schreibt Fritz Göttler ganz genussgesättigt von diesem Band, der ebenso wie seine Vorgängerbücher über Orange und Grün und die Grundfarben "liebevoll preziös" gemacht bei der EVA Hamburg erschienen ist. Proust und Salomé, Shakespeare und die Kirche - es gibt unendlich viele Bezüge, referiert Göttler, aber dankenswerter Weise habe der Autor darauf verzichtet, diese zu ordnen, sondern sei eher seinen persönlichen Asoziationen und Erinnerungen nachgegangen. Der Rezensent, ein ehemaliger Messdiener, weiß diese zu würdigen.

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