Ovid - Holzberg, Niklas
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Niklas Holzberg bietet mit seinem Buch die erste umfassende deutsche Gesamtdarstellung der Werke Ovids. Mit Charme und auf profunde Kenntnis des antiken Dichters gestützt, präsentiert und interpretiert er klar und verständlich die erotischen, mythologischen und politisch heiklen Gedichte, die zu den schönsten der Weltliteratur gehören.…mehr

Produktbeschreibung
Niklas Holzberg bietet mit seinem Buch die erste umfassende deutsche Gesamtdarstellung der Werke Ovids. Mit Charme und auf profunde Kenntnis des antiken Dichters gestützt, präsentiert und interpretiert er klar und verständlich die erotischen, mythologischen und politisch heiklen Gedichte, die zu den schönsten der Weltliteratur gehören.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 220
  • Erscheinungstermin: 28. Juni 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 141mm x 14mm
  • Gewicht: 321g
  • ISBN-13: 9783406707742
  • ISBN-10: 3406707742
  • Artikelnr.: 48110446
Autorenporträt
Niklas Holzberg lehrt als Professor für Klassische Philologie an der Universität München. Seine Forschungsleistungen und Publikationen auf dem Gebiet der römischen Dichtung haben internationale Anerkennung gefunden.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.03.1997

Lauf langsamer, damit ich dich nicht kriege
Niklas Holzberg kennt Ovid Von Ernst A. Schmidt

Wir verbinden mit Ovid wohl insbesondere drei Assoziationen: Er ist der Dichter einer Liebeskunst und eines Werkes mit Verwandlungsgeschichten, und er wurde von Augustus ans Schwarze Meer verbannt. Mit Variationen bilden diese Elemente auch die Grundkonstellation in Niklas Holzbergs Ovid-Buch. Die Erotik mit dem System der elegischen Liebe, das Prinzip der Metamorphose und die Beziehung von Augustus und Ovid sind seine ineinander verschlungenen Leitmotive.

Im Abstand von vier Jahren nach S. Döpps "Werke Ovids" erscheinend, hat das Werk sogar das gleiche Umschlagbild wie der Deckel des dtv-Bändchens, nicht überraschenderweise die erotische Szene einer überraschten Nymphe mit schönem Po, die unter anderem auch schon die "Liebeskunst" bei Goldmann geschmückt hatte. Den Köder Erotik auszulegen ist begründet; aber abgesehen davon, daß man sich vom Verlag etwas Verwandlungskunst hätte wünschen mögen, führt das pompejanische Wandgemälde auch irre. Der nackte Frauenkörper ist bei Ovid selten, und wenn er ihn uns sehen läßt, ist es nicht der Rücken, sondern die zugewandte Gestalt, so in der hinreißenden Elegie Amores 1, 5, wo die Geliebte in der Nachmittagszeit im Dämmerlicht der Schlafkammer zur Liebesstunde erscheint oder wenn der Jäger Actaeon in den "Metamorphosen" Diana beim Bade erblickt. Die lateinischen Vokabeln für "Gesäß" und ähnliches braucht Ovid in seinem ganzen OEuvre nicht; da muß man schon zu Priapeen greifen.

Wie Ovidische Erotik aussieht, illustrieren am schönsten die Worte Apollos zu der vor ihm in dorniges Gelände fliehenden Daphne: "Laufe langsamer, damit du dich nicht verletzt; ich werde dich auch langsamer verfolgen." Lacht man zuerst über den Widersinn dieser Worte, so erkennt man doch gleich: Liebe ist gerade auch ein Verfolgen - die "Liebeskunst" gilt fast ausschließlich ihm -, nicht nur ein Erreichen. In Apollos Worten wirkt ferner die Liebesdialektik von Zartheit gegenüber Habenwollen und Besitz, und schließlich ist die zärtliche Sorge erotisch - "laß die Dornen nicht deine Schenkel ritzen, die keine Verwundung verdienen" -; in ihr spricht auch die eigene Sorge um die unbeschädigte Erhaltung des Lustobjekts.

Der Witz erotischer Erzählungen ist, daß die Erotik in Erzählungen mit Witz dargestellt ist. Das sieht auch Holzberg so, aber er demonstriert es zu selten. Erotisch ist Ovids Werk auch darin, daß er es von der Liebeselegie her entfaltet und neue Gedichtformen aus dem Gattungssystem seiner Vorgänger durch jeweilige Veränderung eines Elements generiert: statt des Ichs des Liebenden das des Liebeslehrers, statt des Ichs des männlichen Liebenden und Dichters das mythologischer Frauen, statt der Trennung vom Geliebten die Trennung von Rom, statt der hartherzigen Geliebten der grausame Kaiser.

Die Transformationen des elegischen Systems nennt Holzberg Metamorphosen und erklärt so das Prinzip der Produktion Ovids für identisch mit dem der Grundkonstellation des Verwandlungsepos. Die interessante und lebendige Nachzeichnung dieses Werks ist eigentümlich unentschieden, weil der Verfasser zwei entgegengesetzten Deutungen zugleich gerecht werden will. So folgt er einerseits einem Ansatz, der in dem Epos Geschichten von Menschen sieht, deren Verwandlung ihr Wesen und ihre Geschichte in Weltformen als Metaphern und Zeichen verewigt, und gibt andererseits dem Sog der neueren deutschen Forschungsgeschichte nach, das Gedicht als Weltgeschichte und permanenten Wandlungsprozeß zu lesen. In der "mythologischen Weltgeschichte" fehlt aber gerade das Weltgeschichtliche, wie Holzberg selbst feststellt, und die großen chronologisch geordneten Sagenkreise der Griechen sind nur "Hintergrund" oder "Rahmenhandlung", weil der Erzähler sich viel mehr "für das interessiert, was Menschen und speziell Frauen empfinden, als für das, was die Recken der Vorzeit geleistet haben". So ist auch im Aeneas-Mythos alles "ausgespart", was er an "Bedeutung . . . für die Geschichte Roms und den Augusteischen Staat" bei Vergil enthielt.

Geschichte als kontinuierliche Veränderung wird aber insbesondere deshalb bemüht, weil sie dem Sinn von Metamorphose eingeschrieben und so Ovids antiaugusteische Weltanschauung belegen soll, die der Prinzipatsideologie mit ihrem Konservatismus und Zukunftsoptimismus eine Weltsicht der Veränderung und Zerstörung entgegenstelle. Das ist ein Glaubenssatz in der Latinistik. Aber deckt Ovids Definition seiner "Metamorphosen", "Gestalten (formae), in neue Körper (corpora) verwandelt (mutatae)" beziehungsweise "Verwandlung von Menschengestalten", tatsächlich auch kosmische Katastrophen, Dekadenzprozesse und kulturgeschichtliche Veränderungen, eine "permanent sich wandelnde Welt" mit ab? Ransmayr ist nicht das letzte Wort; man kann der "Letzten Welt" nur ablesen, welche Forschungsmeinungen über Ovid dem Schriftsteller zur Verfügung standen. Fragen wie: "Ist dieser Abschnitt antiaugusteisch?" oder "Wie mag Augustus diese Passage aufgenommen haben?" begleiten Holzbergs Analysen. Aber legen sie sich von den Dichtungen her nahe, interessieren sie den Leser, sollten sie es?

Das Buch wirkt wie eine kompetente Vorlesung in lockerem Ton. Der allgemeine Leser hätte vielleicht mit weniger Philologie im Sinne aktueller und modischer Forschungsinteressen und mit mehr Philologie im Sinne praktizierter Leseleidenschaft und Dichterliebe wirkungsvoller dazu verführt werden können, einen wunderbaren Falschmünzer (um Rolf Vollmann zu zitieren) lesend besser kennen-und liebenzulernen, wie es unverkennbar auch Holzbergs Anliegen ist.

Niklas Holzberg: "Ovid". Dichter und Werk. C. H. Beck Verlag, München 1997. 220 S., geb., 48,- DM.

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