Oskar Kokoschka. Leben und Werk - Kokoschka, Oskar
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Die erste umfassende Monographie des großen europäischen Expressionisten
Mehr als 20 Jahre nach dem Tod Oskar Kokoschkas (1886-1980) gibt diese der wissenschaftlichen Forschung verpflichtete und trotzdem spannend zu lesende Publikation erstmals einen genauen Einblick in Bildwelt und Dichtung des Künstlers. Sie macht die entscheidenden Stationen seiner Entwicklung gegenwärtig:- sein Herauswachsen aus dem Wiener Jugendstil und seinen epochalen Beitrag zum frühen Expressionismus;- die leidenschaftliche Liebe zu Alma Mahler, die ihn zu genialen Meisterwerken anspornte;- die produktiven Dresdner…mehr

Produktbeschreibung
Die erste umfassende Monographie des großen europäischen Expressionisten

Mehr als 20 Jahre nach dem Tod Oskar Kokoschkas (1886-1980) gibt diese der wissenschaftlichen Forschung verpflichtete und trotzdem spannend zu lesende Publikation erstmals einen genauen Einblick in Bildwelt und Dichtung des Künstlers. Sie macht die entscheidenden Stationen seiner Entwicklung gegenwärtig:- sein Herauswachsen aus dem Wiener Jugendstil und seinen epochalen Beitrag zum frühen Expressionismus;- die leidenschaftliche Liebe zu Alma Mahler, die ihn zu genialen Meisterwerken anspornte;- die produktiven Dresdner Jahre nach dem Ersten Weltkrieg;- die visionäre Kraft seiner Städte- und Landschaftsbilder Europas und Nordafrikas;- die Jahre der Verfolgung, die er als Emigrant in Prag und London als kompromissloser Kämpfer für die Freiheit nutzte;- das reiche, jetzt erst in seinem Rang erkannte Spätwerk, in dem er u. a. das Erlebnis der Antike, der Weltliteratur und des Welttheaters gegenwärtig machte. Von einer unerschöpflichen Phantasie getragen, die Tradition des europäischen Erbes in die Zukunft fortführend, deutete Kokoschka sein Leben und seine Zeit.
  • Produktdetails
  • Verlag: DUMONT LITERATUR UND KUNST VERLAG
  • Sonderausg.
  • Seitenzahl: 535
  • Abmessung: 315mm
  • Gewicht: 3760g
  • ISBN-13: 9783832173203
  • ISBN-10: 383217320X
  • Artikelnr.: 11838873
Autorenporträt
Heinz Spielmann, ehem. Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums auf Schloss Gottorf ist heute Künstlerischer Leiter des Hamburger Bucerius Kunstforums. Zahlreiche Publikationen zur bildenden Kunst, zu Design und Fotografie, darunter eine größere Anzahl, die Oskar Kokoschka gewidmet ist.
Rezensionen
Besprechung von 29.12.2003
Der Heimat abhanden gekommen
Ein Fremder unter den Malern seiner Zeit: Heinz Spielmann erzählt von Leben und Werk Oskar Kokoschkas
„Er wurde in der Kunstschau entdeckt. Er ist seitdem der Outsider, der von der Kritik beschmutzt wird, Er rückt in die Nähe Grünewalds, Er ist der einzige Moderne in Wien, Er sieht Gespenster, geheime Seelenqualen, Er wühlt mit Vorliebe in den Wunden, Er wird im Irrsinn enden.”
Grünewald und Irrsinn. Mit Genugtuung und Verachtung zitiert Oskar Kokoschka in einem Brief an seinen Verleger, den „Sturm”-Herausgeber Herwarth Walden, was die Wiener Zeitungen drei Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges über ihn schrieben. In der von Gustav Klimt ausgerichteten „Wiener Kunstschau” von 1908 hatte „OK” für einen der ersten unter seinen vielen Skandalen gesorgt. Wien, dem eleganten Jugendstil von Klimt verfallen, mochte sein neues enfant terrible nicht.
Kokoschka verließ Wien bald für immer. Zeit seines Lebens blieb sein Groll über die Stadt, die ihn „nur vom Wegschaun” kenne. Wien dagegen, des steigenden Ruhms des Künstlers wohl gewahr, übte sich in Reue darüber, dass Kokoschka „der Heimat abhanden gekommen” sei. So hieß es im Katalog der Ausstellung, welche die Stadt dem Künstler 1937 zu seinem fünfzigsten Geburtstages ausgerichtet hat. Nur Monate darauf wurde Kokoschka von den Nazis zum „entarteten Künstler” erklärt; der Maler floh, erst nach Prag, dann nach London.
Die Kunstgeschichte ist dickleibig geworden. Unter den neuen Elefanten auf dem Buchmarkt ist die monografische Studie, die Heinz Spielmann über Kokoschka geschrieben hat, mit ihren vier Kilo allerdings noch ein zartes Gewächs. Zu Kokoschka, diesem fast archaisch fremden Einzelgänger in der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, sind zahlreiche Kataloge und Einzelstudien erschienen – oft noch mit Geleitworten des Künstlers selbst. Wissenschaftliche Distanz ließ seine Kunst bisher aber kaum zu. Vielleicht ist es dafür selbst heute, zwanzig Jahre nach dem Tod des Künstlers, noch zu früh.
Spielmann tut einen großen Schritt nach vorn. Seine ohne Faktenhuberei doch von Fakten überbordende Studie ist, über Kokoschka hinaus, Kunstgeschichte wie Geistesgeschichte Wiens und Berlins vor und zwischen den Weltkriegen. Paris, die dritte Große im Bunde der Avantgarde, wird dagegen eher kühl aufgenommen. Kokoschka besuchte Paris oft und blieb einige Male sogar länger. Aber mit keinem Künstler der Pariser Moderne – sei es Matisse, Picasso oder Braque – scheint er je Kontakt gesucht zu haben.
In welcher Stadt Kokoschka seine Zelte auch aufschlägt, man folgt mit Spielmann den Wegen eines großen Fremden unter den Malern der Zeit. Das macht die Lektüre ebenso reizvoll wie des Autors Gespür dafür, immer auch das Kind der Habsburger Monarchie durchschimmern zu lassen. Kokoschka hatte das fünfzigjährige Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs noch als Schüler der Wiener Kunstgewerbeschule erlebt.
Kokoschkas Kunst ist von beeindruckender Konsequenz. Im Leben aber häufen sich die Brüche. Spielmann geht daher mit Gewinn den Weg der klassischen Künstlerbiografie. Zu den mitreißenden Kapiteln zählt die liebestrunkene Epoche mit Alma Mahler. Auch die letzten Spuren Wiener Jugendstils wurden nun weggefegt. Porträt, Allegorie, Landschaft – alles verband sich mit einem Schlage zu neuer dramatischer Wucht, als 1912 die Witwe von Gustav Mahler in Kokoschkas Leben trat und eine ungleiche, fast bis zur Selbstzerstörung gehende Leidenschaft begann. Mit dem dräuenden Liebesschwur der „Windsbraut” schuf Kokoschka ein Bild von Shakespearescher Tonlage: im tosendem Dunkel des Lebenssturms treiben die nackt Umschlungen dahin. Wünsche, Prophezeiungen und Ahnungen malte Kokoschka seiner Geliebten auf Fächer. Von unerschöpflicher Zärtlichkeit sind die Briefe an die kühle Witwe, der die Wiener Gesellschaft letztlich wichtiger war als die heftige Leidenschaft des genialen Außenseiters. Die Anreden an Alma überstürzen sich: Mein liebes Almi! Meine über alles geliebte süße Alma! Mein süßes, kleines Mädchen Almili! Mein Almi, Du süßer kleiner Kerl! Meine wunderbare Geliebte! Der Verbindung mit Alma Mahler entsprang ein Kind, das Alma aber abtreiben ließ. Von der im Sanatorium Genesenden nahm Kokoschka einen Wattebausch voll Bluts und trug diesen bis zuletzt bei sich: „Dies ist mein einziges Kind!”
1919 wurde Kokoschka Professor der Dresdner Kunstakademie. Alma Mahler, Krieg und Verwundung lagen hinter ihm. Es begann eine der glücklichsten Schaffenszeiten. Werke von leuchtender Farbigkeit wie „Die Macht der Musik” entstanden. Den frühen Bildnissen gesellte sich eine neue Leidenschaft hinzu: die Städtebilder. Was bei anderen Künstlern der Moderne ein Sujet unter vielen blieb, wurde bei Kokoschka zur monumentalen Suite, zum barocken Farbenjubel vom Krieg oder der Zivilisation geschundener Städtewüsten. Kokoschkas Städtebilder gerieten zur Krönung barocker Tradition. Guardi, Canaletto und die Weltlandschaften von Rubens verschmolzen hier mühelos. Die Ansichten von Stockholm, Dresden, Paris, Berlin und New York durchliefen zwar eine enorme Steigerung von Stil und Pathos. Anders als in den Bildnissen fand sich Kokoschka hier jedoch sehr rasch im Besitz größter künstlerischer Spannweite.
Die Kunsthure soll hängen!
Ein wichtiges Kapitel widmet Spielmann Kokoschkas politischer Haltung. Von den Nazis als Geisteskranker diffamiert, ging er ins Exil. In London war er federführendes Mitglied der Free German League of Culture. Er sparte nicht mit beißendem Spott über die Untätigkeit Englands gegenüber Hitler. Trotzdem gilt Kokoschka manchen als konservativ, ja reaktionär. Das mag daran liegen, dass er die Freiheit liebte, nicht aber die Revolution. Die Wirren der Revolution, die er in Deutschland nach 1918 miterleben musste, verabscheute er. Öffentlich rief er zum Widerstand gegen das Lynchen und Zerstören auf. John Heartfield und George Grosz beschimpften ihn daraufhin als „Kunsthure”, die, nach siegreichem Ende der Revolution, am nächsten Laternenpfahl aufgeknüpft gehöre.
In einer Epoche sich jagender Stile, von Expressionismus, Kubismus und abstrakter Malerei, wird Kokoschka in diesem Buch sehr oft als moderner Widergänger des Barock gezeichnet. Das kann natürlich nicht der Porträtkunst eines Malers gelten, der „das Bewußtsein schrankenlos” und „wie eingewirkt” in den Gesichtern leben sah. Es gilt vielmehr der geistigen Verwandtschaft Kokoschkas zu einer Malerei, die den Menschen in seiner Tragik noch ganz zu umfassen vermochte. Rubens und dessen Weltlandschaften zählten dazu. Ebenso Rembrandt, dessen spätes Selbstporträt als kranker Greis den Flüchtling während der Kriegsjahre in der National Gallery in London aufrichtete. Auch, wie Spielmann ergänzt, der rauschende Barock von Maulbertsch und die Antike.
Spielmannns bedeutende Studie wird zweifellos ein Standardwerk. Trotzdem hätte man sich bisweilen mehr Distanz gewünscht. Kokoschka hatte nicht nur Seelen-, sondern auch Schaffenskrisen. Durchaus nicht alles bewegt sich auf derselben Höhe. Bei Spätwerken wie „Ecce Homines” und „Peer Gynt” muss man mit Einwänden rechnen. Keineswegs alle Porträts überzeugen in gleicher Weise. Selbst in der herrlichen Suite der Städtebilder zeigen sich mancherorts künstlerische Unverbindlichkeiten. Hier kommt im Buch die Wertung oft zu kurz.
Ab und an verliebt sich die dichte und mit Verve geschriebene Studie, biografischer Lückenlosigkeit zuliebe, zu sehr in Details wie Krankheit, Arztbesuch und Reisedaten.
HANS JAKOB MEIER
HEINZ SPIELMANN: Kokoschka. Leben und Werk. Dumont Verlag, Köln 2003. 580 Seiten, 128 Euro.
Kokoschkas Porträt von Adolf Loos entstand im Jahr 1909.
Aus dem bespr. Band
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

"Die Kunstgeschichte ist dickleibig geworden", stellt Hans Jakob Meier fest, Heinz Spielmanns Monografie zu Oskar Kokoschka bringt es immerhin auch auf vier Kilo. Doch wenn man dem Rezensenten folgt, erwartet einen keine allzu schwere Lektüre. Denn Spielmann gehe mit großem Gewinn den Weg der klassischen Künstlerbiografie, schreibe faktenreich, aber nicht faktenhuberisch. Dabei bringe Spielmann, wie der Rezensent versichert, auch noch die Kunst- und Geistesgeschichte von Wien und Berlin unter. Zu den spannendsten Kapiteln gehört für ihn der Abschnitt über Kokoschkas politische Haltung, der "die Freiheit liebte, nicht aber die Revolution" und deshalb oft als reaktionär geschmäht wurde. Zu den mitreißendsten Passagen gehören natürlich die über Kokoschkas Liebe zu Alma Mahler.

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