Nofretete - Maciejewski, Franz
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Schon Nofretetes erstes Auftreten auf der Bühne der Weltgeschichte war spektakulär. Auf den frühen Aton-Tempeln von Theben ist sie als gottgleiche Geliebte des neuen Gottes zu bewundern. Erst mit dem Umzug nach Amarna und der Geburt von insgesamt sechs Töchtern fügte sie sich in die Rolle der Königsgemahlin. Hier kämpfte sie mit einer Rivalin um die Gunst des Königs, erwarb die Rechte einer Mitregentin und bestieg nach dem Tod Echnatons den Thron Ägyptens. Eine beispiellose Karriere. Doch am Vorabend der Heirat mit einem hethitischen Prinzen wird sie gestürzt. Die kühne Vision von der Gründung einer neuen Dynastie blieb unerfüllt.…mehr

Produktbeschreibung
Schon Nofretetes erstes Auftreten auf der Bühne der Weltgeschichte war spektakulär. Auf den frühen Aton-Tempeln von Theben ist sie als gottgleiche Geliebte des neuen Gottes zu bewundern. Erst mit dem Umzug nach Amarna und der Geburt von insgesamt sechs Töchtern fügte sie sich in die Rolle der Königsgemahlin. Hier kämpfte sie mit einer Rivalin um die Gunst des Königs, erwarb die Rechte einer Mitregentin und bestieg nach dem Tod Echnatons den Thron Ägyptens. Eine beispiellose Karriere. Doch am Vorabend der Heirat mit einem hethitischen Prinzen wird sie gestürzt. Die kühne Vision von der Gründung einer neuen Dynastie blieb unerfüllt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Osburg
  • Seitenzahl: 178
  • Erscheinungstermin: 19. September 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 233mm x 145mm x 18mm
  • Gewicht: 390g
  • ISBN-13: 9783940731807
  • ISBN-10: 3940731803
  • Artikelnr.: 35932591
Autorenporträt
Dr. phil. Franz Maciejewski, Diplom-Soziologe, Psychoanalytiker, ist freier Autor. Er war Leiter des Forschungsprojekts"Erinnerungsrituale des Holocaust"der Universität Heidelberg.
Rezensionen
Besprechung von 03.12.2012
Bis der Schwan schwarz und der Rabe weiß wird

Die nächste Nofretete-Welle rollt: Hat die Pharaonin nicht nur ihren Namen, sondern auch ihre Identität gewechselt? Franz Maciejewski stellt tollkühne Thesen auf.

Nofretete, um 1340 v. Chr. Ägypten Pharaonin, heute Weltkönigin der Herzen, wird von 7. Dezember an im Berliner Neuen Museum täglich Tausende Bewunderer empfangen. Der Grund: Vor hundert Jahren, am 6. Dezember 1912, barg der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt in den Ruinen von Achetaton (Amarna), der kurzlebigen neuen Hauptstadt des "Ketzerpharaos" Echnaton, die Nofretete-Büste, die seither jeden verhext. Das Jubiläum wird eine Ausstellung würdigen, die alle im Neuen Museum vorhandenen Werke der Amarna-Kunst samt Leihgaben rund um die schwanenhalsige Schöne präsentieren wird.

Generationen von Archäologen, Journalisten und Schriftstellern haben sich die Finger über Nofretete wund geschrieben. Und doch wissen wir wenig über diese Frau. Fünf Töchter brachte sie zur Welt, das bezeugen Inschriften und viele Kunstwerke, auf denen sie, oft gemeinsam mit Echnaton, diese liebkost. Dass und wie sie es tut, ist schon eines der zahlreichen Rätsel: Weder zuvor noch danach boten sich die Pharaonen auf offiziellen Bildnissen derart intim. Nie auch hat eine Königin Altägyptens diese kapriziöse blaue Kronhaube getragen, die das Charisma der Berliner Büste so raffiniert verstärkt. Persönlicher Entwurf einer Modenärrin? Ausgeklügeltes Symbol, mit dem den Untertanen die unerhörte Rangerhöhung Nofretetes von der dienenden Gattin zur Mitregentin deutlich gemacht werden sollte? Für beides haben Experten plädiert. Ebenso wie schon die kühnsten Theorien entwickelt wurden, weshalb Nofretete, die uns zerbrechlich und sanft gegenübertritt, auf Wandreliefs mit dem Krummschwert Feinde köpft, als Sphinx Nubier und Asiaten zermalmt - Handlungen ausübt, die zuvor einzig dem Pharao allein zustanden.

Franz Maciejewski zählt zu den Schwärmern unter den Nofretete-Forschern; er ist aber einer der Bestinformierten: Mittels akribischer Namensforschung hat er sich im Disput über die ungeklärte Herkunft der Königin auf die Seite derer geschlagen, die sie als Tochter des Hofbeamten Eje identifizieren, des bürgerlichen Bruders von Teje, der Gemahlin Amenophis III. und Mutter Echnatons, die beim Zutreffen dieser Genealogie zugleich Schwiegermutter und Tante Nofretetes gewesen wäre.

Den Aufstieg der bürgerlichen Eje-Teje-Sippe nahm Maciejewski schon 2011 in seinem Echnaton-Buch unter die Lupe, um daraus ein freudianisches Modell aus ödipaler Machtpolitik, Hysterie und Inzest zu bauen. Folgerichtig interessiert ihn in seinem neuen Buch die Bruchstelle der Nofretete-Haube über dem goldenen Stirnreif, wo ursprünglich Geier und Kobra, die altägyptischen Herrscherinsignien, drohend ihre Köpfe reckten. Wären sie noch da, so der Autor, würde aus der Lieblichen schlagartig eine Furie. Damit beginnt eine tolle Spekulationsreise: Maciejewski spinnt zwischen klassischer Psychoanalyse und Daily Soaps wie "Verbotene Liebe" seinen Intrigenfaden weiter.

Wie ihre Tante/Schwiegermutter, die energische Teje, und ihr ebenso machtgieriger Vater Eje sei auch Nofretete besessen davon gewesen, sich und ihren Clan an der Macht zu halten. Endgültig zur "Intrigantin, ja Schurkin" wird sie für den Autor, als Kija, eine Nebenfrau Echnatons, auftaucht. Gestützt auf ein Grabrelief in Achetaton, das eine im Kindbett verstorbene, von Echnaton und Nofretete betrauerte junge Frau zeigt, aus deren Zimmer eine Amme ein Neugeborenes nach draußen trägt, erklärt Manciejewski Kija zur Mutter Tutanchamuns, die bei dessen Geburt gestorben sei. Damit habe sie, die in Inschriften mehrmals als "Große Geliebte" bezeichnet wird, die nur Mädchen gebärende Nofretete einerseits in letzter Sekunde unfreiwillig vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit gerettet, ihr andrerseits mit dem Thronfolger eine neue Bedrohung hinterlassen.

Die DNA-Analysen des Jahres 2010, denen zufolge Tutanchamun ein Sohn des Echnaton gewesen ist, den dieser mit einer seiner Schwestern zeugte, fechten Maciejewski nicht an. Er erklärt diese Schwester und Kija kurzerhand zu einer Person mit wechselnden Namen. Mit dem gleichen Argument erklärt er dann das Rätsel, dass Nofretete in den letzten Regierungsjahren Echnatons plötzlich aus den Inschriften verschwindet, für gelöst: Sie sei nicht verstorben oder verstoßen worden, sondern habe unter dem neuen (Thron-)Namen Anchetcheprure mächtiger denn je an der Seite ihres Gatten regiert.

Das Unterstellen eines nochmaligen Namenswechsels ist dann der Salto mortale zur tollkühnsten These - dass Nofretete sich nach dem Tod Echnatons zum Pharao gemacht habe. Radikaler als Hatschepsut, die sich als "Amtsperson" nur den künstlichen Knebelbart der Pharaonen umband, habe Nofretete die weibliche gegen eine männliche Identität getauscht und sei zu Semenchkare geworden, jenem schemenhaften Pharao, der nach Echnaton und vor Tutanchamun zwei Jahre lang regierte.

Dass Ägyptologen mit guten Gründen in Semenchkare einen älteren (Halb-)Bruder Tutanchamuns vermuten, stört Maciejewski nicht. Man kann ihm zugutehalten, dass versiertere Wissenschaftler vor ihm nicht minder ignorant waren, als sie dem sonderbaren Faktum auswichen, dass weder Tutanchamun noch Semenchkare - potentielle Thronfolger - vor Amtsantritt nie in Inschriften auftauchen. Überhaupt kann man den Autor nicht gänzlich als sensationslüsternen Phantasten abtun.

Denn die Erkenntnisse, die wir in jüngster Zeit dank der DNA-Listen, neu entdeckter Kunstwerke und Urkunden über die Ära Echnatons gewonnen haben, stellen unser Verständnis auf eine harte Probe: Inzest, blutige Schlachten gegen aufbegehrende Vasallen, ultraautoritäre Amtsführung verätzen das strahlende Bild vom Glaubensstifter Echnaton, der Eingottglauben und Menschenliebe gepredigt und in seiner Gottesstadt gemeinsam mit Nofretete gelebt habe. Wir werden einsehen müssen, dass die hinreißend schönen Werke der Amarna-Kunst verbunden sind mit einer Zivilisation, deren Praktiken uns in vielem Schauder über den Rücken jagen. Nicht umdenken muss man dagegen in Bezug auf Maciejewskis halsbrecherische Theorien, die umstandslos und naiv heutige Maßstäbe an das Einst legen. Mag man ihm noch folgen, wenn er schreibt, dass Echnatons "neue Gottesstadt jenseits des schönen Scheins als ein Ort Shakespearschen Zuschnitts wahrgenommen werden" müsse. Doch wenn er, gestützt auf Freudsche, an Großbürgern des neunzehnten Jahrhunderts entwickelte Ideen, Nofretete zu "Lady Macbeth" macht, die im Chaos von "Kabale und Liebe" skrupellos mordet, bis sie am Ende selbst ermordet wird, dichtet er Kotzebue statt Schiller.

Das gipfelt in seiner Deutung jener beiden bekannten Briefe, die eine ägyptische Königin um 1330 vor Christus an den hethitischen König Suppilluliuma sandte. Die namentlich Unbekannte bittet darin, er solle ihr einen seiner Söhne schicken, den sie, deren Gatte gestorben sei, zum Gemahl nehmen werde. In Frage kommen mehrere Witwen - für Maciejewski aber nur Nofretete. Dass das letzte bekannte Bildnis der Königin, eine sicher noch zu Lebzeiten Echnatons entstandene Tonstatuette, sie als extrem gealterte Frau zeigt, zieht er nicht ins Kalkül. "Bis der Schwan schwarz und der Rabe weiß wird, bis die Berge aufstehen zu wandern und das Wasser bergauf fließt", so hatte es Echnaton in die Berge rings um Achetaton meißeln lassen, werde seine Hauptstadt nicht vergehen. Bei Franz Maciejewski fließt das Wasser bergauf.

DIETER BARTETZKO

Franz Maciejewski: "Nofretete". Die historische Gestalt hinter der Büste.

Osburg Verlag, Hamburg 2012. 180 S., Abb., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Dieter Bartetzko scheint es mit Humor zu nehmen, wenn der Autor seine halsbrecherischen Theorien über Nofretete, den Glaubensstifter Echnaton und die Amarna-Kultur vom Stapel lässt. Die forsche, wenig bekümmerte Art, wie Franz Maciejewski pünktlich zum 100. Jubiläum der Entdeckung der Nofretete-Büste mit heutigen Maßstäben zwischen Pyschoanalyse und Daily-Soap-Dramaturgie seine Thesen zur Herkunft und Machtergreifung der schönen Nubierin entwickelt, stellt ihn allerdings auf eine harte Probe. Hat er sich aber erst einmal in die höchst spekulative Intrigantinnenstory eingelesen, sämtliche neuen Erkenntnisse aus DNA-Analysen ausgeblendet und sich darauf eingelassen, dass der Autor eben wie Kotzebue dichtet, nicht wie Schiller in "Kabale und Liebe" - dann kann er immerhin schmunzeln über dieses Buch.

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