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Eine Meistersatire aus Ungarn
Natürlich ist es lästig, wenn plötzlich eine von den Täubinnen, die kürzlich in dein Haus eingezogen sind, vor deiner Tür steht und sich deine Mikrowelle zum Brüten ausleihen will, aber man will ja die gute Nachbarschaft nicht gefährden. Natürlich ist es ein bißchen unheimlich, wenn plötzlich marodierende Taubenschlägertrupps die Straßen unsicher machen. Aber muß man sich denn in alles einmischen? Doch was, wenn plötzlich der Obertäuberich in deiner Wohnung steht, und dir zu deinem künftigen Beitrag zur Taubenweltherrschaft gratuliert? Was, wenn du eines…mehr

Produktbeschreibung
Eine Meistersatire aus Ungarn

Natürlich ist es lästig, wenn plötzlich eine von den Täubinnen, die kürzlich in dein Haus eingezogen sind, vor deiner Tür steht und sich deine Mikrowelle zum Brüten ausleihen will, aber man will ja die gute Nachbarschaft nicht gefährden. Natürlich ist es ein bißchen unheimlich, wenn plötzlich marodierende Taubenschlägertrupps die Straßen unsicher machen. Aber muß man sich denn in alles einmischen? Doch was, wenn plötzlich der Obertäuberich in deiner Wohnung steht, und dir zu deinem künftigen Beitrag zur Taubenweltherrschaft gratuliert? Was, wenn du eines Morgens aufwachst und bemerken mußt, daß übelriechende Hilfstauben an dir herumdoktern: Man hat dir Flügel eingepflanzt, weil du der Prototyp auf dem Weg zur Menschentaube oder zum Taubenmenschen werden sollst. Die Schmerzen sind schlimm, aber noch viel grausamer sind der Obertäuberich und seine Gattin in ihrer Dummdreistigkeit, in ihrem ideologischen Wahn, in ihrer ständigen sexuellen Aufgekratzheit, kurz: in ihrem politischen Knallchargentum. Doch mit der Zeit findest du immer mehr Geschmack daran, im Inneren der Macht zu residieren und an den Formationsübungsflügen teilzunehmen: war Fliegenzukönnen nicht immer schon ein Menschheitstraum? Und ist der Geschmack der Macht am Ende nicht doch ein süßer?

Lajos Parti Nagy erfindet in seiner satirischen Parabel dem politischen Irrsinn eine eigene Sprache: mit dem unerhörten, abgrundtief komischen Gelaber der Welteroberungsfanatiker, das Terézia Mora kongenial ins Deutsche übertragen hat, gibt der Roman ein bestechendes Psychogramm terroristischer Politik.
  • Produktdetails
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
  • Seitenzahl: 300
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 430g
  • ISBN-13: 9783630871585
  • ISBN-10: 3630871585
  • Artikelnr.: 13377576
Autorenporträt
Lajos Parti Nagy, 1953 in Szekszárd, Ungarn, geboren, lebt in Budapest. 1979 bis 1986 war er Redakteur der Literaturzeitschrift Jelenkor, seitdem ist er freischaffender Schriftsteller und Übersetzer. Parti Nagy begann als Lyriker, bis er Mitte der 90er auch Erzählungen, Romane, Hörspiele und Dramen verfaßte.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Für gewöhnlich stehen die Dinge so: Falken stehen für das Böse und Tauben für das Gute. Was aber geschieht, fragt Rezensent Paul Jandl, wenn die Tauben an die Macht kommen? Glaubt man Lajos Parti Nagys "glänzender Satire", so Jandl, bringen sie keineswegs den Frieden. In der Tat bauen sich in "Meines Helden Platz" die Tauben - geschart um ihren charismatischen Führer Cäsar Tubitza - schrittweise ein Taubenimperium, ideologisch begründet durch den Palomismus und mit einer idealgenetischen Zukunftsvision. Dabei bediene sich Parti Nagy einer "trickreichen" Erzählkonstruktion: Als Erzähler diene ihm ein Schriftsteller, der zufälligerweise Tubitzas Nachbar ist, und der von ihm für die Bewegung angeworben wird. Daraufhin werde ein fiktives Ich des Schriftstellers in eine Taube umoperiert, woraufhin es mühelos in der Tauben-Hierarchie aufsteige. Erzähler und fiktives Ich, erklärt der Rezensent, bleiben jedoch weitherhin in Kontakt, bis zur Verhaftung des Erzählers, der de ganze Entwicklung schriftlich festfehalten hat. Gerade in dieser Spaltung zwischen Schriftsteller und fiktivem Ich meint der Rezensent die "tragende Ironie" des Romans zu erkennen, die Tatsache nämlich, dass der aufstrebende und "zweifelhafte" Held ausgerechnet aus der Phantasie eines Literaten entspringt, dass er aus einer Idee geboren, und dadurch zur "Ausgeburt" wird. Bei aller glanzvollen Satire, so der Rezensent, droht dem Roman allerdings dort Gefahr, "wo der satirische Überschwang den ernsten Boden unter den Füssen verliert". Schließlich regnet es Lob für die Übersetzungsleistung von Terezia Mora. Ihre Tauben berlinern oder wienern, und "ihre polyglotten Kenntnisse sämtlicher Hinterhofidiome zwischen Sopron und Charlottenburg" machen die "geschwätzige Blödigkeit" der Tauben "richtig wahr".

© Perlentaucher Medien GmbH
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"Auch jenseits persönlicher bitterer Erfahrungen liest sich Lajos Parti Nagys Roman 'Meines Helden Platz' als so gescheite wie fantastische Satire." Frankfurter Rundschau