Mein Vater, die Göttin und ich - Martínez de Pisón, Ignacio
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Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • Seitenzahl: 288
  • Deutsch
  • Abmessung: 27mm x 132mm x 210mm
  • Gewicht: 412g
  • ISBN-13: 9783455047127
  • ISBN-10: 3455047122
  • Artikelnr.: 20769433
Autorenporträt
Ignacio Martínez de Pisón, geboren 1960 in Zaragoza, hat schon zahlreiche Romane veröffentlicht. In Spanien gilt der in Barcelona lebende Autor als einer der wichtigsten zeitgenössischen Romanciers.
Rezensionen
Besprechung von 12.09.2007
Mit der Göttin auf spanischen Straßen

Sie fahren über "zweitrangige Landstraßen" (so der, im Übrigen passendere, Originaltitel des Buches) durch Spanien, verbringen die Winter am Strand, weil dort die Wohnungen billiger sind, und die übrige Zeit in kleineren und größeren Städten. Lange können sie nirgendwo bleiben, weil sie von Gaunereien leben, wie etwa der Einrichtung von billigen Telefonzentren, ohne später die Gebühren zu zahlen, oder, weil die Frauen von der leichteren Sorte, die der Vater sich als angeblicher künstlerischer Agent anlacht, eine Luftveränderung brauchen. Sie fahren mit einem gebraucht gekauften Citroën DS, "la déesse" (die Göttin, unser Foto), wie dieser Autotyp gerne genannt wird. Für Felipes Vater, der bis zu seiner ungerechtfertigten Entlassung als Gerichtsmediziner gearbeitet hat, ist das Auto das letzte Relikt der baskischen Oberklasse, aus der er stammt. Für seine wenig durchsichtigen Geschäfte konnte die Limousine nur nützlich sein.

Auf ihren ziellosen Fahrten durch das Land kommen sie auch nach Vitoria, der Geburtsstadt des Vaters. Dort wird er zur Verbüßung seiner zu Unrecht erfolgten früheren Strafe verhaftet. Der Sohn Felipe lernt dort seine Großmutter und die übrige Familie des Vaters kennen. Deren hochanständige Bürgerlichkeit stößt ihn ab, und so beschließt er, nach der Freilassung des Vaters weiter mit diesem auf den Landstraßen durch Spanien zu ziehen. Der vom Sohn nicht besonders geschätzte Vater hatte eine Lebensversicherung abgeschlossen und versuchte sogar, sich umzubringen, um seinem Sohn eine Zukunft ohne finanzielle Probleme zu sichern. Schließlich stirbt die Großmutter, Vater und Sohn erben viel Geld, Kinos und Sportarenen in Vitoria. Sie mieten sich jetzt sogar im Sommer ein Apartment am Strand, wo sie "ein normales Leben" führen und gelangweilt den ganzen Tag auf das Meer hinausschauen.

"Mein Vater, die Göttin und ich" hat sicher viel mit der "novela picaresca", dem Schelmenroman aus dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, dem goldenen Zeitalter der spanischen Literatur, zu tun. Der Schelm ist hier, in dieser Modernisierung des pikaresken Romans, der Vater. An der trockenen, manchmal ironischen Darstellung des erzählenden Felipe fällt die völlige Illusionslosigkeit auf, während der Vater geradezu vor optimistischer Unternehmungslust sprudelt.

Ignacio Martínez de Pisón, geboren 1960 in Saragossa, gehört zu jener Gruppe spanischer Schriftsteller der mittleren Generation, die ohne viel Getöse und ohne Skandale fast jedes Jahr einen Roman oder einen Erzählungsband vorlegen. Ihre Werke erreichen eine große Zahl von Stammlesern und werden auch übersetzt. Martínez de Pisón schreibt auch Novellen, in Spanien "kurzer Roman" genannt. Mit einem dieser Kurzromane, einer gelungenen Satire auf den spanischen Literaturbetrieb, "Antofagasta", wurde er in den achtziger Jahren bekannt. Der Roman "Die Zeit der Frauen" ist schon vor einigen Jahren auf Deutsch erschienen. Zuletzt erschien auf Deutsch von ihm "Der Tod des Übersetzers" (F.A.Z. vom 2. August). "Carreteras Secundarias" wurde zweimal verfilmt, für das Drehbuch erhielt Ignacio Martínez de Pisón den wichtigsten spanischen Filmpreis, den Goya.

WALTER HAUBRICH

Ignacio Martínez de Pisón: "Mein Vater, die Göttin und ich". Roman. Aus dem Spanischen übersetzt von Sybille Martin. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2006. 287 S., geb., 19,95 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Zu einem Urteil über diesen pikaresken Roman kann sich Walter Haubrich zwar nicht durchringen, aber in seiner Beschreibung der Handlung schwingt eine gewisse Sympathie mit. Und es scheint ihm Respekt abzuringen, dass Ignacio Martinez de Pison zu den spanischen Schriftstellern gehört, die ohne viel Aufhebens um ihre Person jedes Jahr einfach wieder ein neues Buch abliefern. In "Mein Vater, die Göttin und ich" nun schlagen sich Vater und Sohn in einem gebrauchten Citroen DS und mit kleineren Gaunereien von Stadt zu Stadt durch, bis sie in die Geburtsstadt des Vaters kommen, wo der Vater ins Gefängnis kommt. Sohn Felipe bekommt Anschluss an den Rest seiner bürgerlichen Familie, die er jedoch nicht wirklich zu schätzen weiß, höchstens die Erbschaft der Großmutter. Der Rezensent vermerkt positiv die "trockene, manchmal ironische Darstellung", an der ihm auch die "völlige Illusionslosigkeit" auffällt.

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