Man sieht, was man hört
Marktplatzangebote
7 Angebote ab € 3,49 €

    Gebundenes Buch

Seine Opernwerke gehören zu den bekanntesten der Gegenwart, als Dirigent hat er sich weltweit einen Namen gemacht, und er gilt als der zurzeit innovativste und mutigste Opernintendant Deutschlands. Als langjähriger Intendant der Oper Leipzig begründete er den Ruf des Hauses als eine der experimentierfreudigsten Musiktheaterbühnen Europas. Die in diesem Band versammelten Texte würdigen nicht nur das künstlerische Schaffen Udo Zimmermanns, sondern nähern sich auch seiner Persönlichkeit und beschäftigen sich mit seinen Ideen und Visionen.…mehr

Produktbeschreibung
Seine Opernwerke gehören zu den bekanntesten der Gegenwart, als Dirigent hat er sich weltweit einen Namen gemacht, und er gilt als der zurzeit innovativste und mutigste Opernintendant Deutschlands. Als langjähriger Intendant der Oper Leipzig begründete er den Ruf des Hauses als eine der experimentierfreudigsten Musiktheaterbühnen Europas. Die in diesem Band versammelten Texte würdigen nicht nur das künstlerische Schaffen Udo Zimmermanns, sondern nähern sich auch seiner Persönlichkeit und beschäftigen sich mit seinen Ideen und Visionen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Reclam, Leipzig
  • Seitenzahl: 256
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm
  • Gewicht: 865g
  • ISBN-13: 9783379008105
  • ISBN-10: 3379008109
  • Artikelnr.: 11821843
Autorenporträt
Frank Geißler, geboren 1959 in Wurzen, Musikwissenschaftler, ist Chefdramaturg und Leiter der künstlerischen Produktion des Dresdner Zentrums für zeitgenössische Musik sowie Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.11.2003

Multitalent ruhelos: Der Komponist und Theatermann Udo Zimmermann
Die Begabungen und Musikberufe des Udo Zimmermann sind vielfältiger Natur, bisher registriert wurden die „Ämter” Komponist, Dirigent, Opernintendant, Leiter einer Konzertreihe, Kulturpolitiker. Nicht auf allen Ebenen hat Zimmermann gleichermaßen Gültiges vorgelegt, nicht überall auch das berühmte Händchen und das nötige Glück gehabt. Vor allem und zuletzt ging die Intendanz an der Deutschen Oper Berlin verloren, obwohl Zimmermann eine brisante erste Saison hingelegt hat, mit hohen künstlerischen Zielen. Aber da gab es neben spektakulär Gelungenem auch Pannen, Flops, er hatte sich wohl zu wenig um die komplizierte Publikumsstruktur, die kulinarischen Opernbedürfnisse von Wilmersdorfer Witwen gekümmert. Ein schmerzhafter Abbruch.
Dresden, wo Udo Zimmermann 1943 geboren wurde und mit elf in den berühmten Kreuzchor eintrat, Zentrum seiner DDR-Lebenszeit, sodann Bonn, Leipzig, Berlin und München – das sind die Hauptorte einer rasanten Musikerkarriere, die durch die deutsche Teilung und Wiedervereinigung zutiefst geprägt wurde. Mit München hatte Udo Zimmermann Glück, hier konnte es ihm von 1997 an gelingen, die gleich nach dem Zweiten Weltkrieg begründete Moderne-Institution „Musica Viva” programmatisch mit neuem Leben zu füllen, das Publikum erneut anzulocken. Und hier, im Herkulessaal der Residenz, dirigiert er heute Abend das erste Musica-Viva-Abonnementkonzert der gerade anlaufenden Saison (Fotos:
Andreas Birkigt / Reclam Vlg.).
Ein dokumentarisches Buch, mit zahlreichen Abbildungen von der stufenreichen Lebens- und Karriereleiter Udo Zimmermanns, stellt den Versuch dar, die künstlerischen Ideen, Stationen und Resultate des durchaus beredten Komponisten und Opernmanagers zusammenzufassen, zum vorläufigen Fazit zu bündeln (Man sieht, was man hört. Udo Zimmermann über Musik und Theater. Herausgegeben von Frank Geißler. Reclam Verlag, Leipzig 2003, 256 Seiten, 39,90 Euro).
Besonders ertragreich, auch für die Dokumentation, ist Udo Zimmermanns Arbeit als Intendant der Leipziger Oper gewesen. Die Inszenierungen dort – wie auch die in Berlin – sind so gut wie lückenlos, mit zum Teil großformatigen Fotografien, dokumentiert. Der Textanteil beruht zumeist auf Gesprächen mit dem leidenschaftlichen Musiktheatermann Zimmermann. Der Komponist, der in den letzten Jahren deutlich zurückstecken musste, kommt im Kapitel „Musik erfinden” zum Vorschein. Da ist natürlich von der „Weißen Rose” die Rede, der Kammeroper in acht Bildern und sieben Rückblenden von 1968/1985, die den verzweifelten Kampf der Münchner Gruppe um die Geschwister Scholl gegen das Nazi-Regime lyrisch vertieft und zugleich überhöht. Mit ihr ist Zimmermann einst der Durchbruch als Opernkomponist gelungen. Aufmerksamkeit errang er später mit der Garcia-Lorca-Oper von der „Wundersamen Schustersfrau”. Gespräche, Vortragstexte, so Betrachtungen zu Mozart oder Wagner, Ligeti oder Stockhausen, runden das Buch ab.
Im Moment dürfte Udo Zimmermann seine neue Freiheit von der Theaterfron genießen, aber da gibt es schon wieder Projekte, etwa die Initiative für das Kunst-Forum Hellerau bei Dresden, so eine Art „Grüner Hügel der Moderne” für ein ehrgeiziges Europäisches Zentrum der zeitgenössischen Künste.
WOLFGANG SCHREIBER
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
…mehr

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.04.2004

Dynamo Dresden
Udo Zimmermanns Texte zu Musik, Theater und Politik

Selbst die Himmelsmacht Musik unterliegt dem Zwang zur Arbeitsteilung: Man ist Komponist, Dirigent, Instrumental- oder Stimmvirtuose, Manager, Wissenschaftler, Pädagoge oder Publizist. Versucht jemand, in Personalunion verschiedene Funktionen zu vereinen, so schallt ihm obligat "Schuster, bleib bei deinem Leisten!" entgegen. Der Preis ist die Isolation, depressive Öffentlichkeitsscheu, mangelnde Neugier des Pianisten Michelangeli, des Dirigenten Carlos Kleiber oder die Einsamkeit des nur seinem Werk lebenden Komponisten. Aber es gibt auch den Gegentyp des unablässig vielfältig in die Öffentlichkeit wirkenden Künstlers: den Beweger, Veränderer, Umtreiber, Energiezuführer. Analog zum Fußballclub Dynamo Dresden könnte man den Dresdner Komponisten, Dirigenten und Musiktheater-Ermöglicher Udo Zimmermann als künstlerisch-kulturpolitisches Kraftaggregat sehen.

Nannte sich Erik Satie "Vorläufer als solcher", so ließe sich Zimmermann als Neuerer per se umschreiben. Selbstbewußt hat er auf die höchst unfeine Art, mit der er 2003 als Intendant der Deutschen Oper Berlin abserviert wurde, reagiert: "In Berlin bin ich gescheitert, ich könnte auch trotzig sagen: Berlin ist an mir gescheitert." Hartnäckigkeit ist eine Qualität Zimmermanns, und bei aller Wandlungsfähigkeit, ja Wendigkeit hat er sich, vor wie nach der "Wende", nicht von seinem Ziel, die Moderne zu lancieren, abbringen lassen. Ob als Dramaturg der Dresdner Staatsoper ab 1970, Gründer von Institutionen neuer Musik in Dresden und Bonn, Leipziger Opernintendant von 1990 bis 2001, Reanimator der Münchner "musica viva": Immer wieder hat er es verstanden, Förderer, sei es bei der SED, sei es Helmut Kohl, zu finden. Stratege war er stets, kleinlaut nie. Und seine Leipziger Bilanz ist durchaus eindrucksvoll; zumindest sind ihm erstaunlich viele Projekte gelungen, etwa die großen Stockhausen-, Schnebel- und Herchet-Uraufführungen. Zum Aktionskünstler Zimmermann gehört auch der Verbalisierungskünstler, der hoch reflektiert, doch selten ohne polemischen Stachel für die Sache des neuen Musiktheaters ficht.

Der von Frank Geißler herausgegebene Band mit Texten Zimmermanns, Interviews und Kritiken zu seinen Produktionen ist instruktiv gerade in der Mischung aus Reflexionen, Pionierschwung und bisweilen fast wertkonservativem Modernitätspathos. Zimmermanns Spitzname "Genosse Sankt Udo" läßt da immerhin manch politisch-ästhetische Komplexität ahnen. Daß er bekennt, zu Brecht keine Affinität zu haben, verwundert weit weniger als der lapidare Satz, daß "sich dieser Staat DDR in keinem ernst zu nehmenden künstlerischen Werk niedergeschlagen hat". Als wären Heiner Müller, Ruth Berghaus oder Bernhard Heisig, bei allen Spannungen zum Regime, sowohl belanglos als auch nicht DDR-typisch gewesen.

Nicht zuletzt liefert der Band eine beeindruckende Text-Bild-Dokumentation der Leipziger wie Berliner Premieren. Allzusehr freilich hat man sich wohl aufs elektronische Korrekturprogramm verlassen: Daß dem Bonner Opernintendanten Jacques Riber kurzerhand ein t angehängt wird, ist weniger gravierend, als wenn Stockhausens epochales Vokalsextett "Stimmung" (1968) in den Plural gesetzt wird. Dafür mutiert der Dirigent Hermann Abendroth zu Abendrotte, was nicht nur komisch klingt.

GERHARD R. KOCH

Udo Zimmermann: "Man sieht, was man hört". Udo Zimmermann über Musik und Theater. Hrsg. von Frank Geißler. Reclam Verlag, Leipzig 2003. 256 S., Abb., geb., 39,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
"Als Rolling Stone könnte man ihn bezeichnen. Auch wenn ihn nicht viel mit jener Kultur verbindet, aus der die Metapher stammt, charakterisiert ihn kaum ein Bild besser als das vom rollenden Stein, der kein Moos ansetzen kann, weil er ständig in Bewegung ist.

Seine Zähigkeit hat ihm naturgemäß nicht nur Freunde beschert. Der Kultur und der Musik im besonderen aber hat Udo Zimmermanns Ausdauer und Agilität stets genutzt. Davon legt auch das jetzt bei Reclam Leipzig von Frank Geißler herausgegebene Buch 'Man sieht, was man hört' Zeugnis ab, das alle Facetten dieser 'reichen Mehrfachbegabung' Udo Zimmermanns vom Eintritt in den berühmten Dresdner Kreuzchor bis zum Berliner Engagement beschreibt."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Ein dokumentarisches Buch, mit zahlreichen Abbildungen von der stufenreichen Lebens- und Karriereleiter Udo Zimmermanns, stellt den Versuch dar, die künstlerischen Ideen, Stationen und Resultate des durchaus beredten Komponisten und Opernmanagers zusammenzufassen, zum vorläufigen Fazit zu bündeln. Besonders ertragreich, auch für die Dokumentation, ist Udo Zimmermanns Arbeit als Intendant der Leipziger Oper gewesen. Die Inszenierungen dort ― wie auch in Berlin ― sind so gut wie lückenlos, mit zum Teil großformatigen Fotografien, dokumentiert. Der Textanteil beruht zumeist auf Gesprächen mit dem leidenschaftlichen Musiktheatermann Zimmermann."
Süddeutsche Zeitung

"'Ein Musiker oder wie in meinem Falle, ein Tonsetzer (...) lebt in der Welt seiner Töne', hat Udo Zimmermann einmal gesagt. Das schöne Zitat stammt aus einem Buch über Udo Zimmermann, das pünktlich zu seinem Geburtstag im Reclam Verlag Leipzig erschienen ist; der Musikwissenschaftler Frank Geißler, Mitarbeiter Zimmermanns am Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik, hat es herausgegeben. Das Buch enthält umfangreiche Selbstzeugnisse Zimmermanns über seine Arbeit und deren biographische, politische, ästhetische Voraussetzungen. Mehrere ausführliche Interviews mit dem Komponisten und Opernleiter wurden nachgedruckt. Neben den eigenen Werken ist den musiktheatralischen Produktionen unter Zimmermanns Leitung breiter Raum eingeräumt worden. Ergänzt werden die Texte durch eine Kurzbiographie, eine Übersicht der komponierten Werke, eine Diskographie und Literaturhinweise."
Berliner Zeitung

"Es ist die beste Veröffentlichung mit Bekenntnissen und gut dargestellter Werksübersicht, die bisher über den Schöpfer so bedeutender Opern wie 'Weiße Rose' oder sinfonischer Werke wie 'Pax questuosa' erschienen ist."
Sächsische Zeitung
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Dem Komponisten, Dirigenten, Theatermann und Opernintendanten Udo Zimmermann hat Frank Geißler ein schönes Buch gewidmet, findet Wolfgang Schreiber, der darin einen versuch sieht, Zimmermanns "rasante Musikerkarriere" zu einem "vorläufigen Fazit zu bündeln". Dabei hat Geißler dem Schaffen des "ruhelosen Multitalents" in Wort und Bild ausreichend Raum gegeben, lobt der Rezensent: Großformatige Fotografien seiner Inszenierungen finden sich ebenso wie Vortragstexte und zahlreiche Aufzeichnungen von Gesprächen.

© Perlentaucher Medien GmbH