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Wissen Detektive alles über die Frauen, in die sie verliebt sind?

Produktbeschreibung
Wissen Detektive alles über die Frauen, in die sie verliebt sind?
Autorenporträt
Manuel Vazquez Montalban wurde 1939 in Barcelona geboren. Nach dem Studium der Literatur, Philosophie und Publizistik arbeitete er zunächst als Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Vazquez Montalban war Lyriker, Romanautor, Essayist, Kolumnist, Gourmet und Erfinder des Privatdetektivs Carvalho in so berühmten Kriminalromanen wie Die Vögel in Bangkok. Für sein Werk wurde "der wichtigste Chronist des zeitgenössischen Spaniens" (Der Spiegel) mit zahlreichen internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Manuel Vazquez Montalban starb 2003 in Bangkok.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.05.2005

Die nackte Leserin
Wenn einer drei-, viermal die Haut gewechselt hat, kann er dann noch lieben? Manuel Vázquez Montalbán erzählt Kriminalgeschichten zur Erforschung der Seelen
In Lauras Augen war er ihr Pygmalion und ihr Prometheus zugleich. Er formte ihren Geist, sortierte ihre Bibliothek, prägte ihr Denken. Und er raubte den Göttern das Feuer des Wissens und der Kultur und brachte es ihr, damit sie sich befreite aus dem goldenen Käfig ihrer begüterten, aber konventionellen Ehe und ihres unentwickelten Daseins. Selbst den passenden Mythos, um ihre Beziehung zu beschreiben, hatte er ihr souffliert - spielerisch eher, aber sie hatte dies mit großer Ernsthaftigkeit aufgegriffen. Wollte er das? Wollte er ihr Pygmalion sein? Nein, er wollte sie - und er begriff schnell, dass er diesen Körper am schnellsten über den Geist bekam. „Manchmal”, schreibt Manuel Vázquez Montalbán, „überraschte Carvalho sich selbst in der Rolle des gebildeten Bibliothekars, der mit einer begierigen und nackten Leserin Bücher austauscht.” Dass Laura mit ihm schläft, soviel ist ihm klar, ist ihr Lohn für die „geistige Befreiung”, die sie ihm verdankt. Will er das so? Glaubt er selbst überhaupt an die geistige Befreiung? Und macht die Asymmetrie ihres jeweiligen Begehrens ihr Verhältnis nicht zu einem einzigen Missverständnis? Oder sind nicht gerade umgekehrt die bilderbuchmäßig symmetrischen Beziehungen viel zu steril und begrenzt, um die Vielfalt des Lebens aufzunehmen? Was überhaupt ist es, was den einen Menschen zum anderen hinzieht?
Das Leben jedenfalls, zu dem Pepe Carvalho Laura befreite, ist auch eines von Brutalität und Tod. Das hat er gewusst, wenn auch nicht gewollt. Fühlt er sich jetzt schuldig? Laura wurde ermordet, jetzt fährt ihr Leichnam in die Flammen des Krematoriums, während die Augen von Lauras Familie, die sie verlassen hatte, feindselig auf Carvalho gerichtet sind. Hat er sie geliebt?, fragt er sich und sinniert: „Was heißt Liebe, wenn du mehr als drei, mehr als vier Mal die Haut gewechselt hast?”
In manchen Krimis ist der Mord nur ein Vorwand des Autors, um möglichst umweglos in die Seelen seiner Figuren zu schauen. Allenfalls ein Psychiater-Roman wäre da gattungstechnisch noch effektiver. Wer unter fragwürdigen Umständen sein Leben verliert, der muss in seinem Innenleben ein Geheimnis bergen, das Licht ins Dunkel seines grausamen Endes bringen könnte.
Der spanische Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán, im Jahr 2003 im Alter von 64 Jahren gestorben, ist in Deutschland vor allem durch seine großartigen Pepe-Carvalho-Kriminalromane bekannt geworden. Für einen Krimiautor bringt Montalbán ein fast schon fahrlässiges Desinteresse dem klassischen ,Whodunit‘ entgegen. Der ideale Montalbán-Leser sollte deshalb im Zweitberuf besser kein Privatdetektiv sein, der gerne schon auf den ersten Seiten eines Krimis nach Indizien sucht, die sachdienliche Hinweise auf den Mörder geben könnten. Was Montalbán interessiert, sind menschliche Konstellationen. Halb staunend und halb misstrauisch beobachtet er durch die Augen des Privatdetektivs Pepe Carvalho die Menschen: Wie sie sich finden und sich zusammentun, wie sie sich zerfleischen und doch am anderen festhalten. Ist nicht Vertrauen und Zuneigung soziologisch gesehen überaus unwahrscheinlich? Und doch will der Mensch nicht allein sein, und so gibt er sich stets aufs Neue einen Ruck und führt das Unwahrscheinliche herbei. Höchst merkwürdige Paarungen und Gruppierungen bevölkern so die Städte - und verglichen damit ist dann ein Mord auch nicht viel unwahrscheinlicher. Wer genau aus dem sozialen Netz, das der Mensch um sich herum spinnt, um nicht in Einsamkeit zu fallen, den Mord dann tatsächlich begeht, ist weniger faszinierend als die unwahrscheinliche Konstruktion des Netzes selbst.
Aber auch Pepe Carvalho selbst ist in dieses Netz verstrickt. Zwar würde er gerne den Zaungast spielen, den nichts an andere Menschen bindet, aber für einen abgeklärten Zyniker ist er einfach zu intelligent - weshalb seine Beziehungen zu seinen Mitmenschen immer zwischen Lakonie und Sentimentalität changieren. Wenn er in „Lauras Asche” den Tod seiner früheren Geliebten aufklärt, muss er deshalb auch vor allem in der eigenen Seele forschen und auch vor sich selbst ein wenig Rechenschaft ablegen - halb gerührt und halb kopfschüttelnd.
„Laura und Catalina” sind zwei kurze Erzählungen Montalbáns, die in einem umschweiflosen Präsens wie mit einer Handkamera aufgenommen klingen. Stilistisch ist das nicht ohne Tücke, und leider ist die Übersetzung daran gescheitert. Ob der Wagenbach Verlag den Namen des Übersetzers deswegen dezent verschweigt?
Manuel Vázquez Montalbán
Laura und Catalina. Zwei Liebesgeschichten des Pepe Carvalho
Wagenbach Verlag, Berlin 2005. 115 Seiten, 13,90 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Manuel Velazquez Montalban ist nichts für Leser, die, im Zweitberuf Detektiv, schon auf den ersten Seiten Indizien zur Lösung des Falls aufspüren wollen, warnt Ijoma Mangold, der von der eigenen Perspektive, aus der sich der spanische Autor dem Krimigenre nähert, aber sehr angetan ist. Insbesondere die Pepe-Carvalho-Kriminalromane hält er durchwegs für "großartig". Montalban bringe dem klassischen "Whodunnit" ein schon "fast fahrlässiges Desinteresse" entgegen, vielmehr gelte sein Blick dem Innenleben und den menschlichen Konstellationen seiner Figuren. "Halb staunend und halb misstrauisch", notiert Mangold, beobachtet er durch die Augen seines Protagonisten Pepe Carvalho die Menschen. Wer dieser Figuren den Mord dann tatsächlich begeht, ist gar nicht mehr so interessant. Wichtiger sei die Beschaffenheit des Beziehungsgeflechts an sich. Seine Betrachtungen führt Montalban in den vorliegenden zwei kurzen Erzählungen in einem "umschweiflosen Präsens" durch, das den Rezensenten an die Aufnahmen einer "Handkamera" erinnert. Bedauernswerterweise sei die Übersetzung aber an dieser stilistischen Finesse "gescheitert", weshalb der Verlag, wohl auch den Namen des Übersetzers verschwiegen hat, wie Mangold ein wenig boshaft spekuliert.

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