Ladies Night in Finbars Hotel - Bolger, Dermot
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Einst war Finbars Hotel ein vergammelnder Kasten in Dublin. Jetzt ist Finbars Hotel das feinste Haus am Platz. Sieben Gäste sind Nachbarn für eine Nacht. Da ist die Karrierefrau Sarah, bei der alle sicher sind, was es zu bedeuten hat, dass Padraic, der Ehemann von Sarahs bester Freundin, sie auf Zimmer 101 besucht. Ähnlichen Verdacht hegt nebenan die wohlverheiratete Emily, die gerade die Koffer ihres Mannes durchsucht, als der hereinstürzt und sagt, er müsse ihr jetzt endlich die Wahrheit sagen. Eine Stunde der Wahrheit ist es auch für Patsy, eine Nonne auf Abenteuerurlaub: sie möchte die…mehr

Produktbeschreibung
Einst war Finbars Hotel ein vergammelnder Kasten in Dublin. Jetzt ist Finbars Hotel das feinste Haus am Platz. Sieben Gäste sind Nachbarn für eine Nacht. Da ist die Karrierefrau Sarah, bei der alle sicher sind, was es zu bedeuten hat, dass Padraic, der Ehemann von Sarahs bester Freundin, sie auf Zimmer 101 besucht. Ähnlichen Verdacht hegt nebenan die wohlverheiratete Emily, die gerade die Koffer ihres Mannes durchsucht, als der hereinstürzt und sagt, er müsse ihr jetzt endlich die Wahrheit sagen. Eine Stunde der Wahrheit ist es auch für Patsy, eine Nonne auf Abenteuerurlaub: sie möchte die Gültigkeit ihres Keuschheitsgelübdes überprüfen. Aber wie? Und was bedeutet der scharfe Tiergeruch, der den Gang zum Luxuspenthouse durchzieht? Derweil wird ein korrupter Steuereintreiber vermöbelt, ein Hollywoodstar erschreckt sich zu Tode und der Tierduft hat auf einen Gast ungeahnt stimulierende Wirkung. Höchst unterhaltsam verstricken sich die Schicksale der Figuren, turbulent entwickeln sich Ü berraschungen, und längst Vergangenes wird auf einmal lebendig. Wie schon in "Finbars Hotel" knüpfen die Autorinnen einen Beziehungsteppich der besonderen Art und zeigen, dass nicht nur die Hotels in Dublin boomen, sondern auch die irische Erzähl- und Fabulierkunst.
  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER Krüger
  • Seitenzahl: 348
  • Abmessung: 195mm
  • Gewicht: 378g
  • ISBN-13: 9783810502476
  • ISBN-10: 3810502472
  • Artikelnr.: 24075246
Autorenporträt
Dermot Bolger wurde 1959 in Dublin geboren. Er veröffentlichte zahlreiche Dramen, u.a. In High Germany, Gedichte und bisher sechs Romane. Auf deutsch erschien 1996 Journey Home (Rotbuch). Der Autor ist Herausgeber des Picador Book of Contemporary Irish Fiction.

Anne Haverty wurde in Tipperary, Irland, geboren und lebt jetzt in Dublin.
Rezensionen
Besprechung von 22.03.2000
Jedes Zimmer
ein Kapitel für sich
Sieben irische Autoren
schreiben eine Hotelroman
In der deutschen Literatur wäre ein solches Unternehmen wohl nicht (mehr) denkbar. Sind die irischen Schriftsteller bessere Kollegen? Finbars Hotel spricht dafür: ein Roman in sieben Kapiteln, jedes von einem anderen Autor geschrieben. Die Idee dazu hatte Dermot Bolger, der als Herausgeber sechs weitere Erzähler – Roddy Doyle, Anne Enright, Hugo Hamilton, Jennifer Johnston, Joseph O’Connor und Colm Toíbín – für sein Projekt gewinnen konnte. „Wir schrieben”, erzählt Roddy Doyle, „unabhängig voneinander. Erst im zweiten und dritten Arbeitsgang haben wir uns aufeinander abgestimmt. Man hat sich übers Telefon den Helden eines Kollegen in die eigene Geschichte geholt. Und es gab keine Egos, die gepflegt werden mussten. ”
Das alte Hotel in Dublin wird zum Schauplatz eines kleinen Welttheaters: Ein braver Mechaniker und ein Gangster, ein leichtes Mädchen und zwei Pfarrerstöchter, eine kranke Ehefrau aus der Provinz und Touristen aus Amerika verbringen eine Nacht in dieser Herberge und laufen sich alle irgendwann über den Weg, in der Halle, auf den Gängen oder in der Bar. Finbars Hotel ist eine Momentaufnahme aus dem Dubliner Leben, in dem, mit der Historie des Hauses und seiner Besitzer, auch die Vergangenheit präsent wird. Sie lastet manchmal so schwer auf den Figuren, dass deren Vorgeschichte die Erzählung dominiert und die aktuellen Querverbindungen als dramaturgischen Kniff bloßstellen.
Jedem der gebuchten Zimmer ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Der Name des jeweiliges Verfassers bleibt offiziell ein Geheimnis der Beteiligten. Das erhöht den Reiz für Leser, die vertraut sind mit der irischen Gegenwartsliteratur, denn die Autoren sind an Hand ihrer Tonarten und bevorzugten Motive durchaus zu identifizieren. Das deutsche Publikum hat es ohnehin einfacher: Die jeweils ausgewiesenen Übersetzer liefern ein zusätzliches Indiz. Man muss nur wissen, wer von ihnen zum Beispiel auch die anderen Arbeiten von Roddy Doyle übertragen hat. Die Autoren selbst haben sich übrigens nur ein einziges Mal in voller Besetzung getroffen – in einem enormen Bett des Shelbourne Hotel, für ein Pressefoto.
H. G. PFLAUM
DERMOT BOLGER (Hrsg. ): Finbars Hotel. Roman. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und anderen. Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt/M. 1999. 336 Seiten, 39,80 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Und wieder geben eine Reihe irischer Autoren ihre "ungebremste Fabulierlust" zum Besten, schwärmt Bruno von Lutz. Vor Jahren hatten sie die "Schnapsidee", berichtet der Rezensent, zu siebt einen "Kollektivroman" zu verfassen, aus dem der Leser nicht erkennen könne, welcher Teil von welchem Autor geschrieben wurde. Dieser Versuch ist inzwischen zur "ausgereiften Kunstform" gediehen, meint Lutz, der neben dem neuen Roman nun von "glorreichen sieben Autorinnen" "Ladies Night in Finbars Hotel", eine Art Fortsetzung von "Finbars Hotel", bespricht und dem Leser wärmstens ans Herz legt. In "Ladies Night" spielen sieben Frauen die Hauptrolle. Sie wohnen allesamt in Finbars Hotel und jeder von ihnen sei, so Lutz, ein Ausbruch aus der irischen Gesellschaft gelungen. "Das Feuerwerk von grotesken bis komischen Geschichten gerät zum direkten Angriff auf das alte Irland", bringt Lutz seine Freude zum Ausdruck, denn dieses "Irland der Männer", des Kondom- und Scheidungsverbots und der katholischen Kirche hat so manche Spitze und Demontage doch verdient, denkt der Rezensent. "Höchst lesbar, warm, komisch", lautet denn auch das frenetische Lob von Lutz.

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