Küss mich - Ebberfeld, Ingelore
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Lustvolle Lippenbekenntnisse Ob Handküsse, Bruderküsse oder Freundschaftsküsse - die Palette an verschiedenen Kußarten ist breit. In Ingelore Ebberfelds Buch jedoch geht es nur um das eine: den eindeutig erotischen Kuß. Wie sich Männer und Frauen in aller Welt küssen, wie in früheren Zeiten geküßt wurden, weshalb der wollüstige Kuß lange Zeit als unzüchtig galt - all das verrät Ingelore Ebberfeld in ihrer farbigen und unterhaltsamen Kulturgeschichte des lustvollen Küssens.…mehr

Produktbeschreibung
Lustvolle Lippenbekenntnisse
Ob Handküsse, Bruderküsse oder Freundschaftsküsse - die Palette an verschiedenen Kußarten ist breit. In Ingelore Ebberfelds Buch jedoch geht es nur um das eine: den eindeutig erotischen Kuß. Wie sich Männer und Frauen in aller Welt küssen, wie in früheren Zeiten geküßt wurden, weshalb der wollüstige Kuß lange Zeit als unzüchtig galt - all das verrät Ingelore Ebberfeld in ihrer farbigen und unterhaltsamen Kulturgeschichte des lustvollen Küssens.
  • Produktdetails
  • Verlag: Helmer
  • Seitenzahl: 251
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 251 S. m. 69 Abb.
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 325g
  • ISBN-13: 9783897410800
  • ISBN-10: 389741080X
  • Best.Nr.: 09888212
Autorenporträt
Ingelore Ebberfeld ist Dozentin für Kulturwissenschaft und freie Autorin in Bremen. Die renommierte Sexualwissenschaftlerin und Kulturanthropologin publizierte zahlreiche Zeitschriftenbeiträge und Bücher zum Thema Sexualität, darunter "Botenstoffe der Liebe. Über das innige Verhältnis von Geruch und Sexualität"; "Küss mich. Eine unterhaltsame Geschichte der wollüstigen Küsse" und "Das Kussbuch. Eine romantischeVerführung"; sie ist gefragte Referentin im In- und Ausland und bekannt durch Funk und Fernsehen.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Veronika Schöne ist hingerissen und lobt dieses Buch in jeder Hinsicht. Sie ist von der Tatsache begeistert, dass die Autorin alle für das Thema relevanten Wissenschaftszweige in ihre Untersuchung mit einbezieht, von den Kultur- und Sozialwissenschaften über Völkerkunde bis hin zur Psychologie, so dass sie ein hervorragend differenziertes Bild schaffe, wobei auch die erotische Weltliteratur der verschiedensten Niveaus ihren Platz finde. So könne die Autorin das Verschwimmen von Liebe und Sexualität mittels des Kusses aufzeigen und alle Stränge "in unnachahmlicher Weise", "erfrischend tabufrei und angenehm nüchtern" zusammenzuführen, verspricht die Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 05.12.2001
So selig
Eine Geschichte des Kusses
Männer wollen angeblich immer nur das eine. Und das möglichst schnell und auf dem direktesten Wege. Frauen hingegen träumen sich in laue Sommerabende hinein, wo sie vor romantischer Kulisse in den seligen Tiefen sanfter Küsse versinken und sich auf den Wogen der Leidenschaft ins Paradies spülen lassen. Vielleicht sollten alle kussfaulen Männer und alle enttäuschten Frauen Ingelore Ebberfelds „Unterhaltsame Geschichte der wollüstigen Küsse” lesen. Dann wüssten sie nämlich, dass der Kuss Liebe, Lust und Leidenschaft ist und wären vielleicht ein bisschen miteinander versöhnt.
Mit dem aufrechten Gang, so Ebberfelds Annahme, habe sich der Mensch nicht nur von einem Nasen- zu einem Augentier entwickelt, sondern auch die „sexuelle Kontaktaufnahme von unten nach oben verlagert”. Das Beschnüffeln und Belecken der Vierbeiner ist in abgemilderter Form im Mundkuss erhalten, der jedoch von oben nach unten immer leidenschaftlicher, ja animalischer wird und nichts, aber auch gar nichts auslässt. Den Spuren, die der unersättliche Mund über den Körper der Geliebten zieht, geht Ebberfeld nach – und lässt dabei ebenfalls nichts aus. Völkerkundliches, Kultur- und Sozialwissenschaftliches bezieht sie ebenso ein wie Erkenntnisse der Psychologie und Sexualwissenschaft. Mit Wonne durchforstet sie den Fundus der erotischen Weltliteratur von der Bibel bis hin zum Playboy und zu Kontaktanzeigen, fördert kuriose Bräuche und Mythen zutage und ist dabei erfrischend tabufrei und angenehm nüchtern.
Die Geschichte des Kusses ist eine Geschichte der Mystifizierungen, aber auch der Missverständnisse und Entschuldigungen. Der Kuss trifft mitten ins Herz, wühlt das Gemüt auf, entfacht Liebe und Leidenschaft. Er ist Ausdruck der unstillbaren Sehnsucht, vom Geliebten trinken zu wollen, und gleichzeitig der Schlüssel zur Sexualität. Auf dem Weg in die unteren Körperzonen entdeckte der Mensch unweigerlich seine animalische Komponente, die er immer wieder zu unterdrücken versuchte, wollte er sich doch nicht bloß durch den aufrechten Gang vom Tier unterscheiden. Deshalb hat er die kuriosesten Versuche unternommen, den Mundkuss als reine Form der Liebe und Ehrerbietung zu überhöhen und dementsprechend jeden Genitalkuss entweder als pervers zu verunglimpfen oder bestenfalls entwicklungsgeschichtlich zu rationalisieren.
Lippenbekenntnis
Wie die Affen bei ihrer Mund-zu-Mund-Fütterung hätten auch Adam und Eva in Ermangelung eines Taschenmessers im Paradies die Zähne zu Hilfe genommen, sich mit den sündigen Bissen gegenseitig gefüttert und dabei die Süße der Lippenberührung entdeckt, so lauten einige skurrile Erklärungsversuche. Geschwüre, Mundgeruch, ja sogar Zungenlähmung galten lange als die natürlichen Strafen für die „Verwendung des Mundes als Sexualorgan”, die allen voran Sigmund Freud als Perversion verdammte. Seine und anderer argumentative Verrenkungen führt die Autorin gerne vor und teilt auch schon mal Seitenhiebe gegen die überwiegend männlich dominierte schreibende Zunft aus.
Etwa gegen den Mediziner und Psychologen Alex Comfort, der wohl auch in eigener Sache unterwegs war, als er noch in den siebziger Jahren den Frauen die Freude an der Fellatio vermitteln wollte, indem er sie auf das wohlige Erlebnis des Säuglings an der Mutterbrust zurückführte. Doch selbst die Moraltheologen waren wohl nicht ganz frei von Eigennutz: Mit mittelalterlicher Spitzfindigkeit erörterten sie noch im 18. Jahrhundert diese „Todsünde”, die freilich keine war, solange sie nur der für den Begattungsakt notwendigen männlichen Erregung diente. Und über die ach so freizügigen alten Griechen und Römern erfahren wir, dass derjenige, der den Geschlechtskuss ausführte, keineswegs für seine Liebeskunst bewundert wurde, sondern vielmehr als verweichlicht, hörig oder sogar impotent galt – ganz im Gegensatz etwa zum indischen Kamasutra.
Andere Kulturen haben sich nicht so sehr in moralische Spitzfindigkeiten verstrickt wie die westliche. Dementsprechend prosaischer fallen die Erklärungen aus: Mit den Tellerlippen einiger Eingeborenenstämme beispielsweise küsst es sich einfach nicht so gut, andere befolgen eine strikte Trennung von Speise und Sex, auch in den Instrumenten, und dritte wiederum liebkosen mit dem Mund sogar das Geschlecht der Säuglinge, ein Ausdruck tiefer Nähe und Zärtlichkeit.
Wo Ebberfeld einerseits den spröden, animalischen Sex auf seine Liebeskomponenten hin untersucht, entlarvt sie andererseits durchaus lustvoll auch den reinen Liebeskuss als „Handlanger des Geschlechtstriebes”. Denn schon der Zungenkuss sei nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich ein sexueller Akt, ein sinnliches Gesamtkunstwerk, an dem alle Sinne beteiligt sind: Riechen, Schmecken, Tasten und sogar Schauen.
In unnachahmlicher Weise führt sie alle Stränge zusammen und bewältigt dabei mit größter Selbstverständlichkeit auf nur anderthalb Seiten sogar einen Exkurs vom – fast gänzlich tabuisierten – Analkuss als höchste Form des Liebesbeweises zum ehrerbietigen Küssen des Rocksaumes oder der päpstlichen Hand bis hin zum Teufelskuss und wieder zurück. Am Ende ist es eben doch die Liebe, ohne die keine Leidenschaft auskommt.
VERONIKA SCHÖNE
INGELORE EBBERFELD: Küss mich. Eine unterhaltsame Geschichte der wollüstigen Küsse. Ulrike Helmer Verlag, Königstein im Taunus 2001. 251 Seiten, 39,80 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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"Mit Wonne durchforstet Ingelore Ebberfeld den Fundus der erotischen Weltliteratur von der Bibel bis hin zum Playboy und zu Kontaktanzeigen, fördert kuriose Bräuche und Mythen zutage und ist dabei erfrischend tabufrei und angenehm nüchtern." (Süddeutsche Zeitung)