Kohls Einheit unter drei - König, Ewald
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"Unter drei" heißt im politischen Betrieb der Bundeshauptstadt: Hintergrundinformation! Nicht zur Veröffentlichung! Der Fall des Eisernen Vorhangs und die deutsche Wiedervereinigung bescherten Bundeskanzler Helmut Kohl nicht nur größte Triumphe, sondern auch die kritischsten und schwersten Stunden seiner Amtszeit. Wer zur falschen Zeit am falschen Ort das Falsche getan hat und wie trotzdem alles zum guten Ende kam: Bizarre Geschichten, die hinter den Kulissen passiert sind, Abgründe, Hintergründe und Beweggründe erzählt der damalige Deutschland-Korrespondent Ewald König aus Wien.…mehr

Produktbeschreibung
"Unter drei" heißt im politischen Betrieb der Bundeshauptstadt: Hintergrundinformation! Nicht zur Veröffentlichung! Der Fall des Eisernen Vorhangs und die deutsche Wiedervereinigung bescherten Bundeskanzler Helmut Kohl nicht nur größte Triumphe, sondern auch die kritischsten und schwersten Stunden seiner Amtszeit. Wer zur falschen Zeit am falschen Ort das Falsche getan hat und wie trotzdem alles zum guten Ende kam: Bizarre Geschichten, die hinter den Kulissen passiert sind, Abgründe, Hintergründe und Beweggründe erzählt der damalige Deutschland-Korrespondent Ewald König aus Wien.
  • Produktdetails
  • Verlag: Mitteldeutscher Verlag
  • Seitenzahl: 240
  • Erscheinungstermin: 21. August 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 129mm x 13mm
  • Gewicht: 431g
  • ISBN-13: 9783954623167
  • ISBN-10: 3954623161
  • Artikelnr.: 40855858
Autorenporträt
EWALD KÖNIG, geb. 1954, arbeitete von 1977 bis 2003 für die österreichische Zeitung "Die Presse", seit 1985 als deren Deutschland-Korrespondent in Bonn und Berlin. Er war der einzige österreichische Korrespondent in der DDR und vermutlich der einzige Journalist überhaupt, der sowohl in der BRD als auch in der DDR akkreditiert war. Derzeit ist er Herausgeber und Chefredakteur des europapolitischen Online-Mediums EurActiv. de in Berlin.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.02.2015

Mit Kohl über Schweden?
Enttäuschende deutsch-deutsche Notizen des Korrespondenten Ewald König

"Unter drei" heißt im Journalistenjargon, dass eine Information, die in einem "Hintergrundgespräch" vertraulich gegeben wird, auch vertraulich bleiben muss. Ewald König, einst Deutschland-Korrespondent der Wiener "Presse", weckt so mit seinem pünktlich zum Mauerfalljubiläum publizierten Titel die Erwartung, hier dürften wir endlich erfahren, was sich bei "Kohls Einheit" so alles im Verborgenen abgespielt hat und nun endlich, endlich ans Licht kommt.

Das Buch ist insofern eine angenehme Enttäuschung, als es auf die ganz große Enthüllungsgeste - mit deftigen Zitaten et cetera, wie zur Genüge erlebt - immerhin verzichtet. Leider ist es, gemessen am prätentiösen Titel, auch sonst eher eine Enttäuschung. Manches kommt gar bedeutsam daher, ohne es wirklich zu sein, und so hängt das Ganze ein wenig in der Luft. Dabei nimmt allein "Der Warschau-Komplex" 17 der 33 Kapitel ein - es scheint sich auch um einen Komplex des Autors zu handeln, der offenbar findet, die polnischen Vorgänge und ihr Einfluss auf die DDR-Revolution seien so gut wie unbekannt. Ausführlich geht er dabei auf Kohls damalige Polen-Reise ein, als der Kanzler "zur falschen Zeit am falschen Ort" war, nämlich am 9. November 1989 in Warschau, und wegen des Mauerfalls schließlich die Reise unterbrach, um nach Berlin zu eilen. Dabei neigt der Autor schon im Faktischen zu Übertreibungen.

Wenn König hervorhebt, Kohl habe mit der Luftwaffenmaschine erst "über Schweden" nach Hamburg fliegen müssen, ist das schlicht falsch (was mir vielleicht nicht aufgefallen wäre, wenn ich da nicht als Journalist mit an Bord gewesen wäre). Das Flugzeug legte knapp außerhalb des DDR-Luftraums eine kurze Strecke über der Ostsee zurück und landete nach 50 Minuten Flugzeit in Hamburg, wo Kohl in die PanAm-Maschine umstieg, die ihn nach Berlin brachte. Bei König wird daraus ein "Abenteuer mit dem Alliierten-Flugzeug".

Hamses nich ne Nummer kleiner? würde der Berliner sagen. Das wäre nicht der Rede wert, legte König nicht so viel Gewicht auf Details, deren Relevanz für den Prozess der Wiedervereinigung sich nur begrenzt erschließt. Da werden ausführlich Probleme beschrieben, vor die der Strom von DDR-Flüchtlingen die Botschaft der Bundesrepublik wie auch die der DDR in Warschau stellte. Gewiss, die Situation war komplizierter als in Prag und Budapest, weil Polen keine Landesgrenze zum Westen hatte - aber eben deshalb war ihre Auswirkung auf die Entwicklung auch deutlich geringer. Geradezu abwegig wird es, wenn in den Warschau-Teil ein Kapitel "Die Stunde des Spions im Deutschlandfunk" eingestreut wird. Der banale Sachverhalt: Der Bericht des DLF-Korrespondenten über Kohls Pressekonferenz in Warschau gelangt in der Kölner Zentrale zufällig zuerst an einen Kollegen, der später als IM der Stasi enttarnt wird. Folgen? Keine. Relevanz? Null.

Bei der Schilderung von Kohls Rede am 19. Dezember in Dresden bewegt König die bange Frage, woher denn die vielen fabrikneuen schwarz-rot-goldenen Fahnen plötzlich gekommen seien, mit denen die Dresdner dem Kanzler zuwinkten. Und er erzählt, wie vier "große blonde Männer" vorn am Podium "ihre Fäuste in den Himmel stießen und sich in militantem Rhythmus die Seele aus dem Leib brüllten", nämlich, man staune, mit dem Ruf: "Deutschland, Deutschland, Deutschland, Deutschland". Auch nach einem Vierteljahrhundert "erzeugt der Nachhall noch eine Gänsehaut". Nun ja. Interessant - wenn da wirklich "bestellte Einpeitscher" am Werk waren, wie König suggeriert - wäre doch allein die Frage, warum die Dresdner (wie zahllose Augenzeugen, Reportagen und Berichte verbürgen) so einmütig zustimmten, als der Kanzler ausrief: "Wir sind ein Volk". Wegen einer Handvoll Einpeitscher? Absurd. Wie aus einer Erhebung zur Reform der DDR eine solche zum Sturz des Regimes und daraus eine Volksbewegung für die deutsche Einheit (und dann noch Kohls Wahlsieg) werden konnte, daran laboriert König herum und gerät auf Nebengeleise. Ist ihm wirklich entgangen, dass viele DDR-Deutsche die Hoffnung auf die Wiedervereinigung - anders als viele Bundesbürger - nie ganz aufgegeben hatten? So betrieben sie einfach die Kunst des Möglichen, als die Situation da war.

Was König nicht so recht wahrhaben möchte: Als die DDR-Bürger begriffen, dass das SED-Regime, von Michail Gorbatschow fallengelassen, sie nicht mehr mit Waffengewalt aufhalten konnte und sie deshalb nach dem ersten auch den zweiten und dritten Schritt gehen durften, taten sie's natürlich. Und weil alle spürten, dass es schnell gehen musste - wer konnte wissen, wie es in Moskau weitergehen würde? -, hatten sie es eilig mit dem Beitritt. Und sie wählten den Garanten dafür. König scheint mit dieser Dynamik noch nachträglich ein Problem zu haben, ohne sich auf entscheidende Beschleunigungsmotive ernsthaft einzulassen. Dafür macht er am Schluss schon mal Werbung für sein nächstes Werk; da soll es um die junge Angela Merkel gehen, um Lothar de Maizière und um deutsch-deutsche Geschichten "unter drei", die "mit Sicherheit noch unbekannt sind". Nach diesem Buch eine recht vollmundige Ankündigung. Hoffen wir das Beste.

PETER VOSS.

Ewald König: Kohls Einheit unter drei. Weitere deutsch-deutsche Notizen eines Wiener Korrespondenten. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2014. 247 S., 14,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Bisschen kleiner wäre besser gewesen bei diesem Buch, meint Rezensent Peter Voss angesichts von Ewald Königs ganz persönlichen Erinnerungen an den Mauerfall. Die Enthüllungen, die der Titel suggeriert, sucht der Rezensent im Band jedenfalls vergebens. Und auch sonst scheint ihm der ehemalige Deutschland-Korrespondent der Wiener "Presse" nicht eben eine verlässliche Quelle zu sein, übertreibe er doch dauernd und blase Bedeutungsloses zu komplexen Sachverhalten auf, wie Voss moniert. Seien es die Probleme, die der DDR-Flüchtlingsstrom vor der bundesrepublikanischen Botschaft in Warschau angeblich verursachte, oder die verschlungenen Wege eines Berichts von Kohls Warschauer Pressekonferenz - für Voss banale Fakten ohne Relevanz. (Nachtrag: Zehn Tage nach dieser Kritik bestätigte Kohls damaliger Kanzleramtsleiter Stephan Eisel in einem Leserbrief an die FAZ die Richtigkeit einiger der kritisierten Details im Buch.)

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