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Erstmals für den deutschsprachigen Raum: eine zeitgenössische islamische Theologie. Mouhanad Khorchide zeigt, wie der Islam aus sich selbst heraus zu einem Selbstverständnis kommen kann, das eine fundamentale Wende hin zu einer Theologie eines barmherzigen Gottes vollzieht. - Die überarbeitete und erweiterte Taschenbuchausgabe antwortet auf Vorwürfe aus fundamentalistischen Kreisen, einige der im Buch vertretenen Positionen seien nicht mit dem Islam vereinbar. Mouhanad Khorchide sorgt für Klarheit. "... ein revolutionäres Projekt, das er in seinem Buch überzeugend demonstriert." Professor Dr. Angelika Neuwirth…mehr

Produktbeschreibung
Erstmals für den deutschsprachigen Raum: eine zeitgenössische islamische Theologie. Mouhanad Khorchide zeigt, wie der Islam aus sich selbst heraus zu einem Selbstverständnis kommen kann, das eine fundamentale Wende hin zu einer Theologie eines barmherzigen Gottes vollzieht. - Die überarbeitete und erweiterte Taschenbuchausgabe antwortet auf Vorwürfe aus fundamentalistischen Kreisen, einige der im Buch vertretenen Positionen seien nicht mit dem Islam vereinbar. Mouhanad Khorchide sorgt für Klarheit.
"... ein revolutionäres Projekt, das er in seinem Buch überzeugend demonstriert."
Professor Dr. Angelika Neuwirth
  • Produktdetails
  • Herder Spektrum Bd.6764
  • Verlag: Herder, Freiburg
  • Überarb. u. erw. Ausg.
  • Seitenzahl: 240
  • Erscheinungstermin: März 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 118mm x 22mm
  • Gewicht: 205g
  • ISBN-13: 9783451067648
  • ISBN-10: 3451067641
  • Artikelnr.: 41926089
Autorenporträt
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide lehrt islamische Religionspädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.10.2012

Islam ist Barmherzigkeit
Ein muslimischer Gelehrter wagt eine Neuinterpretation des Korans / Von Uta Rasche

Er ist einer der bekanntesten muslimischen Gelehrten in Deutschland, gerade einmal 41 Jahre alt und will nicht weniger, als den Islam aus seinen zentralen Schriften von innen heraus zu reformieren: Mouhanad Khorchide, seit zwei Jahren Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. In seinem Buch "Islam ist Barmherzigkeit - Grundzüge einer modernen Religion" versucht er, anhand des Korans zu erklären, warum auch der Gott der Muslime ein liebender Gott sei, der die Menschen einlädt, Gutes zu tun - also kein "Richtergott", der anhand zählbarer Taten am Ende über den Verbleib des Menschen im Paradies oder der Hölle entscheidet. Damit setzt er sich klar ab etwa von Bassam Tibis Versuch, einen "Euro-Islam" zu formen, der lediglich die Trennung von Staat und Religion akzeptieren und weltliches Recht über die Scharia stellen sollte. Khorchide packt das Problem an der Wurzel des Glaubens.

Die Eigenschaft, mit der Gott im Koran am häufigsten beschrieben werde, sei die Barmherzigkeit, schreibt Khorchide. Gott sorge sich um den Menschen, suche seine Nähe, wie er anhand zahlreicher Koranverse begründet. Er wolle jedoch keine "Herr-Knecht-Beziehung gestalten, sondern eine Freundschafts-, ja, Liebesbeziehung". Daher diene die Religion "nicht dazu, den Menschen zu bevormunden, ihm Instruktionen vorzuschreiben, ihn seiner Freiheit zu berauben oder seine Vernunft zu unterdrücken". Viele Muslime projizierten ihre Vorstellung von einem mächtigen Familienoberhaupt oder von einem archaischen Stammesvater, dem man unhinterfragt gehorchen und sich unterwerfen müsse, auf ihre Vorstellung von Gott. Der Islam wolle aber etwas ganz Anderes: "Dem Menschen Sinn für sein Leben geben und ihm die Möglichkeit bieten, eine Beziehung zu Gott aufzubauen".

Leider werde der barmherzige Gott in der islamischen Theologie wie im Volksglauben kaum wahrgenommen. Stattdessen herrsche eine "schwarze Pädagogik" vor, die dem Menschen haarklein vorschreibe, was er zu tun und zu lassen habe. Folge er den Regeln nicht, lande er in der Hölle - der Ort, der auch für Nichtmuslime vorgesehen ist. Nur wer regeltreu lebe, dürfe im Jenseits die Genüsse des Paradieses genießen: Essen, Trinken und sexuelles Vergnügen im Überfluss. Khorchide geißelt diese Gesetzestreue und erinnert damit an Martin Luthers Kritik an der Werkgerechtigkeit: Zur Reformationszeit war die Kirche in Gefahr, Frömmigkeitsübungen und Ablasszahlungen wichtiger zu nehmen als den Kern der biblischen Botschaft.

Khorchide verbindet die Kritik am Bild eines furchteinflößenden Richtergottes, das im Islam vorherrsche, mit einer Kritik an den politischen Verhältnissen in vielen arabischen Ländern. Dort "hat die Diktatur im Namen der Religion eine lange Geschichte", schreibt er. Nicht selten sei es zu einer Allianz zwischen weltlichen und geistlichen Machthabern gekommen, die ihre Stellung in der Gesellschaft dadurch wechselseitig bewahren wollten. Khorchide, der als Sohn palästinensischer Flüchtlinge im Libanon geboren wurde, wuchs als staatenloser Ausländer im streng religiösen Saudi-Arabien auf. Als er zum Studium der Soziologie nach Wien ging, erlebte er, dass dieser Staat der vermeintlich Ungläubigen ihn um ein Vielfaches besser behandelte als Saudi-Arabien, die Wiege des Islams: Er konnte sich krankenversichern und bekam die österreichische Staatsbürgerschaft.

Später nahm er ein Fernstudium der Islamwissenschaft in Beirut auf, wo er im Haus seiner Großeltern religiöse Toleranz gegenüber Christen kennengelernt hatte. Er war als Imam tätig und erteilte islamischen Religionsunterricht. Seine Dissertation wurde ein Fanal: Er befragte die Hälfte der 400 islamischen Religionslehrer in Österreich und fand heraus, dass ein Drittel "rechtsstaatliche Prinzipien" ablehnte und ein Fünftel die Demokratie. Nahezu 14 Prozent hielten die Teilnahme an Wahlen für unvereinbar mit dem Islam. Darauf kam es zum Konflikt mit den dortigen muslimischen Verbänden, Khorchide verlor seine Lehraufträge.

Für ihn kam die Errichtung der vier islamischen Zentren an deutschen Universitäten also gerade zum richtigen Zeitpunkt. Khorchide plädiert dafür, im Islam mehr zu sehen als nur das Regelsystem eines "Diktator-Gottes". Er nennt es eines Menschen "unwürdig", lediglich aus Furcht vor der Hölle Verbote zu befolgen. Als wesentliche Werte, die der Koran vermittle, nennt Khorchide: "Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit, Unantastbarkeit der menschlichen Würde und die soziale Verantwortlichkeit". Das bringt Khorchide zur Kritik daran, dass in der Arabellion die islamische Theologie praktisch keine Rolle gespielt habe, etwa um die Herrschaft von Oligarchen und Militärs in Ägypten vor 2011 zu beenden. "Ein richtig verstandener Glaube leistet aber einen Beitrag zur Freiheit", schreibt er. Schon ist eine arabische Ausgabe in Vorbereitung.

Mouhanad Khorchide, "Islam ist Barmherzigkeit - Grundzüge einer modernen Religion". Herder Verlag Freiburg 2012, 220 Seiten, 18,99 Euro.

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