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Der Übergang von der Industriegesellschaft zu einer Wissensökonomie krempelt nicht nur die Wirtschaftsprozesse, sondern auch die Wertesysteme um. Im Milieu der Start-ups und der neuen Wissens- und Kulturarbeiter entsteht eine soziale Bewegung, die den Traum der Achtundsechziger endlich verwirklicht: die Befreiung vom Joch der Maschinen und der monotonen Arbeit, die Synthese aus Selbstverwirklichung und Arbeit.
Der neue, digitale Kapitalismus macht vielen Angst und erzwingt eine ungewollte Flexibilität. Damit bietet er jedoch auch neue Bewegungsmöglichkeiten. Er reißt alte Mauern ein -
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Produktbeschreibung
Der Übergang von der Industriegesellschaft zu einer Wissensökonomie krempelt nicht nur die Wirtschaftsprozesse, sondern auch die Wertesysteme um. Im Milieu der Start-ups und der neuen Wissens- und Kulturarbeiter entsteht eine soziale Bewegung, die den Traum der Achtundsechziger endlich verwirklicht: die Befreiung vom Joch der Maschinen und der monotonen Arbeit, die Synthese aus Selbstverwirklichung und Arbeit.

Der neue, digitale Kapitalismus macht vielen Angst und erzwingt eine ungewollte Flexibilität. Damit bietet er jedoch auch neue Bewegungsmöglichkeiten. Er reißt alte Mauern ein - zwischen Berufsleben und Privatsphäre, Kreativität und Geldverdienen -, bietet neue Spielräume und eine ungekannte Autonomie.

Der Trend- und Zukunftforscher Matthias Horx zeigt in seinem neuen Buch, daß im Übergang zu einer wissensbasierten Ökonomie DER GANZE MENSCH in den Mittelpunkt der Mehrwertschöpfung gerät. Der Wettbewerb um die kreativen Mitarbeiter humanisiert die Strukturen des Kapitalismus. Der "War for Talents", der Krieg um die Talente, führt mittelfristig zu Unternehmensstrategien, in denen nachhaltiger mit der "Ressource Mensch" umgegangen wird. Dieser neue, auf Teamwork, Innovation und Kooperation aufgebaute "Talentismus" macht unser Leben komplexer und anstrengender, aber auch selbstbestimmter. Er erfordert neue Sozialtechniken und neue politische Strukturen. Und: Es gibt Alternativen zu einer neuen Spaltung der Gesellschaft in Kreative und "Couch Potatoes"!
  • Produktdetails
  • Verlag: Eichborn Verlag
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 224 Seiten - 22 x 15 cm
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783821816647
  • ISBN-10: 3821816643
  • Best.Nr.: 09406184
Rezensionen
Besprechung von 30.07.2001
Wirtschaftsliteratur
Der Trendscout versucht sich als Philosoph
Ein Gesellschaftsforscher verbindet die vielen Diskussionsbeiträge über die Neue Ökonomie zu einem besonderen Weltbild
MATTHIAS HORX: Smart Capitalism. Das Ende der Ausbeutung. 204 Seiten. Eichborn Verlag, Frankfurt 2001. 44 DM
Bücher, die vom Übergang in eine neue Zeit künden, haben derzeit Hochkonjunktur. Reihenweise spucken die Verlage diese Utopiekondensate auf den Markt, wo eine gierige Schar wissenshungriger Käufer bereits wartet. Dabei kann man zwei Typen von Zukunftsdeutern unterscheiden. Zum einen die Kassandras dieser Welt, die mit erhobenem Zeigefinger von den schlimmen Folgen der Globalisierung und des Kapitalismus sprechen. Zum anderen die Go-West- Cowboys, die unerschrocken in neue unbekannte und unerforschte Weiten aufbrechen. Hierzu muss man Matthias Horx zählen, der die großen Trends in Wirtschaft und Gesellschaft seit Jahren versucht, auf den Punkt zu bringen.
Horx ist eine Art Berufsjugendlicher, der davon lebt, die Brennpunkte des Wandels als erster zu entdecken und sie in den großen Weltenlauf hinein zu erklären. Dankbare Abnehmer findet er bei jenen Verfechtern einer urbanen Zeitgeistkultur, deren Orientierung immer wieder auf vollen Durchblick getrimmt werden muss. Auch das neue Buch lebt von dieser Überheblichkeit des Allwissenden, der uns den Weg vorgibt. Trotzdem sollte man es lesen.
Horx schreibt völlig losgelöst von der bleiernen Problemschwere des Hier und Jetzt über entfesselte Menschen und Märkte des Dort und Morgen, teilweise bizarr, an manchen Stellen auch etwas unüberlegt, aber immer kenntnisreich und sprachlich elegant.
Völlig zu Recht entrümpelt er beispielsweise die Neue Ökonomie von allem E-Commerce- und dot.com-Crash. Denn der Blick auf Börse und E-Business- Pleiten verstelle den Blick auf das Wesentliche. Horx rückt indes den Menschen in den Mittelpunkt. Besser gesagt: „Das wachsende Ich”, das im künftigen Arbeitsleben sein Portfolio entfalten kann. Hierzu gehören berufliche Ausbildung ebenso wie Talente und smarte Humankompetenzen: Sie beschreiben die Kernwerte unserer emotionalen Intelligenz. „Die neue Arbeitswelt soll zur umfassenden Möglichkeitsfabrik für diese totale Selbstentfaltung werden.”
Diese neuen Egoisten nehmen keine Rücksicht auf Verluste. Lockt ein neuer Ort auf dem Weg zur Vollkommenheit, werden alte Zöpfe abgeschnitten. „Wer gut ist, wer sich als Talent sieht oder fühlt, hört mit der Arbeitssuche nie mehr auf. Er testet ständig seinen Marktwert”. Hierfür schließen sich die Ichlinge, wenn nötig, zu Talent-Pools zusammen, die ihren bisherigen Arbeitgeber sogar im Stich lassen dürfen, wenn es ums eigene Talenteschmieden und Fortkommen geht. Bei dieser Gelegenheit werden die Kunden gleich mitgenommen. So genannte Portfolio-Dealer assistieren bei der Abwerbung.
Horx ist schier gebannt von diesem Klima aus Unsicherheit, Ungewissheit und Risiko. Sie erzeugen ihm zufolge eine mitreißende Diversity- Kultur. „Alle modernen Gesellschaften werden in ihren Strukturen immer differenzierter, vielfältiger und individueller”. Nichts ist mehr eindeutig, alles ist denkbar im Sowohl-als-auch. Zum Beispiel die Zukunft der Familie: „Es gibt Kombi, Pseudo-, Ersatzfamilien, Wahlverwandtschaften und erweiterte Stieffamilien, Re-Kombinationsfamilien und Reproduktionsgemeinschaften neuen Typs, und ja doch, immer noch konventionelle Kleinfamilien”. Wie beruhigend! Dieses Kombinationsspiel ohne Grenzen elektrisiert Horx in allen seinen Erörterungslagen. Nur nicht müde werden dabei. Sich privat oder im Job etwa gemütlich einrichten, ist verpönt. „Es gibt keinen faulen Kompromiss: Wer sich einrichtet, hat schon verloren und wird im Reihenhaus mit Ehevertrag bestraft”.
Brücken schlagen
Bei der Hälfte des Buches scheint Horx dann aufgefallen zu sein, dass sein Möglichkeiten-ohne-Ende-Turbodiskurs letztlich nur zu Heerscharen von Arbeitsbarbaren führt, die skrupellos durch die Jobwelt ziehen. Die Tonlage ändert sich. Plötzlich stehen Miteinander, Vertrauen, Networking und gegenseitige Hilfe auf dem Plan. Die Talente werden sozialisiert. „Ich muss den anderen fördern, um etwas von ihm zu haben”, so die neue Losung. „Die Bedürfnisse des anderen erkennen und befriedigen, um die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen”.
Win-Win-Situationen will Horx plötzlich erzeugen, auch das Scheitern sei erlaubt und höchst erkenntnisfördernd. Sowie das Neinsagen, wenn einen der Job überfordert. „Das genau ist smartes Leben: Die Kunst, bei schnellem Tempo die Balance zu halten. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Arbeit und Leben verschwimmen, müssen wir schnell sein – aber langsam essen”.
Neben dem Leben an sich wird nun auch der Kapitalismus smart. Weswegen Horx sich im letzten Drittel des Buches eingehender mit der Neuen Ökonomie beschäftigt. Hier versteht er sich wieder ganz als Trendscout und liefert Beispiele aus allen Teilen der Welt: Werbeagenturen, die allen Mitarbeitern gleichermaßen gehören, bis hin zu Netzwerken und Communitys, die in allen Lebenslagen weiterhelfen. Konturen einer Zivilgesellschaft werden sichtbar, in der Unternehmen soziale Verantwortung übernehmen, in der die Ichlinge zu solidarischen Vorkämpfern für eine bessere Welt werden – „die Kernformel der Zukunftsgesellschaft”.
Smart Capitalism ist bei weitem keine Formel zur Rettung der Welt. Das hätte der Autor ganz gerne. Es ist vielmehr der Versuch, und hier liegt der eigentliche Wert, die vielen Diskussionen um eine Neue Ökonomie miteinander zu verbinden. Auch wenn Horx, wie beim Thema Nachhaltigkeit, nicht immer auf der Höhe der Debattenkultur ist. Denn Sustainability bedeutet in erster Linie, so zu leben, dass nachfolgende Generationen dieselben natürlichen und sozialen Ressourcen vorfinden wie wir.
Peter Felixberger
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Peter Felixberger zählt den Autor eindeutig zu jener Spezies von Autoren, die "unerschrocken in neue unbekannte und unerforschte Welten aufbrechen" und mit Globalisierungs- oder Kapitalismuskritik nichts am Hut haben. Dabei versprühe Horx etwas von der "Überheblichkeit des Allwissenden", der dem Leser zeigt, wie man den "Durchblick" bekommt. Trotzdem findet der Rezensent das Buch lesenswert, lobt Horx' Kenntnisreichtum und seine sprachliche Eleganz. Felixberger gefällt es, dass Horx sich nicht lange mit Internet-Pleiten, der Börse und E-Commerce aufhält, sondern sich dem Menschen zuwendet. Dabei plädiere der Autor für einen neuen Typ von Egoisten, die ihre Arbeitgeber nur als Durchlaufstation betrachten und bei ihrem Fortgang gleich den Kundenstamm mitnehmen. Gemütlichkeit ist verpönt, so Felixberger. Das klingt skrupellos, doch beruhigt nimmt der Rezensent zur Kenntnis, dass sich Horx im zweiten Teil des Buchs etwas mäßigt. Hier betone der Autor das "Miteinander, Vertrauen, Networking und gegenseitige Hilfe" - auch wenn dies nur eine Rolle spielt, wenn es letztlich einen selbst auf verschlungene Art weiterbringt. Anders als der Autor kann Felixberger in diesem Smart Capitalism nicht wirkliche ein "Formel zur Rettung der Welt" erkennen.

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