Heinrich von Ofterdingen - Novalis
6,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
Verlängertes Rückgaberecht bis zum 10.01.2020
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Die im Hochmittelalter angesiedelte Handlung stellt den Prozess dar, in dem sich der etwa 20-jährige Heinrich zum Dichter entwickelt. Der erste Teil - Die Erwartung - beginnt mit dem berühmten Traum von der blauen Blume, in deren Kelch Heinrich ein weibliches Gesicht erblickt. Als Ahnung nimmt der Traum die Begegnung mit einer zunächst noch fremden Welt vorweg. In Begleitung von Kaufleuten wird er mit praktischen Lebensverhältnissen sowie mit Märchen und Erzählungen bekannt. Unterwegs begegnet er einem Bergmann, der ihn ins Erdinnere und damit auch ins Innere bzw. in die >>fabelhafte Urzeit …mehr

Produktbeschreibung
Die im Hochmittelalter angesiedelte Handlung stellt den Prozess dar, in dem sich der etwa 20-jährige Heinrich zum Dichter entwickelt. Der erste Teil - Die Erwartung - beginnt mit dem berühmten Traum von der blauen Blume, in deren Kelch Heinrich ein weibliches Gesicht erblickt. Als Ahnung nimmt der Traum die Begegnung mit einer zunächst noch fremden Welt vorweg. In Begleitung von Kaufleuten wird er mit praktischen Lebensverhältnissen sowie mit Märchen und Erzählungen bekannt. Unterwegs begegnet er einem Bergmann, der ihn ins Erdinnere und damit auch ins Innere bzw. in die >>fabelhafte Urzeit<< der Natur führt. Von einem Einsiedler erhält Heinrich Aufschluss über die Kunst der Geschichtsschreibung, die kein bloßes Registrieren sei, sondern sich immer als deutende Gestaltung vollzieht. In Augsburg trifft Heinrich schließlich den Dichter Klingsohr und verliebt sich in dessen Tochter Mathilde, in deren Gesicht er das Antlitz aus dem Kelch der blauen Blume wieder erkennt. Ein weiterer Traum verkündet ihm Mathildes Tod, zugleich aber auch eine Wiederbegegnung und einen ewigen Bund. Der erste Teil endet mit Klingsohrs allegorischem Märchen, in dem die Kinder Eros (Liebe) und Fabel (Poesie) mit Hilfe von Ginnistan (Phantasie), dem Vater (Sinn), der Mutter (Herz), dem alten Helden und dessen Frau Sophia (Weisheit) das zu Eis erstarrte Reich Arcturs befreien, Arcturs Tochter Freya (Frieden) zur Herrschaft verhelfen und so ein neues Zeitalter herbeiführen. Der zweite Teil - Die Erfüllung - beginnt mit einem Prolog der Astralis, einem geisterhaften Wesen, das aus der ersten Umarmung Heinrichs mit Mathilde hervorgegangen ist. In den Worten >>die Welt wird Traum, der Traum wird Welt<< kündigt sich der Übergang des Geschehens ins Märchenhafte an.
  • Produktdetails
  • Reclam Universal-Bibliothek Nr.8939
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Seitenzahl: 255
  • Erscheinungstermin: 16. Januar 2001
  • Deutsch
  • Abmessung: 147mm x 95mm x 15mm
  • Gewicht: 124g
  • ISBN-13: 9783150089392
  • ISBN-10: 3150089395
  • Artikelnr.: 00763805
Autorenporträt
Wolfgang Frühwald, geboren 1935, ist Professor emeritus für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der LMU München. Von 1999 bis 2007 war er als erster Geisteswissenschaftler Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Die blaue Blume aus Novalis Roman Heinrich von Ofterdingen ist zum Inbegriff romantischer Sehnsucht und Träumerei geworden. Novalis selbst verkörpert für viele das romantisch-sensible Junggenie schlechthin. Darüber hinaus aber war Novalis als Bergbauingenieur und Philosoph vor allem ein hoch professioneller Forscher, Theoretiker und Intellektueller, dem die Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften noch völlig fremd war und der sich mit Gesteinskunde oder Kants Kritik der reinen Vernunft genauso gut auskannte wie mit den Nachtseiten des Lebens.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 24.11.1997

1800
Novalis "Heinrich von Ofterdingen"

In seinen jungen Jahren, aber er hatte eben leider nur diese jungen Jahre, war er unter denen, die sich am Roman versuchten, sicher der am wenigsten geeignete dafür, und dann starb er auch noch darüber; und nun haben wir da ein unausgewachsnes Schlänglein, nichts dran außer ein paar wunderlich blinkenden Schuppen süßer Prosa. Deutsches Mittelalter; und Heinrich sucht, er weiß nicht was, eine blaue Blume spielt eine Rolle, und Mädchen, und der Mond, der "stand in mildem Glanze über den Hügeln, und ließ wunderliche Träume in allen Kreaturen aufsteigen. Selbst wie ein Traum der Sonne, lag er über der in sich gekehrten Traumwelt . . ." Gleich am Anfang badet Heinrich nackt (ach nein, er träumt, er bade nackt), und jede Welle des lieblichen Elements schmiegte sich wie ein zarter Busen an ihn . . ." - schön geträumt, möchte man gern sagen, aber was ein richtiger Romancier werden will, der läßt anders träumen. Doch dann findet Heinrich Mathilde, des Dichters Klingsohr Tochter (dieser selber, vor Novalis, ist eine sehr sehr zweideutige Figur bei Wolfram und im Wartburgkrieg, dazu sehr schön E.T.A. Hoffmann, später Gutzkow), und dann träumt er wieder - es ist ein ungeheures Träumen in dieser Welt, wenn selbst der Mond doch ein Traum ist, und die Busen sind einer, und nun auch das Küssen: "Ewig, versetzte sie, indem sie ihre Lippen an die seinigen drückte, und ihn so umschloß, daß sie nicht wieder von ihm konnte. Sie sagte ihm ein wunderbares geheimes Wort in den Mund, was sein ganzes Wesen durchklang. Er wollte es wiederholen, als sein Großvater rief, und er aufwachte. Er hätte sein Leben darum gegeben, das Wort noch zu wissen"; und als er sie wirklich geküßt hat, weiß er auch wieder nur dies, "es ist mir wie ein Traum, daß du mein bist". Das findet Mathilde so schön, daß sie gleich für ihn sterben möchte (stärker noch als er vorher für das geträumte Wort), und er darauf: jetzt erst fühle er, was es heiße, unsterblich zu sein. Und am Ende, als Novalis bald starb, und als da, in einem Erzählchen vom armen Pilgrim, dieser das unaussprechlich lächelnde Mädchen (als sie Blumen, Rosen, aber keine blauen aufs Gras schüttet) fragt, "wo gehn wir denn hin", sagt sie, "immer nach Hause" - da sind sie dann endlich eins geworden, das süße Träumen und die schöne alte Unsterblichkeit (Novalis: "Heinrich von Ofterdingen", Reclam Verlag, Stuttgart 1987. Mit Tiecks Bericht über die geplante Fortsetzung und den nachgelassenen Fragmenten. 254 S., br., 10,- DM.) R.V.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr