Fritz Hartung - Korrespondenz eines Historikers zwischen Kaiserreich und zweiter Nachkriegszeit.
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Fritz Hartung (1883-1967), professor at the Universities of Halle, Kiel and Berlin, was one of the most prominent German historians of his time. His books, especially the frequently published »German constitutional history«, were standard works for decades. Hartung, not a follower of the Weimar Republic, was also averse to National Socialism and repeatedly aroused the unwillingness of the Nazi rulers. After 1945, although living in West Berlin, he worked for the Academy of Sciences in East Berlin. Thus, he soon became a mediator of divided German historical science of the postwar period.…mehr

Produktbeschreibung
Fritz Hartung (1883-1967), professor at the Universities of Halle, Kiel and Berlin, was one of the most prominent German historians of his time. His books, especially the frequently published »German constitutional history«, were standard works for decades. Hartung, not a follower of the Weimar Republic, was also averse to National Socialism and repeatedly aroused the unwillingness of the Nazi rulers. After 1945, although living in West Berlin, he worked for the Academy of Sciences in East Berlin. Thus, he soon became a mediator of divided German historical science of the postwar period.
  • Produktdetails
  • Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts Nr.76
  • Verlag: Duncker & Humblot / Duncker & Humblot GmbH
  • Artikelnr. des Verlages: 15731
  • Erscheinungstermin: 21. November 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm x 170mm x 54mm
  • Gewicht: 1544g
  • ISBN-13: 9783428157310
  • ISBN-10: 3428157311
  • Artikelnr.: 58029997
Autorenporträt
Hans-Christof Kraus taught at the universities in Speyer, Stuttgart, Munich and Jena. Since 2007 he teaches Modern and Contemporary History at the University of Passau. His main research areas are German and British history from the 18th to the 20th century, history of politics and international relations, history of modern political thought, constitutional history and history of historiography.
Inhaltsangabe
Fritz Hartung
Persönlichkeit und Lebenswerk. Einleitung von Hans
Christof Kraus Vorbemerkung zur Edition Verzeichnis der Dokumente Briefe 1906
1964 Quellen und Literatur Namensregister
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.02.2020

Einsames Denken
Die Geschäfte des Historikers: Fritz Hartungs Briefe

Generationen von Studenten haben sich mit seinen knappen, wohldisponierten und klar geschriebenen Überblicken aufs Examen vorbereitet; das gilt zumal für die "Deutsche Verfassungsgeschichte vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart" (zuerst 1914). Die Synthese zum Zweiten Kaiserreich, kurz nach dessen Erlöschen verfasst, wurde gar zu einer Art Hausbuch des gebildeten Bürgertums.

Fritz Hartung (1883 bis 1967), der Verfasser der genannten Werke, ist heute außerhalb der Disziplingeschichte weitgehend vergessen. Er hat kein neues Paradigma vorangebracht und sich während der NS-Zeit nicht so exponiert, um zum negativen oder positiven Exempel zu taugen. Der Inhaber des Lehrstuhls für Verfassungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte an der Berliner Universität (1923 bis 1948) war politisch konservativ, ließ sich jedoch nicht radikalisieren; er hielt vielmehr an den fachlichen Standards der Geschichtswissenschaft und dem Objektivitätsideal fest. Der Staat als sittliche Macht stand im Mittelpunkt seines Denkens, doch der Kenner der Landes- und Reichsgeschichte sowie des französischen Absolutismus wusste um die große Vielfalt der konkreten Ausprägungen von europäischer Staatlichkeit. Das immunisierte ihn gegen allzu weite Brückenschläge und Systematisierungen; nicht zufällig verteidigte er den dualistischen Konstitutionalismus gegen Carl Schmitt.

In seiner ebenso einfühlsamen wie genauen Einleitung skizziert der Herausgeber Lebensweg und wissenschaftliches Profil Hartungs, der fünf politische Systeme erlebte und nach 1945 einen großen Teil seiner durch eine Tuberkuloseerkrankung geschwächten Energie darauf verwendete, in der Akademie der Wissenschaften des noch ungeteilten Berlin den Dialog zwischen den Historikern der beiden deutschen Staaten in Gang zu halten, was unter den gegebenen Umständen auf Dauer nicht glücken konnte.

Die 343 abgedruckten Briefe umspannen den Zeitraum von 1906 bis 1964. Sie sind durch erläuternde Anmerkungen, meist biographischer Art, ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie ein erklärendes Namensregister vorbildlich erschlossen. Ein punktueller Leser mag lediglich eine übersichtliche Zeittafel vermissen.

Die Briefe dokumentieren überwiegend die "Geschäfte" eines Universitätshistorikers. Programmatische Entwürfe, Sinnkonzepte oder Rechenschaft über eine eigene Historik oder gar Geschichtsphilosophie finden sich nicht, und Hartung hatte wohl auch keinen Korrespondenzpartner, mit dem ein geistiges Suchen produktiv gewesen wäre, wie es sich etwa im Briefwechsel zwischen Carl Schmitt und Reinhart Koselleck abbildet (F.A.Z. vom 14. Dezember 2019). Bisweilen meint man eine gewisse Gekränktheit darüber herauszuhören, dass ein Friedrich Meinecke den jüngeren Berliner Kollegen offenbar für einen zwar tüchtigen, jedoch ideenlosen Historiker hielt. Und der bewunderte Otto Hintze, so vermerkte Hartung ebenfalls noch im letzten abgedruckten Brief, drei Jahre vor seinem Tod, habe in ihm "nie mehr als den Schüler gesehen", nie über die erwähnte Verfassungsgeschichte gesprochen und niemals Fachprobleme mit ihm erörtert, da er ihn wohl nicht für hinreichend "philosophisch veranlagt" hielt. Was heutzutage, in Zeiten des verordneten Dauerdiskurses, bisweilen als verlorenes Ideal erscheint, die Einsamkeit des Denkens sowie Distanz des akademischen Lebens, all dies hatte wohl auch Schattenseiten.

Nach 1933 suchte Hartung die fachliche Autonomie gegen willfährige Dekane und den raschen akademischen Aufstieg von SS-Protegés zu verteidigen, ohne sich freilich einzugestehen, wie sehr die Universität den Kern ihrer Existenz bereits aufgegeben hatte, als sie der Vertreibung der jüdischen Kollegen teils widerspruchslos, teils billigend zusah. Daran konnten auch unterstützende Worte für respektierte Gelehrte nichts ändern. Später, kurz nach Stalingrad, hielt Hartung einen Vortrag, den er als "eine Warnung vor der Überschätzung des Führerstaats und eine Mahnung zum Ausbau von Institutionen als Garantie" verstanden wissen wollte - doch zu einer analytischen Durchdringung des alle Traditionen sprengenden NS-Staates, wie sie Ernst Fraenkel und Franz Neumann aus dem Exil leisteten, gelangte er nicht.

UWE WALTER

Fritz Hartung:

"Korrespondenz eines Historikers zwischen Kaiserreich und zweiter Nachkriegszeit".

Hrsg. von Hans-Christof Kraus. Duncker &

Humblot, Berlin 2019. 903 S., geb., 119,90 [Euro].

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