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Produktdetails
  • Verlag: Area
  • Seitenzahl: 636
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 760g
  • ISBN-13: 9783899961836
  • ISBN-10: 3899961838
  • Artikelnr.: 12714058
Autorenporträt
Boris Akunin ist das Pseudonym des Moskauer Philologen, Kritikers, Essayisten und Übersetzers Grigori Tschchartischwili (geboren 1956). 1998 veröffentlichte er seine ersten Kriminalromane, die ihn in kürzester Zeit zu einem der meistgelesenen Autoren in Rußland machten. Heute schreibt er gleichzeitig an drei verschiedenen Serien und genießt in seiner Heimat geradezu legendäre Popularität. 2001 wurde er in Rußland zum Schriftsteller des Jahres gekürt, seine Bücher wurden bereits in 17 Sprachen übersetzt, weltweit wurden etwa 6 Millionen davon verkauft.
"Ich spiele leidenschaftlich gern. Früher habe ich Karten gespielt, dann strategische Computerspiele. Schließlich stellte sich heraus, daß Krimis schreiben noch viel spannender ist als Computerspiele. Meine ersten drei Krimis habe ich zur Entspannung geschrieben ... " (Akunin in einem Interview mit der Zeitschrift Ogonjok)
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.05.2006

Band 19
Der Wurm im Holz
Boris Akunins „Fandorin”
Manchmal fragt man sich, wie wohl der eine oder andere historische Krimi ausgegangen wäre, wenn die Helden moderner ausgestattet gewesen wären. Was wäre gewesen, wenn Holmes vor dem tödlichen Ringen mit Professor Moriarty eine SMS an Watson geschickt hätte? Wenn sich Philip Marlowe ins die Datenbank des Los Angeles Police Departements hätte hacken können? Vermutlich nichts. Dann hätte es eben andere Hindernisse gegeben, vielleicht einen Stromausfall, aber auch ein anderes Tempo, einen anderen Ton, den Stil einer anderen Zeit.
Boris Akunins fantastisch erfolgreicher Serienheld Erast Fandorin operiert in einem Augenblick, der genau zwischen diesen Zeiten liegt, zwischen plüschigem Zarenreich und kühler Moderne, Feudalismus und Fortschritt. Man merkt das an den Requisiten wie zum Beispiel dem „Bell-Apparat”, einem fabelhaften Gerät, das ein Gespräch mit Menschen erlaubt, die weit entfernt sind. Allerdings ist die Technik noch nicht ausgereift, und die Teilnehmer müssen so laut in den Hörer brüllen, dass sie einander auch ohne Telefon wunderbar hören würden. Bleibt also die gute alte Depesche.
Fandorin, der elegante und blutjunge Gentleman-Detektiv, bedient sich der Accessoires beider Epochen: Er kleidet sich nach neuester Mode in ein Korsett à la Lord Byron, ist aber auch fasziniert von unsichtbaren Tinten, neuen Technik und Motoren. Ende des 19. Jahrhunderts herrscht Hochspannung in Russland, die Vertreter radikaler neuer Ideologien reizen das Ancien Régime bis aufs Blut. Und Fandorin, dieser rotwangige Sonnenschein, versucht, die Fäden zu ordnen, das Chaos zu begreifen.
Boris Akunin ist ein Pionier. Keiner vor ihm hat den ideologisch diskreditierten Klassiker-Kult und das Unterhaltungsbedürfnis der neuen Mittelschicht so elegant miteinander ausgesöhnt wie er. Doch das ist nur ein Grund, warum nicht nur dieser erste Fandorin-Band, sondern das gesamte Akunin-Imperium, das dieser später um viele weitere Reihen erweiterte, warum dieses Retro-Reich von den Russen so geliebt wird. Fandorin ist eine Figur des Übergangs in einer Übergangszeit, und er behält trotzdem die Nerven. Er ist der selbstbewusste, logisch argumentierende Vertreter eines neuen Bürgertums, und er überlebt. Man begreift viel über die Nöte und Sehnsüchte der heutigen Russen, wenn man „Fandorin” liest. Es gibt Streit um das Öl im Kaspischen Meer und diplomatischen Zwist zwischen Großbritannien und Russland, überhaupt kriecht das postsowjetische Russland in diesen Text wie ein Wurm ins Holz - nein, „Fandorin” ist alles andere als ein historischer Roman. Doch zum Fall, Fandorins erstem: Eine Reihe rätselhafter Selbstmorde erschüttert Russland. Fandorin ermittelt in Moskau und Sankt Petersburg, in London und Paris. Die Spuren reichen hinauf in die höchsten Kreise der europäischen Generalität und der Diplomatie und hinab in das Elend russischer Waisenkinder. Am Ende haben nicht die chronisch verdächtigen Nihilisten die Morde auf dem Gewissen, sondern eine Gruppe Weltverschwörer, die es doch nur gut gemeint haben - mit Russland und mit der Welt. Noch ein Heilsversprechen, das sich als Verbrechen herausstellt. Ja, vieles in diesem Roman ist so vertraut wie der inzwischen perfektionierte Bell- Apparat.
SONJA ZEKRI
Boris Akunin
Foto: E. Schorr/Ostbild
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