Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen - Spilker, Frank
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Alles geht den Bach runter. Die Freundin ist weg, sein Graphikbüro in Hamburg pleite - Thomas Troppelmann wächst alles über den Kopf. Er setzt sich in den Zug, lässt sich durch Deutschland und durch seine Erinnerungen treiben, bis er sich in einem Kurort wiederfindet, in dem er schon als Kind nicht sein wollte ... Frank Spilker, Kopf der legendären Hamburger Band "Die Sterne", erzählt eine Geschichte vom Niedergang, und das so lässig und lakonisch, dass man seinem Helden liebend gern folgt. Beängstigende Anwandlungen plagen Thomas Troppelmann. Unvermittelt schlägt er sich durchs Walddickicht,…mehr

Produktbeschreibung
Alles geht den Bach runter. Die Freundin ist weg, sein Graphikbüro in Hamburg pleite - Thomas Troppelmann wächst alles über den Kopf. Er setzt sich in den Zug, lässt sich durch Deutschland und durch seine Erinnerungen treiben, bis er sich in einem Kurort wiederfindet, in dem er schon als Kind nicht sein wollte ... Frank Spilker, Kopf der legendären Hamburger Band "Die Sterne", erzählt eine Geschichte vom Niedergang, und das so lässig und lakonisch, dass man seinem Helden liebend gern folgt. Beängstigende Anwandlungen plagen Thomas Troppelmann. Unvermittelt schlägt er sich durchs Walddickicht, während er eigentlich im Büro in Hamburg-St. Pauli sitzt. Seit ihn seine Freundin verlassen hat, läuft sein Leben aus dem Ruder. Die Aufträge zum Artwork von Plattencovern sind dramatisch geschwunden. Und jetzt wird er mit seinem Graphikbüro "Tropical Design" auch noch aus den Räumen geworfen, weil er es versäumt hat, den Mietvertrag zu verlängern. Da bleibt nur eins: rein in den Zug und raus aus Hamburg. Doch je länger die Fahrt dauert, desto unübersehbarer die Anzeichen, dass etwas Gespenstisches im Gange ist, dessen Ausmaße Thomas noch nicht einmal ahnt.
  • Produktdetails
  • Literatur-Literatur
  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • Seitenzahl: 158
  • Erscheinungstermin: März 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 131mm x 17mm
  • Gewicht: 278g
  • ISBN-13: 9783455403664
  • ISBN-10: 3455403662
  • Artikelnr.: 36856603
Autorenporträt
Frank Spilker wurde 1966 in Herford geboren und lebt heute in Hamburg. 1987 gründete er die Band 'Die Sterne', die seit Anfang der 1990er mit Liedern wie 'Was hat dich bloß so ruiniert' oder 'Fickt das System' zu den einflussreichsten musikalischen Formationen in Deutschland zählt. Neben den 'Sternen' betrieb Spilker auch Soloprojekte wie die 'Frank Spilker Gruppe' und schrieb Filmmusik.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Till Briegleb war immer ein großer Fan der Hamburger Band Die Sterne, auch oder ganz besonders wegen der Texte von Frank Spilker, die eigentlich schon eine Art "atmosphärisch dichter Kurzliteratur" waren. Umso mehr erstaunt es ihn, dass Spilker in seinem Debütroman "Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen" nichts von seiner präzisen Beobachtungsgabe für "die Schwierigkeiten des Menschseins" offenbart. Einen Poproman nach "Bastelanleitung" hat Spilker geschrieben, bedauert Briegleb, "maximal gewöhnlich bei minimaler Komik". Pop hat - wie Fußball übrigens auch, erklärt der Rezensent - mit der Schwierigkeit zu kämpfen, bei gleichbleibenden Regeln interessante Ergebnisse zu produzieren. Spilker ist an dieser Herausforderung gescheitert, findet Briegleb.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 12.04.2013
Das Trauma des Herrn Troppelmann

Wenn die Krise kommt, flüchten wir in die Provinz: Frank Spilker, Sänger der Band Die Sterne, hat einen leicht surrealistischen, aber etwas zu ernsten Roman über den Niedergang der Kreativwirtschaft geschrieben.

Da hilft nichts auf der Welt, wenn dir St. Pauli auf den Geist fällt", heißt es in einem Lied der Hamburger Band Die Sterne - und nun hat deren Sänger Frank Spilker den Roman dazu geschrieben. Vielleicht ist es aber auch der Roman zu "Risikobiographie" oder der zu "Was hat dich bloß so ruiniert".

Die alten Sterne-Songs und das neue Buch - beides sind Fiktionen. Der Unterschied aber ist: Als man in den Neunzigern auf der Tanzfläche stand, war der Ruin ein Witz, der niemals wahr werden sollte. Kaputt waren die anderen, die Sterne hingegen hatten "Sex in den Trümmern und träumten". Jetzt wirkt das Ganze auf einmal erfahrungsgesättigt und hat einen Namen, der bedröppelter nicht klingen könnte: Thomas Troppelmann. Der Antiheld in Spilkers Roman betrachtet das Leben von hinten, und es sieht nicht so gut aus.

"Thomas Troppelmann - Tropical Design", das klingt erst mal nach einer schönen deutschen Versagerkomödie, was fürs Fernsehen mit einem Protagonisten vom Typus "tolpatschiger Matratzenverkäufer" vielleicht. Das Modell "freier Grafik-Designer in Hamburg" genügt aber, wie Spilker in seinem Buch zeigt, auch schon für eine prekäre Existenz, zumal wenn man vergisst, den Mietvertrag zu verlängern, und somit alle aus dem Büro fliegen. Vor der Wut seiner Kollegen flüchtet Troppelmann aus der Stadt in die Provinz - ob in Wirklichkeit oder nur in Gedanken, wird nie ganz klar, denn mit einer Szene, in der dem Erzähler im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf fällt, erhält die Geschichte auch einen surrealistischen Zug, der sie fortan nicht mehr verlässt.

Es ist die Geschichte vom Niedergang der sogenannten Kreativwirtschaft, die man nun allenthalben hört. Aber nicht die junge Generation Praktikum steht hier im Mittelpunkt, sondern die Mittvierziger, die vor zwanzig Jahren noch im Geschäft waren, als die Musikindustrie noch funktionierte und unabhängige Künstler noch ganz gut leben konnten. So auch Troppelmann: Mit "spontan zusammengeklebten und lächerlich einfachen Ideen" für Plakate und Plattencover habe man damals eine Menge Wirbel gemacht, erzählt er - heute ist die Auftragslage mau, und neben dem Computermonitor gähnt eine Leerstelle, an der lange das Bild der verflossenen Freundin stand.

Weil Troppelmann das alles zu viel wird, steigt er einfach in den Zug. Der bringt ihn in die Vergangenheit, also in die deutsche Provinz. Es gibt eine Begegnung mit einer alleinerziehenden Krankenschwester in Hildesheim, dann einen Besuch zu Hause bei den Eltern, wo sich nichts verändert hat und die Mutter ihm die Kohlroulade vom Mittagessen aufwärmt. Doch schnell ist man wieder bei alten Streitthemen - und bald wird auch klar, dass Troppelmanns Reise eine bewusste Konfrontation mit alten Traumata ist. Da ist etwa die Erinnerung an eine christliche Jugendfreizeit auf der Insel Ameland, die im Rückblick nun als Gehirnwäsche bei einer Sekte erscheint.

Wie ernst Spilker zum Beispiel dieses Thema verhandelt, ist schon etwas erstaunlich. Bernd Begemann etwa, ein anderer Liedermacher, der wie Spilker aus der ostwestfälischen Provinz nach Hamburg ausgewandert ist und vielleicht auf ganz ähnliche Erinnerungen zurückgreifen kann, hat solche Dinge einfach in einem ironischen Song ("Christiane, das Mädchen vom CVJM") zum comic relief geführt. Sie jetzt als Ursachen der großen Lebenskrise serviert zu bekommen wirkt da doch ein bisschen übertrieben.

Aber Thomas Troppelmann ist mit seiner Vergangenheit eben noch nicht versöhnt und mit der Provinz auch nicht. Als "Vorhölle" will ihm etwa ein Bahnhof erscheinen, und die Menschen auf dem Bahnsteig unterscheiden sich nur darin, dass sie "unterschiedlich scheiße" aussehen: "Die einen haben das Schlimmste schon hinter sich, die anderen haben es noch vor sich. Einige werden vielleicht gerade ihrer letzten Illusionen beraubt und müssen sich eine neue Version der Wirklichkeit zurechtlegen." An diesem Projekt arbeitet auch der Erzähler selbst fieberhaft, seine Wirklichkeit wird allerdings immer wieder durchsetzt von kursiv gedruckten Passagen, die sich schließlich als Flashbacks einer besonders bedrückenden Kindheitserinnerung erweisen: Es geht um eine Kur für den seinerzeit schmächtigen und asthmatischen Jungen, die sich nun als Horrorvision mit bösen Krankenschwestern und ängstlich durchwachten Nächten darstellt, in denen die Zeit nicht enden will.

Die schroffe Einteilung in gesund und krank, die Troppelmann in dieser Kindheitskur erfahren musste, spiegelt sich ihm in der Gegenwart als Unterscheidung von "normal arbeitenden" und kreativen Menschen, mit der er sich als Erwachsener fortwährend konfrontiert sieht. Der Roman kann somit auch in gewisser Weise als Künstlerroman gelten, erreicht dabei aber kaum gedankliche Tiefe.

Reizvoller ist dagegen, wie auf Troppelmanns doppelter Reise Erfahrungs- und Erinnerungsebene zunehmend verschmelzen, bis man schließlich nicht mehr sicher sein kann, ob man sich im Schwarzwald, in Bad Salzuflen oder an einem Kurort der Unterwelt befindet, in dem auf Schildern mit "Bekanntmachungen" neben Angeboten zwischen Fango und Tango auch sehr sonderbare Sinnsprüche stehen: "Wer hier gesund wird, war nie krank."

Ein ulkiges Sterne-Lied, wie es der Titel "Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen" verspricht, ist aus Spilkers Buch nicht geworden. Aber die Zeit dieser Lieder ist hoffentlich noch nicht vorbei. Kollege Bernd Begemann hat immerhin längst erklärt: "Ich erkläre diese Krise für beendet."

JAN WIELE

Frank Spilker: "Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen". Roman.

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2013. 158 S., geb., 19,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 04.07.2013
Ich möchte Teil einer
Modelleisenbahn werden
Frank Spilker versemmelt seinen ersten Pop-Roman
Es gibt einen absurden Unterschied zwischen Popmusik und Popliteratur. Während die Musikstars auf der Bühne stets als Helden und Vorbilder angehimmelt werden, sind die Popstars der Romane vor allem Versager. Von Jack Kerouac bis Nick Hornby hat die englischsprachige Literatur den Typus des sympathischen Hängers und Aussteigers kultiviert, dem weder eine Arbeit liegt noch eine Beziehung gelingt. Und in der deutschsprachigen Variante von Christian Krachts „Faserland“ über Karen Duves „Regenroman“ bis Sven Regeners „Herr Lehmann“ kämpft der Held auch noch mit einer Deutschlandgrauheit, in die sich so einfach kein rechter Glamour bringen lässt. Helene Hegemann für Berlin und Tino Hanekamp für Hamburg haben das zuletzt zwar mit einer gewissen subkulturellen Erlebnishysterie zu überzeichnen versucht, aber zumindest der erfolgreiche Debütroman des Hamburger Clubbetreibers Hanekamp, „So was von da“, schraubt seine Geschichte ebenfalls an das altbekannte Pop-Roman-Gerüst: Freundin weg, Existenz ruiniert, es folgt der Abgang ins Haltlose mit einem Moment der Selbstfindung als Pointe.
  Exakt dieser Bastelanleitung folgt jetzt auch Frank Spilker in seinem Debütroman „Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen“. Hier addiert der Sänger der Hamburger Band Die Sterne alle Bestandteile des deutschen Popromans bis hin zur Verwendung extrem blöder Eigennamen. Thomas Troppelmann, ein szeniger Platten-Cover-Gestalter, dem seit der Trennung von seiner Andrea die praktische Lebensführung entgleitet, provoziert durch Nichtstun die Kündigung seiner Fabriketage und das Ende seiner Ein-Mann-Firma. Als ihm die Mitmieter aufs Dach steigen und er seinen letzten lukrativen Auftrag durch besoffene Manieren versemmelt, sieht er nur noch „unangenehme Dinge überall“ und macht sich auf eine ziellose Zugreise durch Deutschland, in deren Verlauf er alles verliert, vom Ladekabel seines Handys bis zur Selbstachtung. Flucht aus Leere und Überforderung, auch dies ein ewiges Poproman-Motiv.
  Natürlich kann ein literarisches Genre, das immer den gleichen Regeln folgt, trotzdem zu interessanten Ergebnissen führen, genauso wie Popmusik oder Fußball. Und der geniale Texter Spilker, der seit 20 Jahren atmosphärisch dichte Kurz-Literatur über die Schwierigkeiten des Menschseins singt, wäre eigentlich prädestiniert dafür, einen pointierten Prosastil zu entwickeln, der seine depressive Geschichte in einen unterhaltenden Soundtrack verwandelt. Aber aus irgendeinem schwer verständlichen Grund will Spilker einfach nur die depressive Geschichte erzählen. Fahrt im ICE, Sex mit einer sehr langweiligen, jung gebliebenen Altenpflegerin in Hildesheim, Besuch bei den Eltern, wo alles wie immer ist, Weiterfahrt in den Schwarzwald, um im strömenden Regen das Kurheim zu suchen, in dem der zunehmend mental erschöpfte Anspruchsflüchtling als Kind unglücklich war, um so vielleicht den Schlüssel zur eigenen Lebensunfähigkeit zu finden – mehr ist nicht los in diesem Roman. Und wenn Spilker seinem Troppelmann mal eine originelle Formulierung schenkt, dann eine wie diese kurz vor Schluss: „Ich möchte Teil einer Modelleisenbahn werden, in der die Züge immer im Kreis fahren.“ Das schreit doch klar nach Prozac!
  Weder Spilkers Schärfe noch sein Talent zu knappen analytischen Beobachtungen, die Sterne-Songs so besonders gemacht haben, findet Eingang in diesen Romanversuch, der eigentlich das Etikett „Pop“ nicht verträgt. Denn was Spilker beschreibt, ist maximal gewöhnlich bei minimaler Komik. Elternwohnzimmer, Zugabteile, Provinzhotels und Hamburger Tresengespräche brauchen nur dann beschrieben zu werden, wenn ein Autor die Satire liebt ober das Böse im Banalen findet. Aber in diesem Buch erkennt man nur einfach alles wieder, wie es eben ist. Und daran ändert auch nichts, dass alle paar Seiten Dinge umfallen, als sei dies eine rätselhafte Metapher für den inneren Verfall des Helden. Oder dass Spilker eine total unsinnige Nebengeschichte über eine Trinkwasserhysterie in Hamburg konstruiert, die Troppelmann mit einem Anruf ausgelöst haben könnte.
  Tatsächlich erschließt sich aus kaum einer Szene dieses kurzen Romans die Dringlichkeit, warum er überhaupt erzählt werden musste. Oder wie Thomas Troppelmann meint: „In einer Umgebung, in der alle kämpfen, ist es am schlimmsten, gar nicht kämpfen zu wollen“. Als Kernthese über 160 Seiten variiert, verkennt dieser Leidenssatz nicht nur das Bedürfnis des Lesers nach Originalität, sondern den ganzen Charakter des Genres: Der Poproman handelt zwar von Versagern, aber im gelungenen Fall wirkt er dabei höchst aufbauend.
TILL BRIEGLEB
Was er beschreibt, ist maximal
gewöhnlich bei minimaler Komik
  
  
  
  
Frank Spilker: Es interessiert micht nicht, aber das kann ich nicht beweisen. Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013.
160 Seiten, 19,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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"Das ergibt einen speziellen Sound, der wie ein richtig guter Song beim ersten hören wirkt: Man merkt auf, staunt, taucht ein, weg und erfrischt wieder auf. Und Spilker weiß genau, wie so was geht." Andy Dallmann Sächsische Zeitung, 27.04.2013