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Besprechung von 10.04.2008
Besonders lernt die Weiber führen

Die Leiden des Originalgenies als junger Spund: Manfred Zittel verlegt Goethes Durchbruch zu einer "Sprache des Herzens" schon in die Leipziger Studienzeit.

Entfaltung und Durchbruch des Genies Johann Wolfgang Goethes sind gut dokumentiert, inklusive der ihn immer wieder heftig erfassenden Krisen und ihrer Überwindung. Im Gegensatz zu anderen Krisenzeiten vergleichsweise schwach beleuchtet ist allerdings die Phase vor Goethes Eintreffen in Straßburg im April 1770 und dem damit beginnenden Sturm und Drang, also Goethes Leipziger Studienzeit zwischen 1765 und 1768. Dieser Lebensabschnitt, der in einer lebensgefährlichen Erkrankung des Dichters endete und eine anderthalbjährige Rekonvaleszenz im Frankfurter Elternhaus nach sich zog, erscheint in den Biographien größtenteils als prägeniale Verirrung im Labyrinth der Überforderungen.

Mit dieser Vorstellung möchte Manfred Zittel in seinem Buch über Goethes Leipziger Jahre aufräumen. Gestützt vor allem auf die dreiundsechzig erhaltenen Briefe, die Goethe zwischen dem 12. Oktober 1765 und dem 20. Februar 1770 geschrieben hat, versucht Zittel, eine detaillierte Biographie des für heutige Begriffe sehr jungen Studenten (Goethe kam mit sechzehn Jahren nach Leipzig) nachzuzeichnen. Obgleich der Öffentlichkeit bereits seit einhundertzwanzig Jahren zugänglich, seien diese Briefe, so der Biograph, noch nie als zusammenhängende Dokumente ausgewertet worden. Den Grund sieht Zittel darin, dass Goethes autobiographische Darstellung dieser Jahre die Forschung dominierte. Goethe aber geht nur sporadisch auf die Personen ein, mit denen er in Leipzig in enger innerer und äußerer Bindung gestanden hat. Stattdessen hebt er in "Dichtung und Wahrheit" die verschiedenen Bildungsimpulse hervor, die er durch die Universität und das literarische Leben in Leipzig erfahren habe. Die Geschichte seines Herzens, wie Manfred Zittel es nennt, sei so weitgehend im Dunkeln geblieben.

Wolfgang Goethe - so nennt sein Biograph in leicht studienrätlicher Korrektheit den Studenten im Jünglingsalter - muss in der mondänen Messestadt in seinem vom Vater zusammengestellten Aufzug zunächst eine recht steife Figur abgegeben haben. Die Mitte des 18. Jahrhunderts war die hohe Zeit der französischen Kultur. Leipzig wiederum war der Mittelpunkt dieser Mode. Nicht ohne Grund wurde es von den Zeitgenossen "Klein-Paris" genannt. Goethe kam am 3. Oktober 1765 nach dreitägiger Kutschenfahrt in Leipzig an und bezog sein Studienzimmer in einem Bürgerhaus am Alten Neumarkt, der "Großen Feuerkugel". Von Anfang an wollte er sich nicht nur auf sein Jurastudium konzentrieren, sondern interessierte sich viel mehr als für die Rechtsgelehrsamkeit für die Literatur.

Das literarische Ideal der Anakreontik, der lyrischen Stilrichtung des Rokoko, in der es um das heitere Genießen antikisierender Idyllen im Themenfeld von Wein, Weib und Gesang ging, prägte die kulturelle Stimmung dieser Zeit. Dass ein junger Mann sich mit aller Emphase als Dichter begriff, muss vor diesem Hintergrund nicht unbedingt als individuelle Berufung verstanden werden. Eher machte man sich durch Teilhabe an dieser kollektiven Phantasie gesellschaftsfähig im Sinne des Zeitgeschmacks. Auch die in Goethes ersten Leipziger Briefen immer wieder anklingende Sehnsucht nach "Mädgen" dürfte spielerischen Launen geschuldet sein.

Das Spannende an Goethes Entwicklung ist nun der Schritt von dieser für diese Zeit der ,Empfindsamkeit' vollkommen konventionellen Bewusstseinslage zu jenem dynamischen Individualismus des Originalgenies, wie er nach 1770 in Straßburg und später in Frankfurt zum Durchbruch kommen sollte. Manfred Zittel zeigt, dass die Fundamente bereits in Leipzig gelegt worden sind. Goethes Briefe lassen in Zittels Lesart erkennen, wie sehr ihn die Liebesbeziehung zu Katharina Schönkopf, die er in seiner anakreontischen Projektion Annette nannte, beschäftigte und in die Krise trieb.

Als tiefer biographischer Einschnitt nicht weniger bedeutsam erscheint die Freundschaft des Sechzehnjährigen zu dem deutlich älteren gräflichen Hofmeister Ernst Wolfgang Behrisch, der in "Dichtung und Wahrheit" als etwas kauziger Privatgelehrter mit eigenwilligen Ideen figuriert, tatsächlich aber Goethes große menschliche Stütze in Leipzig gewesen sein dürfte.

Liebe und Freundschaft waren für Goethe nicht zuletzt auch Rückzugsmöglichkeit von der feinen Gesellschaft, in der er sich dem Wunsch seines Vaters gemäß bewegen sollte. Ausgestattet mit allerlei Empfehlungsschreiben, wurde der junge Mann mit den Protagonisten des galanten Leipzig nicht recht warm, verachtete sie wohl ein wenig für die in der Konversation vorherrschenden Oberflächlichkeiten und wurde selbst ob seines hessischen Dialekts als Provinzler belächelt. Schönkopfs Weinstube, Auerbachs Keller und Behrischs Wohnung waren Goethe willkommene Zufluchtsorte, an denen er sich mit dem älteren Freund gern der Satire und dem Spott hingab.

Behrischs Fähigkeit, in literarischen Fragen Geschmacksurteile zu begründen und Kritik angemessen zu vermitteln, hat zweifellos dazu beigetragen, dass Goethe auch als Dichter mehr Selbstvertrauen erlangte. Die literarische Szene Leipzigs um den professoral erstarrten Gottsched und den erzfrommen Gellert konnte ihm demgegenüber keine besondere Motivation vermitteln, sondern wirkte eher abschreckend. Der junge Vielschreiber Goethe, der jedes Jahr zu seinem Geburtstag im August seine lyrische Produktion zu Quartbänden von fünfhundert Seiten zusammenstellte, hatte sich Behrischs strengem Gericht zu unterwerfen. Zuletzt blieben zwölf Gedichte übrig, die auf fünfzig Seiten im Kleinformat von Behrisch handschriftlich festgehalten wurden. Goethe lernte, sich zu beschränken, eine konzise Form der Darbietung zu finden.

Der Gedichtband "Annette" bildet den Höhepunkt der Leipziger Zeit. Dieses erste durchgearbeitete Werk des jungen Goethe ist gewissermaßen die literarische Kristallisation der Liebe zu Katharina Schönkopf und der Gemeinschaft mit dem älteren Freund. Aber zugleich stellt es den Anfang vom Ende dieser kurzen Lebensphase Goethes dar. Im Oktober 1767 wurde Behrischs Stelle als Hofmeister beim Grafen von Lindenau gekündigt. Ihn zog es alsbald nach Dessau, wo er bis zu seinem Lebensende am Hof von Fürst Leopold III. lebte und als Erzieher arbeitete: für den in Leipzig zurückbleibenden Goethe ein harter Verlust, auch wenn man brieflich in Verbindung blieb.

Hinzu kam, dass die Beziehung zu Katharina Schönkopf keine Zukunft zu haben schien und von ihr konsequent einer Lösung entgegengeführt wurde. Unter diesem schmerzlichen Eindruck nehmen Goethes Briefe, gerade die an Behrisch, einen neuen Ton an. Vielleicht muss man darin nicht schon in vollem Maße die Tonlage Werthers erblicken, wie Zittel meint. In jedem Fall aber haben wir es bereits mit einer "Sprache des Herzens" zu tun, die von den wirklichen Leiden eines Ichs ausgeht und sich schlagartig von vorgeformten literarischen Mustern entfernt.

Die Leidenschaft für Annette und die Enttäuschungen, die Goethe im Verlauf der Lösung dieser Beziehung erlebte, bildeten, so Zittel, den affektiven Grundstock für die sechs Jahre später im "Werther" geprägte Sprache, die schließlich ganz Europa elektrisierte. Auch sei in der Krankheit, die den jungen Dichter an den Rand des Todes brachte, die entscheidende Grenzerfahrung zu sehen, nach welcher Goethe nicht mehr ins stimmungsvolle Gleichmaß des Rokoko zurückfallen konnte.

Manfred Zittels Thesen sind, auch wenn er sie mit fast schon gebetsmühlenartiger Beharrlichkeit wiederholt, nicht von der Hand zu weisen. Angesichts seiner materialreichen Recherchen und der differenzierten Darstellung erscheint Goethes Leipziger Zeit in neuem Licht. Nicht zuletzt wird die Grenzlinie zwischen einer weitgehend rokokohaft manierierten Phase vor dem Sturm und Drang und dem genialischen Durchbruch des Junggenies nach 1770 nicht nur verwischt, sondern nahezu aufgehoben. Zudem rückt die Gestalt Behrischs in seiner Funktion als freundschaftlicher Erzieher in ein klareres Licht. Auch über die zeitgenössische Einschätzung Behrischs, der weithin ein gutes Ansehen genoss, erfahren wir Neues.

Die Sprache der Leidenschaft, für die Goethe später berühmt werden sollte, dämmerte in Leipzig nicht nur herauf. Sie war bereits da, als Goethe zum ersten Mal erlebte, wie flüchtig das irdische Glück sein kann und was Sprache angesichts solcher Erfahrungen zu leisten vermag.

CHRISTIAN SCHÄRF.

Manfred Zittel: "Erste Lieb' und Freundschaft". Goethes Leipziger Jahre. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2007. 248 S., geb., 18,- [Euro].

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Besprechung von 28.08.2009
Erste Lieb’ und Freundschaft
Wo soll der junge Leser einsteigen? Am besten bei dem jungen Goethe. Neue Bücher von Manfred Zittel, Sabine Appel und Monika Pelz
Als der französische Schriftsteller Jules Barbey d’Aurevilly 1870 im von den Deutschen belagerten Paris seinen hasserfüllten Essay „Gegen Goethe” schrieb, lautete einer der Vorwürfe: Dieses angebliche Weltgenie sei nie jung gewesen. Selbst Goethe-Liebhaber verstehen, was der französische Élegant damit gemeint haben könnte: Der Dichter, der den Schulfuchs Wagner im „Faust” ja nicht nur parodistisch gezeichnet hat, sondern sich selbst in Krisensituationen gern mit dem Ordnen von Münzschubladen beruhigte, Aktenordner über unfertige Werke anlegte, und seine geistig unendlich verschachtelte Existenz wie der Staatsminister seiner selbst regierte – ja, er war ein Pedant, der, wie Ernst Robert Curtius in seinem Essay über „Goethes Aktenführung” gezeigt hat, Bürokratie geradezu als therapeutische Lebensform eingeübt hat. Gegen jede Krise half ihm immer noch das Sammeln und Sichten.
Aber niemals jung? Das ist lächerlich, und zu diesem Vorwurf müssen Barbey seine französische Werkausgaben verführt haben. Denn man kann im Gegenteil sagen: Goethe hat das Jungsein im emphatischen, literarischen Sinn geradezu erfunden. Seit dem späten 19. Jahrhundert gibt es eigene Werkausgaben unter dem Titel „Der junge Goethe”, die alles vor der Weimarer Zeit von ihm Geschriebene, vor allem auch die Briefe, sammeln und damit einen Sprachstand dokumentieren, den man als Ausbund literarischer Jugendlichkeit auch linguistisch beschreiben und von Goethes Altersstil mit seiner Freude am syntaktischen Zeremoniell abheben könnte.
Was in der Weltliteratur soll jugendlich sein, wenn nicht der „Werther”, die großen Hymnen, die Gedichte aus Sesenheim, die Beschwörungen des Straßburger Münsters oder Shakespeares – Texte, die die erste Jugendbewegung der deutschen Literatur, den „Sturm und Drang” befeuerten? Werther wurde, so zeigt es der „Anton Reiser” von Karl Philipp Moritz, zur Identifikationsfigur der Halbwüchsigen, die sich als Außenseiter der verzopften Gesellschaft des deutschen Spätabsolutismus empfanden.
Die Distanz zum alten Goethe ist so groß, dass es nicht wenige Goethe-Liebhaber gibt, die nur einen von beiden ertragen: den jungen oder den alten. Es ist fast, als hätte man es mit zwei verschiedenen Autoren zu tun. Denn es gibt eben auch einen alle Genres übergreifenden Goetheschen Altersstil, der sich am reinsten in den hintersinnigen Sammelsurien seiner selbstgeschriebenen Zeitschrift „Über Kunst und Alterthum” ausprägt, aber natürlich in Briefe, Erzähltexte und den zweiten Teil des „Faust” ausstrahlt.
Dieser oft konstatierte, jede Nachwelt verwirrende Reichtum bedeutet allerdings auch eine Erschwerung, nicht nur für Biographen und Philologen, sondern auch für Anfänger. Das beginnt damit, dass es kaum Bücher über den ganzen Goethe gibt, die zugleich gut und kurz sind. Das Genre des „kurzen Goethe-Buches” wäre eine eigene Betrachtung wert und sie müsste Namen wie Ernst Benz, Victor Lange, Hans Mayer, Günther Müller und Dorothea Hölscher-Lohmeyer behandeln und würde zu dem Resultat kommen, dass diese Bücher meist entweder sehr trocken oder recht unbefriedigend, weil einseitig sind. Es gibt diesseits des 500-Seiten-Wälzers kaum Bücher, die man jungen Lesern zum Einsteigen empfehlen kann. Gemessen an der Schwierigkeit ist der jüngste Versuch in dieser Richtung, eine 300-Seiten-Biographie der jungen Literaturwissenschaftlerin Sabine Appel gar nicht so übel. Appel beschränkt sich auf das Leben des Dichters und des Liebenden, sie lässt den Politiker und Wissenschaftler Goethe weitgehend weg, sie setzt nichts voraus und hat die berühmtesten Zitate griffbereit, die wichtigsten Tatsachen des äußeren Lebens sind zuverlässig dargestellt.
Da so unendlich viel Material verfügbar ist, wird man auf jeder Seite etwas Interessantes finden. Allein, Appels lockerer Ton verstimmt je länger desto mehr. Goethes Rolle am Weimarer Hof der Geniezeit mit „Shooting-Star” zu beschreiben, ist ein schaler Witz. Und nachdem die Autorin sich lustvoll mit den orthographischen Eigenwilligkeiten von Goethes späterer Frau Christiane beschäftigt hat – „Iphigenie” gab sie als „Efijenige” wieder – erklärt sie uns: „Die Privatsprache der beiden erstreckte sich besonders auf den Intimbereich, und der war ziemlich wichtig, wie man ja an der Formulierung Christianes erkennt, dass sie gerade sehr ,hasig’ sei.” So unerotisch – das passt weder zu Christiane noch zu Goethe.
Aber Appels Biographie ist immer noch lebhafter geschrieben, vor allem zitiert sie reizvoller als ein Büchlein, das sich ausdrücklich an junge Leser wendet. Monika Pelz’ „Lebensgeschichte” unter dem anspruchsvollen Titel „Den Blick auf das Herz der Welt” enthält zu viel bemühte Literaturwissenschaft, um auf Dauer zu fesseln. So befindet Pelz, die „theoretische Ausbeute” von Goethes Bildungsprozess in Italien sei „mager” gewesen: „Das Wesen der Kunst, auch das Geheimnis seiner eigenen Kunst vermag er für sich selber nicht zu entschlüsseln und anderen nicht zu erklären.” Und das immerhin mit Verweis auf die Abhandlung „Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil”! Gut also, dass wir Pelz haben, die uns zur Versfassung der „Iphigenie” erklärt: „Die Sprache des Dramas ist eine Folge bezwingender Metaphern und Bilder. (...) Alte Mythen vereinen sich mit neuen Sinneseindrücken.” Vor allem enthält Pelz ihren jungen Lesern einen idealen Anknüpfungspunkt vor: den jungen Goethe in seiner ersten Lebenskrise.
Ihn schildert aus den wohlbekannten Quellen ganz vorzüglich Manfred Zittel in einer Studie über Goethes Leipziger Jahre. Das junge Genie ist 16 und zum ersten Mal von zu Hause weg – was damals, mit einem Briefverkehr, bei dem es hin und her nicht unter acht Tagen ging, bedeutete: ganz auf sich gestellt. Zittel, der Pädagoge ist, liest Goethes unter stilistischen Gesichtspunkten oft untersuchte Leipziger Briefe – hier lernte er schreiben und entwickelte die Voraussetzungen des „Werther”-Stils – als Zeugnisse einer schweren Pubertätskrise.
Entscheidend ist dabei die Doppelung im Titel: Es geht nicht nur um „erste Lieb’”, sondern auch um „erste Freundschaft”, und so rückt Zittel zum ersten Mal die Bedeutung des Adressaten der wichtigsten Leipziger Briefe, jenes in „Dichtung und Wahrheit” etwas stiefmütterlich behandelten Ernst Wolfgang Behrisch, in ein helles Licht. Er war der Erste einer Reihe von Erziehern und Anregern, die der junge Goethe sich suchte – Herder wurde später der berühmteste. Zittel arbeitet mit den vollen Texten der Briefe, der junge Leser gerät mitten in die dramatische Sprache des jungen Goethe und ist danach reif für den „Werther”, am besten in der bei Reclam soeben wieder vorgelegten Urfassung. Warum nicht hier beginnen mit Goethe? GUSTAV SEIBT
MANFRED ZITTEL: Erste Lieb’ und Freundschaft. Goethes Leipziger Jahre. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2008. 245 Seiten, 18 Euro.
SABINE APPEL: Johann Wolfgang von Goethe. Ein Porträt. Böhlau Verlag, Köln-Weimar 2009. 346 S., 22,90 Euro.
MONIKA PELZ: Den Blick auf das Herz der Welt. Die Lebensgeschichte des Johann Wolfgang Goethe. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2009, 288 S., 18 Euro.
Er wurde zur Identifikationsfigur der Außenseiter in verzopfter Welt
Da gerät der Leser mitten in die dramatische Sprache des Genies
Der junge Goethe. Er hat das Jungsein im emphatischen Sinn geradezu erfunden. Abb.: foto-poklekowski
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Christian Schärf hat Manfred Zittels Buch über Goethes Leipziger Jahre sehr positiv aufgenommen. Er attestiert dem Autor, diesen Lebensabschnitt des Dichters in einem "neuen Licht" erscheinen zu lassen und eingehend darzustellen. Besonders hebt er Zittels Auffassung hervor, die Wurzeln von Goethes Sprache der Leidenschaft, die später etwa im "Werther" ganz Europa begeistern sollte, lägen in seiner Leipziger Zeit. Auch wenn Schärf die Präsentation der Thesen etwas gebetsmühlenhaft anmutet, hält er sie doch für recht plausibel und wohl begründet. Zudem lobt er die sorgfältige Recherchen des Autors - er nennt hier vor allem die Auswertung von dreiundsechzig erhaltenen Briefen Goethes zwischen dem 12. Oktober 1765 und dem 20. Februar 1770 - sowie seine "differenzierte" Darstellung.

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