Elegie in Dur - Heise, Hans-Jürgen
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Produktdetails
  • Verlag: Liebe
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 24. Juni 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 131mm x 12mm
  • Gewicht: 257g
  • ISBN-13: 9783944566030
  • ISBN-10: 3944566033
  • Artikelnr.: 38052889
Rezensionen
Besprechung von 09.08.2013
Paradiese seicht verwässert
Hans-Jürgen Heise möchte das Genre der Elegie wiederbeleben: Manche Gedichte erzählen vom Glück der Liebe

Binnen weniger Verse verkehrt sich die Welt, und das Ich bemerkt: "wo früher / Forstarbeiter das Laub zusammenfegten / faucht jetzt ein Gebläse". Und sogar die Naturbewohner haben sich in die zivilisierte Welt eingefunden - sind doch "die Drosseln / längst angepaßte Verkehrsteilnehmer" geworden.

Hans-Jürgen Heises Band "Elegie in Dur - Scherzi und andere Gedichte 1949 - 2013", ein Kompendium seines bisherigen lyrischen Schaffens, lässt sich wie ein Album verlorener Dinge durchblättern, die das Schicksal der Überzeichnung eint. Immer wieder taucht das Paradis perdu auf, dessen Ursprünglichkeit längst von der modernen Verführungsindustrie eingenommen wurde: In "Funny World" wird die "Welt / als Event-Karussell" charakterisiert. Der Hedonismus der Gegenwart kennt in Heises pointierten Miniaturen keine Grenzen und ergeht sich in bedenklicher Beliebigkeit: "Ferienparadies / Einkaufsparadies / so viele Paradiese // von denen jedes / eine Glücksfalle ist".

Gleichwohl verliert sich der kultur- und fortschrittskritische Ton keineswegs in Aporien oder lähmenden Jeremiaden. Vielmehr lassen manche Gedichte auch hoffnungsvolle Momentaufnahmen zu. Der Text "Verläßlich" erzählt vom Glück der Liebe. Als darin das lyrische Ich des Morgens noch einsam auf das vereiste Fensterglas starrt, kommt mit dem geliebten Gegenüber Rettung: Du "behauchst / das zugefrorene Fenster und putzt den Himmel ein bißchen blau". In Zweisamkeit ist aller Unmut vergessen und der dunkle Raum lichtdurchflutet.

Obgleich manchen von Heises Gedichte Luzidität und Konzentration innewohnen, zeugen andere von belanglosen Beobachtungen. Der Vierzeiler "Beifahrergedicht" überblendet den Scheibenwischer mit dem Bild der "Wimper / die dem Regen / schöne Augen macht". An anderer Stelle, in "Fernöstliches", ist die Rede von Konfuzius, dessen Halbbruder der Welt "ein viel größeres Werk" geschenkt haben soll. "Sein Name: Konfusius". Klugheit liegt eben manchmal doch nahe an der Verwirrung: Dass magere Wortspiele neben gesellschaftskritischen und durchaus vitalen lyrischen Kunsttexten Platz finden, lässt an einigen Stellen Substanz und Formgefühl vermissen.

Die "Elegie in Dur", das titelgebende Gedicht, fasst dabei den programmatischen Versuch einer leider missglückenden Dialektik zusammen. Das Traurige soll ins Leichtfüßige übergehen und umgekehrt. Inhaltlich mag das gelingen, künstlerisch wird jedoch kein Funkenschlag daraus. Ebenjenes Gedicht, das da lautet "Ich klingle / aber / die Einsamkeit / ist nicht / zu Hause // Da sitzt // ein vergnügter / alter Mann" lässt im kleinteiligen Enjambement zwar noch so etwas wie Vereinzelung erkennen. Ansonsten besitzt das Gedicht, exemplarisch für einen geraumen Teil des hier versammelten Texttableaus, wenig formales Raffinement. So gehen auch die wenig ambitionierten Entwürfe in einem seichten Geplätscher unter. Schade, von einer dichterischen Renaissance der Elegie hatte man sich mehr erhofft.

BJÖRN HAYER

Hans-Jürgen Heise: "Elegie in Dur".

Scherzi und

andere Gedichte 1949-2013.

Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2013. 128 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als eine Art Kulturkritik in Versen stellt Rezensent Björn Hayer dieses Kompendium von fünfzig Jahren Lyrik des Autors vor. Sinnspruchhaft beklagt sich Heise darin über den auch von anderen vielbeklagten Verfall: "wo früher / Forstarbeiter das Laub zusammenfegten / faucht jetzt ein Gebläse". Die Sehnsucht nach dem Paradies wird uns vom "Ferienparadies /Einkaufsparadies" vergällt - und so weiter. Björn Hayer konzediert, dass dem Autor manche Beobachtung gelingt, manchmal aber scheint Heise selbst zum Opfer der von ihm beklagten Plattheit zu werden, wenn ihm etwas zu dem Namen Konfuzius" das "magere Wortspiel" "Konfusius" einfällt. Die dichterische Renaissance der Elegie, die Heise vorschwebt, findet für Hayer hier denn doch nicht statt.

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