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Waldesreuth, ein kleiner niederbayerischer Kurort, ist das geheime Zentrum des Universums. Zumindest kommt es uns so vor, wenn wir Kristina Schilkes Erzählungen gelesen haben. Es sind Geschichten von Versehrten und Mutigen, von Spinnern und Träumern, hier verlieben sich die Hunde in Schuhputzmaschinen, die Elefanten treffen sich im Wald, und ein Torjubel kann einfach alles verändern - in diesen Geschichten spiegelt sich die ganze Welt in ihrer Schönheit und Widersprüchlichkeit, sie sind wahr. Kristina Schilkes Sprache ist der Garant für diese Wahrhaftigkeit: Ihr Ton ist leichtfüßig und virtuos, cool und verletzlich.…mehr

Produktbeschreibung
Waldesreuth, ein kleiner niederbayerischer Kurort, ist das geheime Zentrum des Universums. Zumindest kommt es uns so vor, wenn wir Kristina Schilkes Erzählungen gelesen haben.
Es sind Geschichten von Versehrten und Mutigen, von Spinnern und Träumern, hier verlieben sich die Hunde in Schuhputzmaschinen, die Elefanten treffen sich im Wald, und ein Torjubel kann einfach alles verändern - in diesen Geschichten spiegelt sich die ganze Welt in ihrer Schönheit und Widersprüchlichkeit, sie sind wahr.
Kristina Schilkes Sprache ist der Garant für diese Wahrhaftigkeit: Ihr Ton ist leichtfüßig und virtuos, cool und verletzlich.
  • Produktdetails
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 224
  • Erscheinungstermin: 25. Februar 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 134mm x 28mm
  • Gewicht: 397g
  • ISBN-13: 9783492057530
  • ISBN-10: 3492057535
  • Artikelnr.: 44090714
Autorenporträt
Schilke, Kristina
Kristina Schilke, geboren 1986 in Tscheljabinsk, Russland, wanderte 1994 mit ihrer Familie nach Grafenau im Bayerischen Wald aus. Nach ihrem Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig schrieb sie u.a. für die "Spex" und »Schnitt«, arbeitete als Junior-Storylinerin für "Verbotene Liebe" und als Forschungsassistentin am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Aktuell ist sie für den MDR tätig.
Rezensionen
Besprechung von 11.06.2016
Wo bleibt der Abspann?
Kristina Schilkes bayerisches Invaliden-Universum

Leben ist: die Schläge parieren. Glück ist: zwischen den Schlägen vergessen, dass es sie gibt. In Waldesreuth, einem von Kristina Schilke so lebensnah ausgemalten bayerischen Kurort, dass man seinen fiktionalen Status ebenso vergessen könnte, gelingt Letzteres nur punktuell. Versehrte treffen auf Versehrte, was immerhin zu filmwürdigen Romantikszenen führt: Ein pummeliger Mann nimmt eine Teilnehmerin seiner Dehnungsstreifen-Selbsthilfegruppe an die Hand und entschwindet mit ihr "in die klare, rätselhaft bestirnte Nacht, in eine Nacht, in der niemand in Waldesreuth unterwegs war, außer Leuten, die etwas verloren hatten". Mit einigem Recht erwartet man Musik, dann den Abspann.

Andere Leute sind in diesen Erzählungen auch tagsüber nicht anzutreffen, und das ist keine Schwäche. Verlustbilanzen machen Figuren interessant. Die einen büßen bei einem Unfall ihr Gesicht ein - einigermaßen wiederhergestellt bleibt eine kleine Differenz, aus der eine große Fremdheit erwächst -, andere leiden an Krankheiten oder Depressionen. Teenager verlieren die kindliche Anmut, weil sich eine Ahnung von Endlichkeit und Einsamkeit in ihnen breitmacht. All das ist eingewebt in jenen Schleier aus Alltäglichkeit, der über dem entrückten Ort liegt.

Man kann das Befindlichkeitsprosa nennen, aber sie kommt selbstbewusster, multiperspektivischer und ziselierter daher als übliche Debüts. Das mag daran liegen, dass die nicht mehr blutjunge Autorin mehr erlebt, vielleicht auch mehr verloren hat als Kollegen, die ihr erstes Buch fast noch im Kindesalter veröffentlichen. Als Achtjährige mit ihrer Familie aus dem russischen Tscheljabinsk ausgewandert, landete Schilke im Bayerischen Wald. Sie besuchte das Deutsche Literaturinstitut Leipzig, schrieb mal für die Musikzeitschrift "Spex", mal für "Verbotene Liebe" und arbeitete am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie.

Schilke ist gut darin, mit wenigen Linien dem Alltag oder dem Nichts einen Plot abzugewinnen, so etwas wie ein Schnittmuster. Doch erst bei der stilistischen Ausfüllung entscheidet sich, ob man Literatur vor sich hat oder Plauderei, und hier hat die Autorin wenig zu bieten. Die bewusst naive, allenfalls leicht lakonische Sprache türmt in banalen Sätzen voller prätentiöser Adjektive bedeutungsheischende Nichtigkeiten auf: "Auf Hoits Teller lagen noch Reste des Kartoffel-Kürbis-Auflaufs. Mit der Gabel, die er nachlässig und gleichzeitig fest umklammert hielt, wie nur er es konnte, schob er die großzügig erstarrte Käsekruste vom Gemüse." So geht das in einem fort. Nur ist es einem bald, als ob es tausend Käsekrusten gäbe, aber unter allem Käse kein Gemüse. So bleibt der Eindruck eines einerseits zu konzeptuellen Buchs, das andererseits selbst jener provinziellen Langeweile erliegt, die es zum Kraftzentrum erheben will. Blutarm ist nicht nur der Stil, blass und ausgedacht wirken auch die Figuren. Nie bricht tatsächliche Angst durch, nie der Schmerz glaubhaft verwundeter Seelen. Man hat nirgends das Gefühl, dass das abgeklärt Erzählte wirklich erzählt werden musste.

oju.

Kristina Schilke: "Elefanten treffen".

Erzählungen. Piper Verlag, München 2016. 224 S., geb., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Auch wenn die Geschichten zu Beginn ziemlich schräg klingen, möchte man am liebsten nach jeder kurz pausieren, um seine Gedanken schweifen zu lassen.«, NEON, 09.05.2016

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Oliver Jungen hofft bei der nicht mehr jugendlichen Autorin auf eine gesteigerte Lebens- und eine entsprechende Leseerfahrung und wird enttäuscht. Kristina Schilke kann in ihren um Bewohner der bayrischen Provinz kreisenden Erzählungen zwar Verlustbilanzen glaubhaft aufstellen, über Krankheit und Depression berichten und das selbstbewusster und vielperspektivischer und mit weniger Aufwand als es übliche Befindlichkeitsprosa macht, versichert der Kritiker. Doch am Ende kommt sie über die Plauderei nicht hinaus, bleibt die Sprache in den Texten banal und prätentiös, der Stil blutarm, die Figuren ohne glaubhafte Tiefe, wie der Rezensent deutlich ernüchtert erklärt.

© Perlentaucher Medien GmbH