Ein Bild von Ivan - Fox, Paula
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Jugendliteraturpreis 2008, Kategorie Kinderbuch
Ivan ist ein einsames Kind: Sein Vater ist meist verreist, seine Mutter seit vielen Jahren tot. Einzig die haitianische Haushälterin Giselle kümmert sich liebevoll um ihn. Das ändert sich, als sein Vater beschließt, ein Portrait von Ivan anfertigen zu lassen: In dem jungen Maler Matt und der eigens für ihn engagierten Vorleserin Miss Manderby findet er neue Freunde. Matt begegnet ihm offen und zeigt dem Jungen eine ganz neue Welt, die sich von der eines wohlbehüteten Sprosses aus guten Kreisen gänzlich unterscheidet. Ivan darf Matt und Miss…mehr

Produktbeschreibung
Jugendliteraturpreis 2008, Kategorie Kinderbuch
Ivan ist ein einsames Kind: Sein Vater ist meist verreist, seine Mutter seit vielen Jahren tot. Einzig die haitianische Haushälterin Giselle kümmert sich liebevoll um ihn. Das ändert sich, als sein Vater beschließt, ein Portrait von Ivan anfertigen zu lassen: In dem jungen Maler Matt und der eigens für ihn engagierten Vorleserin Miss Manderby findet er neue Freunde. Matt begegnet ihm offen und zeigt dem Jungen eine ganz neue Welt, die sich von der eines wohlbehüteten Sprosses aus guten Kreisen gänzlich unterscheidet. Ivan darf Matt und Miss Manderley auf eine Reise nach Kalifornien begleiten ein Ausbruch aus dem goldenen Käfig seiner Kindheit. Matt hilft Ivan das Rätsel um den Tod seiner Mutter zu lösen und baut damit eine neue Brücke zwischen Vater und Sohn. Als am Ende Ivans Portrait vollendet ist, sieht er sich zum ersten Mal selbst: Genau so, wie er ist.
  • Produktdetails
  • Verlag: Boje Verlag
  • Seitenzahl: 122
  • Altersempfehlung: ab 11 Jahren
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 122 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm
  • Gewicht: 270g
  • ISBN-13: 9783414820594
  • ISBN-10: 3414820595
  • Artikelnr.: 22812716
Autorenporträt
Paula Fox wurde am 22. April 1923 in New York City geboren. Ihre Eltern - der Vater war irisch-englischer Abstammung, ihre Mutter kam aus Kuba - ließen sie zunächst bei einem Pastor aufwachsen, mit sechs Jahren kam Paula Fox in ein Kinderheim nach Kalifornien. Zwei Jahre später zog sie zu der Familie ihrer Mutter nach Kuba, wo sie auf einer Zuckerrohrplantage lebte. Bis zu ihrem 12. Lebensjahr war Paula Fox bereits auf neun verschiedene Schulen gegangen. 1933 kehrte sie zusammen mit ihrer Großmutter nach New York zurück, wo sie auch heute noch lebt.
Für das Gesamtwerk ihrer Kinderbücher wurde sie 1978 mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet.
Die Wiederentdeckung ihres 1971 erstmals erschienenen Romans "Was am Ende bleibt" wurde in Deutschland zu einem großen Überraschungserfolg. Von ihr sind sechs Romane und zahlreiche Kinderbücher erschienen.
Rezensionen
Besprechung von 10.10.2007
Mit dem Schlitten über die Grenze
Gejammert wird nicht: Paula Fox malt ein einsames Kind

Es ist nicht ein Bild von Ivan, wie der Titel verheißt, es sind zwei Bilder, die der elf Jahre alte Junge am Ende von sich bekommen hat: ein gemaltes und ein gefühltes - Bilder von sich selbst.

In Auftrag gegeben war freilich nur das Porträt, das der Maler Matt für Ivans Vater anfertigen sollte, einen Mann, der seinem Sohn eher mit geschäftsmäßiger Effizienz denn mit väterlicher Liebe begegnet und dem sein Sprössling fassbarer und näher zu sein scheint, wenn er ihn im Bild betrachten kann, als wenn er ihn leibhaftig vor sich sieht. Der haitianischen Haushälterin bleibt da überlassen, für wenigstens einen Ansatz von familiärer Geborgenheit zu sorgen.

Damit der Junge bei den Sitzungen im Atelier Ruhe hält, wird Miss Manderby engagiert, eine ältere Dame mit Tüchern um den Kopf geschlungen und Haaren wie zerschnitzeltes Seidenpapier. Ihre Aufgabe ist es vorzulesen. In ihrer knappen, reduzierten, aber keineswegs kühlen Prosa erzählt Paula Fox davon, dass dann doch alles ein wenig anders kommt: Ivan schweigt nicht, er redet zu seiner eigenen Überraschung sogar von sich, Miss Manderby wird zur Zuhörerin, und Matt malt nebenher ein Bild, das nicht vorgesehen war. Er zeichnet Ivans verstorbene Mutter, an die der Junge keine Erinnerung hat und von der er kaum etwas weiß. Doch treibt ihn die Vorstellung um, wie es gewesen sein muss, als seine Mama als Dreijährige mit ihrer Familie in einem Schlitten aus Russland floh. Matt gibt Ivans Kopfbild endlich Gestalt.

Immer wieder bemerkenswert und faszinierend ist, welch große Achtung Paula Fox ihren Figuren entgegenbringt und wie sie Respekt im Umgang miteinander zur Normalität erhebt, obwohl der etwas sehr Rares ist. Mögen ihre Gestalten noch so wunderlich sein und noch so viele Beschädigungen erfahren haben, stets lässt Fox ihnen auch ihre Selbstachtung. Und immer gibt sie ihnen eine ordentliche Portion Unerschrockenheit und Zähigkeit mit auf den Weg. Verwunderlich ist es nicht, dass der Autorin die willensstarken Charaktere mit den eher brüchigen Lebensläufen so nahe sind, denn ihr eigenes Leben, vor allem ihre Jugend, war geprägt von Unbeständigkeit, Lieblosigkeit und von anhaltendem Herumgeschubstwerden. Nüchtern betrachtet: ein ziemliches Desaster. Aber gejammert wird nicht - nicht im Leben und nicht im Werk.

Weil Paula Fox auch die Zögerlichsten gerne Schritte ins Ungewisse gehen lässt, tritt Ivan eine Reise an, die ihn mitunter etwas ängstigt, die ihn aber letztlich befreit aus dem Klammergriff von materiellem Überfluss und Mangel an Emotionen, aus Schweigen und Einsamkeit. Samt Katze macht sich das skurrile Ensemble auf den Weg nach Florida, wo Matt eine Villa zeichnen soll, die vor dem Abriss steht. Während er Skizzen zum Haus macht, und Miss Manderby in den Schätzen der Bibliothek wühlt, vertreibt sich Ivan die Zeit mit der Nachbarstochter Geneva, mit Bootfahren und Kekseessen. Als seine Ferien dem Ende zugehen, stellt er verwirrt fest, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihn vermissen und die auch ihm fehlen werden. Dass Glück und Trauer sich nicht ausschließen und auch nichts sind, wofür man sich schämen muss, ist neu für ihn. "In zehn Tagen hatte sich alles verändert, hatte sich mehr verändert als sonst in einem Jahr."

Mit unbeirrbarer Sicherheit beschreibt Fox die Suche nach Orientierung inmitten der Kompliziertheit des Erwachsenwerdens. Es ist das scheinbar Nebensächliche, es sind die kleinen Momente, aus denen sich Kraft und Poesie des Romans entwickeln. Die Fragen "Wer bin ich?", "Wie bin ich?" und "Wo gehöre ich eigentlich hin?" stellt Paula Fox nur in ganz leisen Tönen.

Sie verstieße gegen den ihr eigenen Realismus, würde Paula Fox rosige Zeiten in Aussicht stellen. Was mit Ivan passiert, wie es Matt in San Francisco gehen wird, wie sich Miss Manderby, die Bücherbesessene, künftig durchs Leben schlägt und ob die drei einander wiedersehen, all das bleibt ungewiss. Und doch meint man, eine, wenn auch stille, so doch unerschütterbare Zuversicht zu spüren. Und es ist sicher kein Zufall, dass in der "Schlitten-Szene" die gezeichneten Figuren Züge von Geneva, von Miss Manderby und von Matt tragen. Sie sind Ivan längst mehr zu einem Halt geworden als Erinnerungen an eine Familie, die er nicht kannte.

Als Miss Manderby wie im Rausch in die Geschichten ihrer Bücher eintaucht, erklärt Matt: "Sie spinnt einen Zauber, Ivan." Einen solchen Zauber, einen wunderbaren, hat mit diesem Roman auch Paula Fox gesponnen.

ELENA GEUS

Paula Fox: "Ein Bild von Ivan". Aus dem Amerikanischen übersetzt von Brigitte Jakobeit. Boje Verlag, Köln 2007. 125 S., geb., 11,90 [Euro]. Ab 10 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 02.11.2007
Wie eine kleine, dicht geschlossene Muschel
Paula Fox’ Kinderroman: „Ein Bild von Ivan”
Ivans Vater bevorzugt kurze Sätze, spricht leise und erklärt dann meist nur, dass er wieder auf Geschäftsreise muss. Aber Ivan will auch gar nicht mehr von ihm wissen. Er bleibt mit dem haitianischen Hausmädchen in New York und geht nachmittags mit ihr und ihren Kindern ins Kino. Denn Ivans Mutter lebt nicht mehr, sie ist gestorben, als Ivan ein Jahr alt war, aber er weiß nicht wie und stellt auch dazu keine Fragen. Er weiß nur, dass es im ganzen Haus keine Fotos von ihr gibt. Immerhin aber hat man ihm erzählt, dass sie im Alter von drei Jahren mit ihren eigenen Eltern in einem Schlitten über die russische Grenze gekommen ist. Wie und warum, kann er nur raten, und das ist ein Loch in seinem Leben, in dem es ansonsten an fast nichts zu fehlen scheint. Vor allem nicht an Fotoapparaten, denn sein Vater will, dass er von allem und jedem ein Bild schießt, um sich später daran erinnern zu können. Von seiner Mutter aber wird er sich so kein Bild machen können. Also benutzt Ivan die Kameras manchmal gar nicht und hat ohnehin an seiner Umwelt wenig Interesse. Er hat sich zu sehr an das Gefühl gewöhnt, dass niemand ihn zu brauchen scheint, und fragt deshalb auch kaum einmal, was andere umtreibt. Er ist wie eine kleine, dicht geschlossene Muschel, einsam und manchmal ganz schön verhärtet. Alles in allem ist er ein typischer Held der amerikanischen Erzählerin Paula Fox, die schon 1978 den Hans-Christian-Andersen-Preis erhalten hat, die weltweit renommierteste Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur, lange bevor sie den deutschen Lesern durch ihre Romane für Erwachsene bekannt wurde. Kühl erzählt sie, wie Ivan sich eingeigelt hat, und genauso sparsam führt sie ihn dann auf einen Weg, auf dem er sich öffnen könnte – für das, was in ihm selbst verschlossen ist, und für das, was außen um ihn herum passiert. Denn eines Tages steht Ivan zum ersten Mal im Atelier eines Malers, Matt, der ein Porträt von ihm anfertigen soll, und trifft in diesem Raum auch noch eine alte Frau, Miss Manderby, die ihm vorlesen soll, während er stillsitzen muss. Diese beiden gehen ganz anders mit ihm um als das Hausmädchen oder als seine Verwandten. Sie bedauern ihn nicht, weil er Halbwaise ist, und sie nehmen ihn auch nicht einfach bei der Hand, um ihm zu sagen, was er tun soll. Sondern sie ziehen ihn Schritt für Schritt in ihre viel buntere Welt mit hinein. Fordern ihm zugleich die dafür nötige Aufmerksamkeit als Eigenleistung ab: im Atelier, bei einer Vernissage, im Restaurant unter Künstlerfreunden und schließlich auch auf einer gemeinsamen Reise nach Florida. Fast beiläufig wird Ivans Welt weiter und reicher, weil er ebenso beiläufig lernt, Anteil zu nehmen. Nicht die Welt verändert sich, sondern sein Umgang mit ihr ist von da an ein anderer. Denn er versteht, dass es Menschen gibt, die ihn vermissen, dass er das aber nur dann erfahren wird, wenn er selbst an diesen Menschen Interesse zeigt.
Fast vierzig Jahre ist dieser Roman alt, aber eingestaubt ist er nicht, dank Paula Fox’ knappem Stil und dank ihrer Erzählweise, die auf Zeitkolorit weitgehend verzichtet. Die sprachlosen Schrecken der Einsamkeit, bei Kindern wie bei Erwachsenen, hat kaum jemand sonst so präzise ausgeleuchtet wie sie. Umso tröstlicher ist es, dass am Ende nicht nur ein Porträt von Ivan vollendet sein wird, sondern auch noch ein zweites Bild, das für den Jungen selbst viel bedeutsamer ist. MICHAEL SCHMITT
PAULA FOX: Ein Bild von Ivan. Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit. Boje 2007. 128 Seiten, 11,90 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Dieses Kinderbuch von Paula Fox hat Rezensentin Elena Geus sehr gefallen. Es gehe darin eigentlich nicht nur um ein Bild von Ivan, sondern um zwei Bilder, stellt sie anfangs fest. Der Maler Matt, vom Vater beauftragt ein Porträt des Sohnes Ivan zu malen, malt noch ein anderes dazu, das sich ihm aus Ivans Erzählungen ergibt, eine Phantasie über die Mutter und ihre Familie aus Russland, die der Junge nie kennen gelernt hat. Geus ist beeindruckt davon, mit "welch großer Achtung" die amerikanische Autorin ihre Figuren behandelt, die nicht selten ziemlich "wunderlich" seien. Und es gefällt ihr, dass bei Fox trotz eigener desaströser Kindheit nicht "gejammert wird - nicht im Leben und nicht im Werk".

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