Nicht lieferbar
Die vielen Leben des Tom Waits - Humphries, Patrick
  • Broschiertes Buch

1 Kundenbewertung

Auch nach 20 Alben und einer Legion begeisterter Fans hört der unbeirrbare Waits nicht auf, immer wieder neue, mal zärtlich poetische, mal raue wüste Songs voll magischer Faszination zu produzieren, die andere Pop-Artisten wie Bruce Springsteen, Rod Stewart, the Eagles, Elvis Costello, Meat Loaf, The Ramones and Johnny Cash reizen, diese in eigenen Versionen zu interpretieren. Der spröde und aufrichtige Sänger, Komponist und Gelegenheitsschauspieler mit der rauen Reibeisenstimme hat eine der ungewöhnlichsten Karrieren der Popmusik hinter sich. Diese Biographie wird ihm in jeder Hinsicht…mehr

Produktbeschreibung
Auch nach 20 Alben und einer Legion begeisterter Fans hört der unbeirrbare Waits nicht auf, immer wieder neue, mal zärtlich poetische, mal raue wüste Songs voll magischer Faszination zu produzieren, die andere Pop-Artisten wie Bruce Springsteen, Rod Stewart, the Eagles, Elvis Costello, Meat Loaf, The Ramones and Johnny Cash reizen, diese in eigenen Versionen zu interpretieren.
Der spröde und aufrichtige Sänger, Komponist und Gelegenheitsschauspieler mit der rauen Reibeisenstimme hat eine der ungewöhnlichsten Karrieren der Popmusik hinter sich. Diese Biographie wird ihm in jeder Hinsicht gerecht. Dieses Buch ist ein gründlicher und kritischer Überblick über Leben und Werk mit vollständiger Discographie und Filmographie.
  • Produktdetails
  • Verlag: Bosworth Musikverlag
  • Best.Nr. des Verlages: BOE7361
  • Seitenzahl: 400
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 400 S. 24 Fototaf.
  • Deutsch
  • Abmessung: 235mm
  • Gewicht: 675g
  • ISBN-13: 9783865432339
  • ISBN-10: 3865432336
  • Best.Nr.: 23517638
Autorenporträt
Patrick Humphries schreibt seit 1976 über Pop Musik. Als Journalist arbeitete er für den New Musical Express, The Times, Mojo und den Guardian.
Rezensionen
Besprechung von 26.11.2008
Als der Hüftschwinger kam

Jeder kennt ihn, aber kaum jemand weiß wirklich etwas über ihn: Die erste richtige Tom-Waits-Biographie zeigt uns den amerikanischen Sänger als Unbehausten.

Der Anekdoten ist kein Ende, wenn der Name Tom Waits fällt; insofern sollte es eine dankbare Aufgabe sein, seine Biographie zu schreiben. Die Schwierigkeit eines solchen Unterfangens aber ist, zwischen lauter Räuberpistolen und Münchhausiaden überhaupt gesicherte Informationen ausfindig zu machen. Denn der Sänger und Schauspieler hat vielfach betont, dass das Interview, welches er gerade gibt, auch nur Teil seiner Performance sei.

So lag eine umfassende Tom-Waits-Biographie bislang auch noch nicht vor. Der britische Musikjournalist Patrick Humphries hat sich nun an dieser Aufgabe versucht und in Anbetracht des ausgeprägten Maskenspiels des Porträtierten gleich im Titel seines Buchs klargestellt, dass der behandelte Stoff für mehrere Leben reicht.

Um den Hintergrund von Waits' Jugend auszumalen, beginnt Humphries mit einer Schilderung der amerikanischen fünfziger Jahre und dem Umbruch von der McCarthy-Ära zur Elvis-Presley-Begeisterung. Der Hüftschwinger habe "wie eine Bombe in die amerikanische Psyche" eingeschlagen, und Rock 'n' Roll bedeutete plötzlich mehr als "der afroamerikanische Ausdruck für Geschlechtsverkehr". Das klingt ziemlich vertraut; etwas interessanter wirkt dagegen eine zitierte Erinnerung des Künstlers selbst an diese Dekade: Waits berichtet von einer Doppelvorführung im Kino, bei der neben einem KZ-Überlebenden-Film Disneys "101 Dalmatiner" gezeigt wurden.

Das für Waits werkbestimmende Thema des Vagabundentums sieht Humphries durch Kindheitserfahrungen vorgeprägt: Nach der Trennung seiner Eltern wuchs Thomas Alan Waits abwechselnd in Nordkalifornien und San Diego auf und verbrachte viel Zeit beim Pendeln zwischen den Orten.

Einprägsam, wenn auch etwas willkürlich gewählt ist der Begriff einer "Class of '73" amerikanischer Sänger und Songwriter, zu der Humphries Waits aufgrund des Erscheinungsjahres seines Debütalbums "The Heart of Saturday Night" zählt. Zu diesem Zeitpunkt waren Zeitgenossen wie James Taylor, Kris Kristofferson und Jackson Browne freilich schon eine Weile im Geschäft. Dennoch erscheint die Einordnung von Waits in diese neue Folkszene plausibel, wenn man an den balladesken Charakter seiner Songs denkt. Viele Plattenfirmen, so Humphries, waren damals auf der Suche nach einem "neuen Dylan".

Musikalisch gehörte Waits aber von Anfang an eher zum Jazz. Auf "Nighthawks At The Diner" (1975) wurde diese Entwicklung deutlicher. Die Spoken-Word-Stücke über Kontrabassbegleitung markieren auf diesem Album außerdem, wie der Biograph feststellt, den Beginn einer Orientierung an Jack Kerouac, der schon 1957 zum Klavierspiel von Steve Allen Beat-Lyrik skandiert hatte. Kerouac bleibt, wie sich noch an weiteren Stationen des Buches zeigt, eine für Waits bis heute maßgebliche Inspirationsquelle; unter seinem Namen verzeichnet das Register des Bandes die meisten Einträge. Auf dem jüngsten Werk von Tom Waits, "Orphans" (2006), fand sich dann auch endlich die offene Hommage an Kerouac mit der musikalischen Adaption des Gedichts "Home I'll never be", dessen lyrisches Ich rastlos durch die Weite der Vereinigten Staaten wandert: "Home in ol' Medora, home in ol' Truckee / Apalachicola, home I'll never be".

Die vielen Knicke in der Karriere und die mitunter erstaunlichen musikalischen Neuausrichtungen von Tom Waits zeichnet Humphries minutiös nach - von der Friedhofs-Polka auf "Rain Dogs" (1985) zum Kirmesgeheul der Robert-Wilson-Kollaborationen "The Black Rider" (1993) und "Blood Money" (2002) bis zu Waits' Faible für verschiedene Schrottplatzinstrumente, etwa dem "waterphone" oder dem "conundrum", auf den jüngeren Alben. Im Kontext dieser Entwicklung wird die Rolle Kathleen Brennans betont, die Waits 1980 heiratete, ihn von seinem Leben als Barpianist abbrachte und seither für den Künstler als "creative director" fungiert. Obwohl sich Brennan stets im Hintergrund hält, ist ihr Einfluss auf die Kompositionen und Produktionen vermutlich kaum zu überschätzen.

Besonderen Nachdruck legt Humphries aber auch auf einen anderen, bislang unterbelichteten Aspekt: Tom Waits ist nicht nur Gelegenheitsschauspieler, sondern kann inzwischen auf eine Filmographie von sechundzwanzig Titeln zurückblicken. Er hat für Francis Ford Coppola, Robert Altman und Jim Jarmusch gespielt; für Letzteren besonders denkwürdig in "Down by Law" an der Seite von Roberto Benigni. Von musikgeschäftlicher Bedeutung ist schließlich die Dokumentation von Waits' Weigerung, seine Musik oder seine Stimme als Werbemittel verwenden zu lassen. Der Mann mit dem markanten und oft parodierten Organ wehrt sich standhaft dagegen, dass seine Musik zur Produktanpreisung eingesetzt wird und fortan für immer mit der Erinnerung an diesen Werbekontext behaftet ist - das ist heute nicht selbstverständlich.

Oft enttäuscht leider die deutsche Übersetzung; Andreas Reihse klebt geradezu an den englischen Begriffen, wenn es geboten wäre, eigene Sprachbilder im Deutschen zu finden. Das ist schade angesichts einer so ambitionierten Darstellung, die den erstaunlichen Beziehungsreichtum des Werks von Tom Waits deutlich macht.

JAN WIELE

Patrick Humphries: "Die vielen Leben des Tom Waits". Übersetzt von Andreas Reihse. Bosworth Musikverlag, Berlin 2008. 400 S., 24 Abb., br., 24,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als ambitioniert, umfassend und genau bezeichnet Jan Wiele die Tom-Waits-Biografie von Patrick Humphries. Dass der Autor mit diesem Buch eine Lücke füllt, führt er auf die Menge von Anekdoten zurück, die sich um Waits ranken und die das Ausfindigmachen von sicheren Informationen schwierig macht. Wiele erfährt über die Rolle des Vagabundentums für Waits' beziehungsreichen Werdegang, folgt dessen vom Autor "etwas willkürlich" vorgenommener Einordnung in die Folkszene von '73 und den von Humphries nachgezeichneten vielen Karrierewendepunkten und musikalischen Neuorientierungen. Durchaus überrascht zeigt sich Wiele angesichts der im Band dokumentierten Schauspielerkarriere des Musikers. Eine passable filmografische Leistung, findet Wiele. Noch mehr Freude hätte ihm der Band bereitet, wenn der Übersetzer mehr Vertrauen in eigene Sprachbilder entwickelt hätte.

© Perlentaucher Medien GmbH