Die Tyrannei der Tugend - Reinhardt, Volker
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Der Calvinismus hat die Welt verändert: Sittenstreng, asketisch und bilderfeindlich hat er zur Entstehung des Kapitalismus beigetragen. Volker Reinhardt erzählt anschaulich, wie es dem wortgewaltigen Prediger Johannes Calvin (1509 - 1564) gelungen ist, eine ganze Stadt auf einen rigiden moralischen Kurs einzuschwören und zu einem "reformierten Rom" zu machen.
Vor rund 500 Jahren fand in Genf unter Führung Calvins ein Menschheits-Experiment statt. Sein Ziel war es, zum Ruhme Gottes die Gemeinde im Glauben zusammenzuschweißen und eine neue, strenge Ordnung des Lebens durchzusetzen: ohne
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Produktbeschreibung
Der Calvinismus hat die Welt verändert: Sittenstreng, asketisch und bilderfeindlich hat er zur Entstehung des Kapitalismus beigetragen. Volker Reinhardt erzählt anschaulich, wie es dem wortgewaltigen Prediger Johannes Calvin (1509 - 1564) gelungen ist, eine ganze Stadt auf einen rigiden moralischen Kurs einzuschwören und zu einem "reformierten Rom" zu machen.

Vor rund 500 Jahren fand in Genf unter Führung Calvins ein Menschheits-Experiment statt. Sein Ziel war es, zum Ruhme Gottes die Gemeinde im Glauben zusammenzuschweißen und eine neue, strenge Ordnung des Lebens durchzusetzen: ohne Fluchen, Kartenspielen, Bankette und Ehebruch, stattdessen dem Gebet, der Arbeit und der Selbstprüfung gewidmet - unter dem wachsamen Auge der Nachbarn und unter der Aufsicht unermüdlicher Kontrollorgane. Volker Reinhardt zeigt, mit welchen Methoden der Überzeugung, aber auch der Abschreckung dieser Versuch einer umfassenden Disziplinierung schließlich gelungen ist. Und er macht deutlich, welche elementaren Entwicklungen von Genf ausgingen, die die Welt bewegten und sie - in Europa und den USA - bis heute prägen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 271
  • Erscheinungstermin: 22. Januar 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm
  • Gewicht: 470g
  • ISBN-13: 9783406575563
  • ISBN-10: 3406575560
  • Artikelnr.: 23459366
Autorenporträt
Volker Reinhardt, geboren 1954, lehrt allgemeine und Schweizer Geschichte an der Universität Fribourg/Schweiz. Er ist einer der renommiertesten Kenner der neuzeitlichen Geschichte Italiens und Roms.
Inhaltsangabe
EINLEITUNG: DIE WIDERSPENSTIGE STADT

1. ZÖGERN UND ZAGEN (1520-1536)

An Scheidewegen · Seelenkämpfe · Am Ende aller Aufschübe

2. DIE ERSTE BEGEGNUNG (1536-1541)

Ein Reisender mit Gepäck · Von Gott und Mensch · Von Kirche
und Staat · Annahme und Ablehnung · Zielkonflikte · Der Rückruf · Die
Verfassung der Kirche

3. AUF MESSERS SCHNEIDE (1541-1555)

Unter Kollegen · Fragen der Lebensführung · Theater und
Taufen · Sittengericht · Krisenvorspiele · Der Scheiterhaufen · Vor der
Entscheidung · Sieg und Abrechnung

4. DER HEILIGSTE PLATZ AUF ERDEN? (1555-1564)

Im Sturm · Disziplin · Reformiertes Leben · Die neue
Gemeinde

5. NACHLEBEN UND AUSSTRAHLUNG

Genf nach Calvin · Umrisse einer Wirkungsgeschichte · Und
heute?

ANHANG

Anmerkungen · Bildnachweis · Zeittafel · Literatur ·
Personenregister
Rezensionen
Besprechung von 12.04.2009
BÜCHER ZUM 500. GEBURTSTAG

Reiner Rohloff: Calvin kennenlernen. Der Pastor einer evangelisch-reformierten Kirchengemeinde gibt einen guten knappen Überblick über das Leben und Wirken des Reformators. Die Gliederung ist klar, karg und bilderlos wie eine calvinistische Kirche: Einleitung, Leben, Werk, Wirkung, Ausblick und Literatur heißen die Rubriken. Der Pastor kennt seinen Calvin und das umfassende Schrifttum über ihn. Er ist nicht unparteiisch. Wer das bedenkt, liest das Buch mit Gewinn.

Vandenhoeck & Ruprecht, 96 Seiten, 8,90 Euro.

Volker Reinhardt: Die Tyrannei der Tugend Der Historiker deutet Calvins Wirken in Genf als Menschheits-Experiment mit dem Ziel, die Gemeinde im Glauben zusammenzuschweißen und eine strenge Ordnung des Lebens durchzusetzen: dem Gebet, der Arbeit und der Selbstprüfung gewidmet. Moralkontrolle regierte. Reinhardt zeigt überzeugend, wie es dem Flüchtling Calvin gelang, gegen Teile des Bürgertums sein strenges Sittenregime durchzusetzen und dessen Prinzipien in die Welt hinauszutragen.

C.H.Beck, 270 Seiten, 24,90 Euro.

Stefan Zweig: Castellio gegen Calvin. Castellio war ein wortmächtiger Widersacher Calvins und Verteidiger Servets, der unter Calvins Mitwirkung auf dem Scheiterhaufen endete. Der Autor erhöht den Zwist zu einem Kampf zwischen Freiheit und Menschlichkeit gegen Tyrannei und Intoleranz. Eine fulminante Anklage, die Calvin nennt und Hitler meint.

S. Fischer, 245 Seiten, 19,90 Euro.

Peter Opitz: Leben und Werk Johannes Calvins Der Autor zeichnet detailverliebt und gut verständlich das Leben des Reformators chronologisch nach. Die wichtigsten Lebensstationen werden beschrieben, ebenso die Arbeitsfelder und die Konflikte. Der Schweizer Theologe nimmt häufig Bezug auf die Schriften Calvins, die er einbettet in die historischen Umstände. So lesen wir nicht nur über Calvin, sondern auch von ihm. Der Autor erweist sich als großer Calvin-Kenner. Sein Buch dürfte vor allem Menschen ansprechen, die sich gelegentlich auch einmal mit theologischen Fragen beschäftigen möchten.

Vandenhoeck & Ruprecht, 176 Seiten, 16,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 30.09.2009
Sachbücher des Monats Oktober
Empfohlen werden nach einer monatlich erstellten Rangliste Bücherder Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie angrenzender Gebiete.
1. MAGGIE BLACK / JANNET KING: Der Wasseratlas. Ein Weltatlas zur wichtigsten Ressource des Lebens. Aus dem Englischen von Heidi Krohn, Europäische Verlagsanstalt, 126 Seiten, 19,90 Euro.
2.-3. PAUL COLLIER: Gefährliche Wahl. Wie Demokratisierung in den ärmsten Ländern der Erde gelingen kann. Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt, W. J. Siedler Verlag, 272 Seiten, 19,95 Euro.
VOLKER ZASTROW: Die Vier, Rowohlt Berlin, 416 S., 19,90 Euro.
4. WALTER FRANZ: Charismatiker und Effizienzen. Porträts aus 60 Jahren Bundesrepublik, Suhrkamp Verlag, 405 Seiten, 15,00 Euro.
5. CLAUS LEGGEWIE / HARALD WELZER: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie, S. Fischer, 288 S., 19,95 Euro.
6. ARNO BORST: Meine Geschichte. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Gustav Seibt, Libelle Verlag, 128 Seiten, 16,90 Euro.
7. NORBERT MILLER: Die ungeheure Gewalt der Musik. Goethe und seine Komponisten, Carl Hanser Verlag, 448 Seiten, 24,90 Euro.
8. ADOLPH MENZEL: Briefe. 1830 bis 1905, hrsg. v. C. Keisch u. M. U. Riemann-Reyher, Deutscher Kunstverlag, 4 Bde., 1784 S., 148 Euro.
9.-10. VOLKER MEID: Geschichte der deutschen Literatur. Band 5: Die deutsche Literatur im Zeitalter des Barock. Vom Späthumanismus zur Frühaufklärung 1570-1740, C. H. Beck, 980 Seiten, 49,90 Euro.
VOLKER REINHARDT: Die Tyrannei der Tugend. Calvin und die Reformation in Genf, C. H. Beck Verlag, 271 Seiten, 24,90 Euro.
Besondere Empfehlung des Monats Oktober von Albert von Schirnding: MICHAEL MAAR: Proust Pharao, Berenberg Verlag, 80 S., 19 Euro.
Die Jury: Rainer Blasius, Eike Gebhardt, Fritz Göttler, Wolfgang Hagen, Daniel Haufler, Otto Kallscheuer, Petra Kammann, Guido Kalberer, Elisabeth Kiderlen, Jörg-Dieter Kogel, Hans Martin Lohmann, Ludger Lütkehaus, Herfried Münkler, Wolfgang Ritschl, Florian Rötzer, Johannes Saltzwedel, Albert von Schirnding, Jacques Schuster, Norbert Seitz, Hilal Sezgin, Elisabeth von Thadden, Andreas Wang, Uwe Justus Wenzel.
Redaktion: Andreas Wang (NDR Kultur)
Die nächste SZ/NDR/BuchJournal-
Liste der Sachbücher des Monats erscheint am 30. Oktober.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Die Entscheidung für die Reformation Genfs als politisches Kalkül nimmt der Autor in den Blick, ohne die religiösen Gesichtspunkte zu vernachlässigen. Dem Rezensenten gefällt's. Christoph Fleischmann nämlich eröffnet die Lektüre ein "spannendes" wie "hervorragend" geschriebenes Panorama mit dem Konflikt zwischen Calvin und dem Genfer Patriziern im Mittelpunkt. Auch wenn dabei soziale Wirklichkeiten der Stadt mitunter "blass" bleiben, wie er kritisiert. Den von Volker Reinhardt hier herausgearbeiteten anti-aristokratischen Zügen Calvins kann Fleischmann sogar heute noch etwas abgewinnen.

© Perlentaucher Medien GmbH