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Die Philosophin und Schriftstellerin Eva Meijer beschreibt in diesem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Buch tierische Kommunikationsformen. Sie wechselt dabei von wissenschaftlichen Anekdoten zu deren Analyse und von persönlichen Erlebnissen zu philosophischen Reflexionen über Sprache und ihre Funktionen. Die lautlichen Äußerungen von Hunden, Delfinen oder Elefanten beschreibt sie ebenso wie die erstaunlichsten systemischen und körperlichen Kommunikationsformen bei Ameisen oder Bienen. Es geht ihr neben der Entdeckung einer bis heute fast unerforschten Welt auch um die Möglichkeiten der…mehr

Produktbeschreibung
Die Philosophin und Schriftstellerin Eva Meijer beschreibt in diesem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Buch tierische Kommunikationsformen. Sie wechselt dabei von wissenschaftlichen Anekdoten zu deren Analyse und von persönlichen Erlebnissen zu philosophischen Reflexionen über Sprache und ihre Funktionen. Die lautlichen Äußerungen von Hunden, Delfinen oder Elefanten beschreibt sie ebenso wie die erstaunlichsten systemischen und körperlichen Kommunikationsformen bei Ameisen oder Bienen. Es geht ihr neben der Entdeckung einer bis heute fast unerforschten Welt auch um die Möglichkeiten der Verständigung von Mensch und Tier. Ihre überraschenden Entdeckungen und Einsichten münden jedoch letztlich in der Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, die schwache politische Position der Tiere zu überdenken. Denn wer Sprache hat, ist ein Mensch und damit ein ethisches Subjekt, so jedenfalls eine jahrhundertealte philosophische Überzeugung, mit der man bislang den Menschen über das Tier erheben wollte. Eva Meijer leistet mit diesem glänzenden Buch einen Beitrag zu einer längst überfälligen Debatte.
  • Produktdetails
  • Naturkunden Bd.44
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 174
  • Erscheinungstermin: April 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 236mm x 177mm x 18mm
  • Gewicht: 484g
  • ISBN-13: 9783957575364
  • ISBN-10: 3957575362
  • Artikelnr.: 50100642
Autorenporträt
Meijer, Eva
Eva Meijer, 1980 in Hoorn geboren, ist freie Philosophin, bildende Künstlerin, Singer-Songwriterin und Autorin. Ihre Romane, Kurzgeschichten und Gedichte erhielten zahlreiche Preise und ihr jüngster Roman Het vogelhuis wird derzeit in viele Sprachen übersetzt. Sie promovierte mit einem Thema zu den Sprachen der Tiere an der Universität Amsterdam und ist Mitbegründerin des literarischen Kollektivs De Jagers.

Schalansky, Judith
Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign und lebt als freie Schriftstellerin und Buchgestalterin in Berlin. Sowohl ihr »Atlas der abgelegenen Inseln« (mare, 2009) als auch ihr Bildungsroman »Der Hals der Giraffe« (Suhrkamp, 2011) wurden von der Stiftung Buchkunst zum »Schönsten deutschen Buch« gekürt. Seit dem Frühjahr 2013 gibt sie die Reihe Naturkunden heraus.

Welzbacher, Christian
Christian Welzbacher, 1970 geboren, lebt in Berlin. Neben der Arbeit als Autor arbeitet Welzbacher als Ausstellungsmacher und Übersetzer und wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Theodor-Fischer-Preis des Zentralinstituts für Kunstgeschichte und dem Kritiker-Förderpreis der Bundesarchitektenkammer. Bei Matthes & Seitz Berlin erschien zuletzt »Das totale Museum«.
Rezensionen
Besprechung von 09.06.2018
Tintenfische denken mit den Armen

Und Eidechsen haben auch eine Grammatik: Eva Meijer glaubt, die Sprachen der Tiere entschlüsselt zu haben.

Seit der Antike wird die Frage nach dem Geist der Tiere gestellt. Auf eine befriedigende Antwort warten wir bis heute, denn mittlerweile haben sich so verschiedene Disziplinen wie Linguistik, Verhaltensforschung und Evolutionsbiologie in dieser Angelegenheit für auskunftsfähig erklärt. Das Ergebnis des fachlichen Spektrums ist ein immer komplizierteres Repertoire an Begriffen und Kategorien. Wer als Wissenschaftler Tiere untersucht und Geist sagt, der muss inzwischen auch Wahrnehmung und Denken, Empfindung und Bewusstsein sagen. Und Sprache. Sie gilt, je nach Perspektive, als Anzeichen oder Voraussetzung geistigen Vermögens.

Die 1980 geborene holländische Philosophin Eva Meijer hat mit "Die Sprachen der Tiere" ein Buch vorgelegt, dessen Titel Teil der Botschaft ist: Ob Schwarzkopfmeise, Gorilla oder Border Collie, sie alle sprechen. Um ihre These zu untermauern, stützt sich Meijer auf eine gut kuratierte Liste von Studien und Sachbüchern. Schnell entsteht der Eindruck, dass Tiere nicht nur redselig, sondern regelrecht eloquent sind. Delphine geben sich Namen, Tintenfische "denken mit ihren Armen", Fledermäuse singen Lieder, deren Aufbau an menschliche Sätze erinnert. Manche Tiere haben es aufgrund ihres Sprachvermögens sogar jenseits der Fachwelt zu einer gewissen Popularität gebracht: Alex, ein von der Kognitionsforscherin Irene Pepperberg trainierter Graupapagei, konnte Wünsche äußern sowie Mengen und Farben unterscheiden. Selbst die Bedeutung der für Kleinkinder nur schwer fassbaren Zahl Null hatte Alex begriffen.

Präriehunde verblüffen als wahrhafte Pedanten, sobald sie ihre Feinde charakterisieren. Mit ihren Alarmrufen geben sie an, ob sich ein Raubtier aus der Luft oder am Boden nähert. Sie teilen den Artgenossen aber auch mit, wenn ein Mensch ihr Revier betritt. Dann folgen die Einzelheiten: Größe, Farbe der Kleidung, mitgeführte Accessoires. Stellt ein Präriehund die Reihenfolge der Teile seines Rufs um, verändert sich die Information. Darin sieht Meijer eine einfache Grammatik, in der Verben, Hauptwörter und Adjektive auftauchen. Vergleichbare Sprachstrukturen entdeckt die Autorin in der ganzen Fauna.

Buckelwale "nutzen eine Syntax, um Lieder zu formen", ihre Klänge verfügten "über eine Grammatik". Auch der Bienentanz sei eine Sprache mit systematischem Reglement. Eidechsen verständigen sich untereinander, indem sie mehr als sechstausend verschiedene Körperhaltungen einnehmen - das "deutet auf eine Grammatik hin". Dann jedoch lesen wir, die vorgebrachten Beispiele könnten "keine erschöpfende Antwort auf die Frage geben, ob Tiersprachen über eine Grammatik verfügen und wie diese mit der Grammatik der Menschensprache zu vergleichen wäre". Insofern führt Eva Meijer anschaulich vor, wie man mit unserer Sprache Unklarheiten erzeugt. Ob Tiere das ebenfalls können, darüber lässt sie sich nicht aus.

Wiederholt heißt es, wir wüssten zu wenig über die Kommunikation von Tieren. Trotzdem zieht Meijer unbeirrt Schlüsse, die angesichts der eingestandenen Wissenslücken wie Spekulation anmuten. Insgesamt geht es ihr kaum darum, zu klären, was eigentlich genau gemeint ist, wenn man sagt: "Tiere sprechen." Vielmehr sammelt sie Forschungsbefunde, die sie mit Wittgenstein, Heidegger und Maurice Merleau-Ponty philosophisch in Form bringt. Aufschlussreicher wäre es gewesen, von bestimmten Kommunikationsstrategien ausgehend und mit kritischer Distanz dem Geist der Tiere nachzuspüren. Dies war der Ansatz von Donald Griffin, dem Begründer der sogenannten kognitiven Ethologie, einer Fachrichtung zwischen Verhaltensforschung und Kognitionswissenschaft. Ein solches Vorgehen hätte auch eine feine Unterscheidung zwischen nichtsprachlicher Kommunikation und tatsächlicher Sprache ermöglicht. "In Konflikten machen wir intensiven Gebrauch von Sprache", weiß Meijer, "das ist bei anderen Tieren ähnlich." Beispiel: Meerschweinchen klappern in Krisensituationen mit den Zähnen. Soll das Sprache sein? Es regen sich Zweifel. Und so führt die folgende Einsicht den Buchtitel ad absurdum: "Die Forschung steckt noch im Anfangsstadium, mit Sicherheit kann man lediglich sagen: Tiere kommunizieren."

Dass Meijer schreibt, männliche Tiere wollten ihre "Geliebte" anlocken oder der "Angebeteten" imponieren, ist dagegen akzeptabel, weil sie zugleich reflektiert, warum es manchmal sinnvoll sein kann, Tiere zu vermenschlichen. So lässt sich das Verhalten von Tieren besser befragen und anschließend nuanciert einordnen. Mehr Nuancen hätte man sich vor allem am Ende des Buchs gewünscht. Die Resultate der Wissenschaft inspirieren Meijer nämlich zu einer weitreichenden Forderung, die sie auf knapp zehn Seiten abwickelt - Tiere sollen ein politisches Mitspracherecht erhalten. Hier argumentiert sie im Sinne von Sue Donaldson und Will Kymlicka, die in ihrem Buch "Zoopolis" (2011) über Bürgerrechte für Tiere nachdenken. Tierethische Debatten sind auf komplex entfaltete Argumente angewiesen. Peter Singers utilitaristischer, an Aspekten der Nützlichkeit orientierter Ansatz wäre genauso zu berücksichtigen wie Tom Regans an moralischen Rechten ausgerichtete Position. Die Relevanz von Tugendethik und Vertragstheorie bedürfte einer ebenso gründlichen Prüfung wie etwa Clare Palmers Idee, den Umgang mit Tieren vom jeweiligen Kontext abhängig zu machen.

Stattdessen dies: "Nach heutigen Maßstäben wäre es für die meisten Tiere wohl wirklich schwer, Wahlkampf zu führen und an Parlamentsdebatten teilzunehmen. Das heißt aber nicht, dass ihre Teilhabe unmöglich oder nicht erwünscht ist." Nur nach heutigen Maßstäben? Nur für die meisten Tiere? Nur wirklich schwer? Wer an aktuellen und faszinierenden Erkenntnissen über Kommunikationsformen von Tieren interessiert ist, der greife zu diesem Buch. Wer sich eine davon ausgehende Reflexion über Sprache, Tierethik und deren Verhältnis zueinander wünscht, lasse die Finger davon.

KAI SPANKE.

Eva Meijer: "Die Sprachen der Tiere".

Aus dem Niederländischen von Christian Welzbacher. Illustrationen von Pauline Altmann. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2018. 176 S., geb., 28,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 13.07.2018
Geschnaubte Adjektive
Wenn das Nashorn mit dem Zaunpfahl winkt: Die niederländische Philosophin Eva Meijer plädiert dafür,
die Kommunikation zwischen Tieren als eine eigenständige Form von Sprache zu entdecken
VON NICO BLEUTGE
Wir müssen versuchen, ihre Sprache zu lernen“, meint eine der Figuren am Ende von Eugène Ionescos Stück „Die Nashörner“ über die titelgebenden Kolosse, die schon die ganze Stadt bevölkern. Doch ihr Gegenüber lauscht nur kurz in die Nacht – und winkt ab: „Sie haben keine Sprache. Hör nur ... nennst du das Sprache?“ Dabei kommunizieren Nashörner auf äußerst vielfältige Art und Weise. Mit ihrem Dung vermitteln sie Informationen über Geschlecht, Alter und Paarungsbereitschaft. Junge Nashörner wiederum kennen vier Arten von Rufen. Haben sie Hunger, wimmern sie. Beim Fressen lassen sie ein Schnauben hören, ein Keuchen dient zur Kontaktaufnahme mit anderen Nashörnern. Zur Abwehr von Feinden indes fauchen sie laut.
Wenn es nach der niederländischen Philosophin und Schriftstellerin Eva Meijer geht, die auch als Singer-Songwriter auftritt, sollte man unbedingt von einer Sprache der Nashörner reden. Und nicht nur der Nashörner, sondern der Tiere überhaupt. Immerhin lässt sich ein Sprachgen in der DNA sämtlicher Wirbeltiere nachweisen. Allerdings sind Nashörner in Sachen Kommunikation Anfänger, verglichen etwa mit Eidechsen, die durch ihre Körperhaltung, Kopfnicken, das Aufblasen ihrer Kehle und die Anzahl der krallenartigen Zehen, die sie auf den Boden stellen, über 6800 unterschiedliche Arten von Haltungen und Äußerungsmöglichkeiten erzeugen können. Ganz zu schweigen von den Vögeln mit ihren Liedern, Fröschen, die Laute mit Bewegungen verbinden – oder Tintenfischen, die über Farben kommunizieren.
Aber Eva Meijer begnügt sich nicht mit der bloßen Auflistung von Beispielen. Ihr Buch will sehr viel weiter hinaus. Es stellt die Frage ins Zentrum, ob man denn überhaupt rigoros zwischen artikulierter Sprache hier und bloßer Tierkommunikation dort unterscheiden könne. Tierlaute etwa sind kein sinnloses Geschrei, wie man in der Forschung lange Zeit dachte, vielmehr folgen sie bestimmten Regeln. Auch die Tintenfische benutzen ihre Farbmuster nicht nach einem simplen An-Aus-Schema, die Signale, die sie aussenden, können vielmehr grob mit Verben und Hauptwörtern, mit Adverbien, Adjektiven und mit Positionsbestimmungen verglichen werden, sie folgen also einer eigenen Art von Grammatik. „Vielleicht ist die Sprache des Menschen in ihrer Komplexität und Vielseitigkeit wirklich einzigartig“, schreibt Meijer, „aber die Sprachen der Tiere sind es auf ihre Weise ebenso.“
Das ist das Grandiose an Meijers Buch: Sie drückt den Tieren nicht die Vorstellung einer überlegenen menschlichen Sprache auf, wie das vor allem in der philosophischen Tradition üblich war, sondern geht den umgekehrten Weg. Indem sie Sprachtheorien von de Saussure bis Chomsky diskutiert, entwickelt sie eine Idee von Sprache, die den Menschen wie den Tieren gleichermaßen gerecht zu werden versucht. Eine ihrer Stützen ist der späte Wittgenstein, der in seinen Schriften annahm, Sprache sei nur über ihren jeweiligen Gebrauch zu verstehen. Deshalb interessiert sich Meijer weniger dafür, was in den Köpfen der Tiere vorgeht – sie sieht sich vielmehr genau an, welche Tiere in welchen sozialen Zusammenhängen die Bedeutung von Zeichen lernen und wie sie sich äußern.
Unter Laborbedingungen, in denen Tiere immer aus ihren Lebenskontexten gerissen werden, lässt sich so etwas nicht untersuchen, eher in einer Art teilnehmender Beobachtung. Am Beispiel der Pavianforscherin Barbara Smuts und der berühmten Jane Goodall und ihrer Schimpansen zeigt Meijer Möglichkeiten von Tierforschung, die auf Gegenseitigkeit beruhen. Kein vorgefasster Plan ist hier leitend, sondern Tier und Mensch entwickeln durch Kommunikation eine gemeinsame Welt, zugleich findet diese Welt in der Kommunikation ihren Ausdruck.
Daneben beruft sich Meijer auf Merleau-Ponty. Der französische Philosoph ging davon aus, dass Denken keine abstrakte Kopfsache, sondern immer im Körper verankert sei. Auch die Sprache müsse als körperliche Aktivität verstanden werden: „Mit unseren Körpern verstehen wir die anderen, Sprache und Sprechen verbinden Subjekte miteinander und mit der sie umgebenden Welt.“ Vor dem Hintergrund der Körperlichkeit sieht Meijer sich Äußerungsarten wie den Schwänzeltanz der Bienen an, aber auch Kommunikationsformen, die wir Menschen gar nicht wahrnehmen können, den Ultraschall von Fledermäusen etwa oder die Laute von Motten und Grashüpfern, die für Menschenohren ebenfalls nicht hörbar sind.
So dreht sie nach und nach das traditionelle Nachdenken über Tiere und die methodischen Ansätze. Nicht die menschlichen Vorannahmen bestimmen das Spiel, sondern die vielen Nuancen, die von Seiten der Tiere kommen. „Andere Tiere zeigen uns, dass Sprache weit vielfältiger und reicher sein kann, als wir annehmen.“ Um nicht die alten Lehrmeinungen über eine vermeintlich überlegene menschliche Sprache immer weiter mitzuschleppen, könne es hilfreich sein, weniger von „Sprache“ als von „Austausch“ zu sprechen.
Wie Eva Meijer diese zahllosen Vorstellungen zusammenbindet, ohne die Argumentationen der jeweiligen Wissenschaften zu vereinfachen oder, umgekehrt, sich in Fachdiskussionen und -jargons zu verlieren, ist eine Kunst für sich. Ihre Sprache, die der Übersetzer Christian Welzbacher in ein gut lesbares Deutsch verwandelt hat, ist immer klar. Ganz selten einmal gibt sie allzu schnell einer Pointe nach. Aber vielleicht muss man das bisweilen, wenn man Vorurteile abbauen und alte philosophische Gedankengänge entschärfen will.
Freundschaft, Trost, Liebe, Trauer – all diese emotionalen Facetten lassen sich auch bei Tieren finden. Und jede Art verfügt dafür über ein fein geschichtetes Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Selbst Widerstand ist eine Form der Kommunikation, vielleicht sogar des politischen Handelns. Tiere dümpeln nicht im Hier und Jetzt des Augenblicks vor sich hin, wie noch Nietzsche sich das dachte. Menschen und Tiere leben in vielfältigen Konstellationen zusammen, und die menschlichen Vorstellungen von Politik und politischem Handeln werden immer auch von diesem Zusammenleben beeinflusst, allein dadurch, dass Tiere anwesend sind und agieren. Die meisten Sphären aber, um es höflich zu formulieren, dominiert der Mensch.
So ist es nur konsequent, wenn Meijer am Ende ihres Buches dazu aufruft, mit Tieren in den Dialog zu treten, neue Formen von Beziehungen mit ihnen zu entwerfen. Auch wenn die Forschung zu Tiersprachen noch in den Anfängen steckt, müsse es nicht lediglich um die Frage gehen, ob die Kommunikationssysteme der Tiere sprachlich sind, als vielmehr darum, Tiere als Subjekte mit eigener Lebensform und bedeutungsvoller Kommunikation anzuerkennen. Tiere denken. Tintenfische denken sogar mit den Armen. Was für den Menschen ein bloßes Gurgelgeräusch ist, kann bei der amerikanischen Schwarzkopfmeise 84 unterschiedliche Bedeutungen haben. Und von der „Geruchslandkarte“ eines Hundes kann man lernen, was Nuancen sind: „Riechen wir Erbsensuppe, riecht der Hund Möhren, Kartoffeln, Erbsen, Lauch.“
Eva Meijer: Die Sprachen der Tiere. Aus dem Niederländischen von Christian Welzbacher. Mit Collagen von Pauline Altmann. Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2018. 176 Seiten, 28 Euro.
Unter Laborbedingungen lassen
sich Zeichen nicht in ihrem
sozialen Kontext untersuchen
Tiere dümpeln nicht im Hier und
Jetzt des Augenblicks vor sich hin,
wie noch Nietzsche sich das dachte
Wie kommunizieren die Tiere? In welchen sozialen Kontexten lernen sie die Bedeutung von Zeichen? Der Blick in das Auge des Nashorns verrät es nicht.
Foto: AP
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"Das ist das Grandiose an Meijers Buch: Sie drückt den Tieren nicht die Vorstellung einer überlegenen menschlichen Sprache auf, wie das vor allem in der philosophischen Tradition üblich war, sondern geht den umgekehrten Weg. Indem sie Sprachtheorien von de Saussure bis Chomsky diskutiert, entwickelt sie eine Idee von Sprache, die den Menschen wie den Tieren gleichermaßen gerecht zu werden versucht." - Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung Nico Bleutge SZ - Süddeutsche Zeitung Magazin 20180713