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Seit 6000 Jahren lagen sie sich in den Armen: Als 2007 die aus der Jungsteinzeit stammenden Skelette zweier junger Menschen bei der Stadt Mantua ausgegraben wurden, gingen die Bilder um die Welt. "Romeo und Julia aus der Steinzeit" - so lautete die Sensationsmeldung. Dann kamen die Krise und der "verfluchte Frühling", das Erdbeben im Mai 2012, die Renaissance-Stadt Mantua hatte andere Sorgen. In Ralph Dutlis Roman ist das berühmte Steinzeitpaar nach Untersuchungen in einem archäologischen Laboratorium plötzlich verschwunden, und so macht sich der Schriftsteller Manu auf die Suche. Doch bald…mehr

Produktbeschreibung
Seit 6000 Jahren lagen sie sich in den Armen: Als 2007 die aus der Jungsteinzeit stammenden Skelette zweier junger Menschen bei der Stadt Mantua ausgegraben wurden, gingen die Bilder um die Welt. "Romeo und Julia aus der Steinzeit" - so lautete die Sensationsmeldung. Dann kamen die Krise und der "verfluchte Frühling", das Erdbeben im Mai 2012, die Renaissance-Stadt Mantua hatte andere Sorgen.
In Ralph Dutlis Roman ist das berühmte Steinzeitpaar nach Untersuchungen in einem archäologischen Laboratorium plötzlich verschwunden, und so macht sich der Schriftsteller Manu auf die Suche. Doch bald ist er selber unauffindbar. Entführt auf das Anwesen eines dubiosen Grafen, soll er eine neue Religion der Liebe begründen helfen, nicht mit dem Gekreuzigten als zentralem Symbol, sondern mit dem Bild der Liebenden von Mantua ...
In einer Zwischenwelt aus Realität und Traum flimmert das Mantua der Renaissance, der Maler Mantegna soll noch einmal sein berühmtes "Zimmer der Vermählten" malen, der Dichter Vergil fliegt als erstaunter Beobachter über seine Heimatstadt Mantua, und es geschehen mehrere merkwürdige Morde.
"Die Liebenden von Mantua" ist ein Roman über die Erdbebenzonen des Lebens, über eine neue Liebesutopie, über Religion und Renaissance, den unsicheren Status der Wirklichkeit und die unheimliche Macht der Schrift.
  • Produktdetails
  • Verlag: Wallstein
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: August 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 126mm x 27mm
  • Gewicht: 392g
  • ISBN-13: 9783835316836
  • ISBN-10: 3835316834
  • Artikelnr.: 42756834
Autorenporträt
Ralph Dutli, geb. 1954, studierte in Zürich und Paris Romanistik und Russistik und lebt heute als freier Autor, Lyriker und Übersetzer in Heidelberg. Er ist Herausgeber u.a. der zehnbändigen Ossip-Mandelstam-Gesamtausgabe und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. den Johann-Heinrich-Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Von Ralph Dutli sind bislang mehr als 30 Bücher und Editionen erschienen. Sein Romandebüt 'Soutines letzte Fahrt' war 2013 sowohl für den Deutschen Buchpreis als auch für den Schweizer Buchpreis nominiert. Ausgezeichnet mit dem - Rheingau Literatur Preis 2013 - Düsseldorfer Literatur Preis 2014 - Preis der LiteraTour Nord 2014
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Michael Braun ist ganz froh, wenn sich am Ende dieses raffiniert zwischen einem Essay über die Liebe und einem Kriminalroman changierenden Textes von Ralph Dutli nicht alle Verheißungen in Sachen Macht der Liebe erfüllen. Zuvor aber hat ihm der Autor eine reichlich verspielte Geschichte über das Phänomen der Liebe, Steinzeit-Skelette, das Widersehen zweier Freunde, einen übergeschnappten Grafen und allerhand Alchemie aus dem 13. Jahrhundert aufgetischt, die Braun zwar virtuos arrangiert findet, deren verrückte Begebenheiten, Exkurse und visuelle Überreizungen ihn aber auch fordern. Als irrlichternde Persiflage auf Historienkrimis gefällt ihm das Buch aber allemal.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.09.2015

Renaissance als Risiko
Ralph Dutlis Roman "Die Liebenden von Mantua"

"Roman" ist kein geschützter Begriff und gehört zu den schillerndsten literarischen Etiketten überhaupt. Die Romantik verdankte ihren Namen den ungestümen Einfällen der Romanciers, die sich an kein klassisches Maß hielten, sondern abenteuerlichste Geschichten erzählten, gleichzeitig zarte Verse erfanden, Spielarten der sinnlichen Liebe erkundeten und immer wieder über die poetischen Grundlagen des eigenen Tuns nachdachten: Romantiker wie Friedrich Schlegel oder Clemens Brentano sind die wahren Künstler des Romans. Einer ihrer virtuosesten Erben unserer Tage ist Ralph Dutli, der viele Metiers souverän beherrscht. Den Lyriker Ossip Mandelstam hat er kongenial übersetzt, eine russische Literaturgeschichte geschrieben, mittelalterliche Unsinnspoesie zu neuem Leben erweckt, Lyrikbände verfasst und der Biene wie der Olive zu ihrer je eigenen Kulturgeschichte verholfen. 2013 debütierte Dutli als Romanautor; seine mitreißende Geschichte über das Lebensende des jüdischen Malers Chaim Soutine - "Soutines letzte Fahrt" - wurde zu Recht mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Seinen zweiten Roman verlegt Ralph Dutli ins norditalienische Mantua. In die Schlagzeilen kam die Heimatstadt des Dichters Vergil in jüngerer Zeit mehrfach: Mantua wurde 2012 von einem schweren Erdbeben heimgesucht, das viele kostbare Renaissancebauten beschädigte. Wenige Jahre zuvor waren Archäologen in der Nähe Mantuas auf einen spektakulären Fund gestoßen. Wie zwei Liebende in ewiger Umarmung hielten sich zwei Skelette scheinbar innig umfangen: Romeo und Julia aus der Jungsteinzeit, eine Projektionsfläche für vieles.

Das ist der Stoff, aus dem Dutli seinen Roman gewebt hat, und dabei legt er, ebenso wie seine romantischen Vorgänger, wenig Wert auf Wahrscheinlichkeit, präsentiert stattdessen eine Mixtur disparater Elemente. Das urzeitliche Doppelskelett spielt eine zentrale Rolle; es sind die "Liebenden von Mantua", die dem Roman zu seinem vexierhaften Titel verhelfen. Zugleich gibt es eine Entführung, mehrere Morde, einen bulligen Leibwächter im rosa Ballettröckchen, pflanzliche Drogen, eine Bibliothek mit kabbalistischer und alchemistischer Literatur und einen geheimnisvollen, schwerreichen Conte, der sich "Ignoto" nennt und unbekannt bleiben will. Tatsächlich: Geheimnisvoll, wirr und unaufgelöst bleibt vieles in der Handlung des Romans, der sich streckenweise wie eine Mischung aus "Indiana Jones" und "Der Name der Rose" liest, vermengt mit einem kunsthistorischen Führer durch die architektonischen Schönheiten Mantuas. Geistreiche Aperçus kommen hinzu: "Aber die Wirklichkeit kümmert sich zuallerletzt um die Wahrscheinlichkeit, es gibt ohnehin nur weniges auf der Welt, was nicht unwahrscheinlich ist."

Verklammert wird das alles durch die Geschichte eines Freundespaares, das sich nach Jahren unvermutet in einem Café in Mantua wiedertrifft. Doch kaum haben der Erdbebenforscher Raffa und der Schriftsteller Manu angefangen, ihre Erinnerungen auszutauschen, wird Manu von dem geheimnisvollen Conte entführt. In luxuriöser Einzelhaft soll Manu die Grundschrift einer neuen Religion der Liebe verfassen, deren Zentrum das anrührende steinzeitliche Doppelskelett bildet. Die christliche Schmerzens- und Leidenstheologie soll abgelöst werden von einer neuen Liebesutopie, einem Hymnus auf die zeitenüberdauernde sinnliche Liebe.

Das klingt nach einer gewaltigen Räuberpistole - aber glücklicherweise ist die Handlung das Allerunwichtigste in diesem Roman. Das weiß der versierte Erzähler Dutli; immer wieder lässt er die Leser an seinen Reflexionen über das eigenwillige, ja fast störrische und zugleich erotische Wesen des Romans teilhaben. Und nur wer die abstruse Handlung und ihre seltsamen Sprünge zu wichtig nimmt, wird an den Betrachtungen Anstoß nehmen, mit denen Ralph Dutli das eigene Schreiben staunend begleitet. Die Geschichte Mantuas, der Einfallsreichtum und die Sinnenfreude seiner Fresken inspirieren ihn zu immer neuen Einfällen: "Renaissance als Risiko".

In der Tat, mit einem solchen Roman-Experiment, das konventionelle Leseerwartungen unterläuft, geht Dutli kein geringes Risiko ein - Banalität, Kunsthandwerk und Kitsch sind die offensichtlichsten Gefahren. Dass er die Klippen verblüffend sicher umschifft, ist Dutlis Gespür für den angemessenen Rhythmus zu verdanken; hier schreibt der erfahrene Lyriker, der zugleich Freude an unverbrauchten sprachlichen Bildern hat. Ralph Dutli hat seinen Roman als Gesamtkunstwerk angelegt, in dem er neu zusammenfügt, was ihn in der überbordenden Renaissancewelt Mantuas fasziniert. Schnell werden Jahrtausende durchmessen, schließlich reicht der Atem des Erzählers vom Neolithikum bis in die Erdbebenzonen unserer Gegenwart. Stringenz und Logik werden dabei zur Nebensache, denn es gilt allenthalben: "Renaissance ist Überbietung."

SABINE DOERING

Ralph Dutli: "Die Liebenden von Mantua". Roman.

Wallstein Verlag, Göttingen 2015. 276 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 01.10.2015

Rasende Bildungsfrömmelei
Ralph Dutlis Schmock-Roman „Die Liebenden von Mantua“ ist Erbauungsliteratur aus dem Kunstreiseführer
Es gibt Menschen, die an keinem noch so harmlosen Gegenstand vorbeigehen können, ohne dass ihnen dazu etwas einfiele – und wenn nicht etwas Kluges, so doch zumindest etwas halb Gelehrtes und vor allem vermeintlich Originelles. Wenn ein Tablet auf dem Tisch eines Cafés liegt, verwandelt es sich in ein „frommes Streichelbrettchen“. Geht es in den Keller, mutiert dieser zu einem „Untergeschoss des Lebens“, und was ist ein Herz, wenn nicht eine „zittrige zuckrige Hummel“?
  Es herrscht kein Mangel an Bildern und Vergleichen in dem Roman „Die Liebenden von Mantua“ des Schweizer Schriftstellers und Übersetzers Ralph Dutli. Tatsächlich werden sie in diesem Buch so reichlich verteilt, dass sie sich an jedes erreichbare Substantiv heften und ihretwegen unablässig Satzteile verdoppelt werden. Irgendwann wird dieses klebrige Zuckerbad scheinbar erlesener Sprache sogar einem der beiden Helden zu viel, und er verlangt: „nicht mehr das lustpeitschende Bacchanal dieser Fresken, nicht mehr das immer schneller drehende Karussell der Sinne, das Taumeln unter den Gewölben“. Ein Ratzeputz wäre jetzt eine gute Sache, er soll helfen, wenn einer sich überfressen hat. Aber was kommt dann? „Ein ohnmächtiger schrundiger Alltag.“ Es gibt kein Entkommen vor der Redseligkeit dieses Erzählers.
  Aber was hat der Mann zu erzählen? Zwei Fremde kommen nach Mantua. Der eine ist Journalist, der andere Schriftsteller. Früher, in Paris, waren sie einmal Freunde. Jetzt will der eine über die Folgen des Erdbebens von 2012 eine Reportage schreiben, der andere hat einen Roman im Sinn. Letzterer interessiert sich deswegen für zwei Skelette aus der Steinzeit, die im Jahr 2007 gefunden worden waren, eng umschlungen, und die deshalb zu den „Liebenden von Mantua“ erklärt wurden. Das soll ein angemessen romantisches Motiv sein. Doch sind die alten Knochen nun verschwunden, weshalb der zum Detektiv gewordene Schriftsteller entführt wird und bei einem Grafen Blaubart landet, der hier „Ignoto“ – „Unbekannt“ – heißt.
  Dieser wunderliche Adlige will eine Religion der Liebe gründen, wozu ihm die Skelette aus der Steinzeit als Sinnzeichen dienen sollen. Deswegen gibt es am Ende ein paar Tote, und deswegen wird jedem der drei Herren – dem Journalisten, dem Schriftsteller, dem Grafen – jeweils eine Frau beigegeben, die für allerhand Erotisches sorgen soll, aber dann verschwindet. Kurz, es geht in diesem Buch zu, als wäre Dan Browns Symbologe Robert Langdon in den goldnen Topf gefallen. Bei diesem Sturz sind allerdings auf der einen Seite die erzähltechnische Ökonomie eines Dan Brown, auf der anderen die philosophische Durchtriebenheit E. T. A. Hoffmanns abhanden gekommen.
  Stattdessen wird eine Art rasende Bildungsfrömmelei betrieben. Die ganze italienische Renaissance wird aufgeboten, Städte, Bilder, Paläste, die Familie der Gonzaga, Giulio Romano, Pietro Aretino, Andrea Mantegna insbesondere, ein paar Alchemisten und Anhänger der Kabbala, aber auch Vergil, sterbende Wale, die Gartenschläuche im Magen tragen, Salvador Dalí, Honoré de Balzac, Victor Hugo, Henri Bergson, Serge Gainsbourg, es nimmt gar kein Ende. Höchste Bedeutung wird stets vorausgesetzt, erklärt wird nichts.
  Vielmehr führt sich der Erzähler auf, als wäre er ein Erweckungsprediger, der in einer Phase eifernder Verwirrung einen DuMont-Kunstreiseführer („Gardasee, Verona, Mantua, Trentino“, Köln 2011) mit dem Evangelium verwechselt. Damit wird nun der Rest der Menschheit traktiert, dass ihm Hören und Sehen vergeht, jede Menge Fußnoten inklusive, die aber nicht als solche, sondern als wörtliche Rede erscheinen.
  Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, hagelt es Dummheiten, die jedoch im Ton letzter Erleuchtungen vorgetragen werden: „Die ganze Menschheit thront doch auf einer albernen, flatterhaften Vergesslichkeit“, „das ganze Leben ist eine Erdbebenzone, wir wissen nie, wann es wieder losgeht“, „das Geheimnis des Lebens besteht darin, Gottes Verrücktheit zu teilen“, „Schamrasur ist keine Lösung für das All“, „die Welt ist kein Orgasmus, fürchte ich, die Katastrophen nehmen überhand.“ Auf dieses Buch bezogen, und nur auf dieses, mag Ralph Dutli mit dem letzten Halbsatz allerdings recht haben.
THOMAS STEINFELD
Das Buch liest sich, als wäre
Dan Browns Robert Langdon in
den goldnen Topf gefallen
        
  
  
  
                      
Ralph Dutli: Die Liebenden von Mantua. Roman.
Wallstein Verlag, Göttingen 2015. 276 Seiten, 19,90 Euro. E-Book 15,99 Euro.
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