Die Kriege der Familie Bush - Laurent, Eric
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Business, Bin Laden und Irak - die Geschäfte der mächtigsten Familie der Welt Unser Gedächtnis ist kurz: Der Kampf gegen den Irak begann 1991, geführt von George Bush senior. Nun, über ein Jahrzehnt später, scheint George W. Bush das begonnene Werk seines Vaters zu Ende zu bringen - das Regime Saddam Husseins zu stürzen. Aber der "Krieg gegen das Böse" übertönt viele wichtige Fragen: Warum hat sich die Administration George Bushs ihren Kriegsgegner Irak bis zum Einmarsch in Kuwait durch illegale Aufrüstung planmäßig selbst geschaffen? | Warum bestehen immer noch Geschäftsbeziehungen zwischen…mehr

Produktbeschreibung
Business, Bin Laden und Irak - die Geschäfte der mächtigsten Familie der Welt
Unser Gedächtnis ist kurz: Der Kampf gegen den Irak begann 1991, geführt von George Bush senior. Nun, über ein Jahrzehnt später, scheint George W. Bush das begonnene Werk seines Vaters zu Ende zu bringen - das Regime Saddam Husseins zu stürzen. Aber der "Krieg gegen das Böse" übertönt viele wichtige Fragen:
  • Warum hat sich die Administration George Bushs ihren Kriegsgegner Irak bis zum Einmarsch in Kuwait durch illegale Aufrüstung planmäßig selbst geschaffen?
  • Warum bestehen immer noch Geschäftsbeziehungen zwischen der Familie Bin Laden und George Bush senior?
  • Warum unterstützte und finanzierte die Hausbank von Bin Laden und al-Qaida die politische Karriere und die Ölgeschäfte von George W. Bush über zwanzig Jahre?
    • Produktdetails
    • Verlag: FISCHER (S.), FRANKFURT
    • Deutsch
    • Abmessung: 21, 5 cm
    • Gewicht: 360g
    • ISBN-13: 9783100448507
    • ISBN-10: 3100448502
    • Artikelnr.: 11431586
    Autorenporträt
    Eric Laurent, geboren 1947, ist einer der »grand reporter« in Frankreich, Spezialgebiet Außenpolitik. Er schreibt für das Figaro-Magazin und moderiert für France-Culture. Seine Bücher, insbesondere »Die Kriege der Familie Bush«, standen weltweit auf den Bestsellerlisten. Er ist außerdem Autor einer Romanserie mit dem Protagonisten Seth Colton.
    Rezensionen

    Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

    Franziska Augstein hat zwei Bücher, die aus aktuellem Anlass des Irak-Krieges geschrieben worden sind, durchaus mit Gewinn gelesen. Eric Laurents "Die Kriege der Familie der Familie Bush", das sich mit den Zusammenhängen zwischen den "ganz normalen ökonomischen Verflechtungen" und den politischen Aktivitäten der Bushs beschäftigt, findet die Rezensentin durchaus erhellend. Den Anfang der Studie allerdings moniert sie als "etwas matt", weil dort alle Schlagworte der jüngsten Geschichte versammelt sind. Auch einige Andeutungen und Behauptungen können die Rezensentin nicht überzeugen, wie etwa die Verurteilung des Wahlkampfs von George Bush als amoralisch, weil er mit dem Geld finanziert worden war, das der Vater als Aufsichtsratsmitglied von in Nazideutschland unterhaltenen Zinkminen verdient hat. Insgesamt findet sie das Buch natürlich "etwas hastig" geschrieben und auch "fahrig aufgebaut". Was Augstein allerdings stört, ist, dass Laurent seine Quellen, aus denen er sein Wissen bezieht, nicht offen legt.

    © Perlentaucher Medien GmbH
    literaturtest.de
    Familienbande
    Ist George Bush junior ein religiöser Eiferer? Ist er ein Moralist oder Moralapostel, der für seine politischen Überzeugungen kämpft, ohne Rücksicht auf andere Kulturen und gefeit gegen Kritik und Selbstkritik? Eric Laurent, ein französischer Nahost-Experte, legt eine andere Deutung nahe: Es sind wirtschaftliche Interessen, die George W. Bush antreiben - genau wie seinen Vater, den Ex-Präsidenten, und seinen Großvater. Schon Opa Bush hatte Geschäftsbeziehungen mit einem Schurkenstaat - dem Deutschland der Nazizeit.
    Das Primat der Ökonomie
    Der Klappentext verspricht etwas irreführend Antworten auf ungeheuerliche Fragen: Warum haben die USA den Irak illegal aufgerüstet? Warum gibt es noch immer Geschäftsbeziehungen zwischen Bin Laden und Bush? Laurent hat darauf nur eine Antwort: Die Familie Bush habe immer die eigenen wirtschaftlichen Interessen über die politischen Interessen gestellt. Dabei wiederholt Laurent freilich Stereotypen und macht aus seinem Ressentiment gegenüber den Bushs keinen Hehl: Arrogant sei George W., dumm. Nie habe er etwas ohne seinen Vater erreicht, und wirtschaften könne er eigentlich auch nicht.
    Innenansichten
    Sieht man von diesen eher banalen Erkenntnissen und bisweilen schwachen Belegen, zum Beispiel in Bezug auf den Großvater Bush, einmal ab, liefert dieses Buch wichtige Informationen über die Urheber eines tragischen Konflikts. Es ergänzt zum Beispiel Bob Woodwards eher neutrale bis wohlwollende, aber immerhin wohl präziseste Innenschau (Bush at war) um ein wichtiges Detail: Es sind auch (und vor allem?) wirtschaftliche Interessen, die die Bushs und ihre Adlaten wie Rumsfeld so und nicht anders handeln lassen.
    (Mathias Voigt)
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    Besprechung von 23.02.2003
    Im Bett mit George W.
    Zwei neue Bücher über den amerikanischen Präsidenten können dem Leser den Schlaf rauben

    "Holt die Waffen! Holt die Pferde!" - so wird der amerikanische Präsident George W. Bush beim Regieren nachgemacht, leider nicht nur von schlechten Kabarettisten, sondern vom amerikanischen Außenminister Colin Powell. Das ist keine gewagte Indiskretion, sondern in "Bush at War" dokumentiert, dem neuen Buch des Starjournalisten Bob Woodward. Die Quelle: Powell selbst. Er sagte dem Autor, das ",Holt die Waffen! Holt die Pferde!'-Texas-und-Alamo-Gehabe" Bushs sei ihm unbehaglich, aber er "glaube und hoffe, daß der Präsident es besser wisse". Glauben und Hoffnung als Basis der Zusammenarbeit zwischen Außenminister und Oberbefehlshaber innerhalb eines Kriegskabinetts?

    Je mehr Bücher über die Bush-Administration erscheinen, desto mehr gruselt es einen bei der Lektüre, vor allem, wenn es sich um Werke handelt, an denen die "Bushies" auch noch mitgewirkt haben. So ging es einem im vorigen Jahr mit Frank Brunis "Ambling into History", und "Bush at War" macht keine Ausnahme. Bob Woodward, der Watergate-Enthüller, wurde über die Jahre zu einem zuverlässigen Chronisten der amerikanischen Präsidenten - pro Amtszeit erscheinen ein oder zwei Bücher von ihm über die brisantesten Fragen der Regierung, stets wohlversorgt mit Auskünften aus dem inneren Zirkel des Weißen Hauses und immer auf der Basis ausführlicher Interviews mit dem amtierenden Präsidenten. Woodward nimmt die Institution ernst, also muß er auch die Amtsinhaber ernst nehmen, sie bis zu einem gewissen Grad auch schonen. Die Lektüre ist gerade wegen der Umsicht des Autors außerordentlich beunruhigend.

    Am Schluß des Buches schildert Woodward - nicht ohne Stolz -, wie er auf der Farm des Präsidenten in Crawford, Texas, zu Gast ist. Sie haben viel Zeit, und Bush will dem Autor etwas mitteilen. Die Beschreibung des Besuchs liest sich wie eine Szene aus der Fernsehserie "Flipper", wenn der Delphin aus dem Wasser schaut und quiekt, woraufhin die Erwachsenen feststellen: "Ich glaube, er will uns etwas sagen." Bush nimmt Woodward mit auf einen Ausflug durch das riesige Gelände und beginnt, unbeholfen Andeutungen zu machen und Metaphern zu suchen. Zedern habe er hier eigenhändig abgesägt, weil sie den einheimischen Eichen Licht und Wasser geraubt hätten.

    Auf einer Holzbrücke steigen sie aus. Sie sind allein, unter vier Augen. Bush wirft Steinchen gegen eine Felswand, Woodward auch. Dann fahren sie wieder zurück. Kurz zuvor hatte Bush erregt und fahrig von globalen Visionen gesprochen und drohend mit dem Finger gefuchtelt, dabei Nordkorea erwähnt, den Nordirak und Afghanistan, alles durcheinander, bis Condi Rice eingegriffen und ihn beruhigt hat. Als Merksatz gibt Bush Bob Woodward eine kryptische Äußerung mit auf den Weg: "Ein Präsident möchte gern ein militärisches Konzept haben, das erfolgreich sein wird." Er will, so könnte man das verstehen, Kriege lieber gewinnen als verlieren. Woodward aber übersetzt den ganzen Besuch großzügig in die Sprache politischer Strategie: Bush will, vermutet er, eine Neuordnung der Welt, notfalls im amerikanischen Alleingang. Immerhin wäre das ja eine politische Richtlinie, über die man streiten könnte - wenn Bush das wirklich so gemeint hat. Es ist aber immer noch offen, ob Bush sich überhaupt für Politik interessiert. Terrorismusbekämpfung ist ihm eine persönliche, instinktive Angelegenheit: Mehrmals erwähnt Woodward die "Scorecard" des Präsidenten, die Liste der 21 meistgesuchten Terroristen, die er in einer Schublade seines Schreibtischs bewahrt, um tote Al-Qaida-Mitglieder mit einem fetten Kreuz durchzustreichen. Ob er aber über diese habituelle Wildwestdramatik hinaus zu komplexeren Reflexionen oder Analysen imstande ist?

    Das fragte sich schon Frank Bruni, der nach wochenlanger Beobachtung Bushs ernste Zweifel daran hatte, daß der Präsident die Gesetze, die er unterschreibt, wirklich versteht. Nun kann man ein anderes, dieser Tage erscheinendes Buch zu Rate ziehen, Eric Laurents "Die Kriege der Familie Bush". Laurent, investigativer Reporter beim konservativen französischen "Figaro", versucht, die Außenpolitik der USA im Lichte der dynastischen Interessen des Bush-Clans zu deuten. Nach seiner Ausgangshypothese folgt die Irak-Politik der beiden Bush-Präsidenten einer präzisen Logik, keineswegs sei die Familie so harmlos und uninformiert, wie es in der Öffentlichkeit den Anschein hat. Laurent beschreibt die Bushschen Familiengeschäfte, die Kontakte zu zwielichtigen saudischen Geschäftsleuten, auch zur Familie Bin Ladin, sowie die geschäftlichen Hintergründe von Dick Cheney und Condoleezza Rice, und alle haben sie mit Öl zu tun.

    Ein Großteil seines Materials war schon bekannt, allerdings nur verstreut und unzusammenhängend veröffentlicht worden, und so verfehlt es eine gewisse suggestive Wirkung nicht, wenn noch einmal die Karriere von Bush senior und die Geschichte der amerikanisch-irakischen Allianz bis zum ersten Golfkrieg 1991 dargestellt wird. Wo das Buch aber bei George W. ankommt, macht das Sujet dem Autor einen Strich durch die verschwörungstheoretische Rechnung: Mochte der Vater immerhin beträchtlichen Reichtum aus dem Ölgeschäft erwirtschaftet haben und somit wenigstens ein Motiv für allerlei ölschwarze Pakte haben, so ist die Karriere des Sohnes in der Ölbranche schlicht eine Reihe von Pleiten. Geld verdient er erst mit einem Baseballteam.

    Selbst dem scharfsinnigen und wohlinformierten Eric Laurent gelingt es nicht, Bush junior irgendwelche Kenntnisse über die Feinheiten der internationalen Öldiplomatie zu unterstellen. Das ist der inhärente Widerspruch des Buches: Man kann den Bushs nicht zugleich Kumpanei mit Saddam, den Saudis und den Bin Ladins nachweisen und eine komplette Ignoranz gegenüber allem Arabischen attestieren. Letzteres ist aber von faszinierender Evidenz: Im April 2002 besuchte der saudi-arabische Kronprinz Abdullah Bush auf dessen Ranch. Kurz zuvor hatte Prinz Abdullah, unter einigem politischen Risiko, einen spektakulären Friedensplan für den Nahen Osten vorgestellt, der sogar das Existenzrecht Israels beinhaltete. Der Plan war zwar im politischen Krisengeschehen des Frühjahrs untergegangen, hatte aber für beträchtliche Diskussionen gesorgt. Während des Treffens in Crawford, einem verzweifelten Versuch, die angespannten saudisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern, überraschte Bush seinen Besucher durch komplette Unkenntnis dieses Plans. Wütend und enttäuscht reiste Abdullah wieder ab. Auch hier wäre es beruhigender, es würde dem Autor gelingen, eine noch so finstere, aber kohärente Familienstrategie aufzudecken.

    Bush junior scheinen ganz andere Themen zu bewegen als die Autoren der Bücher über ihn. Öffentliche Reden nehmen fast nur noch die Form des Gebets an. Ansonsten redet er gern über das Heben von Gewichten ("205 Pfund - das Beste was je ein Präsident gedrückt hat") und stellt seinen persönlichen Heldenmut heraus, der vor allem darin besteht, daß er das Weiße Haus trotz Terrorwarnungen nicht verläßt. So oft erklärt er das, daß ihn einmal - so beschreibt es Woodward - der Vizepräsident belehren muß, daß es nicht nur um ihn persönlich, sondern auch um die amerikanische Verfassung gehe, wenn der Präsident umkommt.

    Diesen Heldenmut soll, so die offizielle Kommunikationslinie, auch die First Lady an den Tag legen. Im "Wall Street Journal" durfte die erzkonservative Kolumnistin Peggy Noonan, ehemalige Redenschreiberin für Ronald Reagan und Bush senior, ausführlich den Mut der First Lady loben, trotz Terrorwarnung New York zu besuchen und dabei einen so feinen und gleichmäßigen Lidstrich aufgetragen zu haben. "Manchmal", schreibt Noonan, "ist ein gepflegtes Äußeres und fröhliches Verhalten heldenhaft." Außer dieser Form von Alltagsheldentum - das Heroismus-Punkte schon dafür einfordert, keinen präventiven Suizid zu begehen - ist Schlaf zu einem zentralen Thema in den Äußerungen der First Family geworden.

    In einem ausführlichen Interview mit dem Magazin "Good Housekeeping" erklärte Laura Bush, der frühe Schlaf ab 21.30 Uhr sei ganz wesentlich für das Durchhaltevermögen der Familie. Dann sollte sie noch ein Beispiel für den tollen Humor ihres Gatten geben und erzählte, daß er sich gern hinter eine Säule versteckt, ihr zuwinkt und sich dann wieder versteckt. Schlichter geht es nicht, aber auch dieser Quelle wird man leider keine bösartigen Absichten unterstellen können. Im Woodward-Buch kommt Laura Bush übrigens auch zu Wort, und es geht wieder um Schlaf. Sie berichtet, nach den Anschlägen vom 11. September sei sie nachts manchmal vor Sorge wach geworden und habe gewußt, ihr Mann liege auch wach. Daraufhin sagt Bush, er könne sich nicht daran erinnern, mal vor Sorge wach geworden zu sein, und habe auch nicht gemerkt, daß sich seine Frau in der Zeit Sorgen gemacht habe. Gut, daß Woodward die eheliche Kommunikation befördert!

    George W. Bush schläft früh, fest und ruhig wie ein Baby, heißt es regelmäßig aus der Umgebung des Präsidenten. Mancher findet das aber, wie eigentlich jede präzise Information über George W. Bush, beunruhigend. "Ich schlafe auch wie ein Baby", hat sich Colin Powell daraufhin vernehmen lassen: "Alle zwei Stunden wache ich weinend auf!"

    NILS MINKMAR.

    Bob Woodward: Bush at War. Amerika im Krieg. DVA, Stuttgart 2003. 400 S., 24,90 [Euro].

    Eric Laurent: Die Kriege der Familie Bush. Die wahren Hintergründe des Irak-Konflikts. Verlag S. Fischer, Frankfurt/M. 2003. 288 S., 16,90 [Euro].

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