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Was würden Sie machen, wenn Sie unversehens 17 Millionen erbten? Andy Larkham -der ganz zufällig zum reichen Mann wird, weil er auf der falschen Beerdigung war - kauft sich einen Mercedes und fährt in die Toskana, aber dort holt ihn ein verschlungenes Schicksal ein, und er muss sich über legen, welchen Preis er für die jähe Veränderung seines Lebens zu zahlen bereit ist ...
"Ich habe mich völlig in dieses Buch und seine Welt versenkt. Es hat eine Intensität und Wahrhaftigkeit, die hypnotisierend sind. " WILLIAM BOYD
"Ein wunderbar durchtriebener Roman." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
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Produktbeschreibung
Was würden Sie machen, wenn Sie unversehens 17 Millionen erbten? Andy Larkham -der ganz zufällig zum reichen Mann wird, weil er auf der falschen Beerdigung war - kauft sich einen Mercedes und fährt in die Toskana, aber dort holt ihn ein verschlungenes Schicksal ein, und er muss sich über legen, welchen Preis er für die jähe Veränderung seines Lebens zu zahlen bereit ist ...

"Ich habe mich völlig in dieses Buch und seine Welt versenkt. Es hat eine Intensität und Wahrhaftigkeit, die hypnotisierend sind. "
WILLIAM BOYD

"Ein wunderbar durchtriebener Roman."
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
  • Produktdetails
  • Belletristik
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 441
  • Erscheinungstermin: 14. September 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 125mm
  • Gewicht: 550g
  • ISBN-13: 9783498064136
  • ISBN-10: 3498064134
  • Artikelnr.: 33379379
Autorenporträt
Nicholas Shakespeare, geboren 1957 in Worcester, England, wuchs als Sohn eines Diplomaten in Asien und Lateinamerika auf. Er schrieb eine Biographie sowie mehrere Romane. Er lebt heute in Wiltshire, England, und Swansea, Tasmanien.
Rezensionen
Besprechung von 29.11.2011
Wie überlebt man mit 17 Millionen?
„Die Erbschaft“ heißt der neue, wunderbar durchtriebene Roman von Nicholas Shakespeare um Schein und Sein
Was ist nur in Nicholas Shakespeare gefahren? Man findet sich nämlich, seinen neuen Roman aufschlagend, unvermittelt in einer Art Reiseerzählung wieder, die von einem Menschen mit festem Schuhwerk geschrieben sein muss: Wo er hintritt, wächst kein origineller Satz mehr. Seine Figur windet sich durchs „kratzende Gras“, die Erde „gleißt“, und selbstverständlich „flirrt“ die Hitze. Man wundert sich gehörig über diese staubige Abenteurerprosa, denn immerhin stammt „Die Erbschaft“ von einem gestandenen Schriftsteller, der eine eindrucksvolle Biographie über Bruce Chatwin vorgelegt hat, und dazu noch ein sehr schönes Buch über Tasmanien.
„Westaustralien 1960“ heißt dieser seltsam unbeholfene Prolog zu einem Roman, der dann sehr schnell doch noch die Kurve kriegt, sich nach wenigen Seiten an die Gegenwart andockt und einen ganz anderen, spielerischen Ton anstimmt. Bis man versteht, was dieses kurze Vorspiel in der Wildnis Australiens bezweckt und wer der fiktive Autor dieser windschiefen Eröffnungserzählung ist, vergehen jedoch ein paar hundert Seiten. Ein paar hundert sehr amüsante und überraschende Seiten überdies.
Andy Larkham ist ein junger Mann mit Ambitionen, aber zunächst ohne große Fortune. Er arbeitet für einen Londoner Kleinverlag, der sich auf Ratgeberbücher spezialisiert und Titel wie „1001 Wege zum Nirvana“ in der Backlist hat. Andy ist der Lektor des Guru-Programms. Die Miete kann er gerade so begleichen, eine Gehaltserhöhung ist außer Reichweite. An seine schöne Model-Freundin Sophie ist er durch ein Missverständnis geraten, und als wir Andy kennenlernen, trennt sie sich gerade von ihm, um mit einem Banker von Lehman Brothers von dannen zu ziehen.
Andy Larkham geht auf die dreißig zu, und seine Aussichten zu reüssieren, sind äußerst beschränkt. Er ist ein ziemlich sympathischer Kerl, der allerdings das Zeug dazu hat, an seinen Träumen zu scheitern. Die Beerdigung seines Lieblingslehrers Stuart Furnivall ändert alles. Andy hat Furnivall nicht nur ein paar Lebensweisheiten zu verdanken; er war ihm zu Schulzeiten zudem ein Vorbild. Indirekt bricht durch diesen Vorzeigepädagogen das Schicksal ins mediokre Lektorenleben ein. Andy kommt nämlich zu spät zur Trauerfeier, verwechselt obendrein die Kapelle und landet bei einem ganz anderen Toten. Der heißt Christopher Madigan, und Andy ist nur einer von zwei Trauergästen. Was sich zugleich als glücklicher Umstand erweist, denn Mister Madigan war nicht nur unbeliebt und einsam, sondern auch reich. Und aus einem zunächst noch uneinsichtigen Grund hat er im Testament verfügt, sein gesamtes Vermögen unter den Anwesenden der Trauerfeier aufzuteilen. So ist Andrew Larkham unversehens um 17 Millionen Pfund reicher und steht vor einem Rätsel: Wer war dieser Christopher Madigan? Was weiß die andere Erbin, Madigans Haushälterin Maral Bernhard, über seine eigentümliche Verfügung? Und warum wird Madigan abgrundtief von seiner Tochter Jeanine gehasst, die mehr oder minder leer ausgeht, weil sie zu spät in der Kapelle auftaucht?
Der Roman nimmt nun noch einmal eine scharfe Wendung: Andy erwacht aus seiner mickrigen Angestelltenexistenz mitten im Luxus. Und wird, weil er nicht aus seiner Haut kann, von der moralisch durchaus heiklen Frage heimgesucht, was man mit einem Vermögen anstellen soll, das einem ohne jegliches Zutun zugefallen ist. Andy Larkham wird nicht ganz allein gelassen mit diesem Problem, da sein ehemaliger Lehrer Furnivall ihm ein Manuskript mit dem Titel „Auf dem Weg zu Montaigne“ hinterlassen hat. „Montaigne glaubte, das Wichtigste auf Erden sei zu wissen, wie man zu sich selbst fand.“
Das ist das heimliche Thema von Shakespeares mit großer Akribie und noch größerer Dreistigkeit konstruiertem Roman: Wie wird man zu dem, der man ist? Und wie bildet sich ein Charakter angesichts extremer Versuchungen und Unsummen von Geld? Nach einigen ausschweifenden Monaten besinnt sich Andy auf seinen moralischen Auftrag und möchte herausfinden, wem er seinen Reichtum eigentlich verdankt. Und ob dieser Madigan wirklich solch ein Scheusal war, wie seine Tochter behauptet. „Du hast nicht nur Madigans Geld geerbt, du Trottel“, wirft ihm sein Freund David einmal an den Kopf. „Du hast auch eine Geschichte geerbt. Solange du dich weigerst, das zu dem Geld gehörende Vermächtnis zu ergründen, bleibst du ein jämmerlicher Schwachkopf.“ Und so beginnt Shakespeares Roman ein weiteres Mal von Neuem. Wieder schlägt der Autor einen anderen Ton an, und aus der Komödie wird eine Tragödie, die in Armenien nach dem Genozid im Jahr 1915 ihren Lauf nimmt, von einem teuflischen, in immer neuer Gestalt auftretenden Peiniger begleitet wird und zu entscheidenden Teilen in Australien spielt.
Jedes Leben hat seine eigenen Wahrheiten, die meist im Verborgenen liegen. Lüftet man den Vorhang, beginnt ein großes Drama. Und bei einer geheimnisvollen Gestalt wie Madigan ist die Fallhöhe besonders groß. Am Ende schreibt Larkham, indem er Furnivalls Montaigne-Essay mit Madigans Biographie verwebt, ein Buch über seinen Erblasser, um Jeanine zu zeigen, dass ihr Vater das Gegenteil eines hassenswerten Menschen war. Einen Ausschnitt aus diesem gut gemeinten Manuskript haben wir am Anfang des Romans lesen können.
Nach 400 Seiten wundert man sich, dass man diese waghalsige, immer wieder neue Räume aufreißende Erzählung gerne gelesen hat. Eigentlich müsste man einem Erzähler misstrauen, der seinen Roman aus so verschiedenen und zudem noch sehr unglaubhaften Geschichten zusammenbastelt. Stattdessen vertraut man sich ihm blindlings an. „Carpe diem“ heißt der Ratgeberverlag, in dem sich Larkham verdingt hat. Wie man den Tag nutzt und dabei integer bleibt, das sollen die so unterschiedlichen Biographien von Larkham und Madigan vorführen. Shakespeare hat Gewichtiges im Sinn, aber er verfügt über eine entschiedene stilistische Leichtigkeit. Dieser unterhaltsame, gescheite Roman lässt das Unwahrscheinliche möglich erscheinen und uns dabei in die Seelen seiner Figuren blicken.
ULRICH RÜDENAUER
NICHOLAS SHAKESPEARE : Die Erbschaft. Roman. Aus dem Englischen von Hans M. Herzog. Rowohlt Verlag, Reinbek 2011. 442 Seiten, 19,95 Euro.
Wer Geld erbt, der erbt
zugleich auch eine Geschichte
– und das verpflichtet
Vom Lotossitz sollte man sich nicht täuschen lassen: Wenn Nicholas Shakespeare ein Guru ist, dann einer, der als Romancier das Schwere leicht macht.
Foto: Peter Peitsch/peitschphoto.com
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Lustig, wie Ulrich Rüdenauer von anfänglichem Entsetzen schließlich zu einem Lob des Romans als unterhaltsame, gescheite Lektüre gelangt. Allerdings vollzieht er damit bloß den Zickzackkurs der Lektüre selbst und einer Geschichte, die vom Autor immer wieder neu und in einem anderen Ton begonnen wird, als traute der Erzähler seinem Tun nicht. Doch weit entfernt davon glaubt Rüdenauer den Autor. Nicolas Shakespeare scheint ihm schließlich ganz genau zu wissen, was er tut, wenn er etwa seinen mediokren Hauptdarsteller erst mit 17 Millionen Pfund beschenkt und dann seinen moralischen Auftrag dahinter suchen lässt. Mit jeder neuen Wendung der Story geht Rüdenauer auf, wie ungemein raffiniert und akribisch hier erzählt wird, wie dreist auch und mit einer Leichtigkeit zugleich, die den Rezensenten ganz nah an die Figuren heranlässt und die das Buch nun wirklich über jeden Zweifel erhaben macht.

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Dieser Roman hat eine Intensität und Wahrhaftigkeit, die hypnotisierend sind William Boyd