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Im Jahr 2009 begeht die Bundesrepublik Deutschland ihren 60. Geburtstag. Anlass genug, den Werdegang dieser ersten beständigen deutschen Demokratie einer kritischen Bilanz zu unterziehen. In diesem Band beleuchten namhafte Wissenschaftler alle zentralen Aspekte dieser Geschichte und geben Ausblicke auf die Zukunftsfähigkeit des wiedervereinigten Deutschlands. Die Beiträger: Steffen Alisch, Winfried Becker, Harald Biermann, Stefan Fröhlich, Alexander Gallus, Philipp Gassert, Jörg-Dieter Gauger, Dominik Geppert, Manfred Görtemaker, Christiane Groß, Christian Hacke, Hans Mathias Kepplinger, Hans…mehr

Produktbeschreibung
Im Jahr 2009 begeht die Bundesrepublik Deutschland ihren 60. Geburtstag. Anlass genug, den Werdegang dieser ersten beständigen deutschen Demokratie einer kritischen Bilanz zu unterziehen. In diesem Band beleuchten namhafte Wissenschaftler alle zentralen Aspekte dieser Geschichte und geben Ausblicke auf die Zukunftsfähigkeit des wiedervereinigten Deutschlands. Die Beiträger: Steffen Alisch, Winfried Becker, Harald Biermann, Stefan Fröhlich, Alexander Gallus, Philipp Gassert, Jörg-Dieter Gauger, Dominik Geppert, Manfred Görtemaker, Christiane Groß, Christian Hacke, Hans Mathias Kepplinger, Hans Hugo Klein, Karl-Rudolf Korte, Sabine Kropp, Lutz Leisering, Stefan Luft, Holger Magel, Peter März, Sönke Neitzel, Merith Niehuss, Werner Plumpe, Joachim Radkau, Thomas Raithel, Silke Riemann, Stefan Schirm, Klaus Schönhoven, Klaus Schroeder, Jochen Staadt, Roland Sturm, Franz Walter und Udo Wengst.
  • Produktdetails
  • Verlag: Böhlau
  • Seitenzahl: 698
  • Erscheinungstermin: September 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 247mm x 182mm x 46mm
  • Gewicht: 1330g
  • ISBN-13: 9783412202378
  • ISBN-10: 3412202371
  • Artikelnr.: 23865953
Autorenporträt
Hans-Peter Schwarz ist Professor em. für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Bonn.
Rezensionen
Besprechung von 28.04.2009
Vom Rhein an die Spree
Sechzig Jahre Bundesrepublik Deutschland: Rückblicke und Einblicke

Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit regte diese Publikation zur deutschen Geschichte seit 1949 an. Herausgeber Hans-Peter Schwarz hebt in seiner Einführung "100 Jahre deutscher Jubiläumsbilanzen" hervor, dass im kaiserlichen Deutschland 1911 zum 40. Jahrestag der Reichsgründung und 1913 zum fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II. opulente Sammelbände erschienen. Die erste Bestandsaufnahme der frühen Bundesrepublik veröffentliche Alfred Grosser bereits 1953 in Paris, während der Schweizer Journalist Fritz René Allemann 1956 den Deutschen schon durch den gewählten Buchtitel Mut machte: "Bonn ist nicht Weimar".

Ausgerechnet zum 40. Geburtstag der Bundesrepublik brachte die Bundeszentrale für politische Bildung ein "Deutschland-Handbuch" als "doppelte Bilanz 1949-1989". Dass diese Bestandsaufnahme deutscher Zweistaatlichkeit "gerade in jenen Monaten das Licht des Tages" erblickte, "als die DDR in sich zusammensank, war ein besonders skurriler Vorgang in der bundesdeutschen Bilanzierungsgeschichte. Auch für Historiker ferner Zeiten kann dieser Sammelband als Fundgrube für die ziemlich verschrobene Bewusstseinslage der Initianten und mancher Autoren dienen, die in der Bundesrepublik bezüglich der DDR herrschte", schreibt der emeritierte Bonner Politikwissenschaftler etwas süffisant, weil er bekanntlich nie zu den Verharmlosern von Ulbrichts und Honeckers Zwangsstaat von Moskaus Gnaden gehört hatte. Der Beitritt zur Bundesrepublik 1990 sei "eine Kapitulation des DDR-Systems" gewesen, auch wenn man sich am Rhein offiziell davor gehütet habe, den Vorgang so zu bezeichnen.

Der Band ist in drei Teile gegliedert. Zunächst werden "historische Abläufe und Konstellationen" unter die Lupe genommen: Zäsuren in der Geschichte der Bundesrepublik, die "unionsdominierten Bundesregierungen", die "SPD-dominierten Bundesregierungen", die beiden großen Koalitionen von 1966 und ab 2005, Weichenstellungen in der Besatzungszeit, der "sowjetisierte deutsche Teilstaat 1949 bis 1990", die Wiedervereinigung sowie Probleme der Einheit. Hervorzuheben ist die Analyse von Jochen Staadt über die deutsch-deutschen Beziehungen. Er weist darauf hin, dass das SED-Politbüro im August 1961 neun Tage nach Beginn des Mauerbaus den "faktischen Schießbefehl für die DDR-Grenzeinheiten" beschlossen habe; in der erläuternden Anlage des Beschlusses heißt es, "dass jeder, der die Gesetze unserer Deutschen Demokratischen Republik verletzt - auch wenn erforderlich - durch Anwendung der Waffe zu Ordnung gerufen wird". Dies habe das "Neue Deutschland" am folgenden Tag publik gemacht. Genüsslich widmet sich Staadt auch dem SED-SPD-Papier von 1987 und einem deutsch-deutschen Historikertreffen im Erich-Ollenhauer-Haus im selben Jahr.

Der zweite Teil ist den "Institutionen" gewidmet: Kanzlerdemokratie, Parlamentarismus, Bundesstaatlichkeit, Parteiensystem, Bundesverfassungsgericht, Wirkungen des Fernsehens (mit dem wenig überraschenden Ergebnis, die Fernsehberichterstattung sei "eine wesentliche Voraussetzung" für die regionale und nationale Bekanntheit von Politikern, so dass sie "ihr Handeln auch an den Bedingungen des Fernsehens" ausrichten) sowie "Republik und Armee: ein gespaltenes Verhältnis". Hier arbeitet Sönke Neitzel heraus, dass die neuen Aufgaben seit 1990 das Bild des Soldaten nachhaltig veränderten: "Er sollte nicht mehr sowjetische Panzermassen aufhalten, sondern als ,miles protector' im internationalen Einsatz schützen, retten und helfen. Die Betonung liegt dabei auf den beiden letzten Begriffen." Für die Bundesregierung werde es seit 1999 "immer schwieriger", die Streitkräfte aus Kampfeinsätzen herauszuhalten. Und in der Bundeswehr drücke man sich darum, über das Kämpfen und den Stellenwert der "klassischen" militärischen Tugenden zu sprechen. Die gesellschaftliche Debatte über die zukünftigen Streitkräfte stehe noch aus.

Im dritten Teil werden "Themenfelder" behandelt: vom Industrieland Deutschland über Globalisierung, Sozialstaat, Energiepolitik, Außenpolitik, Europäisierung der Bundesrepublik, Religionsgemeinschaften, "Frauen in Deutschland auf dem Weg in die Moderne" (mit dem Hinweis auf eine noch bis 1950 geltende Zölibatsregelung für Beamtinnen, die bei Heirat entlassen werden konnten, wenn der Ehemann als "Haupternährer" in der Lage war, seine Familie zu unterhalten), sowie "Kategorien und Probleme der Zuwanderung" bis hin zum Sport. Jörg-Dieter Gauger widmet sich dem "Verschwinden des kulturellen Gedächtnisses" durch die Schule. Er beklagt das Absenken der Leistungsanforderungen, die Verengung des Bildungsbegriffs auf ökonomisch Verwertbares oder gesellschaftlich Brauchbares, den offenkundigen Autoritätsabbau der Lehrer, die als "faule Säcke" und "Reichsferienmeister" diffamiert werden, aber auch die zunehmende Didaktisierung in der Lehrerausbildung bei zurückgehendem Fachwissen. Dahinter stecke "ja wohl der Gedanke, dass der Lehrer der Zukunft vor allem als Sozialtherapeut" agiert.

Den Abschluss des höchst informativen und sehr anregenden Sammelbandes bildet ein Aufsatz des Direktors der Bayerischen Landeszentrale, Peter März. Er lotet pointiert den "Ort der Bundesrepublik in der deutschen Geschichte" aus. Hierbei bezieht er Österreich ein: "Man mochte insbesondere in den siebziger Jahren den Anschein gewinnen, es habe im Resultat des Zweiten Weltkrieges in einem offiziösen Sinne sechs Siegermächte gegeben, neben den vier offiziellen Großmächten die sich ,antifaschistisch gereinigt' verstehende DDR und das erste Opfer des deutschen Nationalsozialismus, Österreich - während die Bundesrepublik Deutschland alleine für fatale Kontinuitäten deutscher Geschichte verantwortlich sei und zudem für wieder in Amt und Würden gerückte Eliten wie für ganz unzureichend erfüllte Wiedergutmachungsansprüche stehe". Österreich habe bis in die achtziger Jahre hinein gegenüber Israel eine "bemerkenswerte Kälte" gezeigt, "für die eine Mischung von imaginiertem eigenen Opferstatus und nicht selten anzutreffendem subtilen Antisemitismus wesentliche Beweggründe waren". Aber auch die DDR habe sich betont "antizionistisch" und propalästinensisch gegeben, "durchaus mit antisemitischen Untertönen in der SED-Nomenklatura".

März erinnert daran, dass große Teile der westdeutschen Sozialdemokratie die deutsche Zweistaatlichkeit "als förmlich axiomatische Voraussetzung sicherheitspolitischer Stabilität in Europa" interpretiert hätten, aber dass auch im Unionslager "die Wiedervereinigungsforderung gleichfalls vielfach lästig geworden" sei. Die Einheit sei zu einem Zeitpunkt gekommen, als sie "mental und kulturell gerade noch möglich war". Sodann wendet er sich entschieden gegen die Formel von der "Berliner Republik". Diese hebe "auf einen Staat ab, den es weder heute gibt noch künftig geben sollte: Einmal drückt sich hier so etwas wie distanzierende Verachtung gegenüber dem angeblichen Vorgängerstaat ,Bonner Republik' aus, dem Biederkeit, nationale Defizite, Untertänigkeit gegenüber Groß- und Siegermächten mit hypereilfertiger Integration und so etwas wie kleinbürgerlich-korpulente Provinzialität attestiert werden. Dabei tut man gut daran, im Blick auf Deutschland ,Provinz' positiv und keineswegs negativ zu deuten, nämlich als die Fülle jener regionalen Beheimatungen, die die materielle Voraussetzung für den deutschen Föderalismus und damit zugleich für die polyzentrische historische und politische Kultur in Deutschland überhaupt ist." Da schwingen wohl bayerische Ressentiments gegen eine zu machtvolle Bundesregierung mit, wie vor 60 Jahren.

RAINER BLASIUS

Hans-Peter Schwarz (Herausgeber): Die Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 60 Jahren. Böhlau Verlag, Köln 2008. 698 S. 39,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Den auf Anregung der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung entstandenen, von Hans-Peter Schwarz herausgegebenen Sammelband zur deutschen Geschichte seit 1949 findet Rainer Blasius sehr informativ und anregend. Blasius stellt uns die dreiteilige Gliederung des Bandes vor: "historische Abläufe und Konstellationen" (Teilung und Wiedervereinigung z. B.), "Institutionen" (Bundesstaatlichkeit, Parteiensystem etc.) und "Themenfelder" (Globalisierung, Religionsgemeinschaften usw.). Eine "pointierte" Verortung der Bundesrepublik in der deutschen Geschichte findet Blasius am Schluss des Bandes, im Aufsatz des Direktors der Bayerischen Landeszentrale, Peter März. Und ebenso echt bayerische Ressentiments gegen die Machtfülle einer "Berliner Republik" - "wie vor 60 Jahren", freut sich Blasius.

© Perlentaucher Medien GmbH