Der vergessene Sieg - Lehnstaedt, Stephan
Zur Bildergalerie
14,95 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Der Polnisch-Sowjetische Krieg ist die Urkatastrophe des osteuropäischen 20. Jahrhunderts. An seinem Ende stand eine labile Friedensordnung, deren Spannungen selbst durch den Zweiten Weltkrieg nicht aufgelöst werden konnten. Bis heute streiten die osteuropäischen Staaten um nationale Minderheiten und historische Grenzen - und der gegenwärtige Konflikt in der Ukraine wirkt geradezu wie eine Neuauflage der Kämpfe von vor einhundert Jahren. Nachdem polnische Truppen 1919 Kiew, Minsk, Wilna und große Teile des europäischen Russlands besetzt hatten, konnte die vom heimischen Bürgerkrieg geschwächte…mehr

Produktbeschreibung
Der Polnisch-Sowjetische Krieg ist die Urkatastrophe des osteuropäischen 20. Jahrhunderts. An seinem Ende stand eine labile Friedensordnung, deren Spannungen selbst durch den Zweiten Weltkrieg nicht aufgelöst werden konnten. Bis heute streiten die osteuropäischen Staaten um nationale Minderheiten und historische Grenzen - und der gegenwärtige Konflikt in der Ukraine wirkt geradezu wie eine Neuauflage der Kämpfe von vor einhundert Jahren.
Nachdem polnische Truppen 1919 Kiew, Minsk, Wilna und große Teile des europäischen Russlands besetzt hatten, konnte die vom heimischen Bürgerkrieg geschwächte Rote Armee zurückschlagen, die Ukraine erobern und erst vor Warschau mit knapper Not aufgehalten werden. Es war Józef Pi?sudskis "Wunder an der Weichsel", das heute so gerne als Rettung Europas vor dem Bolschewismus interpretiert wird. Doch damals ging es nicht um einen Konflikt zwischen Zivilisation und Barbarei, sondern um handfeste imperiale Ambitionen weit über Polen und Russland hinaus: Hunderttausende toter Soldaten und Zivilisten waren in ganz Osteuropa zu beklagen, riesige Landstriche wurden verwüstet, und wieder einmal sah man in den Juden die Ursache allen Übels. Stephan Lehnstaedt liefert die erste deutsche Untersuchung dieses Krieges und seiner bis in die Gegenwart reichenden Folgen. Er erzählt keine russische Geschichte, sondern die Auseinandersetzung Polens und der Ukraine mit ihrem übermächtigen Nachbarn, die für das Verständnis des heutigen Osteuropas so wesentlich ist.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Paperback 6356
  • Verlag: Beck
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 217
  • Erscheinungstermin: September 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 123mm x 20mm
  • Gewicht: 229g
  • ISBN-13: 9783406740220
  • ISBN-10: 3406740227
  • Artikelnr.: 56007772
Autorenporträt
Stephan Lehnstadt ist Professor für Holocaust-Studien und Jüdische Studien am Touro College Berlin.
Inhaltsangabe
Inhalt Prolog

1. Osteuropa am Ende des Ersten Weltkriegs
2. Das lange Jahr 1919
3. "Mi?dzymorze" - Zukunftsvorstellungen für ein Polen "zwischen den Meeren"
4. Die Ukraine: Aufgerieben zwischen Polen und Russland
5. Expedition nach Kiew
6. Die Rote Armee marschiert nach Warschau
7. Zwischen allen Fronten: Juden und andere Zivilisten
8. Die Schlacht um Warschau
9. Helden und Versager: Der Pi?sudski-Mythos und die Schuldzuweisungen in der Sowjetunion
10. Die Flucht der Roten Armee und die letzten Kämpfe um ein polnisches Imperium
11. Der Friedensvertrag von Riga
12. Bewunderer und Revisionisten - Das Erbe des Krieges
13. Der Polnisch-Sowjetische Krieg heute

Dank - Anmerkungen - Archivalien - Literaturverzeichnis - Bildnachweis - Register - Karten
Rezensionen
"Es ist das große Verdienst dieses Buches, ein Licht auf die bis heute nachwirkenden Verheerungen des polnisch-sowjetischen Krieges von 1919 bis 1921 zu werfen." Hessische Allgemeine "Der Spezialist für den Holocaust [erklärt] zentrale Rahmenbedingungen für den Zweiten Weltkrieg." Welt online, Berthold Seewald

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.01.2020

Piłsudskis
kurzer Traum
Stephan Lehnstaedt beschreibt
den polnisch-sowjetischen Krieg
Im August 1919 trug sich östlich von Warschau das „Wunder an der Weichsel“ zu. Gemeint ist der knappe, im Westen fast vergessene Sieg der polnischen Truppen unter ihrem Oberbefehlshaber Józef Piłsudski über die Rote Armee, die in den Wochen zuvor die Polen Hunderte von Kilometern vor sich her nach Westen getrieben hatte. Vorher waren die polnischen Einheiten nach Osten vorgestoßen. Polnische Soldaten besetzten Kiew und Lemberg, Minsk in Weißrussland und Wilna, das auch Litauen und Weißrussland für sich beanspruchten. Piłsudski, einst sozialistischer Revolutionär, nun gleichzeitig Staatsoberhaupt und oberster Militär, schwebte ein erneuertes Großpolen vor – so groß wie die polnisch-litauische Adelsrepublik, die bis 1795 bestanden hatte.
Nach dem Ersten Weltkrieg waren im Westen des ehemaligen Zarenreiches sieben neue Staaten entstanden: Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, die Ukraine und Polen. Frieden herrschte hier in den Jahren 1919/20 fast nirgends, die ehemaligen Untertanen dreier Kaiser kämpften untereinander und gegeneinander um Grenzen und Einfluss. Leidtragende der exzessiv um sich greifenden Gewalt war die Bevölkerung, besonders die Juden; sie galten als Volksverräter und Kommunistenfreunde. Und fast überall mussten sich die neuen Staaten gegen die andrängenden Bolschewiki wehren. Für diese war dieser Krieg ein Teil des Bürgerkriegs, den sie seit der Oktoberrevolution austrugen, und in dem es um die Macht ging.
Der Historiker Stephan Lehnstaedt behandelt in seinem schmalen, lehrreichen Buch einerseits den militärischen Hauptkonflikt jener Jahre: Polen gegen Russland, die beiden stärksten Mächte im sich neu formierenden Osteuropa, jeweils auf der Suche nach einer Ost- bzw. Westgrenze. Sein Hauptaugenmerk richtet Lehnstaedt aber auf die Ambitionen Polens und der Ukraine, nicht wie in Deutschland üblich auf Russland. Für Piłsudski ging es um Polens Macht und Größe gegen die Ansprüche Russlands, wie Lehnstaedt betont, und nicht darum, den Bolschewismus aufzuhalten, wie ein wohlgepflegter polnischer Mythos es will: Polen, der Retter des christlichen Abendlandes gegen den gottlosen Kommunismus.
Aus Piłsudskis Großpolen-Traum wurde nichts, immerhin aber hatte der neue Staat im Friedensvertrag von Riga 1921 Bestand, weit über die 1919 nach dem britischen Außenminister Curzon benannte Demarkationslinie zu Russland hinaus. Verlierer waren die Ukrainer genau wie die Weißrussen, deren Länder Sowjetrepubliken wurden. Immerhin fand Ostmitteleuropa bis 1939 einen fragilen Frieden. Die Wurzeln heutiger Animositäten und Ängste dort reichen bis in diese Zeit, das wird in Lehnstaedts sehr empfehlenswertem Buch deutlich.
CORD ASCHENBRENNER
Stephan Lehnstaedt:
Der vergessene Sieg. Der Polnisch-Sowjetische Krieg 1919–1921 und die Entstehung des modernen Osteuropa. Verlag C.H.Beck, München 2019. 217 Seiten, 14,95 Euro.
E-Book: 11,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr