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Wir schreiben das Jahr 1968. Alexander Dubek versucht als Parteichef der Kommunistischen Partei, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu schaffen. Es droht der Einmarsch von 250.000 Warschauer Paktkräften unter Leitung der Sowjetunion. Nach dem Mord an ihrem Kontaktmann gerät der amerikanische Geheimdienst in Gefahr, die Information über den Zeitpunkt des Einmarsches zu verlieren. Ihr Mann in Prag, Josef Blaha, besteht auf einem sicheren Kontakt in den Westen. CIA-Veteran Allan Curtis setzt den Jazzmusiker Gene Williams unter Druck, der zum Prague Jazz Festival eingeladen ist, für den…mehr

Produktbeschreibung
Wir schreiben das Jahr 1968. Alexander Dubek versucht als Parteichef der Kommunistischen Partei, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu schaffen. Es droht der Einmarsch von 250.000 Warschauer Paktkräften unter Leitung der Sowjetunion. Nach dem Mord an ihrem Kontaktmann gerät der amerikanische Geheimdienst in Gefahr, die Information über den Zeitpunkt des Einmarsches zu verlieren. Ihr Mann in Prag, Josef Blaha, besteht auf einem sicheren Kontakt in den Westen. CIA-Veteran Allan Curtis setzt den Jazzmusiker Gene Williams unter Druck, der zum Prague Jazz Festival eingeladen ist, für den amerikanischen Geheimdienst zu arbeiten. Als Blaha ermordet wird, beginnt für Williams und Blahas Enkelin Lena ein Rennen um die Zeit, weil es einen Verräter in der US-Botschaft gibt.
Autorenporträt
Bill Moody wurde in Webb City, Missouri geboren und wuchs in Santa Monica, Kalifornien, auf. Nach vier Jahren in der United States Air Force studierte er am Berklee College of Music in Boston. Seine Karriere als professioneller Schlagzeuger begann er in einer südkalifornischen Surfband und startete im Trio mit dem Pianisten Junior Mance und dem Sänger Jimmy Rushing seine Karriere als Jazzmusiker. Er lebt in North-California, wo er kreatives Schreiben an der Sonoma State University lehrt, und ist Autor der Evan-Horne-Reihe: Auf der Suche nach Chet Baker, Bird lives, Solo Hand und Moulin Rouge, Las Vegas.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 31.08.2015

DIE KRIMI-KOLUMNE
Bill Moody lässt einen
Spion Jazz spielen
„Hören Sie“, sagt der junge Mann, der in die amerikanische Botschaft in London bestellt wurde und dort von einem CIA-Mann gebeten wird, ein wenig bei der heimlichen Informationsbeschaffung mitzuhelfen in Prag, „ich verstehe Ihr Anliegen, aber ich bin einfach . . .“ Dann hält er inne und versucht, seine Absage mit einer Anleihe bei Herman Melville elegant zu gestalten: „Ich möchte lieber nicht.“
  Der Mann ist der amerikanische Schlagzeuger Gene Williams, auf dem Weg zum Internationalen Jazzfestival in Prag, er hat in London Zwischenstation gemacht und im berühmten Club Ronnie Scott’s spielen dürfen. Es ist Mitte August 1968, die Sowjets sind schon ziemlich gereizt wegen der Reformen Alexander Dubčeks und bereiten den Einmarsch in die Tschechoslowakei vor, das weiß die CIA, aber was sie nicht weiß und unbedingt rauskriegen muss, ist der Zeitpunkt. Der Informant in Prag allerdings besteht darauf, unbedingt einen Kontaktmann zu bekommen, der nicht aus den Reihen der Agency ist.
  Es ist natürlich nicht das letzte Wort, das Gene Williams – er trägt den Vornamen in Erinnerung an den großen Gene Krupa – in Sachen CIA-Kollaboration sagen kann. Er fährt nach Prag, nimmt dann doch Kontakt mit dem CIA-Informanten dort auf, der wird ermordet, Gene wird vom feindlichen Geheimdienst in die Zange genommen, er muss nun also Eigeninitiative entwickeln und steigt schließlich gar zu Dubček ins Auto . . .
  Bill Moody, Jahrgang 1941, hat selbst am Schlagzeug beim Internationalen Jazzfestival in Prag gespielt – man war durchaus begierig in den Sechzigern auf die neue Musik aus dem Westen – und hat den Einmarsch selbst miterlebt. 1987 hat er den Roman dazu geschrieben, der allerdings damals, weil der vorgesehene Verlag abbrannte, nicht erscheinen konnte. Moody hat dann für eine Serie von Krimis den detektivischen Jazzpianisten Evan Horne kreiert, sieben Romane, von denen drei auch auf Deutsch herauskamen. 2012 hat sich dann auch ein Verlag für „Der Spion, der Jazz spielte“ gefunden.
  Das Buch hat den Rhythmus einer Jazzperformance, ganz liebevoll, ein wenig introvertiert: „Der Bassist spielte eine solide, dröhnende Walking Line. Mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen bot der Pianist den Bläsern Akkorde an wie ein Handelsreisender, der mit seiner Mustermappe hausieren ging. Wie wär’s mit diesem? Nein? Ok, dann versuch’s mal mit dem hier. Gene spürte dem Puls nach, schlug auf das Ride-Becken und hielt alle im Zaum . . .“ Hier müssen die Professionals und die Amateure zusammenarbeiten, das geht nur mit Improvisation. Was die Professionals immer wieder überfordert und die Amateure angenehm stimuliert. Natürlich hat der CIA-Mann in der Londoner Botschaft Gene gleich verstanden und kontert mit dem Titel der Melville-Geschichte: „Bartleby.“
FRITZ GÖTTLER
Bill Moody: Der Spion, der Jazz spielte. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Polar Verlag, Hamburg 2015. 279 Seiten, 14,90 Euro, E-Book 12,90 Euro.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.10.2015

Herbst der Agenten
In Kürze: Bill Moody, Veit Etzold, Andreas Kollender

Mag schon sein, dass in einem Genre, das von Thrill und Verbrechen lebt, Nostalgie nichts zu suchen hat. Aber wenn man einen Roman liest, der im Prager Frühling spielt, in der Welt des Kalten Krieges, wenn dieser Roman auch noch "Der Spion, der Jazz spielte" (Polar Verlag, 280 S., br., 14,90 [Euro]) heißt, dann stellt sich zumindest beim Leser eine leichte nostalgische Stimmung ein. Bill Moody, der Jazzdrummer und Schriftsteller, hätte sein Buch ja gern auch viel früher veröffentlicht, es sollte bereits 1987 herauskommen, doch dann ging der Verlag pleite, und der Eiserne Vorhang fiel. So vergingen eben mal fünfundzwanzig Jahre, bis sich ein amerikanischer Verlag fand.

Moody hatte 1968 am Prager Jazzfestival teilgenommen und eine Weile in Brünn gelebt. Er ist voller Empathie für die Hoffnungen, die blühten, er kennt das Flair der Freiheit, das die Menschen veränderte. Sein Protagonist ist ein amerikanischer Jazzdrummer, der im August 1968 nach Prag reist. Die CIA erpresst ihn mit einer Lüge, damit er für sie tätig wird. So gerät dieser unpolitische Gene Williams ins Getriebe mehrerer Geheimdienste. Seinen Kontaktmann, der exakte Angaben zum drohenden Einmarsch der Sowjets liefern soll, findet er ermordet auf. Er tut sich mit dessen Enkelin zusammen, um seine Haut zu retten. Er begegnet sogar kurz Alexander Dubcek und ist auf der Straße, als die sowjetischen Panzer durch Prag rollen. Es ist eine altmodische Agentenwelt, mit toten Briefkästen statt verschlüsselter Mails, Beschattung ohne GPS und ohne Mobiltelefone. Weil Moody klar, unprätentiös und mit Gespür für Spannung und Rhythmus schreibt, taucht man gerne noch mal ein in diese analoge Welt, so wie man ab und zu einen alten Le-Carré-Roman wieder liest oder sich einen alten Agentenfilm anschaut.

Veit Etzold, der es mehrfach in die Bestsellerlisten geschafft hat, weiß als Absolvent einer Business School und nebenberuflicher Unternehmensberater, wie die Finanzwelt funktioniert, auch wie man zum Beispiel ein Labyrinth von Firmen konstruiert, in dem schmutziges Geld spurlos verschwindet. Auf seiner Homepage inszeniert er sich als Stratege des Erzählens wie der Kapitalvermehrung mit dem Spruch: "To tell is to sell". "Todesdeal" (Droemer TB, 480 S., br., 14,99 [Euro]) verwertet die ökonomische Expertise in einem gut geölten Plot, der mehrere Erzählstränge integriert und durch rasche Schauplatzwechsel und Cliffhanger angetrieben wird. Fluchtpunkt der Story ist die rohstoffreiche Demokratische Republik Kongo, ein Land nicht weit vom "failed state", in dem chinesische, russische und sogar deutsche Interessen aufeinanderprallen.

Das ist alles interessant und aktuell, wie frisch vom Newsdesk geholt. Die Probleme beginnen, wo Charaktere mit Motiven, Gefühlen und Gedanken ins Spiel kommen müssen, die mehr sind als Vollzugsorgane eines Plots. Da wird es dann schnell sehr dünn. Die beiden deutschen Journalisten gleichen Karikaturen, der eine verfällt einer natürlich schönen, traurigen, dunkeläugigen Chinesin, während er sich zwischen den Fronten verirrt; der kongolesische Warlord springt wie der Schachtelteufel aus der Geisterbahn, der deutsche Staatssekretär und der reiche, verschlagene Russe wirken so, wie der kleine Moritz sich Mann und Milieu vorstellt. Etzold hat auch einen leichten Hang zur schlauen Sentenz. Und sein nassforscher Stil produziert mehr Floskeln, als auf Dauer guttun. In technischer Hinsicht funktioniert die Thriller-Konstruktion durchaus - man muss dabei bloß immer an ein selbstfahrendes Auto voller Crashtest-Dummys denken.

Warum es "Kolbe" (Pendragon, 448 S., br., 16,99 [Euro]), der Roman von Andreas Kollender, auf die Krimi-Bestenliste gebracht hat, ist leicht zu verstehen. Er ist nicht nur spannend, gut recherchiert und gut geschrieben; sein Titelheld ist eine historische Person, die es erlaubt, in einer Geschichte aus Krieg und Nationalsozialismus einen deutschen Helden zu finden. Vielleicht war dieser Fritz Kolbe, ein kleiner Beamter im Auswärtigen Amt, nicht der wichtigste Spion, aber er war einer, der den Amerikanern von 1943 an über die Schweiz hochbrisantes Material lieferte. Schon als Kolbe 1939 aus Südafrika nach Berlin zurück musste, hasste er die Nazis, er war fleißig, unauffällig und effizient, bis er 1943 in der Wilhelmstraße eine Position erreicht hatte, die Zugang zu wichtigen geheimen Dokumenten bot.

Die Liebesgeschichte mit einer Gleichgesinnten und die Schuldgefühle des Vaters, der die Tochter in Deutsch-Südwest zurückließ, hält Kollender in einer sorgfältig austarierten Balance mit den riskanten Aktionen des Spions, den man nicht liebte. In den diplomatischen Dienst durfte Kolbe nach dem Krieg nicht mehr zurück. Mit Helden wie ihm wollte man im verdrängungsseligen Nachkriegsdeutschland keinen Staat machen. Erst Joschka Fischer erinnerte an ihn, als er während seiner Amtszeit einen Saal im Auswärtigen Amt nach Fritz Kolbe benannte. Dem Roman wünscht man eine größere öffentliche Wirkung.

PETER KÖRTE

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