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Ein Schriftsteller bekommt ein geheimes Manuskript zugespielt, das seit Jahren in New Yorker Verlagskreisen zirkuliert, doch keiner wagt sich an die Veröffentlichung; zu brisant und intim sind diese Aufzeichnungen von Clyde Tolson, des zweiten Manns des FBI und Stellvertreters John Edgar Hoovers. Die Geschichte, die darin erzählt wird und die wir lesen, ist atemberaubend: John Edgar Hoover war der gefährlichste Mann der USA, weil er durch seine geheimen Abhöraktionen alles wußte und jeden in der Hand hatte. Hoover, der oberste Mann des Federal Bureau of Investigation prägte ein halbes…mehr

Produktbeschreibung
Ein Schriftsteller bekommt ein geheimes Manuskript zugespielt, das seit Jahren in New Yorker Verlagskreisen zirkuliert, doch keiner wagt sich an die Veröffentlichung; zu brisant und intim sind diese Aufzeichnungen von Clyde Tolson, des zweiten Manns des FBI und Stellvertreters John Edgar Hoovers. Die Geschichte, die darin erzählt wird und die wir lesen, ist atemberaubend: John Edgar Hoover war der gefährlichste Mann der USA, weil er durch seine geheimen Abhöraktionen alles wußte und jeden in der Hand hatte. Hoover, der oberste Mann des Federal Bureau of Investigation prägte ein halbes Jahrhundert von 1924 bis 1972 die amerikanische Geschichte und überlebte in seiner Amtszeit 8 Präsidenten und 18 Justizminister. Seine Polizei- und Geheimdienstorganisation schreckte vor nichts zurück, seine Geheimakten beinhalteten erpresserisches Material über die wichtigsten Persönlichkeiten. Berüchtigt für seine peinlichen Mc Carthy Exzesse, ging er mit der Mafia auffällig zurückhaltend um.Der Roman Marc Dugains widmet sich der faszinierenden Biographie des FBI-Direktors Hoover aus dem Blickwinkel seines engsten Mitarbeiters, und wie wir heute wissen, Lebenspartners Clyde Tolson. Ein ungleiches Paar, das Truman Capote einmal treffend Jonny und Clyde nannte. Dugains Roman über die andere, dunkle Seite der amerikanischen Politik zeichnet ein spannendes Panorama einer bewegten Zeit, eine skandalöse und erschreckende Geschichte über zynische Realpolitik, die Verstrickungen bekannter Politiker wie JF Kennedy mit den Mafiagrößen der Zeit und eines skrupellosen Mannes.
  • Produktdetails
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
  • Seitenzahl: 399
  • Erscheinungstermin: 29. Mai 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 450g
  • ISBN-13: 9783627001476
  • ISBN-10: 3627001478
  • Artikelnr.: 22793905
Autorenporträt
Marc Dugain, geb. 1957 im Senegal, studierte Politik und arbeitete als Manager für Proteus Airlines, die er nach seinem erfolgreichen Roman verließ.
Rezensionen
Besprechung von 05.01.2008
Der Makel des Saubermanns
Marc Dugains Roman über den FBI-Chef Edgar Hoover
Spätestens seit „Die Offizierskammer”, Marc Dugains vielfach ausgezeichneter Roman über ein deutsch-französisches Schicksal im 20. Jahrhundert, glaubte man den Franzosen als Spezialisten historischer Romane über die Weltkriege identifiziert zu haben. Dem Genre ist Dugain mit seinem neuen Werk „Der Fluch des Edgar Hoover” treu geblieben. Allerdings spielt sein vierter Roman in Amerika und gräbt in den Kulissen des FBI, der obersten Polizeibehörde des Landes. Es geht um Verschwörungen, Morde und die Mafia, um die Familie der Kennedys und vor allem um den langjährigen FBI-Chef Edgar Hoover, dem großen Intriganten der amerikanischen Geschichte zwischen 1924 und 1972.
Wie der Amerikaner James Ellroy, der sich bereits vor zwölf Jahren in „Ein amerikanischer Thriller” mit den dunklen Kapiteln der amerikanischen Politik in den sechziger Jahren beschäftigte, setzt auch Marc Dugain seine Geschichte in die Rahmenhandlung eines klassischen Romans: die (fiktiven) Lebenserinnerungen von Edgar Hoovers (realem) Assistenten Clyde Tolson werden im Prolog für einen lächerlichen Preis an einen Filmproduzenten verscherbelt, den die Zweifel über die Authentizität des Textes nicht abschrecken. Ein fragwürdiger Anfang für einen historischen Roman, denn immerhin sind die Eckdaten des nachstehenden Berichts längst belegt. Der Ich-Erzähler, Hoovers Assistent Tolson, beschreibt in seinen Erinnerungen, wie der FBI die amerikanische Administration bewusst unterwanderte, hochrangige Politiker mit Hilfe von konspirativ erstellten Abhörprotokollen unter Druck setzte und so die politischen Geschicke des Landes weitgehend in der Hand hielt.
Lüge, Verrat, Opportunismus und Doppelmoral, das sind die Gesetze, die in diesem Roman, der, zugegeben, gerne mit dem groben Keil arbeitet, nicht nur die politische Klasse in Amerika bestimmen. Es sind auch die Eigenschaften, die FBI-Chef Edgar Hoover auf geradezu diabolische Weise auf sich vereint. Hoover saß als Chef des Inlandsgeheimdienstes nicht nur fast 50 Jahre lang an den Hebeln der Macht, er schwang sich gleichzeitig auf zum Statthalter der öffentlichen Moral. Paranoider Antikommunismus traf hier auf eine diffuse Abwehr von allem, was nicht den streng-christlichen Moralvorstellungen des puritanischen, weißen Amerikas entsprach. Edgar Hoover, der sein homosexuelles Verhältnis zu Tolson zeitlebens verheimlichte, wird in Dugains Roman zur Symbolfigur einer Sittenstudie, in der der Autor ein düsteres Doppelporträt einer maroden Großmacht und einer doppelbödigen öffentlichen Moralvorstellung zeichnet.
Jenseits der bekannten Fakten über die ambivalente Politik der Amerikaner gegenüber Nazideutschland, die verkappten Invasionsversuche auf Kuba, die Kapitulation der USA angesichts des Berliner Mauerbaus, die enge Verbandelung der Kennedy-Familie mit der Mafia oder die Morde an JFK und seinem Bruder Bob, liefert Dugain Gesellschaftsroman und Charakterstudie in einem. Die psychologische Dimension des Romans tritt vor allem dann zu Tage, wenn Clyde Tolson über Hoovers Verhältnis zu seiner eigenen Homosexualität berichtet. Schnell wird klar: Hier kämpft ein von Selbsthass getriebener Mann mit um so drastischerer Härte und Skrupellosigkeit für ein moralisches Amerika, um so seinen vermeintlichen Makel zu kompensieren. Hoover ist der Mensch, den man „liebt zu hassen”, wie es in Hollywood heißt.
Über weite Strecken hält „Der Fluch des Edgar Hoover” die Spannung zwischen Weltgeschehen, einer korrumpierten Großmacht und den Niederungen einer Seele, die die Macht zerstört hat. Und doch erkennt man in diesem stilechten Genreroman stets einen etwas französelnden Vorbehalt gegenüber der Großmacht Amerika. Die USA, so der Grundtenor, ist eine Scheindemokratie, die schon ab 1940 den Grundstein zum modernen Überwachungsstaat legte. Sein Erfinder war ein bemitleidenswert unglücklicher Mensch: Edgar Hoover.
CORNELIUS WÜLLENKEMPER
MARC DUGAIN: Der Fluch des Edgar Hoover. Aus dem Französischen übersetzt von Michael Kleeberg. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2007. 400 Seiten, 24,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Besprechung von 08.11.2007
Mutter Hoover war an allem schuld

Antiamerikanismus lassen wir uns gefallen, wenn er geistvoll daherkommt. Doch Marc Dugain lässt in seinem Buch über den FBI-Chef J. Edgar Hoover kein Klischee aus - kein Epochenporträt, ein Pamphlet aus zweiter Hand.

Bei einem ungewöhnlich schlechten Buch stellen sich gleich mehrere Fragen. Warum genau ist es so missraten? Wie hat es einen Verlag gefunden? Und wie einen Übersetzer - in diesem Fall den Schriftsteller Michael Kleeberg, der mit seinen Übersetzungen von Barbey d'Aurevilly und Joris-Karl Huysmans früher einmal bessere Fracht geladen hatte?

Die erste Frage ist leicht zu beantworten. Wer einen Roman schreibt, sollte die Lebenswelt kennen, in der er seine Handlung ansiedelt, er sollte den Ton der Menschen im Ohr haben, die Arten ihres Redens und Schweigens. Ihre Landschaft, ihre Behausungen, ihr Geschmack, ihr Geruch müssen sprechen. Der Romancier muss ein Minimum von Loyalität seinen Figuren gegenüber aufbringen, nicht, um sein Personal weichzuzeichnen oder schönzufärben, sondern um es dem Leser nahezubringen, mag es sich auch hundertmal um Ritter von der traurigen Gestalt oder schlimme Unholde handeln.

Marc Dugain, der einen Roman über den legendären FBI-Chef J. Edgar Hoover geschrieben hat - aber hier stocken wir schon, der Titel des Buches lässt ja die Namensinitiale weg und spricht knapper von "Edgar Hoover" -, Marc Dugain wurde 1957 im Senegal geboren, war im Pariser Investmentgeschäft tätig und lebt heute nach Verlagsinformationen in Marokko. Was befähigt ihn, einen Roman über die Vereinigten Staaten zu schreiben, nein mehr: über das halbe amerikanische Jahrhundert, das Hoovers Amtszeit umfasst? Woher hat er seine Kenntnisse des amerikanischen Lebens? Aus zweiter Hand, so viel ist sicher. Er mag viel über seinen Gegenstand gelesen haben, manches vom Hörensagen kennen, anderes vielleicht aus Wikipedia. Zu einem Amerika-Roman befähigt ihn: nichts.

Aber sehen wir näher hin. Der Prolog entwickelt eine Herausgeberfiktion: Dieser Roman sei gar kein Roman, sondern das nachgelassene Memoirenwerk von Hoovers rechter Hand Clyde Tolson, der Nummer zwei des FBI. "Was wir wollen", erklärt der aus New Orleans angereiste Mann, der das Tolson-Manuskript für einen Spottpreis erwerben will, "ist, eine bestimmte Epoche unserer Geschichte zu untersuchen, in der Paranoia, Schizophrenie, Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus im Schatten unserer ursprünglichen Gründerzeit-Prüderie ihr Unwesen trieben."

Genau darum geht es nun wirklich - wir haben es mit einem Enthüllungswerk zu tun, einer chronique scandaleuse. Im Verlauf der Erzählung werden Hoover der Reihe nach alle im Prolog erwähnten Sünden in den Mund gelegt, primitivste Hetzreden von solcher Art, dass der Leser mehr oder weniger sanft gezwungen wird, sich die linke, im amerikanischen Sprachgebrauch "liberale" Ansicht der Geschichte zu eigen zu machen. Hoover, so will es uns Dugains Roman nahelegen, war ein zu spät psychoanalysiertes Monstrum, ein amerikanischer Dämon, der in seinem Wahn überall Bedrohungen sehen wollte. Ein Kontrollfreak. Ein Feind des Guten, also Pazifistischen.

Tolsons "Erinnerungen", die dem Prolog folgen, beginnen gleich im ersten Satz buchstäblich mit Dreck: "Der Mann, der sich an jenem Abend unserem Tisch näherte und dabei versuchte, hinter seiner massigen Gestalt ein sehr junges Mädchen zu verbergen, strahlte dieselbe Entschlossenheit aus wie ein einzelgängerischer Keiler, der bei Anbruch der Nacht seine Suhle verlässt." Das Bild gibt den Ton vor: Das Schweinische und Geile, der Morast dominieren in Dugains Blick auf die Vereinigten Staaten. Und gegen Ende, in der Ära Nixon, werden wir Zeugen eines gealterten Hoover, der sich in einem privaten Vorführraum "schmutzige Filme" ansieht und der keinen Tag vergehen lässt, ohne über Tolson "einen Kübel Unrat" auszuschütten.

Parallel zu Hoovers wachsender Macht im Staat, seiner Leitung des FBI, die von 1924 bis 1972 dauerte, schildert Dugain den Aufstieg der Familie Kennedy. Auf Joseph "Joe" Kennedy, den Vater des Präsidenten, fällt ein besonders böser Blick - der ältere Kennedy war in den dreißiger Jahren ein Fürsprecher des "Appeasements", folglich auf der falschen Seite. Dann kommen John und Jackie, Bobby, Nixon, die Atomspione, der Senator McCarthy, die Mafia, Oswald, Verschwörungen und Gegenverschwörungen, Hippies, Vietnam. Und Hoover hört immer mit, hört ab. Man kennt den Stoff und die Epoche aus den unvergleichlich höher stehenden Romanen von Gore Vidal, der den Vorteil hat, von einer Klasse zu berichten, der er entstammt und die er kennt wie kein anderer.

Das Rätsel des "Fluchs", so will es der Roman, sei Hoovers ängstlich verschwiegene Homosexualität. Dugains Darstellung folgt dem Gerücht, dass Tolson Hoovers Lebenspartner war. Als Stimme höherer Weisheit tritt gegen Ende ein Psychoanalytiker auf, den Hoover - ach, viel zu spät! - konsultiert. Nach der erwartbaren Kritik an der "vorherrschenden Sexualmoral, die wir von der Kirche geerbt haben", folgt die Diagnose: fehlgeleitete Beziehung zu Mutter Hoover. Oder, professionell gesagt: "Sie sind niemals fähig gewesen, das tatsächliche Geschlecht Ihrer Mutter anzuerkennen . . . In Ihrer Logik ist das andere und begehrte Geschlecht nicht das einer Frau, sondern das Ihrer Mutter, die Sie sich mit einem Penis denken." Versteht sich, dass Hoover auch diesen einsichtsvollen Mann für "subversiv" hält. Dugains Werk, eine Versammlung von Klischees, ist motiviert vom Hass. Zu schmale Grundlage für einen Roman! Und darum ist dieses Buch nicht nur schlecht: Es ist schmutzig.

LORENZ JÄGER

Marc Dugain: "Der Fluch des Edgar Hoover".

Roman. Aus dem Französischen übersetzt von

Michael Kleeberg. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2007. 400 S., geb., 24,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Kein gutes Haar lässt Rezensent Lorenz Jäger an Marc Dugains Roman über den FBI-Chef J. Edgar Hoover. Ja, er ist regelrecht angewidert von dem Buch. Der Autor scheint ihm durch nichts zu einem Roman über Amerika qualifiziert zu sein. Alles wirkt auf ihn angelesen, wie aus zweiter Hand. Er geißelt den Mangel an Nähe, Anschaulichkeit, Vertrautheit mit der dargestellten Lebenswelt und das Fehlen eines "Minimums an Loyalität" gegenüber seinen Figuren. Schlimmer noch findet er den klischeehaften, geistlosen Antiamerikanismus, der seiner Ansicht nach das gesamte Buch durchzieht, und die primitive Darstellung Hoovers als beschädigtes, bösartiges, perverses, verdrängt homosexuelles Monstrum. Das "Schweinische" und "Geile" dominieren in seinen Augen den Blick Dugains auf die USA. Motiviert sieht er den Roman letztlich durch Hass. Deshalb fällt sein Urteil ungnädig aus: ein Buch, das nicht nur schlecht sei, sondern "schmutzig".

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