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In einem Fünfsternehotel, mitten im Frankfurter Bankenviertel steht ein Mann hinter einem marmornen Tresen, der sein Glück gefunden hat: Herr Carl kümmert sich als Chefconcierge des "Frankfurter Hofs" um die Wünsche anderer und das mit großer Freude.
Dies ist seine Geschichte: Er erzählt, wie er seinen Platz im Leben gefunden hat und warum er so zufrieden ist. Er erzählt von spannenden Begegnungen und der Freude am Wünsche erfüllen, kurz: warum er, der längst in Rente sein könnte, es vorzieht, jeden Tag im Foyer eines Grand-Hotels zu stehen und zu sagen: "Machen Sie sich keine Sorgen, ich kümmere mich darum."…mehr

Produktbeschreibung
In einem Fünfsternehotel, mitten im Frankfurter Bankenviertel steht ein Mann hinter einem marmornen Tresen, der sein Glück gefunden hat: Herr Carl kümmert sich als Chefconcierge des "Frankfurter Hofs" um die Wünsche anderer und das mit großer Freude.

Dies ist seine Geschichte: Er erzählt, wie er seinen Platz im Leben gefunden hat und warum er so zufrieden ist. Er erzählt von spannenden Begegnungen und der Freude am Wünsche erfüllen, kurz: warum er, der längst in Rente sein könnte, es vorzieht, jeden Tag im Foyer eines Grand-Hotels zu stehen und zu sagen: "Machen Sie sich keine Sorgen, ich kümmere mich darum."
  • Produktdetails
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Artikelnr. des Verlages: 2413, Best.-Nr.2413
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 235
  • Erscheinungstermin: 20.10.2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 200mm x 120mm
  • Gewicht: 336g
  • ISBN-13: 9783785724132
  • ISBN-10: 3785724136
  • Artikelnr.: 29611772
Rezensionen
Besprechung von 01.10.2010
Gestatten, der deutsche Jeeves

Jürgen Carl, Concierge im Hotel "Frankfurter Hof", liebt seine Gäste, schöne Literatur und die Buchmesse. Jetzt legt er einen Band mit Erinnerungen vor.

Es ist das unzeitgemäßeste Buch, das sich denken lässt. Während Julia Roberts die Zuschauer von "Eat Pray Love" im Kino dazu ermutigt, aus jeder Regung ihres Gemüts eine Fernreise zu machen, veröffentlicht Jürgen Carl, Concierge in einem der besten, dienstlich also anspruchsvollsten deutschen Hotels, ein Buch mit dem Untertitel "Vom Glück, für andere da zu sein". Das Glück, von dem hier die Rede ist, hat ihn jahrzehntelang in der Halle des "Frankfurter Hofs" festgehalten und, weit vor der Beachtung seines eigenen Wohls, in der Sorge um das anderer Menschen bestanden. Genau in dieser Position, so die am stärksten aus der Zeit gefallene Betrachtung des Buches, hat Carl seinen Platz gefunden. Dabei muss man in seiner Stellung, wie er selbst es ausdrückt, fortwährend dazu bereit sein, den "Blitzableiter" für das Gästegewitter zu geben, das durch die Hotels dieser Welt tobt. Das ist anstrengend, gibt der Tätigkeit des Concierge aber auch eine Bedeutung, aus der Carl ein gerüttelt Maß beruflichen und persönlichen Stolzes zieht: "Er schützt das Haus."

Den "Frankfurter Hof" beschützt Jürgen Carl seit mehr als vierzig Jahren. Jeder, der ihn kennt, wird bestätigen, dass er zu den freundlichsten und höflichsten Menschen gehört, die man sich vorstellen kann. Man darf daher davon ausgehen, dass er in den langen Jahren seiner Berufstätigkeit mehr menschliche Dummheiten mit ansehen musste, als er hier beschreibt. Dabei haben Berichte darüber, wie Menschen sich in Hotels danebenbenehmen, schon immer zu den Themen gehört, die bei Menschen außerhalb der Hotels auf großes Interesse stoßen.

Keine Neugier dieser Art wird in Carls Buch befriedigt. Gäste, die in der Vergangenheit seinen Standards nicht genügen konnten, finden sich in seinem Buch nur hier und da und ohne Nennung ihres Namens wieder. Wer sich hervorragend verhalten hat, wird meist ebenfalls anonym gelobt. Ausschließlich Menschen, die ohnehin jeder kennt und die sich besonders gut benommen haben, kommen mit ihrem vollen Namen vor. Caterina Valente zum Beispiel, die den unerfahrenen jungen Hoteldiener durch die Freundlichkeit bezaubert, mit der sie über seine Einmischung in ihr Gespräch mit einem anderen Gast hinweggeht. Oder Margaret Thatcher, die nach ihrem Aufenthalt einen Brief schickt, in dem sie nicht nur dem Management, sondern allen Angestellten des Hotels für ihre Mühen dankt.

Jürgen Carl ist diskret. Die Schriftsteller, die er zur Buchmessenzeit so gern in Frankfurt begrüßt, müssen anders vorgehen, als er es tut. Jede Schwäche des Personals ihrer Bücher muss an den Tag, sonst wird kein Kunstwerk daraus. Carls Beruf hingegen erfordert es, den Schwächen der Menschen zunächst abzuhelfen und dann von ihnen zu schweigen. Die Angehörigen der Buchbranche, die in den nächsten Tagen wieder in den "Frankfurter Hof" einfallen werden und aus den Messetagen die für Carl schönste Jahreszeit machen, lieben ihn dafür, dass er beides und noch viel mehr kann. Hier liegt der Grund dafür, dass die Gäste seines Hotels, was nicht im Buch steht, ihn nicht nur als "Herr Carl" anreden, sondern ihn auch untereinander gern so nennen.

Weil das Buch, das dieser wirkliche Gentleman nun vorgelegt hat, trotz aller Höflichkeiten auch davon erzählt, welche Regeln und Regelbrüche mit dem Finden des eigenen Platzes einhergehen, ist aus ihm mehr geworden als ein Band ausgewählter Erinnerungen. Es gibt herrliche Vignetten aus der Zeit des Wirtschaftswunders, als Gäste zu Messezeiten nichts dagegen hatten, sich zwischen überbelegten Zimmern im Bademantel und mit der Zahnbürste in der Hand zu begegnen. Zu lesen ist auch der Rechenschaftsbericht eines Mannes, der durchaus weiß, was er tut und warum er es so haben will. In zahlreichen seiner Passagen aber ist "Der Concierge" darüber hinaus ein entfernter Verwandter von Asfa-Wossen Asserates "Manieren", verfasst nicht von einem Angehörigen des äthiopischen Kaiserhauses, sondern von einem Flüchtlingskind aus Schlesien, das nach dem Krieg mit seinen Geschwistern in einem bayerischen Kinderheim aufwächst und weiß, warum Menschen aufeinander achtgeben müssen.

Die Erinnerungen des Flüchtlings, der sich als Jugendlicher für eine Handwerkerlehre entscheiden musste, handeln zunächst von der lebensverändernden Kraft der Bücher, von der Magie der Selbstfindung durch Erfindung. Thomas Manns "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" geben dem hart arbeitenden Gärtner im Mannheim der fünfziger Jahre die Kraft, sich aus der für ihn vorgesehenen Laufbahn zu befreien. Anders als Manns charmantem Helden geht es dessen durch und durch ehrlichem Anhänger aber nicht um Schwindeleien. Carl beschränkt seine Erfindungskraft auf das Lösen der realen Probleme seiner Gäste, denen er von Zeit zu Zeit so trickreich vorkommen muss wie der unnachahmliche Butler Jeeves in den Romanen von P. G. Wodehouse. Für sein Buch hat Carl sich auf die Hilfe der Ghostwriterin Sibylle Auer verlassen, der Stil jedoch ist sein eigener: ohne Umschweife, knapp und klar. So kann er das besonders gut sagen, was den eigentlichen Kern seines Buches ausmacht: wie es Menschen gelingt, gerade dadurch gute Figur zu machen, dass sie sich um eines anderen willen Mühe geben.

FLORIAN BALKE

Jürgen Carl: "Der Concierge". Vom Glück, für andere da zu sein. Lübbe Verlag, Köln 2010. 250 S., geb., 17,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Florian Balke zeigt sich entzückt von den Erinnerungen Jürgen Carls, der sich seit vierzig Jahren als Concierge im Hotel "Frankfurter Hof" um seine Gäste kümmert. Der Band ist für ihn das "unzeitgemäßeste Buch, das sich denken lässt", handelt es doch vom "Glück, für andere da zu sein". Wer sich Tratsch und Klatsch verspricht, wird enttäuscht sein. So unterstreicht Balke, dass Carl ein wahrer Gentlemen und überaus diskret ist. Nichtsdestoweniger hat ihn das Buch keine Sekunde gelangweilt, auch weil Carl trotz aller Höflichkeit davon erzählt, "welche Regeln und Regelbrüche mit dem Finden des eigenen Platzes einhergehen". Sehr unterhaltsam findet er zudem Carls Berichte von der Zeit des Wirtschaftswunders, bewegend auch die Erinnerungen des Autors an Kindheit und Jugend in einem bayerischen Kinderheim.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Es sollte Pflichtlektüre für alle Leute im Hotelfach werden." Frank Schirrmacher, FAZ "Mit Herrn Carl lernt der Leser nicht nur einen warmherzigen und gläubigen Menschen kennen; man spürt förmlich die Liebe für seinen respektvollen Dienst am Nächsten." Frankfurter Stadtkurier "Hier bedient ein Mensch, dessen Beruf die wenigsten wirklich kennen, auch den Leser gut: mit präzisen, unterhaltsamen Berichten aus seinem kleinen Bereich." Falter