Das Meer - Richter, Dieter

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Das Meer ist die größte Region der Erde. Fast drei Viertel der Oberfläche des wasserblauen Planeten sind davon bedeckt. Die marinen Lebensräume umfassen sogar das Vierzehnfache der terrestrischen. Gleichzeitig ist das Meer die unbekannteste Region; vor allem seine Tiefenschichten bergen noch immer die größten Geheimnisse. Mit dem Meer ist die Geschichte fast aller Kulturen der Erde eng verbunden. Das gilt nicht zuletzt für die europäische Kultur: Sie ist um das Mittelmeer herum entstanden - ein Mittler-Meer, das Begegnungen ermöglichte, aber auch Grenzen setzte und Insel-Welten entstehen ließ.…mehr

Produktbeschreibung
Das Meer ist die größte Region der Erde. Fast drei Viertel der Oberfläche des
wasserblauen Planeten sind davon bedeckt. Die marinen Lebensräume umfassen
sogar das Vierzehnfache der terrestrischen. Gleichzeitig ist das Meer die
unbekannteste Region; vor allem seine Tiefenschichten bergen noch immer
die größten Geheimnisse. Mit dem Meer ist die Geschichte fast aller Kulturen
der Erde eng verbunden. Das gilt nicht zuletzt für die europäische Kultur: Sie
ist um das Mittelmeer herum entstanden - ein Mittler-Meer, das Begegnungen
ermöglichte, aber auch Grenzen setzte und Insel-Welten entstehen ließ.
Dieter Richter beschreibt einerseits die Wahrnehmung des Meeres, von den
Urängsten über die Mythisierung und schließlich die Romantisierung dieser
Landschaft bis hin zum aktuellen, dem ökologischen Blick aufs Meer. Auf der
anderen Seite geht es um die Aneignung der Meere durch Seefahrt, Piraterie
und Handel. Auch schildert Richter die Entdeckung des Strandes und unterhält
den Leser mit einer kurzweiligen Geschichte des - gesundheitsfördernden und
vergnüglichen - Schwimmens im Meer. Eine reich bebilderte Kulturgeschichte!
  • Produktdetails
  • Sachbuch
  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl: 236
  • Erscheinungstermin: Februar 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 246mm x 172mm x 25mm
  • Gewicht: 554g
  • ISBN-13: 9783803136480
  • ISBN-10: 3803136482
  • Artikelnr.: 40015189
Autorenporträt
Dieter Richter, geboren 1938 in Hof/Bayern, ist Literaturwissenschaftler und Autor zahlreicher Bücher zur europäischen Kulturgeschichte. Er lebt in Bremen und Süditalien. Bei Wagenbach erschienen u. a. Der Vesuv, Goethe in Neapel, Der Süden und Neapel. Biographie einer Stadt.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Was für eine Tour, stöhnt Katharina Teutsch gelegentlich beim Lesen dieser kulturgeschichtlichen Abhandlung über das Meer von Dieter Richter. Der Autor, findet Teutsch, nimmt sich einfach zu viel vor, wenn er von Poseidon über die Seebestattung und Seeräuber bis zu hydrologischen Fragen und Tourismus nach allem fischt, was der Ozean hergibt. So spannend und lehrreich Teutsch die Deutungen des Literaturwissenschaftlers Richter auch findet, so ermüdet ist sie am Ende auch.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 13.07.2014
Das Meer der Möglichkeiten
Was ist es, was unseren Planeten zu drei Vierteln bedeckt? Warum wurde es früh verachtet? Und welche Farbe hat es?

Klar, die Prediger der schlechten Laune gehören zur Geschichte des Meeres von Anfang an mit dazu. Wenn man sie so liest, die Geschichte des Meeres, die der Literaturwissenschaftler Dieter Richter jetzt im Wagenbach-Verlag veröffentlicht hat, könnte man manchmal fast meinen, das Meer sei überhaupt nur für Bedenkenträger und Botschafter der Ängstlichkeit erfunden worden. Richters Buch selbst ist keineswegs so schlecht gelaunt. Er hat die Meer-Meinungen der Menschengeschichte sachlich, gelehrt, mitunter staunend nur zusammengetragen.

Das wusste man ja: dass das Meer jahrtausendelang nicht als Ort der Bademöglichkeit betrachtet wurde, sondern als Ort der Feindlichkeit, der Leere und der Gefahr. Und dass auch die Römer ihre Badeanstalten zwar sehr gerne in Meeresnähe bauten, dabei aber immer auf Abstand achteten. Nicht, dass es zu Verschmelzungen kam: zwischen dem Ort des guten Lebens, der Gesundheit, der Herrlichkeit und der Entspannung - dem Badehaus also - und jener anderen Welt, auf die man durch Maueröffnungen gern hinausblicken durfte - aber nicht für Sehnsuchtsblicke, sondern eher: zum Fürchten. Und als der Arzt Kaiser Augustus, der bei Baia eine Villa am Meer besaß, zur Gesundung Meerbäder empfahl, da ließ er sich von Sklaven Meerwasser in seine Holzbadewanne schöpfen. Baden ist schön - aber bitte nicht unter freiem Himmel. In Cäsars "Gallischem Krieg" kann man die angewiderte Passage lesen: "Suebi lavantur in fluminibu" - die Sueben baden in Flüssen. Mit anderen Worten: die germanische Stammesgruppe der Sueben sind echt die barbarischsten Germanen der Welt.

Richter zitiert auch einen mürrischen Brief, den Seneca vom Strand an einen Freund schreibt. Er hasst vor allem die Geräusche, die Muskeltrainierer, den "Achselhaarausrupfer, der unablässig seine dünne, schrille Stimme ertönen läßt, um auf sich aufmerksam zu machen", der sei erst still, wenn er endlich einen habe, dem er die Haare auszupfen kann. Dann allerdings fange jener an zu schreien - vor Schmerzen. Es hilft alles nichts - der Strand ist ein Ort des Schreckens und des Lärms. Und natürlich - so sind die Menschen, gab es auch schon die ersten Strandordnungen, lange bevor die Strandfreude als Massenereignis überhaupt bekannt geworden war. Der neapolitanische Arzt Sebastiano Bartolo hat sie für die Gegend um Pozzuoli und Baia aufgestellt. Punkt 1.: "Man komme niemals ins Bad, ohne abgeführt zu haben, denn die Bäder reizen die Säfte und setzen sie in Bewegung. 2.: Wenn man ins Bad kommt, lasse man die Aufregungen und Sorgen des Gemütes fahren, denn nur so vermag das Bad seine aufheiternde Wirkung, gleich einem Meister, der mit seinen Instrumenten sein Werk vollbringt." Entspannung als Baderegel und Strandbefehl. Ich weiß auch nicht, wieso die Strandmagie der Entspannung, die sich bei jedem Besucher augenblicklich von selbst einstellt, menschengeschichtlich so lange auf sich warten ließ. Ängste. Warnungen überall. Michele Savonarola schrieb um 1450 einen ganzen Traktat, der vor dem Meeresbade warnt. Das Wasser trockne den Menschen aus, magere ihn ab und führe zur Erwärmung der ausführenden inneren Organe. Wenn man Meerwasser schlucke, ruiniere man sich sein Blut, außerdem führe es zu Ausschlag und Juckreiz. Am schlimmsten: den Kopf unter Wasser zu tauchen. Dann ist die Auszehrung kaum noch aufzuhalten.

Immerhin gesteht Savonarola dem Meereswasser zu, dass es "leichter" als Süßwasser sei und deswegen Heranwachsende dort leichter Schwimmen lernen könnten. Diese Heranwachsenden sind auch die Einzigen, über die es aus griechisch-römischer Zeit ein positives Meererlebnis zu berichten gibt. Plinius der Jüngere berichtet von Spaßerfahrungen aus einer Lagune in der Nähe des afrikanischen Hippo. Knaben im Meer hat er gesehen: "Ihnen gilt es als Heldentat, weit hinauszukommen; Sieger ist, wer das Ufer und zugleich seine Mitschwimmer am weitesten hinter sich läßt." Ob Plinius, wenn er schon der Jüngere heißt, mit hineingesprungen ist, wissen wir nicht. Ist aber wohl unwahrscheinlich. Aber die Meerestrennung zwischen jung und alt, das ist ja eine - und hier machen wir uns von dem gelehrten Richter-Buch mal etwas frei -, die sich bis in die Klassiker der Moderne zieht. Im "Kleinen Nick" zum Beispiel. In dem kanonischen Kapitel "Der Strand ist klasse" sind wir als Leser dabei, wie die Trennung: jung = Meeresspaß und alt = Meeresverdruss sich ein für alle Mal vollzieht. "Ah - wenn ich an die Kollegen denke, die jetzt hinterm Schreibtisch sitzen", seufzt Nicks Papa zu Beginn der Geschichte glücklich. Um am Ende, nach einer Kaskade traumatischer Stranderfahrungen mit frechen, sorglosen Zwergen denselben Satz, krebsrot, für immer erschöpft, strandesmüde noch einmal zu seufzen. Diesmal aber im Sehnsuchtston. Wie gut, wie herrlich haben es die Kollegen im Büro.

Meer - das ist eben auch eine Einstellungsfrage. Zum Beispiel ist die Meeresbeschreibung, wie wir sie im Kapitel "Der Strandspaziergang" in Thomas Manns Roman "Der Zauberberg" finden, natürlich die schönste der Weltliteratur, gleichzeitig ist das Meer, das Thomas Mann beschreibt, auch immer nur die Ostsee bei Travemünde. Und da geht es eben etwas ruhiger zu. Und das Meer erscheint dem Betrachter als die ewige Leere, das ewig Gleiche, die Stille und das Nichts. "Sausende Öde, blaß hellgrau überspannt, voll herber Feuchte, von der ein Salzgeschmack auf unseren Lippen haftet. Wir gehen, gehen, auf leicht federndem, mit Tang und kleinen Muscheln bestreutem Grunde, die Ohren eingehüllt vom Wind, von diesem großen, weiten und milden Winde, der frei und ungehemmt und ohne Tücke den Raum durchfährt und eine sanfte Betäubung in unserem Kopfe erzeugt." Es ist - Flucht vor Pflicht und Lebensdienst, die der Autor hier beschreibt, ist Urlaub für immer, Zigeunerwagen, Welt der Mutter, Ewigkeit, Erlösung und Tod. Die Verlockungen des Zauberberges, es sind die Verlockungen aus Kindertagen am Meer, Sehnsucht nach dem Tode, das Lied vom Lindenbaum. "Du gehst und gehst . . . du wirst von solchem Gange niemals zu rechter Zeit nach Hause zurückkehren, denn du bist der Zeit und sie ist dir abhanden gekommen."

Mit anderen Worten: Ferien! Das Meer ist der größte Raum der Möglichkeiten auf der Welt. Eine scheinbar leere Fläche, die jeder beschreiben und befahren und beschwimmen kann, wie er möchte. Nicht mal über die Farbe des Meeres haben sich die Menschen in den letzten paar tausend Jahren einigen können. Grün, blau, grau, orange oder braun - eine durchsichtige Flüssigkeit erscheint hier so und dort so. "Über Jahrtausende hinweg", schreibt Richter, "haben die Menschen versucht, dem Meer eine Farbe zu geben. Es hat alle und keine."

Das Meer ist der utopische Raum, den wir beleben können nach unserer Phantasie, den wir bewahren müssen, nach unserem Auftrag, den wir genießen sollten, sobald wir angereist sind. Und jetzt - hinein!

VOLKER WEIDERMANN

Dieter Richter: "Das Meer. Geschichte der ältesten Landschaft". Wagenbach, 236 Seiten, 24,90 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Dieter Richter, der sich bereits mit Büchern zum Vesuv und zu Neapel verdient gemacht hat, ist ein Meister darin, wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiteren Publikum zu vermitteln. Er vermag es, zu belehren ohne Dünkel, zu unterhalten ohne Aufdringlichkeit." Adam Soboczynski, Die Zeit