Das Haus des Malers Balthus im Grand Chalet - Kishin Shinoyama
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  • Verlag: Schirmer/Mosel
  • ISBN-13: 9783888146183
  • ISBN-10: 3888146186
  • Best.Nr.: 08678572
Rezensionen
Besprechung von 09.09.2000
Schloßherr
Schweizer Stilleben mit dem Maler Balthus

"Das Haus des Malers" heißt der Bildband - als gäbe es nur einen Maler. "Balthus im Grand Chalet" steht darunter - tatsächlich ist sein Chalet in Rossinière, in der Valée de la Gruyière, das größte Haus seiner Art in der Schweiz. Also ist diese Bühne aus dem achtzehnten Jahrhundert angemessen für ihn, den sanften Herrscher über Landschaften und Mädchen, über Draperien und Katzen, über Interieurs und Früchte. Kommt er, der sich Comte Balthazar Klossowski de Rola nennt und am 29. Februar 1908 in Paris geboren wurde, doch selbst eigentlich aus dem neunzehnten und hat sich das zwanzigste Jahrhundert in der Malerei auf seine unzeitgemäße Art untertan gemacht: dafür gescholten viel und viel gefeiert. Die Fotografien von Kishin Shinoyama sind handverlesene Impressionen eines vor profanen Blicken geschützten Ortes, Paraphrasen der hohen Kunst des Meisters. Wer es nicht selbst gesehen hat, wird nicht glauben, daß dieses Haus lebt - mit üppigen Pflanzen, mit den schleichenden Katzen, mit einem springenden Hund im Gelände, mit Vögelchen, die in einem der Zimmer umherfliegen, mit Balthus' glimmenden Zigaretten und all den Dingen lebendiger Erinnerung, mit denen seine Frau Setsuko diesem Reich pulsierende Wärme einhaucht.

Das Buch ist wohlkomponiert wie eine achtungsvolle Annäherung von fern, die sich sogar das Innerste, das Atelier von Balthus, erobern darf und sich dann wieder respektvoll von der Stätte zurückzieht. Wie da der Hausherr auf die Schwelle des mächtigen dunklen Hauses tritt im bodenlangen roten Gewand, ein japanisches Schwert in der Linken, halb Kreuzritter, halb Samurai. Wie Balthus, in asiatischem Kostüm, einer voll erblühten Rose im Garten sich zuwendet. Wie er sich im Atelier dem kleinen Mädchen zuneigt, das ihm Modell sitzt für die dritte Version seines berühmten Motivs "Le chat au miroir", die er zwischen 1989 und 1994 malte. Der japanische Fotograf tastet indiskret die Sphäre des Künstlers nicht an. Makellos und glatt wie verschlossene Lackschachteln sind seine Aufnahmen im Spiel von Schatten und Licht, geschmeidige Reverenzen seine Arrangements der Malutensilien. Es herrscht die Delikatesse der vorauseilenden Mimikry, die Balthus' Bilder umwirbt, sie aber nicht erreicht: ein Band für die wahren Adoranten. ("Das Haus des Malers. Balthus im Grand Chalet". Fotografien von Kishin Shinoyama. Mit einem Text von Gero von Boehm. Schirmer/Mosel, München 2000. 85 S., geb., 36 DM.)

rmg

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Mit tyrannischer Delikatesse blickt schon der Maler Balthus selbst von einem Foto aus der Zeitungsseite dem eingeschüchterten Leser entgegen. Auch Kritiker "rmg” wagt kaum, seine Stimme zu erheben. In wohltemperiertem Ton stellt er dies Buch vor, dessen Bilder "Paraphrasen der hohen Kunst des Meisters” seien. An der Stimmung der Bilder, wird besonders deren Diskretion bewundert, die "makellos und glatt wie verschlossene Lackschachteln” seien. Das ganze Buch findet der Kritiker "wohlkomponiert wie eine ahnungsvolle Annäherung von fern”. Als Leser ist man fasziniert und abgestoßen zugleich und würde am liebsten sofort selbst in diesem Bildband blättern.

© Perlentaucher Medien GmbH"