Produktdetails
  • Verlag: Collection Rolf Heyne
  • 2., überarb. Aufl.
  • Seitenzahl: 199
  • Abmessung: 320mm
  • Gewicht: 1550g
  • ISBN-13: 9783899101607
  • ISBN-10: 389910160X
  • Artikelnr.: 24066055
Rezensionen
Besprechung von 23.02.2002
Auf Tauchgang
Die Frage, ob Frauen die besseren Menschen sind, ist nach wie vor nicht geklärt; auf jeden Fall sind sie die saubereren. Das Bad war, seit es im 19. Jahrhundert seinen Raum fand in den Wohnhäusern, weibliches Hoheitsgebiet – was zum einen daran liegen mag, dass man sich dort putzt und salbt, zum anderen aber daran, dass hier der letzte un antastbare Zufluchtsort zu finden ist: Stundenlang kann man sich im Badezimmer einschließen, und keiner, der ein Fünkchen Benehmen hat, darf fragen, wozu. Kampf den Architekten, die begonnen haben, die Badezimmerwände zu verglasen!
Der Rückzug ins Gekachelte ist natürlich eine relativ neuzeitliche Erfindung – früher war das Baden eine Publikumsveranstaltung. Françoise de Bonneville hat für „Das Buch vom Bad” sozusagen die Geschichte der Waschung aufgeschrieben, die irgendwo bei der alttestamentarischen Susanna im Bade beginnt und bei der mythischen Kraft des Wasser, und unter einer modernen Dusche endet, Anhang für ratsuchende Bad-Liebhaber inklusive.
In drei Epochen hat Bonneville das Baden eingeteilt, von den Badehäusern der Antike über die ersten häuslichen Hilfsmittel aus Holz und Zink bis zum tatsächlichen Badezimmer – und letztere haben nicht nur mit Luxus zu tun, sondern auch mit Prüderie: Was einst am Bach oder im Badehaus zu sehen war, wurde und wird schamhaft versteckt. Besser noch erzählen aber die Geschichte die Bilder in diesem Band, die Gemälde, Fotografien, Filmstills – Marilyn in „Das verflixte 7. Jahr”! – die Bonneville für das Buch ausgesucht hat. Schon, weil man ihnen ansieht, wie schön erotisch doch das Baden ist. Und da hat sie doch tatsächlich auch einmal einen nassen Herrn aufgetan: Gary Cooper, der vorwitzig aus der Wanne herauslugt in Cecil B. DeMilles „Dr. Wassels Flucht aus Java”.
Die vielen Badeszenen in der Malerei und frühen Fotografie verdanken ihre Existenz nicht dem Hygienefimmel der Künstler, sondern dem Umstand, das man so ungestraft Akte abbilden konnte; und Baden wirkt entspannend, wie gelöst ein Modell sein kann in einer solchen Szene zeigt auch die Fotografie, die man hier sieht: „Marthe in der Badeschüssel” entstammt einer Serie, die Pierre Bonnard als Vorlage für seine Gemälde gemacht hat, ein Blick ins Private, ganz versunken wirkt die Badende.
Ist Baden also unmännlich? Eigentlich nur, wenn man ein Quietsche- Entchen dabei hat.
SUSAN VAHABZADEH
FRANÇOISE DE BONNEVILLE: Das Buch vom Bad. Überarbeitete Neuauflage in der Collection Rolf Heyne, München 2002. 200 Seiten, 35 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Besprechung von 23.06.2002
NEUE REISEBÜCHER

Für den Tisch. Manche Menschen schauen sich Kochbücher an, wenn sie gerade nicht essen können oder dürfen, manche schwelgen in Bildbänden über ferne Traumziele, wenn der nächste Urlaub noch etwa 427 Arbeitsstunden entfernt ist - und manche lesen die Geschichte des Bades und des Badens, wenn die ersten Saharawinde anwehen und deutsche Großstädte zu Umluftherden werden. Und mal ganz abgesehen von der fächerähnlichen Wirkung des Umblätterns: Es hilft. Schon der Blick auf sprühende Duschköpfe, türkisfarbene Kacheln und wahrscheinlich herrlich kühl temperierte Swimmingpools scheint den Schweißfilm auf dem Gesicht zu trocknen, und die Lektüre der Wassergeschichten aus allen Epochen und Ländern ersetzt beinahe das klärende Sommergewitter.

"Das Buch vom Bad" erzählt von indischen Brahmanen, die mehrmals am Tag in heiligen Flüssen untertauchen, von Muslimen, die sich vor dem Freitagsgebet im Hammam einseifen lassen, von Indianern, deren Seele nach einem Dampfbad wiedergeboren wird. Es zeigt öffentliche Bäder - die Thermen von Bath zum Beispiel, das Gymnase Nautique auf den Champs Elysées, die Russian Turkish Baths in New York - und die Entwicklung zum privaten Bad.

Auch Kunst- und Kinoliebhaber müssen nicht länger schwitzen, illustriert wird neben Fotos nämlich auch mit Gemäldekopien (von Tintorettos "Susanna im Bade" bis zu Liechtensteins planschender Duschschnittsblondine) und Kinoszenen: Marilyn Monroe in Seifenschaumbergen, neben sich den Klempner ("Das verflixte siebente Jahr"), Gina Lollobrigida in der runden Wanne unterm Moskitonetz ("Salomon und die Königin von Saba"), Gary Cooper und sein lässiger Griff zum Handtuch ("Dr. Wassels Flucht aus Java").

Nur ein Kapitel des Buchs vom Bad sollte man lieber aussparen: "Zweihundert Jahre ohne Bäder" heißt es und beschreibt eindrücklich die badlose, olfaktorisch interessante Louis-XIV-Ära. Das ist dann doch zuviel des Guten - zumindest solange über Europa die Saharawinde wehen.

iane.

Françoise de Bonneville: "Das Buch vom Bad", Collection Rolf Heyne 2002, 35 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Die Frage, ob Frauen die besseren Menschen sind, sei nach wie vor nicht geklärt, merkt Rezensentin Susan Vahabzadeh an, auf jeden Fall seien sie die saubereren. Soviel steht für die Rezensentin nach der Lektüre von Francoise de Bonnevilles "Buch vom Bad" fest. Bonneville erzählt darin die "Geschichte der Waschung" von der Antike zur Gegenwart, vom Baden als öffentlicher Publikumsveranstaltung zum Bad als privates Refugium; dazu gibt es einen Anhang für "ratsuchende Bad-Liebhaber". Insbesondere von den Bildern, Gemälden, Fotografien und Filmstills, die Bonneville ausgewählt hat, zeigt sich die Rezensentin angetan. Besser noch als der Text erzählen sie Vahabzadeh zufolge die Geschichte des Badens. Schon, weil man ihnen ansehe, so die Rezensentin, "wie schön erotisch doch das Baden ist".

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