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Wir schauen in unsere Gene wie in die Kristallkugel der Wahrheit. Alles glauben wir dort zu erkennen. Aber wir zahlen einen Preis. Die Angst vor einer angeborenen Neigung zu Depression oder Alzheimer würde unser Leben vergiften. Keine Zukunft, die wir in den Genen lesen, kann dies wettmachen.
Richard Powers arbeitete an seinem Roman über das "Glücks-Gen", als er die Chance erhielt, der neunte Mensch auf der Erde zu werden, dessen Genom vollständig entschlüsselt wird. Er zögerte lange, aber die Neugier siegte. Powers flog nach Boston, traf die Forscher und Macher der neuen Industrie, lernte
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Produktbeschreibung
Wir schauen in unsere Gene wie in die Kristallkugel der Wahrheit. Alles glauben wir dort zu erkennen. Aber wir zahlen einen Preis. Die Angst vor einer angeborenen Neigung zu Depression oder Alzheimer würde unser Leben vergiften. Keine Zukunft, die wir in den Genen lesen, kann dies wettmachen.

Richard Powers arbeitete an seinem Roman über das "Glücks-Gen", als er die Chance erhielt, der neunte Mensch auf der Erde zu werden, dessen Genom vollständig entschlüsselt wird. Er zögerte lange, aber die Neugier siegte. Powers flog nach Boston, traf die Forscher und Macher der neuen Industrie, lernte den komplizierten Prozess der Entschlüsselung kennen. Schließlich hielt er einen USB-Stick in Händen mit der Wahrheit. Näher kam noch nie ein Schriftsteller dieser Welt, und genauer konnte uns noch nie jemand davon erzählen, wie wir in Zukunft mit unseren Genen leben.
  • Produktdetails
  • Verlag: S. Fischer
  • Originaltitel: Book of Me
  • Seitenzahl: 78
  • Erscheinungstermin: 12. August 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 199mm x 127mm x 13mm
  • Gewicht: 163g
  • ISBN-13: 9783100590275
  • ISBN-10: 3100590279
  • Artikelnr.: 29508344
Autorenporträt
Richard Powers, 1957 geboren, lebt in Urbana/Illinois. Er studierte Physik, arbeitete als Programmierer, bis er mit 32 seinen ersten Roman schrieb. In seinen Romanen verarbeitet er naturwissenschaftliche und/oder technische Themen. So etwa der aktuellen Gehirnforschung und ihrer psychologischen und philosophischen Implikationen in seinem bekanntesten und preisgekrönten Werk "Das Echo der Erinnerung". Mittlerweile zählt er zu den ganz großen amerikanischen Erzählern der Gegenwart. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet, seine Beiträge erschienen in der New York Times, Esquire, Times und Harper's.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 11.08.2010

Das Buch der Bücher
Als neunter Mensch hat Richard Powers sein Genom entschlüsseln lassen – nun erscheint seine brillante Reportage
Die Revolution hat eine Vorliebe für theatralische Gesten. An einem Augusttag, nach Monaten bangen Wartens, quälender Fragen und mühsam erkämpfter Triumphe der Selbstberuhigung, nach Phasen von Zerknirschung und Kulturpessimismus und anderen einer geradezu anthropologischen Euphorie über die Aussicht auf eine unmittelbar bevorstehende Epoche molekularer Autonomie, nach all der Vorfreude, gespannten Erwartung, der Angst vor dem Unabänderlichen und – schließlich – nach einem „halbwegs gesunden Mittagessen“ wird dem Schriftsteller Richard Powers im Harvard Club von Boston ein Kästchen aus Rosenholz überreicht. Das Kästchen enthält keine goldene Anstecknadel, keinen Schlüssel zu einem Bankschließfach und auch nicht die Geheimformel von Coca Cola, es beherbergt nur einen handelsüblichen USB-Stick, doch darauf ist etwas gespeichert, das kostbarer ist als alles andere: die sechs Milliarden Basenpaare seines individuellen Genoms. Die Einzelinformationen, die bequem in einem kleinen Kästchen Platz finden, entsprechen 12 000 Bänden eines 250 Seiten dicken Buches mit 500 000 Buchstaben, und wäre das Genom eine Melodie, „die man im flotten Allegrotempo von 120 Beats pro Minute spielte, würde der Song knapp ein Jahrhundert dauern“.
Richard Powers ist im Auftrag des Magazins GQ nach Massachusetts geflogen, um sein vollständiges Genom entschlüsseln zu lassen. Er soll eine Reportage darüber schreiben, wie es ist, als neunter Mensch auf Erden seine kompletten Erbanlagen zu kennen. Die Wahl war auf ihn gefallen, weil Powers damals an einem Roman über die Existenz eines Glücks-Gens schrieb, der 2009 unter dem deutschen Titel „Das größere Glück“ erschienen ist. Er überwindet die Angst vor den etwaigen Nachteilen bei der Krankenversicherung oder der Wahrscheinlichkeit, womöglich an einer unheilbaren Krankheit zu leiden. Er zögerte zunächst auch deshalb, weil die Daten weitergegeben werden.
Nach dem Wiki-Prinzip leistet jeder Probant einen Beitrag zu einer öffentlichen Bibliothek von genetischem Arbeitsmaterial. Wieder ist Powers also im Buchgeschäft, aber, so fragt er sich, was ist das für ein Buch mit seinen Hunderttausenden von Seiten? Ein „Pynchon-Roman des biokapitalistischen Zeitalters“? Lautet sein Titel „Die Versteigerung von Nr. 6 000 000 000“ und handelt er von der Konkurrenzwirtschaft zwischen den wie Pilze aus dem Boden schießenden Genotyp-Boutiquen? Powers zweifelt: „Ein paar Jahre noch, dann haben die Leute vielleicht das Genom ihrer Geliebten als USB-Schlüsselanhänger bei sich“. Dann ist die Gensequenz sowohl erotischer Fetisch als auch eine Versicherungspolice, ohne die keiner mehr seine Unterschrift unter einen Ehevertrag setzt. Und unsere genetischen Varianten werden zu Suchanfragen, unsere Haplotypen eine Art Facebook-Account für eine neue Art von Special-Interest-Networking.
Was geschieht, wenn Menschen, die ihre Zukunft auf Lotterielosen bauen, für einen demnächst volkstümlichen Preis ihr entschlüsseltes Genom kaufen können? Wie werden sie mit diesem Wissen umgehen? Wird bald schon eine durchschnittliche Gesundheit zur Krankheit erklärt, sodass wir alle zu Patienten im Wartestand werden, nur weil das Risiko besteht, dass wir eines Tages eine bestimmte Krankheit bekommen könnten? Wie viel Verantwortung ist jeder imstande zu übernehmen? Und: Befreit uns die Wahrheit wirklich oder erweist sich größeres Wissen „auch als immer kürzere Leine?“ Powers ist zumute „wie jenen Jägern und Sammlern, als sie zum ersten Mal tiefgefrorene Lasagne sahen“.
Doch da sind seine Blutproben schon auf dem Weg nach China, von wo sie als Daten zurückkehren werden, „vier Gigabyte Vierbuchstabencodes, geliefert auf etwas, das aussieht wie eine Speicherkarte für eine Digitalkamera“. Und er fragt sich, ob die Ankunft seines persönlichen Genoms „wohl einen jener grässlichen Leser aus mir machen wird, die in Buchläden umherstehen und die letzten Seiten eines Buches lesen, um zu entscheiden, ob der Kauf sich lohnt.“ Noch steckt die Bioökonomie in ihrer Wildwestphase – Risikokapital wird in einen Markt investiert, in dem Gesetzlosigkeit herrscht, Reprogenetik oder Keimbahn-Engineering sind Zukunftsmusik. Denn das Genom ist noch so unerforscht, dass seine Sequenzierung einer Botschaft aus der Zukunft gleicht, die man ohne die Kenntnis dieser Zukunft nicht deuten kann.
So erfährt Powers, dass er 248 genetische Varianten in sich trägt, die sein Risiko erhöhen, an 77 verschiedenen Leiden zu erkranken. Von beiden Seiten der Familie ist er mit einer Disposition zur Fettleibigkeit belastet – und trotzdem so dünn wie ein Strichmännchen. Unbekannt und ungezählt sind die Faktoren, die dazu führen, dass aus einer Veranlagung eine Krankheit wird. Oder wie der Spiegel in seiner aktuellen Titelgeschichte schreibt: „Die Gene steuern uns, aber auch wir steuern die Gene“. Bis auf Weiteres gilt daher der Rat des Hausarztes: gesünder essen und sich mehr bewegen. Denn „unser Geist“, so Richard Powers, „hat sich noch nie in eine Flasche bannen lassen.“ CHRISTOPHER SCHMIDT
RICHARD POWERS: Das Buch Ich #9. Eine Reportage. Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010. 80 Seiten, 12 Euro.
Als neunter Mensch hat der amerikanische Schriftsteller
Richard Powers sein vollständiges Genom entschlüsseln lassen. Dafür musste er nichts anderes hergeben als ein Bündel Banknoten, vier Ampullen Blut „und die glückselige Unwissenheit meines unerforschten Lebens“. Doch auch wenn die Ergebnisse so vieldeutig bleiben wie das Buch der Bücher, hilft die Individualgenomik „uns von bloßen Figuren im Buch unseres Lebens zu Mitautoren zu entwickeln“, schreibt er. Für Powers ein gewaltiger Schritt „vom Fatalismus zum Risikomanagement“.
Foto: Jimmy Kets / laif
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 25.08.2011

Eine Doppelhelix aus Sorge und Euphorie
"Das Buch Ich": Richard Powers lässt sein Erbgut entschlüsseln

Aus sechs Milliarden Bausteinen besteht das menschliche Genom. Wäre es eine Melodie und die DNA-Basenpaare wären Noten, die man im flotten Allegro-Tempo spielte, würde dieser Song ein knappes Jahrhundert dauern. Mit solchen Vergleichen verdeutlicht Richard Powers die schwindelerregenden Dimensionen der genetischen Forschung. Powers hat Epen des digitalen Zeitalters geschrieben. Künstliche Intelligenz, Kybernetik, Molekularbiologie - er scheut vor keiner Leitwissenschaft zurück und bleibt der Forschung mit intellektueller Verve dicht auf den Fersen. Mehr noch: Er mischt sich ein. Als neunter Mensch überhaupt hat er unter Leitung des Harvard-Computergenetikers George Church am "Personal Genome Project" teilgenommen und sein komplettes Erbgut entschlüsseln lassen.

Aber wie macht man aus einer wissenschaftlichen Gen-Analyse einen literarischen Text? In "Das Buch Ich # 9" sind die nüchternen Vorgänge in wenigen Sätzen beschrieben. Da steht er, der Polonator G.007, das Sequenziergerät der neuesten Generation - und sieht aus wie eine klein geratene "Spülmaschine". Und George Church redet davon nicht wie ein mephistophelischer Doktor Faust, sondern als "hätte er ein neues Produktionsverfahren für Schuhe entwickelt".

So muss Powers den melodramatischen Effekt bemühen, um seinem Projekt ein bisschen Teufelspakt-Aroma beizugeben. "Vier Ampullen Blut und die glückliche Unwissenheit meines unerforschten Lebens" - so benennt er den Preis der Erkenntnis. Powers versteht das entschlüsselte Genom als Dramentext, der erst in Zukunft lesbar werden wird - wie eine Geheimschrift, die schon an der Wand steht, und der Mensch steht zaudernd davor und wartet, dass die schlimme Nachricht sich endlich abzeichne. Von all den genetischen Risiken, Krankheitswahrscheinlichkeiten, Suchtneigungen oder charakterlichen Dispositionen zu wissen, die im "Buch Ich" niedergelegt sind, werde das Lebensgefühl von Grund auf ändern. Andererseits hat heute längst jeder Raucher Kenntnis von seinem stark erhöhten Lungenkrebsrisiko, ohne dass die Konsequenzen für das Lebensgefühl deshalb grundstürzend wären. Ob das Kassandra-Raunen aus dem Genom so viel mehr Effekt machen wird?

Powers aber wartet beklommen auf das Ergebnis der Sequenzierung und bemüht sogar das "Damoklesschwert" für seinen Zustand befristeter Unwissenheit. Welche roten Risiko-Fähnchen wird er in die Landkarte seines Lebens zu stecken haben? Morbus Crohn, Schizophrenie, eine frühe Alzheimer-Erkrankung? Wird er in Zukunft ständig seine genetischen Daten mit den neuen medizinischen Erkenntnissen abgleichen und "leben wie jene bedauernswerten Investoren, die nicht anders können, als alle fünf Minuten den Stand ihrer Aktien abzufragen?"

Interessanter als diese Zukunftsmusik, als die Doppelhelix aus Sorge und Euphorie sind die Schilderungen der Durchdringungen von Kommerz und Wissenschaft. Powers bewegt sich in einer Bio-Industrie, die in Goldrausch-Manier ihre Claims absteckt. Schwindel erfasst ihn, als ihm klar wird, an wie vielen Firmengründungen, Bio-Dienstleistern und "Genotyp-Boutiquen" sein Mentor George Church beteiligt ist und dass er immer auch die Konkurrenz berät. "Ich war in einen Pynchon-Roman des biokapitalistischen Zeitalters geraten." Sein Blut wird dann übrigens nach China geschickt, weil am Beijing Genomics Institute die Entschlüsselung billiger ist. Ein gewisser Verpuffungseffekt stellt sich ein, als der Projektleiter ihn mit verlegenem Ton auf das Fettleibigkeits-Risiko hinweist, das sich aus seinem Genom ablesen lasse - Powers hat sein Leben lang tapfer gegen das Untergewicht gekämpft. Soll er "die 248 genetischen Varianten, die das Risiko erhöhen, an ungefähr 77 Krankheiten zu erkranken", nun ernster nehmen als die Aussicht, als "Fettkloß" zu enden? Das Buch der Gene, so viel ist klar, bietet derzeit noch hermetische Nucleotid-Lyrik, die ein weites Interpretationsspektrum und nur vage Prognosen zulässt. Wir sind erst im Grundkurs Textverständnis.

WOLFGANG SCHNEIDER

Richard Powers: "Das Buch Ich # 9". Eine Reportage.

Aus dem Amerikanischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010. 78 S., geb., 12,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Der amerikanische Erfolgsautor Richard Powers hat ein erhöhtes Risiko zur Fettleibigkeit, und auch die Gefahr an Alzheimer zu erkranken, sollte er nicht unterschätzen. In Powers Reportage "Das Buch Ich #9" hat Rezensent Arno Widmann dies, aber auch wesentlich mehr erfahren: Die Frage des Gentlemen's Quarterly, ob er nicht für einen Artikel sein eigenes Genom sequenzieren lassen wolle, machte Powers zunächst skeptisch. Das Interesse daran, ob man sich irgendwann wissenschaftlich zur eigenen Existenz verhalten könne, wenn mehr Menschen ihre individuellen Genomanalysen erstellen lassen, ließ ihn schließlich aber doch zustimmen, so Widmann. Abgesehen von seinem unspektakulären Krankheitsbild erzähle Powers eine "lustvolle" Geschichte der Wissenschaft und verdeutliche überdies, wie lukrativ das Geschäft der Biotechniker sei. Auch wenn noch mehr Genomsequenzen erfasst werden müssen, um irgendwann vielleicht genauere Aussagen treffen zu können, freut sich der Rezensent über diese spannende Reportage.

© Perlentaucher Medien GmbH