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Die erste umfassende Darstellung der Arbeit des BKA Die Jäger des Bösen – die Mitarbeiter des Bundeskriminalamts und ihre Kollegen bei EUROPOL und Scotland Yard – kommen aus allen Berufen. Um das moderne Verbrechen zu besiegen, braucht es nicht nur Ermittler, Zielfahnder, Mobile Einsatzkommandos, sondern Techniker, Wissenschaftler, Psychologen. Im 21. Jahrhundert ist die Organisierte Kriminalität sowohl in der realen Welt als auch in der virtuellen des Internet zu einem globalen Geschäft geworden. Die Kriminellen haben aufgerüstet, aber ebenso die Polizei. Michael Jürgs recherchierte innerhalb…mehr

Produktbeschreibung
Die erste umfassende Darstellung der Arbeit des BKA Die Jäger des Bösen – die Mitarbeiter des Bundeskriminalamts und ihre Kollegen bei EUROPOL und Scotland Yard – kommen aus allen Berufen. Um das moderne Verbrechen zu besiegen, braucht es nicht nur Ermittler, Zielfahnder, Mobile Einsatzkommandos, sondern Techniker, Wissenschaftler, Psychologen. Im 21. Jahrhundert ist die Organisierte Kriminalität sowohl in der realen Welt als auch in der virtuellen des Internet zu einem globalen Geschäft geworden. Die Kriminellen haben aufgerüstet, aber ebenso die Polizei. Michael Jürgs recherchierte innerhalb und außerhalb des BKA den Wandel von der verstaubten Behörde zur Schaltstelle nationaler und internationaler Ermittlungsarbeit, studierte bei Scotland Yard, wie Verbrechen geographisch erfasst und als »Landkarten des Verbrechens« gestaltet werden, und erfuhr bei EUROPOL, wie Terrorismus, Waffenhandel und Menschenschmuggel über alle Grenzen hinweg bekämpft werden. Michael Jürgs erhielt als erster Sachbuchautor Zugang ins Innere der Behörde und Einblick in die internationale Form der Verbrechensbekämpfung. Er ist einer der bekanntesten investigativen Journalisten.
  • Produktdetails
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Seitenzahl: 350
  • Erscheinungstermin: 01.03.2011
  • Abmessung: 220mm
  • Gewicht: 582g
  • ISBN-13: 9783570100080
  • ISBN-10: 3570100081
  • Artikelnr.: 32537046
Rezensionen
Besprechung von 28.03.2011
Die Spinne im Netz
Das Bundeskriminalamt legt keinen Wert auf Publicity –
Michael Jürgs beschreibt, wie es funktioniert
Über Romy Schneider, Günter Grass und Axel Springer hat der Journalist und Buchautor Michael Jürgs ordentliche, ja inspirierte Biografien verfasst. Wenn so ein Autor sich das Bundeskriminalamt (BKA) zum Thema nimmt, sind die Erwartungen hoch. Kann er über das BKA, Europol und Scotland Yard ähnlich lebendig schreiben wie über Romy Schneider?
Mit dem BKA hat Jürgs sich ein vergleichsweise sperriges Thema gewählt. Als die erste umfassende Darstellung der Arbeit des Amtes wird das Buch angekündigt. Das Ergebnis hat allerdings etwas von einem Sammelsurium. Die Beschreibung des BKA wird ohne überzeugenden Zusammenhang ergänzt um je ein Kapitel über Europol, die Arbeit einer deutschen Kriminalgeografin bei Scotland Yard und den Fall der drei Jahre alten Britin Madeleine McCann, die 2007 in Portugal plötzlich verschwand.
Gewünscht hätte ich mir eine Schreibertatze wie die von Tom Wolfe oder Hans Magnus Enzensberger, eine geniale Analyse und Reportage über die ziemlich abgeschottete Welt des BKA, satt von Wirklichkeit, unverwechselbaren Gestalten und Geschehnissen. Dies leistet Michael Jürgs leider nur gelegentlich. So wird der vormalige Innenminister de Maizière bloß flüchtig beschrieben. Auch der gegenwärtige Präsident des BKA, Jörg Ziercke, bleibt eher blass. Manches in dem Buch ist bereits überholt. Ein neuer Innenminister ist inzwischen im Amt. Die überflüssige und von einer breiten Phalanx abgelehnte Fusion von Bundeskriminalamt und Bundespolizei ist mittlerweile vom Tisch.   
Ein Buch über das BKA darf die Gründungsgeschichte des Amtes nicht ausblenden. Michael Jürgs widmet sich ihreingehend. Bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatten zahlreiche nationalsozialistische Kriminalisten leitende Funktionen im BKA. Welchen Einfluss diese Seilschaften ausübten und welches Denken sie bewegte, wird jedoch am Ende nicht wirklich deutlich.
Jürgs beginnt mit der Beschreibung der Organisationsstruktur des BKA und schildert zutreffend die Stärken des BKA im Bereich Kriminaltechnik, Biometrie und Gentechnik. DNS-Analysen und entsprechende BKA-Dateien ermöglichen heute spektakuläre Ermittlungserfolge oft jahrelang zurückliegender Straftaten. In diesen Bereichen hat das BKA überragende Qualitäten.
Wer über das BKA schreibt, muss Horst Herold in den Blick nehmen, den legendären Polizeipräsidenten Nürnbergs und mit Abstand berühmtesten Präsidenten des BKA. Horst Herold hat das BKA zu einer weltweit anerkannten Polizeibehörde geformt, führend vor allem im Bereich wissenschaftlich fundierter Kriminaltechnik. Michael Jürgs schreibt über den Jahrhundertpolizisten voller Bewunderung – nicht jeder wird sich allerdings überzeugen lassen.
Jürgs schildert die verschiedenen Arbeitsfelder des BKA und beginnt mit dem bis heute nicht hinreichend aufgeklärten Mord der RAF an Detlev Karsten Rohwedder. Glanz und Grenzen der Arbeit des BKA werden an den Erfolgen und Misserfolgen bei der Bekämpfung des RAF-Terrorismus deutlich. Glücklicherweise macht Michael Jürgs nicht den in der deutschen Sicherheitsdebatte häufigen Fehler, vor allem und in erster Linie terroristische Gefahren in den Mittelpunkt zu stellen.
Ohne terroristische Gefahrenlagen zu bagatellisieren, kann man doch sagen, dass die deutsche Kriminalitätswirklichkeit ungleich stärker durch herkömmliche Kriminalität wie organisierte Kriminalität, Wirtschaftskriminalität, Mafia, Raub, Drogendelikte, Menschenhandel und Jugendgewalt geprägt ist. In der polizeilichen Kriminalstatistik haben terroristische Delikte eine eher marginale Bedeutung. Das Internet als neuer Raum der Freiheit, als gleichsam neue Dimension, ist auch ein Raum des Verbrechens.
Jürgs dramatisiert nicht, schildert aber anschaulich die nahezu täglich wachsende Wirtschaftskriminalität im weltweiten Netz. Und mit der nötigen Schärfe behandelt er die besondere Scheußlichkeit der Kinderpornographie im Internet. Überzeugende internationale Strategien, um die kommerzielle Verbreitung der Darstellung schwerer Straftaten an Kindern im Internet zu unterbinden, sind nicht erkennbar. Schon gar nicht Strategien zur Verhinderung des Quälens und Missbrauchs von Kindern. Auch die Strafpraxis deutscher Gerichte verharmlost im Ergebnis nicht selten Kindesmissbrauch. Die Anflüge von Resignation deutscher Ermittler angesichts dieser Sachlage sind verständlich.
Insgesamt hat Michael Jürgs ein ordentliches Buch geschrieben, aber kein inspiriertes. Er ist seinem Gegenstand, dem BKA und den dort tätigen Kriminalisten, zu nah und zugleich zu fern: Die geschilderten Personen sind aus Papier, wirklich nahe gekommen ist er niemandem in den Sicherheitsbehörden; wir wissen immer noch nicht, wie diese Menschen ticken. Gleichzeitig fehlt es an der nötigen Distanz zum Gegenstand. Stellenweise liest sich das Buch wie eine Werbeschrift für das BKA. Das muss nicht sein. DIETER WIEFELSPÜTZ
MICHAEL JÜRGS: BKA Europol Scotland Yard. Die Jäger des Bösen. C. Bertelsmann Verlag, München. 2011. 351 Seiten, 19,99 Euro.
Dieter Wiefelspütz ist seit 1998 innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.
Der größte Erfolg der RAF
war der Ausbau des BKA.
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Besprechung von 28.03.2011
Spurenleser
Wie das BKA ermittelt

Ein Geschenk zum 60. Geburtstag des Bundeskriminalamtes am 15. März soll es wohl nicht sein, obwohl Präsident Jörg Ziercke und seine 5103 Beschäftigten zufrieden sein dürfen mit dem, was ihnen Michael Jürgs über den effizienten und ständigen Wandel der Ermittlungsarbeit im Computerzeitalter bescheinigt. Zwei Drittel der engagierten Journalisten-Suche nach dem Bösen als "Teil der menschlichen Natur", nach Kriminellen "mit den blutigen Händen" oder "mit den weißen Krägen" entfallen auf den Dienst der "Superbullen" in Wiesbaden und in den Außenstellen - auf ihren Kampf gegen Terrorismus, Rauschgiftgeschäfte, Waffenhandel, Menschenschmuggler, Cyber Crime, Wirtschaftsbetrug und Pädophile. Dabei verschweigt er nicht die Belastungen, denen die Beamten - die Hälfte Wissenschaftler - ausgesetzt sind. Und er äußert seine Zweifel an Vorschlägen der Werthebach-Kommission über die Zusammenlegung von BKA und Bundespolizei. Dazu lässt er den bewunderten und als eigentlichen Modernisierer herausgestellten Horst Herold zu Wort kommen. Der legendäre Präsident der Jahre 1971 bis 1981 meint, die beiden "erfolgreichen" Polizeibehörden seien viel zu unterschiedlich in Aufgaben, Kompetenzen, Auftreten und Ausbildung: "Eine Fusion würde beide Behörden nur mit einer neuen Hierarchiestufe überwölben, ohne dass ein fachlicher Mehrwert entstünde."

Natürlich hat das BKA nur in begrenztem Maße Einblicke in seine "Festung" zugelassen. Dennoch gelingt es Jürgs, nach vielen Gesprächen die technischen Möglichkeiten der Verbrechensbekämpfung in der globalisierten Welt und die Vorgehensweise einzelner Ermittler anschaulich darzustellen. Das letzte Drittel des Buchs widmet er zunächst EUROPOL in Den Haag und dann der deutschen Geographin Christine Leist, die als "Crime Mapper" bei Scotland Yard in London nach "Ankerpunkten" im Leben von Tätern fahndet. Das dahintersteckende Prinzip der Kriminalitätsbekämpfung habe der spätere BKA-Chef Herold schon 1967 "mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, hauptsächlich dem eigenen Verstand, als Polizeipräsident von Nürnberg vor Ort getestet". Schließlich nimmt der Autor verschiedene Versionen des ungelösten Falls der Engländerin Madeleine "Maddie" McCann, die Anfang Mai 2007 wenige Tage vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Ferienanlage an der Algarve verschwand, unter seine Amateur-Lupe. Hier erinnert er auch daran, dass das BKA seit dem Gründungsjahr immerhin 510 Kinder unter vierzehn Jahren und 1200 Jugendliche zwischen vierzehn und achtzehn Jahren als vermisst verzeichnen muss: "schreckliche Geschichten mit offenem Ende".

RAINER BLASIUS

Michael Jürgs: BKA - Europol - Scotland Yard. Die Jäger des Bösen. Verlag C. Bertelsmann, München 2011. 351 S., 19,99 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Insgesamt zufrieden ist der hier rezensierende SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz mit Michael Jürgs' Buch über das Bundeskriminalamt (BKA). Der Autor beschreibt in seinen Augen überzeugend Geschichte, Organisationsstruktur, Stärken und Arbeitsfelder des BKA. Die Schilderungen wichtiger Personen beim BKA scheinen ihm dagegen etwas blutleer. Zudem mutet ihn das Werk ein wenig wie ein "Sammelsurium" an, werden Ausführungen über das BKA doch gelegentlich unmotiviert ergänzt durch Kapitel über Europol, die Arbeit einer deutschen Kriminalgeografin bei Scotland Yard und den Fall der entführten Madeleine McCann. Dass Jürgs bei seiner Beschreibung der deutschen Kriminalitätswirklichkeit - anders als der Titel vermuten lässt - weder dramatisiert und noch beschönigt, weiß Wiefelspütz zu schätzen. Allerdings mangelt es dem Autor seines Erachtens einerseits an Distanz zum BKA, andererseits vermisst er die Nähe zu dessen Personal.

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