Begegnung mit Rosen - L'Aigle, Alma de
  • Buch mit Leinen-Einband

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- "Allein das Kapitel Duft lohnt die Anschaffung dieses Klassikers." Die Zeit
- "Duftschule" Architektur & Wohnen
- "Alma de l'Aigles Buch ist mehr als eine Anleitung zum Kennenlernen von Rosen. Es ist ... eine Aufforderung zur aufmerksamen und respektvollen Begegnung mit dieser Blume, die für uns Menschen 'Inbegriff von Lebensfreude, Lebens- und Liebeslust, aber auch Sinnbild der Vergänglichkeit von Jugend und Schönheit' darstellt." Gartenkunst…mehr

Produktbeschreibung
- "Allein das Kapitel Duft lohnt die Anschaffung dieses Klassikers." Die Zeit
- "Duftschule" Architektur & Wohnen
- "Alma de l'Aigles Buch ist mehr als eine Anleitung zum Kennenlernen von Rosen. Es ist ... eine Aufforderung zur aufmerksamen und respektvollen Begegnung mit dieser Blume, die für uns Menschen 'Inbegriff von Lebensfreude, Lebens- und Liebeslust, aber auch Sinnbild der Vergänglichkeit von Jugend und Schönheit' darstellt." Gartenkunst
  • Produktdetails
  • Verlag: Dölling & Galitz
  • Repr. d. Ausg. v. 1958.
  • Seitenzahl: 337
  • Deutsch
  • Abmessung: 250mm
  • Gewicht: 780g
  • ISBN-13: 9783935549165
  • ISBN-10: 3935549164
  • Artikelnr.: 10318642
Rezensionen
Besprechung von 09.06.2002
Wachsendes Wissen im grünen Bereich
Gartenbücher sind wie Kochbücher: Man kann nie genug davon haben, auch wenn man nicht alles befolgt. Eine Neuheiten-Schau

VON ANNA V. MÜNCHHAUSEN

Warum gibt es immer mehr Gartenbücher, obwohl (wie bei Kochbüchern) alles Wesentliche bereits gesagt wurde? Darüber sind etliche Spekulationen angestellt worden. Wobei der Ausgangspunkt beim Gärtnern ein anderer ist als beim Kochen (wo Fehler sich umgehend rächen). Es muß so viele geben, ja, es sollten immer mehr werden! Erstens: weil Gärtner schweigsame, scheue Zeitgenossen sind, die von selbst nicht gern berichten, mit welcher Art von Zuwendung sie diese empfindliche Schönheit hochbekommen haben und welchen Standort jene liebt. Wen also soll der ratlose Bodenbeackerer befragen? Dann: Zwar findet er an jeder Ecke heutzutage ein reiches Angebot an Samentütchen, Setzlingen, Werkzeug und Beiwerk. Doch überfällt es ihn an Orten, die Supermarkt, Tankstelle oder Ikea heißen. Hier ist Sachverstand die Ausnahme. Was also macht der aufgeschmissene Kunde? Er kauft ein Buch.

Dabei sind zwei Sparten zu unterscheiden. Die einen ermutigen den Laien, seinen zart keimenden Sachverstand fortzuentwickeln und zu experimentieren, indem er sich zunutze macht, was andere vor ihm erfahren (und erlitten) haben. Und dann gibt es andere, die seine Schaulust bedienen, sich über den Zaun zu lehnen, um einfach nur nachzusehen, wie es andere machen. Was häufig genug mit der Einsicht endet: Laß die Finger davon, das schaffst du nie. Für beide Sparten gibt es wunderbare Beispiele und ebenso spektakulär mißlungene. Die hier vorgestellte Auswahl neigt ersterem zu. Wobei daran zu erinnern ist, daß der homo horticus sich immer wieder abarbeiten wird am großen, am letzten Versuch der Schöpfung und ahnt, daß weiteres Scheitern in der Luft liegt.

Auf die strenge Tour.

Nein, furchtbar viele Freunde hat er nicht, der moderne Garten. Zu streng, zu roh, zu abgezirkelt. Üppige Blühfreude hingegen gilt als nahezu anstößig. Daran möchte dieser Band einiges ändern; sein Untertitel könnte auch heißen: Gerechtigkeit für das 20. Jahrhundert, und man wüßte gleich, woran man ist, gartenkunstmäßig. Denn es ist nichts weniger als der Versuch einer Ehrenrettung, der hier stattfindet. Nicht eben viele Beispiele moderner Gestaltung haben außer dem Lob der Experten auch den Zuspruch des Publikums gefunden.

Den modernen Garten nennt die Autorin Jane Brown "das verlorene Kind der internationalen modernen Bewegung in Kunst, Architektur und Design", und diese These belegt sie gut: Mit den Kapiteln über Künstler, Architekten und Landschaftsplaner, die sich - mehr oder weniger erfolgreich und hartnäckig - darum bemüht haben, dem Garten als gestaltete Umgebung zu seinem Recht zu verhelfen. Als da wären Paul Klee, Le Corbusier, Walter Gropius und nicht zu vergessen Arne Jacobsen. Sein berühmtes Gesamtkunstwerk, das St. Catherine's College in Oxford, vereint nahezu mustergültig alle zuvor erläuterten Gestaltungsprinzipien. Jane Brown ist eine geschickte Didaktikerin, zeigt sie doch die starken Verbindungen hinein in die traditionelle Gestaltung und kappt auf diese Weise gängige Vorurteile. Überdies wählt sie Beispiele für die verschiedenen Stilepochen - wunderbar elegant, einfallsreich der Umgebung angepaßt, die Bauten intelligent hervorhebend. Hier und da fällt die professionelle Inszenierung der Fotografen (Sofia Brignone und Alan Ward) etwas zu deutlich ins Auge.

Jane Brown: Der moderne Garten. Gartengeschichte des 20. Jahrhunderts. Eugen Ulmer, Stuttgart, 224 Seiten, 49,90 Euro.

Unser Gebieter, die Pflanze.

Wer gärtnert, weiß es: Gerade bei eintönigen Verrichtungen sprießen mitunter furiose Gedanken. So erging es auch dem amerikanischen Journalisten Michael Pollan: "Eine Biene würde sich im Garten vermutlich auch als Subjekt und die Blüte, deren Nektartropfen sie plündert, als Objekt betrachten." Und dabei verhält es sich gerade andersherum, behauptet Pollan. Es ist der Samen einer wunderbaren Theorie: daß nämlich im Bauplan der Pflanzen der Mensch als Werkzeug botanischer Evolution vorgesehen ist. Durch bestimmte Strategien veranlassen sie uns, ihre Verbreitung voranzutreiben. Dazu setzt beispielsweise der Apfel seine Süße ein, die Tulpe ihre Schönheit, und die Kartoffel nährt uns mit ihrer Stärke. Man mag das für vollkommen abwegig, für wissenschaftlich unhaltbar oder für den Auswuchs einer Neurose halten - kurzweilig liest sich Pollans Abhandlung allemal, da seine Beschreibungen den Vorzug haben, abgegriffene Metaphern zu meiden und alle naheliegenden Einwände amüsant zu entkräften.

Bei aller Genauigkeit erlaubt Pollan uns dennoch immer wieder, auch über den Autor als glücklichen Gärtner zu lachen - etwa über seine Karriere als Marihuana-Züchter. Eins allerdings verrät er nicht: ob die hochintelligenten Pflanzen nicht sogar den Namen dieses Autors zwecks Bestäubung des PR-Werts vorab erdacht haben.

Resümee: Die ideale Lektüre nach getaner Gartenarbeit fördert die Einsicht, daß menschliches Tun im Garten und anderswo stets von begrenzter Wirksamkeit ist.

Michael Pollan: Die Botanik der Begierde. Vier Pflanzen betrachten die Welt. Claassen Verlag München, 378 Seiten, 21 Euro.

Von Rosen und von Nasen.

Daß es so etwas noch gibt! Wer dieses Buch zum ersten Mal in die Hand nimmt, kommt um diesen Ausruf nicht herum. Und überraschend genug ist es, daß dieser Titel zu neuer Blüte ansetzt. Remontiert, wie der Rosenfreund sagen würde. Denn die Rosenbibel von Alma de L'Aigle, erstmals 1958 erschienen, war viele Jahre vergriffen. Unter echten Rosen-Narren wurde das Buch als Fotokopie herumgereicht. Besonders, nachdem ein Reprint ihres Werks "Ein Garten" die Neugier angestoßen hatte.

Was macht die Texte der Hamburger Lehrerin, Züchterin und Poetin so besonders? Ihre präzisen Beschreibungen, die niemals staubfadentrocken, sondern angewärmt von Erfahrung und, nun ja, Leidenschaft daherkommen. Das besonders Ungewöhnliche allerdings ist de L'Aigles Talent, Duft zu beschreiben. Zum Beispiel so: "nach Rotweinsuppe, mit Stangenkaneel und Zitronenschale". Oder: "großes Bukett, Tee, Teerose und Obst; dennoch unaufdringlich, luftselig". Oder: "nach reifen Himbeeren", "nach Kinderpudding", "nach Waldboden im Herbst", "nach Burgunder", "nach trocknem Tee".

Ganz taumelig macht soviel Nasenlust, die bekanntlich tief hinten im Stammhirn die Ratio unterläuft. Wer fragt da noch nach Fotos? Mühelos füllt die Phantasie deren Rolle aus: nämlich vor Augen zu führen, daß Rosen eben doch unbegreiflich sind.

Alma de L'Aigle: Begegnung mit Rosen. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg, 340 Seiten, 29,80 Euro.

Pastellfarbene Scheinblüte.

Ein Gartenbuch, das die Welt nicht braucht. Allein der Titel läßt natürliche Abwehrmechanismen anspringen. Nach zehn Minuten spätestens begreift der Gartenbuch-Flaneur, daß das beschworene Geheimnis des Titelhelden Markus Lederleitner nicht viel Geheimnisvolles birgt außer Klischees wie "ganzheitliches Wohlbefinden" oder "Blüten aus Samt". Der Leser spürt die Absicht und ist verstimmt: Eine PR-Schrift für einen österreichischen Grünunternehmer . . . Der spärliche Text trieft vor Betulichkeit. Die Fotos hingegen sowie dies und das in Lederleitners Werkstatt bieten Gelegenheit, mit den Augen zu stehlen (die Früchte des Gomphoricarpus, mit einer Tomate kombiniert, Dill in einer Amphore - doch, das hat etwas). Zwingend macht es die Lektüre nicht.

Gisela Winkelhofer (Text), Inge Prader (Fotos): Lebenskultur mit Natur. Edition artCo, Wien 2002, 144 Seiten, 38 Euro.

Neues vom Rosen-Kavalier.

Merkwürdig sieht es ja aus, dieses eingekreiste "R" hinter dem Namen des Autors. Dieser Engländer, Züchter und Rosenschulmeister hat es also geschafft, sich selbst zum Markenartikel zu erklären. Mehr noch: Die ganze Familie führt ein Leben im Namen der R, ist doch inzwischen fast jeder der Austins Pate einer Neuheit geworden, Schwiegertöchter inklusive.

Wie viele Rosenbücher von David Austin gibt es bereits? Noch nicht genug, wie es scheint, wuchert doch der Wissensdurst der Rosenfreunde ebenso wie die Schaffensfreude des Experten. Und wie die Hoffnung der Verlage, der Boom der Gartenbücher sei durch eine Variante des Bewährten noch zu düngen. Aber genug gekrittelt. In einem verregneten Sommer wie diesem bieten Austins Ausführungen Ausgleich für entgangene Freuden: Ausführlich, systematisch und solide führt der britische Rosen-Kavalier in sein Thema ein, nach dem Motto: Rosen für Doofe. Bietet einen Überblick über diverse Züchtungen und Gattungen, über Fortschritte und Rückschläge, charakterisiert Sorten und ihre Eigenschaften. Extralob: Es gibt ein Register, gerade bei Gartenbüchern keine Selbstverständlichkeit.

David Austin: Englische Rosen. Tradition und Schönheit. DuMont Verlag, Köln 2002, 160 Seiten, 34 Euro.

Blühen, aber bißchen plötzlich!

Der Traum ist alt: Genuß im Garten, und zwar auf der Stelle. Früher hat das manchen ruiniert, man denke nur an den Fürsten Pückler, der Warten für Zeitverschwendung hielt und daher gleich ausgewachsene Solitäre aus aller Herren Ländern herbeischleppen ließ. Heute muß der Wunsch nach Instant-Genuß nicht unbedingt den Bankrott bedeuten. Ein kleiner Garten, originell und blühfreudig, mit Sitzplatz und Rabatte, ans Haus geschmiegt und doch vor Einblick geschützt? Bitte sehr, die Autorin verspricht "schnelle Lösungen für Ungeduldige".

Wer hingegen nicht mehr ganz grün hinter den Ohren ist, kennt auch die Fallen der Ungeduld: zu eng gepflanzt, falscher Standort, Farben und Höhen, die nicht harmonieren, und Turbo-Pflanzen, die alle Pläne durchkreuzen. Die meisten der hier ausgebreiteten Vorschläge sind realistisch und nachvollziehbar. Rollrasen allerdings muß nicht immer die beste Lösung sein.

Pluspunkt: Zum Glück werden zahlreiche Bodendecker-Alternativen genannt, um dem ubiquitären Cotoneaster endlich das Wuchs-Handwerk zu legen. Bedauerlich, daß Balkon und Terrasse nur am Rande abgehandelt werden, obgleich hier wahrer Garten-fix-Bedarf besteht.

Dorothée Waechter: Garten fix! Schnelle Lösungen für Ungeduldige. blv Verlag, München, 144 Seiten, 14,95 Euro.

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Für Hobbygärtner nicht geeignet - warnt Stefan Rebenich. Alma de l'Aigles Rosenbuch aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in einem Reprint neu erschienen, ist für ihn vielmehr ein Dokument der Kultur- und Sozialgeschichte. Aus zweierlei Gründen. Immerhin hat die in Hamburg lebende Rosenexpertin etwa 700 Rosenarten zusammengetragen und mit ihren unterschiedlichen Duftnoten beschrieben. Diese Übersicht spiegelt für Rebenich veraltete Vorlieben jener Zeit, die historischen Exkurse der Autorin empfindet er als bildungsbeflissen und ermüdend, die Manie lauttreuer Wiedergabe fremdsprachlicher Rosennamen erregt seine Heiterkeit, die Mittel zur Schädlingsbekämpfung entsprechen keineswegs unseren umweltfreundlicheren Standards von heute. Darüber hinaus glaubt er, dass für de L'Aigle die autodidaktische Fortbildung zur Rosenexpertin einen Emanzipationsakt darstellte - allerdings den Konventionen ihrer bürgerlichen Herkunft verhaftet, wo man die Frau des Hauses gerne auch den Garten pflegen sah. Zur Qualität der Abbildungen macht Rebenich keine Anmerkungen.

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