Aufstieg und Fall des Macias Guili - Ikezawa, Natsuki

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Präsident Macias Guili - aus kleinen Verhältnissen stammend, in Japan aufgewachsen, danach zum autokratischen Herrscher einer mikronesischen Insel-Republik aufsteigend und schließlich untergehend. Ein politischer Roman über Ausübung und Missbrauch von Macht, über den Zusammenstoß der westlichen Moderne mit der archaischen Welt des Südpazifik. Gleichzeitig in der Reflexion von Guilis japanischen Lehrjahren, ein Entwicklungsroman. Und, wichtiger noch, ein Roman über Sexualität, Spiritualität und Tod, über archaische Dimensionen, die schließlich zum Sturz des Präsidenten führen.
Im Zentrum
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Produktbeschreibung
Präsident Macias Guili - aus kleinen Verhältnissen stammend, in Japan aufgewachsen, danach zum autokratischen Herrscher einer mikronesischen Insel-Republik aufsteigend und schließlich untergehend.
Ein politischer Roman über Ausübung und Missbrauch von Macht, über den Zusammenstoß der westlichen Moderne mit der archaischen Welt des Südpazifik. Gleichzeitig in der Reflexion von Guilis japanischen Lehrjahren, ein Entwicklungsroman. Und, wichtiger noch, ein Roman über Sexualität, Spiritualität und Tod, über archaische Dimensionen, die schließlich zum Sturz des Präsidenten führen.
Im Zentrum dieses äußerst vielschichtigen und zugleich spannenden Buches steht Präsident Macias Guili - aus kleinen Verhältnissen stammend, in Japan aufgewachsen, danach zum autokratischen Herrscher einer mikronesischen Insel-Republik aufsteigend und schließlich untergehend. Ein politischer Roman über Ausübung und Missbrauch von Macht, über den Zusammenstoß der westlichen Moderne mit der archaischen Welt des Südpazifik, aber auch ein Roman über Sexualität, Spiritualität und Tod, über archaische Dimensionen, die schließlich zum Sturz des Präsidenten führen. Dem europäischen Realismus ebenso verpflichtet wie dem magischen Realismus eines Gabriel Garcia Márquez, gelingt dem Autor die Schaffung einer Welt, in der scheinbar disparate Elemente auf überraschende Weise gelöst werden. Ikezawa Natsuki, geboren 1945 in Hokkaido, gehört zu den bedeutendsten Autoren Japans.
  • Produktdetails
  • Japan-Edition
  • Verlag: Edition Q
  • Seitenzahl: 504
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 504 S. 222 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 159mm x 40mm
  • Gewicht: 825g
  • ISBN-13: 9783861245407
  • ISBN-10: 386124540X
  • Artikelnr.: 09806218
Autorenporträt
Ikezawa Natsuki, geboren 1945 in Obihiro (Hokkaido) als Sohn eines Romanciers und einer Dichterin, gehört heute zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Japans. Nach abgebrochenem Physikstudium an der Saitama Universität schlägt er sich zunächst mit kleinen Übersetzungsaufträgen durch und lebt für einige Jahre in Griechenland. Er übersetzt griechische Lyrik und schreibt selbst Gedichte. Nach seiner Rückkehr nach Japan übersetzt er amerikanische Autoren wie Kurt Vonnegut, Jach Kerouac oder John Updike. Er wendet sich nun der Prosa zu und ab 1984 entstehen zahlreiche Romane und Erzählungen. Für seine Arbeiten hat er bereits zahlreiche Preise erhalten. Ikezawa zieht 1993 nach Okinawa. Von 2005 - 2009 lebt er in Fontainmebleau bei Paris. Danach übersiedelt er nach Sapporo auf Hokkaido.
Rezensionen
Besprechung von 10.03.2003
Teigwaren der Globalisierung
Mythologie in der Südsee: Ikezawa Natsuki erzählt unter Palmen

Die dünnen krausen Nudeln in einer kräftigen heißen Fleischbrühe mit diversen obenauf gelegten Zutaten, Râmen genannt, die aus einer tiefen Schale geschlürft werden, gehören zu den beliebtesten Gerichten in Japan. Râmen sind beispielsweise das Hauptthema von "Tampopo", dem Kultfilm des Regisseurs Itami Jûzô. Und Râmen spielen auch in dem ersten ins Deutsche übersetzten Roman des japanischen Autors Ikezawa Natsuki eine wichtige Rolle. Sein Held entdeckt im Jahre 1959 in Japan eine Nudelsuppe, die "Instant Râmen" heißt und die ihn zum erfolgreichsten Geschäftsmann seiner Heimat macht, worauf er schließlich sogar zum Staatspräsidenten der Demokratischen Republik Navidad avanciert. Die Nudeln stehen für die Assimilation der Inselbewohner an die neue Zeit, den Einzug eines kapitalistischen Wirtschaftssystems und die ökonomische, politische und kulturelle Bindung an Japan, den potenten Nachbarn im Norden.

Macias Guili regiert seine mikronesische Inselrepublik, das "kleinste Land der Welt", nach außen mit Umsicht und nach innen mit diktatorischem Nachdruck, bestrebt, seiner Nation durch geschickt lavierende Allianzen mit Japan eine relative Unabhängigkeit zu wahren. Dabei hat die Inselgruppe im Westpazifik einige Erfahrungen nicht nur mit den Japanern, sondern, seit dem siebzehnten Jahrhundert, mit ihren "Entdeckern", den Spaniern, und anschließend mit den Deutschen gemacht, den verspäteten Kolonialisten, die ihren Vorgängern das Inselreich im letzten Jahr des neunzehnten Jahrhunderts abkauften. "Die Spanier hatten sie die Existenz des Paradieses gelehrt, die Deutschen lehrten sie, wie groß die irdische Welt war." Und die Armeen Japans und der Vereinigten Staaten zeigten den Insulanern, "wie das Leben in der Hölle aussah". Immerhin verdanken sie den Japanern eine neue Eßkultur: "Die Japaner taten bei uns vieles, aber die größte Wohltat erwiesen sie uns damit, daß sie uns lehrten, wie Reis schmeckt."

Von Politik im Großen und im Kleinen und vom Essen also handelt dieser Roman, von Kolonialisten- und Touristenträumen und vom Aufstieg und Fall eines Mannes, der nicht einmal sicher weiß, wer sein Vater war, und der sich zeit seines Lebens fragt, ob dieser japanische Fischer seine Mutter, die bei seiner Geburt starb, vergewaltigt hat: "Aber sicher, sicher habe ich ihr Gewalt angetan! Ich habe sie von Herzen geliebt!" Macias Guili selbst pflegt Kontakt nur noch mit drei Frauen - seiner japanischen Hausdame, die ihm allmorgendlich sein japanisches Frühstück serviert und ihn geschickt nach außen abschirmt, der Bordellbesitzerin Angelina und seiner Beraterin Emeliana, einer Einheimischen mit spirituellen Kräften, die ihn über Mythen und Magie an seine Herkunft erdet. Wie Guili selbst aus Melchor, der arm gebliebenen, abseits liegenden kleineren der drei Inseln, stammend, verkörpert sie die archaische Welt, die auch Macias so sehr in ihren zeitlosen Bann zieht, daß er darüber der Welt des Fortschritts, der Macht und des Gewinnstrebens abhanden kommt.

Beständig changiert dieses farbige Epos zwischen realistischer Schilderung und magischen Episoden und webt Südsee-Bilder von Geisterwelt und Ahnenkult, von glasklarem Wasser, Palmen und kreischendem Vogelgestöber vor Sonnenaufgang mit konsumkritischen und globalisierungsskeptischen Passagen zusammen. "Fangen wir am Morgen an. Tauchen doch alle interessanten Geschichten aus dem Zwielicht früher Stunden auf." So setzt dieser Roman ein, der seinen Helden nach wenigen Wochen Erzählgegenwart und zahlreichen Rückblenden und Exkursen in die nahe und ferne Vergangenheit der mythischen, der Traumwelt zurückgibt, die sich als die stärkere Kraft erweist.

Der Autor Ikezawa Natsuki, Jahrgang 1945, der mehrere Jahre in Griechenland lebte und sich zunächst als Lyriker und Übersetzer amerikanischer Literatur einen Namen machte, hat mit diesem 1993 im Original erschienenen Roman ein kraftvoll gestaltetes Tableau vom Leben der Geister und der Menschen im Zeitalter der Globalisierung gemalt. Gern spricht man in Japan bei Ikezawa wie bei seinem Landsmann Murakami Haruki vom magischen Realismus lateinamerikanischen Ursprungs, der hier auf fruchtbaren Boden gefallen sei. Noch ein Fall von Globalisierung?

IRMELA HIJIYA-KIRSCHNEREIT.

Ikezawa Natsuki: "Aufstieg und Fall des Macias Guili". Roman. Aus dem Japanischen übersetzt von Otto Putz. Edition q, Berlin 2002. 504 S., geb., 29,70 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Der Roman spielt in einem fiktiven mikronesischen Inselstaat namens Navidad und erzählt die Geschichte von Aufstieg und Fall des, wie Ludger Lütkehaus findet, mehr schlitzohrigen als totalitären Dikators Macias Giuli. Besonders liegen dem Autor in seinem Roman die Beziehungen zu Japan am Herzen, geschildert wird das rasante Eindringen des Kapitalismus, aber auch die gewaltsame Beseitigung des allzu "amerikanahen" Konkurrenten ums Präsidentenamt. Ganz zurecht, befindet der Rezensent, wurde das Buch in seiner Heimat preisgekrönt, es unterhält von der ersten bis zur letzten Seite (und es liegen ja einige dazwischen). Hoch greift er beim Vergleich, nämlich zu Gabriel Garcia Marquez, nennt aber Natsuki im gleichen Atemzug einen ganz "unverwechselbaren Autor".

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