Aufbruch ins 20. Jahrhundert - Arnold, Heinz L (Hrsg.)

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Der Sonderband sucht nach Erklärungen für die Bedingungen und Funktionsweisen der Avantgarden und gibt einen differenzierten Überblick über unterschiedliche Avantgarde-Bewegungen vor allem im deutschen Sprachraum, über ihre Beziehungen zu den politischen Bewegungen und über ihre Auswirkungen auf die kulturellen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts.…mehr

Produktbeschreibung
Der Sonderband sucht nach Erklärungen für die Bedingungen und Funktionsweisen der Avantgarden und gibt einen differenzierten Überblick über unterschiedliche Avantgarde-Bewegungen vor allem im deutschen Sprachraum, über ihre Beziehungen zu den politischen Bewegungen und über ihre Auswirkungen auf die kulturellen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts.
  • Produktdetails
  • Text und Kritik
  • Verlag: Edition Text + Kritik / edition text + kritik
  • Seitenzahl: 312
  • Erscheinungstermin: Januar 2001
  • Deutsch
  • Abmessung: 230mm x 151mm x 37mm
  • Gewicht: 502g
  • ISBN-13: 9783883776859
  • ISBN-10: 3883776858
  • Artikelnr.: 09756780
Inhaltsangabe
Gerhard Plumpe: Avantgarde. Notizen zum historischen ort ihrer Programme I Kriegsschauplatz Öffetnlichkeit
Uwe Lindemann: Kriegsschauplatz Öffentlichkeit. Die Sturmtrupps, Partisanen und Terroristen der künstlerischen Avantgarde
Ingo Stöckmann: Avantgarde und juristischer Diskurs
Walter Fähnders: Avantgarde und politische Bewegungen
Hanno Ehrlicher: Entleerte Innenräume. Avantgarde als Fluchtbewegung
Winfried Mogge: "Lebenserneuerung durch den Geist der Jugend". Die Jugendbewegung zwischen Avantgarde und Reaktion
Katharina Keim: Körper
Raum
Bewegung. Tendenzen der Theateravantgarde zwischen Jahrhundertwende und Neuer Sachlichkeit
Evelyn Deutsch
Schreiner: Impulse aus Wien für die Theater
Avantgarde
Norbert M. Schmitz: Der Film der klassischen Avantgarde oder Die gescheiterte Autonomie des Kinos
Stephan Füssel: Verlage der Avantgarde 1880
1930
Ute Schneider: Artikulationsort Zeitschrift
Klaus Stadtmüller: Von K und M zu S. Hannover als Ort der Avantgarde
Annette Hülsenbeck / Ortrun Niethammer: Avantgarde, Lappalien und das moderne Kleid II Lektüren
Hugo Ball: Tenderenda der Phantast
Thomas Kling: "Liebling, soeben ist die Maschine angekommen". Hugo Ball und Emmy Hennings
Gottfried Benn: Morgue
Norbert Blüm: Gottfired Benn
Morgue 1912
Kurt Schwitters: AN ANNA BLUME. (Merzgedicht 1)
Barbara Köhler: Seine Beine. Eine Fallstudie
Friedrich Glauser: Dada und andere Erinnerungen
Stefan Banz: Flucht aus der Zeit. Friedirch Glauser und Dada
Else Lasker
Schüler: Mein blaues Klavier
Yoko Tawada: Zu Else Lasker
Schülers "Mein blaues Klavier"
Carl Einstein: Die Fabrikation der Fiktionen
Helmut Heissenbüttel: Attacke gegen die Intellektuellen. Zu Carl Einsteins "Farbrikatino der Fiktionen" III Arrièregarde
Boris Groys: Sozialistischer Realismus
mehr als nur ein Stil. Zwischen Modernismus und Postmoderne
Hans Dieter Schäfer: Avantgarde als Werbung und Geste der Langen Fünfziger Jahre oder Höderlin im Turm
Notizen
Rezensionen
Besprechung von 27.08.2002
Vorwärts! Avanti! Uns nach!
Ein Sonderband von "Text + Kritik" über Avantgarden

"Öffentliches Ärgernis zu erregen", so Walter Benjamin, sei das vorrangige Ziel futuristischer Kunst. Das "Manifest der futuristischen Maler" von 1910 erklärt denn auch "allen Künstlern und allen Institutionen den Krieg", die "an der Tradition, dem Akademismus und vor allem an einer widerwärtigen geistigen Trägheit festkleben". Auch andere Stoßtrupps der europäischen Avantgarde knüpfen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an die ursprüngliche militärische Wortbedeutung an und setzen sich als "Vorhut" an die Spitze von Kunstbewegungen. Ihre geistige Kriegsführung wird von aggressiver Propaganda und karnevalesken Aktionen flankiert. Gekämpft wird mit allen verfügbaren Waffen der Ästhetik - mit Schreibstift und Pinsel ebenso wie mit der Filmkamera, dem sprechenden Körper oder der reproduzierbaren Stimme.

Avantgarden verweigern sich prinzipiell der Beschränkung und Festlegung. Hans Ludwig Arnolds vorliegende Auswahl macht aus dieser Not eine Tugend. Natürlich steht die Literatur im Zentrum, also die Poetik der Infragestellung und des assoziativen, unabgeschlossenen, experimentellen und materialen Umgangs mit Sprache. Doch die dafür verantwortlichen Programme erschließen sich am ehesten aus den sozialen und politischen Aufbruchs- und Protestbewegungen der Zeit. Denn die Avantgarde verfügt neben der militärischen über eine frühsozialistische Wortgeschichte, die der Übertragung auf die Kunst durch die Saint-Simonisten vorangeht. An politische Losungen wie "Vorwärts! Avanti! Uns nach!" knüpfen die Kunstinstitutionen an: Die Berliner "Sturm-Bühne" oder die Hamburger "Kampf-Bühne", Zeitschriften wie "Die Rote Erde", "Die Revolution" oder "Die Aktion", Schriftenreihen wie "Der jüngste Tag" oder "Die Silbergäule". Damit befassen sich einzelne Beiträge, die dem Theater, den Journalen oder Verlagen der Avantgarde gewidmet sind. Literarische Texte lassen sich aber auch auf Jugendbewegungen der Zeit zurückführen oder als Sturmlauf gegen Rechtsbestimmungen lesen, die etwa vor Gotteslästerung, Verunglimpfung oder Verbreitung unzüchtiger Darstellungen schützen sollen.

Diesen historischen Erkundungen von Literatur-, Medien- und Buchwissenschaftlern folgen im zweiten Teil des Bandes "Lektüren". Vielleicht verdanken wir es dem antiakademischen Gestus aller Avantgarden, daß hier erfreulicherweise Interpreten aus Kunst und Öffentlichkeit zu Wort kommen. Norbert Blüm stellt etwa Gottfried Benns "Morgue" als "Requiem auf das bürgerliche Gesellschaftsvertrauen" vor. Und Autoren wie Helmut Heißenbüttel, Thomas Kling oder Barbara Köhler lesen Texte von Friedrich Glauser, Carl Einstein, Hugo Ball oder Kurt Schwitters. Insgesamt bietet der Band ein vielseitiges Panorama konkurrierender avantgardistischer Strömungen. Kurzlebig und zum Scheitern verurteilt waren sie allesamt, doch als provokative Stimulationen von unschätzbarer Wirkung auf die Kunst und Literatur der Moderne.

ALEXANDER KOSENINA.

"Aufbruch ins 20. Jahrhundert". Über Avantgarden. Text + Kritik. Sonderband IX. Edition Text + Kritik, München 2001. 312 S., br., 24,50 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ansprechend und erfrischend antiakademisch, wie sich das für einen Sammelband zum Thema "Avantgarden" gehört, findet Alexander Kosenina den von Hans Ludwig Arnold herausgegebenen Materialband, der naheliegenderweise die Literatur ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit rückt. Da gerade das Unabgeschlossene, Experimentelle, Assoziative ein Kennzeichen der Avantgarden ist, bemerkt Kosenina, seien sie auch schwer zu definieren und einzukreisen. Dieses Problem umschiffe der Band klugerweise, indem er sich den verschiedensten Bewegungen des 20. Jahrhunderts einfach überlasse. Ihre Programmatik - Dadaismus, Futurismus, Expressionismus etc - erschließe sich am besten, wie der Band belege, über den Kontext der sie begleitenden sozialen und politischen Aufbruchsbewegungen. Auf diese sozial- und literaturhistorischen Exkurse folgt ein zweiter Teil, berichtet Kosenina, der unter der Überschrift "Lektüren" einzelnen Texten auf der Spur sei. Verschiedene Persönlichkeiten bieten ihre Lesart an: Autoren wie Heißenbüttel, Kling oder Barbara Köhler kommen dabei zu Wort, aber auch der Politiker Norbert Blüm, der Gottfried Benns "Morgue" interpretiert.

© Perlentaucher Medien GmbH