Produktdetails
  • Verlag: Gerstenberg
  • ISBN-13: 9783806728767
  • ISBN-10: 3806728763
  • Artikelnr.: 09410177
Rezensionen
Besprechung von 21.03.2001
Was wir schon immer über die Liebe wissen wollten . . . In den Erzählungen von Stefan Zweig kann man es erfahren. Und ahnen in den Bildern der Fassaden, Höfe, Paläste, die gesammelt sind in dem Band Stefan Zweig und Wien (Text Catherine Sauvat, Fotos Hélène Moulonguet. Deutsch von Sylvia Strasser. Gerstenberg Verlag, 167 S. , 68 Mark).
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Dieser Band ist in den Augen eines mit "bmal" kürzelnden Rezensenten "Zeuge eines opulenten Umgangs mit Literatur", der weniger von der gedanklichen Durchdringung als vom "Assoziationsreichtum der Bilder" lebe. Doch auch auf den "üppigen Farbbildern" von Hélène Moulonguet vermisst "bmal" manchmal die "atmosphärische Dichte". Ein Buch für Leser, meint er, die "schon immer einmal beim Heurigen Zweig lesen wollten" und nur noch auf eine Ermunterung von "berufener Seite" gewartet hätten. Aufschlussreich findet der Rezensent an den Texten der französischen Germanistin Catherine Sauvat allerdings jene Kapitel, die "Zweigs Psychologie in den erotischen Obsessionen der Wiener Kunstszene verorten" sowie einen Zusammenhang zwischen der Ikonografie der Zeit und den Beziehungsmustern in Zweigs Werk herstellen würden.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 25.08.2001
Wien im Weichzeichner: Stefan Zweig und der nostalgische Blick

"Leben und leben lassen" sei ein Grundsatz Wiens gewesen, schreibt Stefan Zweig 1942 wehmütig aus dem Exil. Die Bärbeißigkeit, mit der die Donaumetropole während ihrer todgeweihten Blütezeit liberale Intellektuelle abstrafte, hätte seine Erinnerungen kritischer färben müssen, ebenso der allgegenwärtige Antisemitismus. Bereits 1913 hatte sich Zweig eigentlich von Wien losgesagt: "Wien ist ein Sumpf für mich." Wie viele seiner Protagonisten scheute er die Tuchfühlung mit der Wirklichkeit und suchte ein Leben "hart hinter den Träumen". Die französische Germanistin Catherine Sauvat hat in Wien den Wurzeln dieser charakteristischen Melange aus Lebensgier und Todessehnsucht, Freigeisterei und kakanischer Äußerlichkeit nachgespürt.

In dem von Hélène Moulonguet reich bebilderten Band "Stefan Zweig und Wien" versucht sie, geistige und reale Topographien in eins zu schmelzen. Graphisch setzt das Buch durch einen ausgewogenen Rhythmus zwischen kleinparzellierten Textseiten mit meist historischen Bildern und doppelseitigen farbigen Großaufnahmen Akzente. Unsere Abbildung zeigt den Schottenring mit der neugotischen Votivkirche um 1905.

Nicht immer ist allerdings diesen üppigen Farbbildern die atmosphärische Dichte zu eigen, die beispielsweise die Aufnahmen aus der Caféhausszene auszeichnet. Vor allem die Bilder von Parklandschaften stehen oft nur in losem Verhältnis zu den thematischen Schwerpunkten und sind auch fotografisch weniger gelungen. Aufschlußreich sind die Kapitel, die Zweigs Psychologie in den erotischen Obsessionen der Wiener Kunstszene verorten und einen Zusammenhang zwischen der Ikonographie der Zeit und den Beziehungsmustern in Zweigs Werk stiften.

Der Band ist Zeuge eines opulenten Umgangs mit Literatur, der weniger von der gedanklichen Durchdringung als vom Assoziationsreichtum der Bebilderung lebt. Unaufdringlich und streiflichtartig setzt er den Leser ins Bild, der schon immer einmal beim Heurigen Zweig lesen wollte und nur auf eine Ermunterung von berufener Seite gewartet hat. (Catherine Sauvat, Hélène Moulonguet: "Stefan Zweig und Wien". Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2000. 168 S., Abb., geb., 68,- DM.)

bmal

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