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Zwei verfeindete Länder, zwei verwandte Seelen
Während ihre Landsleute im ersten modernen „Großen Krieg“ gegeneinander kämpfen, werden Stefan Zweig und Romain Rolland zu intimen Brieffreunden: Von Rollands europäischer Haltung tief beeindruckt, schrieb Zweig dem französischen Schriftstellerkollegen 1910 einen Brief, der zum Anfangspunkt eines lebenslangen Zwiegesprächs werden sollte. Diese erstaunlichen Schriftstücke gewähren einen intimen Einblick in erlebte europäische (Geistes-)Geschichte und sind zugleich Belege einer großherzigen Freundschaft.
Auch als der Erste Weltkrieg aufzog,
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Produktbeschreibung
Zwei verfeindete Länder, zwei verwandte Seelen

Während ihre Landsleute im ersten modernen „Großen Krieg“ gegeneinander kämpfen, werden Stefan Zweig und Romain Rolland zu intimen Brieffreunden: Von Rollands europäischer Haltung tief beeindruckt, schrieb Zweig dem französischen Schriftstellerkollegen 1910 einen Brief, der zum Anfangspunkt eines lebenslangen Zwiegesprächs werden sollte. Diese erstaunlichen Schriftstücke gewähren einen intimen Einblick in erlebte europäische (Geistes-)Geschichte und sind zugleich Belege einer großherzigen Freundschaft.

Auch als der Erste Weltkrieg aufzog, hielten diese zwei europäischen Geistesgrößen des 20. Jahrhunderts an ihrem Austausch fest, an ihrer gemeinsamen Identität als Europäer. Erst in der Auseinandersetzung mit dem fünfzehn Jahre älteren Romain Rolland reifte Stefan Zweig zu dem kompromisslosen Pazifisten heran, der er für den Rest seines Lebens bleiben sollte. Diese Briefe – offenherzig das eigene Tun und Schaffen reflektierend und in Weltzusammenhänge stellend, mit ehrlicher Aufmerksamkeit für den anderen – sind gerade heute von unabweisbarer Aktualität und zugleich ein eminent wichtiges, berührendes Zeitzeugnis. Mit umfangreichem Hintergrundmaterial.

Mit einem Begleitwort von Peter Handke
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau Digital
  • Seitenzahl: 480
  • Erscheinungstermin: 16.07.2014
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783841208163
  • Artikelnr.: 41139486
Autorenporträt
Romain Rolland, geb. 1866 in Clamecy, gest. 1944 in Vézelay, Sohn eines Notars; 1880 Übersiedlung nach Paris, 1886-1889 Studium, 1895 Lehrtätigkeit an der École Normale Supérieure. Ab 1912 lebte er als freier Schriftsteller mit längeren Aufenthalten in Italien und der Schweiz. Er schrieb Romane, politische Schriften, musikwissenschaftliche Arbeiten, Dramen, Tagebücher. 1915 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als dokumentiertes Ringen um den Frieden schätzt Rezensent Niklas Bender den Briefwechsel zwischen Stefan Zweig und Romain Rolland. Die intellektuelle Auseinandersetzung der beiden Kulturvermittler an verschiedenen Fronten zwischen 1914 und 1918 findet er höchst spannend. Was für Bender etwas langweilig als gegenseitige Respektsbezeugung und Feier der Harmonie der Menschheit beginnt, wird während des Krieges zum durchaus herben Schlagabtausch, meint er. Dabei zeigt sich ihm Zweig als etwas naiver Vertreter eines obrigkeitshörigen Bürgertums, Rolland hingegen als Realist mit Kalkül. Lesenswert, findet Bender, der auch die "sorgfältige" Übersetzung und Edition lobt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 26.09.2014
Nicht ganz überm Getümmel
Romain Rolland und Stefan Zweig tauschen sich aus im Ersten Weltkrieg – ein europäischer Briefverkehr
Im ersten erhaltenen Brief an den jungen, kaum dreißig Jahre alten österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig schrieb sein anderthalb Jahrzehnte älterer, schon berühmter französischer Kollege Romain Rolland: „Und Sie sind ein Europäer. Ich bin es auch, aus vollem Herzen. Die Zeit ist nicht mehr fern, da selbst Europa das kleine Vaterland sein und uns nicht mehr genügen wird.“ Das war am 1. Mai 1910. Damals hatte Rollands Hauptwerk, der „Jean Christophe“, die Geschichte eines deutschen Komponisten, der in Paris zu einem halben Franzosen wird, schon zu erscheinen begonnen.
  Der Wiener jüdische Großbürger Zweig, der zur gleichen Zeit mit Übersetzungen und einem Buch für den französischsprachigen belgischen Dichter Émile Verhaeren warb, war so beeindruckt, dass er sich für eine Übersetzung des „Johann Christoph“ ins Deutsche einsetzte. Sie kam etappenweise, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg bis 1918 zustande; in den zwanziger Jahren spielte der Roman eine wichtige Rolle bei den neuen Bemühungen um eine Wiederannäherung zwischen Deutschen und Franzosen.
  „Europa“ blieb das Leitmotiv der bald in einem regelmäßigen Briefwechsel – er dauerte bis zu Zweigs Selbstmord im Jahr 1940 – verbundenen, immer berühmter werdenden Schriftsteller. „Mein Freund, unser Heil liegt jenseits der Vaterländer“, schrieb Rolland am 19. Mai 1915 an Zweig. „Von Welt zu Welt“ ist der Titel, den der Aufbau-Verlag nun einer Neuausgabe der Briefe bis Ende 1918 gegeben hat. Aber eigentlich lebten Rolland und Zweig in der gleichen Welt, dem Europa der Vaterländer, das immer noch eine Schicht kosmopolitischer, umfassend, nämlich „abendländisch“ gebildeter Literaten besaß. Dieser Schriftverkehr gehört bei aller Herzlichkeit zu den fast offiziellen europäischen Korrespondenzen, wie es sie selbst im Zeitalter des Hochnationalismus unter Dichtern und Gelehrten immer gab – man denke an Flaubert und Turgenjew oder Thomas Mann und Benedetto Croce. Der Briefaustausch spielte sich zweisprachig ab, denn Zweig und Rolland waren der Sprache des Gegenübers mächtig, man wechselte auf beiden Seiten geschmeidig immer wieder das
Idiom.
  In deutscher Sprache lag der Briefwechsel seit 1987 in einer wuchtigen zweibändigen Ausgabe des DDR-Verlags Rütten & Loening vor, des Nachfolgers von Rollands deutschem Vorkriegsverleger. In der DDR war Rolland, der im Westen allmählich in den Schatten respektvollen Vergessens sank, ein weiter gepflegter Klassiker, was weniger an seinem Europa-Idealismus und seinem Pazifismus lag als an seinen Sympathien für die russische Revolution und Lenin. Zweig blieb im Westen der Bestseller-Autor, zu dem er in den zwanziger Jahren geworden war, und auch der Osten druckte seine populär-schwungvollen Bücher gern nach.
  Jetzt zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg eine Neuausgabe des Briefaustauschs der beiden hochherzigen, weniger literarisch als politisch fortschrittlichen Autoren bis zum Ende des Jahrs 1918 zu veranstalten, ist ein naheliegender Einfall. Peter Handke, den Österreicher, der bei Paris lebt, um ein „Begleitwort“ zu bitten, lag ebenfalls nahe, und wunderbarerweise kam es auch zu Stande; gebührend lobt es, dass Zweig und Rolland, anders als beispielsweise Thomas Mann, dem Völkerhass des Krieges widerstanden.
  Und wirklich ist der Briefwechsel ein großes Beispiel für die Zügelung von Leidenschaften. Wer eine heutige Gegenprobe dazu machen wollte, müsste sich und seine eigenen Affekte, vor allem seinen Nachrichtenkonsum bei aktuellen Krisen, sei es in Gaza oder in der Ukraine, prüfen und dann vergleichend lesen, was diese Briefschreiber an Auseinandersetzung über Zeitfragen leisten. Denn einig sind sie sich, zumal im ersten Jahr des Kriegs, nur übers Grundsätzliche: Sie halten ihn für ein Unglück, sie bleiben ihren europäischen Idealen treu, sie bekunden Mitleid für die Wunden des anderen.
  Zweig ist zunächst noch in Wien, im Heeresarchiv, hat dort aber umfassende Übersicht über die Presse; Rolland arbeitet in Genf beim Roten Kreuz, er ist so an einem Knotenpunkt unzensierter Informationen. Ins national aufgepeitschte Frankreich will er nicht zurück, und auch Zweig darf seit 1917 dauerhaft bei Zürich leben, wo Österreich nicht ungern einen angesehenen Autor wirken lässt.
  Rolland und Zweig mischen sich bald in die aktuellen Debatten ein, die damals die internationale Öffentlichkeit zerfetzen; vor allem Rolland wird berühmt mit der Artikelserie „Au-dessus de la mêlée“ (Überm Schlachtgetümmel), die ihm noch 1918 einige der allergiftigsten Passagen in Thomas Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen“ eintrug. Umso bemerkenswerter ist, dass der Briefwechsel die beiden Friedensfreunde zunächst nicht ganz oberhalb des Getümmels zeigt; die Leidenschaften des Moments, die zwischen Deutschland und Frankreich aufflammen, nicht zuletzt ausgelöst vom deutschen Einmarsch und deutschen Gräueln in Belgien, aber auch durch die Beschießung der Kathedrale von Reims im September 1914, erreichen den edlen, universalistischen Patrioten Rolland und den großherzigen Belgien-Freund Zweig mit aller Wucht.
  Wurde die belgische Universitätsstadt Löwen Ende August 1914 wirklich in Schutt und Asche gelegt? Haben deutsche Soldaten Tausenden belgischen Kindern Arme und Füße abgehackt, um diese zu verspeisen? Wurde Reims, die französische Krönungskathedrale und ein Wunderwerk der Gotik, absichtlich mit Granaten beschossen, oder haben die Franzosen hier gar einen Schießstand errichtet? Hatte Verhaeren recht, sich von allen deutschsprachigen Freunden, also auch von seinem hingebungsvollen Übersetzer Zweig in wilden Hassgesängen loszusagen? Stimmt es, dass französische Politiker forderten, deutsche Verwundete erst einmal nicht zu versorgen?
  Alle Schrecklichkeiten gegenseitiger Vorwürfe toben auch durch diesen Briefwechsel der immer verzweifelteren Freunde. Zweig schickt Rolland eine Nummer der Neuen Rundschau , die einen nach seiner Ansicht realistischen Bericht von der Eroberung Lüttichs enthält, als Gegengift zur „Gräuelberichterstattung“ der Entente-Presse. Aber just diese Nummer enthält auch Thomas Manns „Gedanken im Kriege“, die Rolland „monströs“ findet, was er sogleich in „Au-dessus de la mêlée“ laut erklärt – um damit die schon erwähnte Gegenpolemik hervorzurufen.
  Hätte diese Ausgabe einen einlässlichen Sachkommentar, dann könnte der Briefwechsel, der sich je länger je mehr zu einvernehmlich resignierter Freundschaft beruhigt, ein Exempel auch für unsere Tage werden. Denn die Fragen, die die Herren einander stellen, wären zu beantworten: Ja, Löwen wurde in Schutt und Asche gelegt, was damals kaum ein deutscher Kulturmensch glauben wollte, aber die Geschichte mit den Kinderhänden stimmt nicht; Reims war Teil eines „normalen“ Kriegsgeschehens, was schrecklich genug war, aber kein gezieltes Brandopfer wie die Bibliothek in Löwen.
  Solche Streitfragen zu aufwühlenden Informationen kennen wir derzeit zuhauf, aus der Ukraine, aus dem Nahen Osten. Wer diesen Briefwechsel mit einer großen Bibliothek um sich studiert, lernt etwas über offenen Austausch, Affektbeherrschung, Versöhnung, über Pressehetze und Verzweiflung – über aktuelle Probleme also. Aber leider hat der Verlag sich die Mühe nicht gemacht, dieses wichtige Dokument endlich zu erschließen.
  Schon die Ausgabe von 1987 enthielt nur die summarischen Zeittafeln, die jetzt recycelt werden. Dabei muss man zugestehen, dass beispielsweise die Erforschung der deutschen Kriegsgräuel von 1914 in Belgien seither enorme Fortschritte gemacht hat. Damals, in der DDR, mag auch verlegerische Vorsicht vor allzu detaillierter Kommentierung zurückgeschreckt sein. Aber heute? Das vornehme Geleitwort von Handke genügt nicht. Wenn man ein Beispiel des heutigen Höchststandes im historischen Kommentieren vergleichen will, nehme man Gerhard Schusters Kommentarband zum Briefwechsel zwischen Rudolf Borchardt und Hugo von Hofmannsthal, der in diesem Frühjahr in der Edition Tenschert des Hanser Verlags erschien. Nur mit solcher Genauigkeit werden die alten Leidenschaften begreiflich und damit belehrend, übrigens auch unterhaltend-interessant. Denn dass es, ganz allgemein, besser ist, wenn Europas Völker sich nicht abschlachten, dürfte ja unstrittig sein. Dafür, zum reinen Wohlgefühl, musste man diese Dokumente nicht nachdrucken.
GUSTAV SEIBT
Romain Rolland, Stefan Zweig: Von Welt zu Welt. Briefe einer Freundschaft. Mit einem Begleitwort von Peter Handke. Aufbau Verlag, Berlin 2014. 461 Seiten, 24,95 Euro.
Rolland und Zweig mischen sich
bald in die Debatten ein, die
die Öffentlichkeit zerfetzen
Es fehlt ein Kommentar – durch
ihn würden alte Leidenschaften
begreiflich und damit belehrend
Romain Rolland.
Foto: SZ Photo/Scherl
Stefan Zweig.
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Besprechung von 04.10.2014
Das Schicksal des Weltmisstrauens

Was verehrungsvoll begann, entwickelte sich im Ersten Weltkrieg zur weltanschaulichen Krise: Stefan Zweigs und Romain Rollands Briefwechsel.

Von Niklas Bender

Der Erste Weltkrieg brachte neue Geräusche hervor: Konkret galt das für den Schlachtenlärm, der die Soldaten bis zur Betäubung beschallte, im übertragenen Sinne für das politisch-mediale Dröhnen hinter der Front - für besonnene Geister muss es schwer erträglich gewesen sein. Diese Geräuschkulisse lässt gemäßigte Stimmen markant und überzeugend klingen - wie die von Romain Rolland (1866 bis 1944) und Stefan Zweig (1881 bis 1942). Ihren Briefwechsel zu Kriegszeiten legt der Aufbau Verlag vor: Er zeigt zwei Verteidiger der deutsch-französischen Sache, zwei Kulturvermittler, die sich an feindlichen Fronten wiederfinden. Der intellektuelle Kampf, den sie fechten, ist spannend wie ein Krimi.

Romain Rolland, der Literaturnobelpreisträger von 1915, ist selbst in Frankreich vergessen; sein ehedem so berühmter Bildungsroman "Jean-Christophe" schlummert in Frieden. Stefan Zweig erfreut sich dagegen eines Publikums, gerade in Frankreich: Er ist dort der meistgelesene Autor deutscher Sprache und hat es 2013 in die Pléiade-Reihe geschafft; auch in Deutschland hat er eine treue Leserschaft. Bei vielen Gebildeten freilich steht er unter Kitschverdacht.

Tatsächlich, der Briefwechsel, der (anders als im Untertitel suggeriert) schon 1910 einsetzt, beginnt mit großherzigen Leerformeln. Zu Zweigs Gunsten muss man sagen: Der erst 28 Jahre alte, noch wenig bekannte Autor muss sich vorsichtig an den Älteren herantasten, der international bereits einen Namen hat. Der "Meister" (Rolland wird sich diese Anrede erst Jahre später verbitten) will umworben sein, und Zweig dient sich als Verbreiter seines Werks im deutschsprachigen Raum an. Selbst wenn man die Diplomatie in Rechnung stellt, ist offensichtlich, dass die tönernen Phrasen Denken und Stil der beiden verkörpern: Da spricht Rolland vom "harmonischen Zusammenhang der Menschheitsseele" und fährt das Pathos der laizistischen Linken auf. Zweig benutzt empfindsame Gemeinplätze und hält fest, dass es "keine schöpferische Kraft als Liebe und Achtung" gebe. Dazu könnten Sade, Baudelaire, Flaubert Erhellendes sagen, aber die Korrespondenten verehren Tolstoi, Whitman, Renan, Jaurès. Kurz: Man ist sich über "jene Freudigkeit des Weltrausches" (Zweig) einig. Da gähnt der Hund hinterm Ofen und bettet den Kopf auf die Pfote.

Munter wird er, als der Krieg ausbricht. Zweig engagiert sich an der Heimatfront in Wien; Rolland setzt sich beim Roten Kreuz in Genf ein. Die beiden führen ihre Korrespondenz fort, mit einem Mal jedoch stehen Einigkeit und hehre Ideale auf dem Spiel: Der Austausch zwischen europäischen Geistern und Menschheitspropheten wird unbequem. Es entsteht ein Informationsgefälle: Zweig mag Berichten von Greueln in Belgien oder Zerstörungen in Ostfrankreich nicht glauben ("Reims war eine Verleumdung"), während Rolland sie den Deutschen ankreidet. In der neutralen Schweiz, nahe am Herzen der internationalen Hilfsorganisation, ist er sicher besser informiert als Zweig, der in den ersten Monaten der Propaganda Glauben schenkt: "Ich verstehe die Bitterkeit eines Volkes, dem in der Weltgeschichte einige Siege wie jener von Tannenberg, wo eine Viertelmillion Russen bis auf den letzten Mann vernichtet wurden, einfach weggeleugnet werden und der Hass ihm den Ruhm nehmen will" (3. November 1914). Der Wiener fühlt sich "als Deutscher", meint, "jenes Schicksal des Weltmisstrauens, das ich vom Judentum her kenne", in der Propaganda gegen die Deutschen wiederzufinden. Ende 1915 besinnt er sich auf österreichische "Liberalität" und tut gut daran.

Die Humanisten greifen nun zu harten Bandagen. Rolland ermahnt Zweig, im Namen der deutschsprachigen Intellektuellen gegen Krieg und Obrigkeit zu protestieren: "Ich verstehe die persönlichen Gründe Ihres Schweigens vollkommen, mein lieber Freund. Aber ich beklage Ihr universelles Schweigen." Das ist gemäßigter als der offene Brief an Gerhart Hauptmann aus dem August 1914 (später Teil von Rollands Essaysammlung "Über dem Getümmel", 1915), in dem Rolland Hauptmann aufgefordert hatte, "die Stimme gegen die Hunnen, die Sie kommandieren, zu erheben". Es ist dennoch von wünschenswerter Deutlichkeit.

Die Rolle des kritischen Intellektuellen liegt Zweig weniger: Er ist Gesinnungsethiker und sein Verständnis von medialer Öffentlichkeit mitunter vordemokratisch - der Unterschied zwischen dem demokratischen West- und dem obrigkeitsstaatlichen Mitteleuropa wird greifbar. Am 19. Januar 1915 schreibt er, "die Regierungen haben bei uns den Zeitungen jede Discussion über Friedensformen, Entschädigungen etc. verboten, was sehr klug ist, weil die Lächerlichkeiten der französischen Presse, die Deutschland im Voraus ,aufteilten' und jetzt noch sich gegenseitig seine zerfetzten Glieder zuweisen, bei uns vermieden sind". Lächerlichkeiten sind der Preis für Pressefreiheit: Der Dünkel eines Bürgertums, das aus Angst vor Sittenverfall willig die Kandare in den Mund nimmt, erschreckt. Schließlich überzeugt manch nationales Vorurteil Zweigs, etwa gegen England, kaum.

In großen Fragen zeigt Rolland sich realistischer, auch kalkulierender: Seine Liebe zur Menschheit ist ein Erbarmen, "das sich aus viel Mitleid und viel Ironie zusammensetzt". Zweig ist eher naiv, hofft auf ein rasches Kriegsende und eine Annäherung der Völker; die Soldaten hätten sich im Felde schätzen gelernt. In Geschäftsdingen allerdings zeigt er sich gewitzt: Er ermuntert Rolland, Prozente auf seine übersetzten Werke zu nehmen, um nicht den Verlegern allen Profit zu lassen.

Der Krieg dauert, die Gemüter beruhigen sich: Sogar der Stil der Korrespondenten nähert sich an, wie Peter Handke in seinem Begleitwort festhält. Rolland und Zweig gelingt es, sich in zentralen Punkten zu einigen: der Wille zu Frieden und Völkerverständigung, das Misstrauen gegenüber den Eliten, das Vertrauen auf das Volk, die Pflege des Humanen. Einig sind sie sich auch über die "ungeheure Macht der Zeitungen", über die Zweig Ende 1915 schreibt: "Nie hat die Welt so sehr unter dem Zwang des Wortes gelebt, und das Erstaunlichste war, dass eine Zeitlang bei allen Völkern die Worte mehr Wirklichkeit hatten als die Taten, die Wirklichkeit selbst." Gleichwohl bedienen sie sich ihrer jeweils auf geschickte Weise.

Beide Autoren sind in ihren Ländern isoliert. Sie helfen einander und ihren Bekannten, so Rilke, dessen Pariser Wohnung zwangsgeräumt wurde. Sie treffen sich auf neutralem Grund, in der Schweiz: Von 1917 an weilt Zweig mit seiner Lebensgefährtin Friderike von Winternitz dort; es gelingt ihm, sich vom Dienst suspendieren zu lassen. Er beginnt eine Biographie Rollands, sein "Bekenntnis zu einem Menschen, der mir und manchem das stärkste moralische Erlebnis unserer Weltwende war". Da ist er wieder, der schäumende Enthusiasmus.

Interessant ist der sorgfältig übersetzte und edierte Briefwechsel, weil er das Gegenstück bietet: Es beeindruckt, wie hier zwei Intellektuelle um die Möglichkeit eines Friedens ringen, mit sich, mit dem anderen. Und es erlaubt, beide neu zu entdecken. In ihrer Freundschaft waren sie Zukunftsträger, über ihr Werk hinaus.

Romain Rolland, Stefan Zweig: "Von Welt zu Welt". Briefe einer Freundschaft 1914-1918.

Mit einem Begleitwort von Peter Handke. Aus dem Französischen von Eva und Gerhard Schewe (Briefe Rollands) und Christel Gersch (Briefe Zweigs). Aufbau Verlag, Berlin 2014. 462 S., geb., 24,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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